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Aus Liber Historium
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Zeit: 02. Rondra 1030 - 20. Rondra 1030 BF

Region: Norburg

Beteiligte: Lana Adersin-Nagraskjaleff, Aedin Adersin

Erwähnungen: Ischtan Nagraskjaleff, Tiro Nagraskjaleff, Maria

Auszug aus Lana Adersin-Nagraskjaleffs Tagebuch:

02. Rondra 1030

Es war so seltsam! Wir betraten Norburg durch das Stadttor und ich fühlte mich in der Zeit zurückgesetzt, fast so wie damals, als Aedin und ich in unseren kindlichen Körpern feststeckten. Ich zeigte Aedin die Sehenswürdigkeiten, die auf dem Weg nach Hause lagen und versuchte meine Nervosität über das Wiedersehen mit meinem Vater zu überspielen, indem ich Witze riss. Aber es war dann doch nicht so schlimm. Tiro scheint Aedin zu akzeptieren wie er ist, sie haben sich zumindest recht normal und höflich unterhalten und mein Vater… selbst er war freundlich, nachdem er sich mit Aedin unter 4 Augen unterhalten hatte. Worum ging es dabei? Ich zeigte Aedin das Haus und als er mich nach der Tür meiner Mutter fragte, brach alles aus mir heraus. Die verdrängten Erinnerungen an sie, ihr glockenhelles Lachen, die seltsame Wandlung ihres Charakters und die traurige Zeit nach ihrem Tod. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass mein Vater mich anlog, als er behauptete, sie hätte bei Tiro’s Geburt zu viel Blut verloren und sei deshalb gestorben. Als wir dann in meinem Zimmer eine alte Kiste fanden, die meine Mutter hier versteckt hatte, als ich noch keine 3 Jahre alt gewesen war, untersuchte sie Aedin mittels eines Analys und fand heraus, dass sich darin ein Buch befand, das von einem Netz an Beherrschungszaubern durchwebt worden war. ‚Die Dreizehn, Lobpreisungen des Namenlosen‘, was hat es nur damit an sich? Wir beschlossen dem Geheimnis meiner Mutter auf die Spur zu gehen, indem wir uns ihr Zimmer ansehen würden sobald mein Vater schlafen ging. Ich kochte in der Zwischenzeit noch ein Abendmahl und erfuhr von Aedin endlich, weshalb er von seinem Essen immer etwas am Teller übrig ließ. Mindergeister! Es scheint sie zu besänftigen. Wir alberten dann noch etwas herum, als ich ihm meine Theorien über sein Essverhalten offen legte und Aedin bekam einen weiteren, inoffiziellen Titel: 'Der Magus, der mit einem Kanten Brot einen mächtigen Dämon in Schach hält, der ihn schon Jahre lang verfolgt'. Ich rechne damit, dass ich nach dem Besuch in Mutter’s Zimmer sicher zu müde sein werde, um dir von unseren Entdeckungen zu berichten. Deshalb vertröste ich dich jetzt schon mal auf Morgen, aber ich bin mir sicher, dass wir sowieso nichts Interessantes finden.

03. Rondra 1030

Liebes Tagebuch. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Wir betraten das Zimmer meiner Mutter noch in der Nacht und fanden dort die seltsamsten Dinge. Eine schwarze Robe, ein Magierstab, ein fehlerhafter Bannkreis, etliche Bücher und Aufzeichnungen und sogar noch Briefe von meiner Mutter an mich. Wir nutzten die Nacht um uns alles anzusehen und wie sich herausstellte, floh meine Mutter wohl aus einer Art Kult, der sich dem Namenlosen untergeordnet hatte. Dabei nahm sie ein Erbstück mit und versteckte es in meinem Zimmer. Ja, du hast es richtig erkannt. Es handelte sich dabei um jenes Buch, das wir in meinem Zimmer gefunden hatten. Die Familie meiner Mutter, allen voran mein Großvater, Ivan, entführte mich, als ich noch ein Kleinkind war. Meine Mutter wusste keinen anderen Ausweg, als einen Dämon um Hilfe zu ersuchen. Dabei ging wohl einiges schief, auch wenn ich am nächsten Tag unversehrt vor der Tür stand und davon sprach, ein Ungeheuer hätte meinen Onkel gefressen, denn im letzten Brief an mich schrieb sie davon, dass es ihr das Herz brechen würde, aber sie sich nun opfern müsste um das Leben von Tiro und mir vor dem Dämon zu retten. Nach der Geburt von meinem Bruder am ersten namenlosen Tag verschwand sie spurlos in ihrem Zimmer. Aedin und ich beließen es für’s erste dabei und nach einem herrlichen Frühstück bei Maria brachten wir das Buch von meinem Schrank in die Halle des Lebens. Aedin schaffte es geschickt, ihnen das Buch zu überlassen, ohne dass Fragen gestellt wurden. Um mich etwas von den Gedanken an meine Mutter abzulenken, zeigte ich Aedin meine Insel und das Baumhaus. Es war sehr schön dort und sehr romantisch! Beim Mittagessen trafen wir wieder auf Tiro, der uns einlud, mit ihm am Abend zur ‚Ogerfaust‘ zu gehen. Aedin stimmte zu, was ich überhaupt nicht verstehen konnte, immerhin ist das eine üble Spelunke! Wir erledigten noch einige Besorgungen am Marktplatz und begaben uns Abends dann in die besagte Kneipe. Tiro und Aedin schienen sich gut zu unterhalten, aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass sich zwischen den beiden etwas seltsames abspielte. Was war nur los mit ihnen? Oder war das einfach nur so ein Männer-Ding?

04. Rondra 1030

Die Nacht verbrachten wir am Heuboden des Stalles! Es war wunderschön und nachdem wir ausgeschlafen hatten, gingen wir frühstücken. Meine gesamte Familie saß am Tisch und Aedin erkundigte sich, ob jemand wisse, wo man Alchimika und Artefakte erwerben könne. Tiro verwies uns an ‚den alten Botsch‘, etwa eine Stunde außerhalb Norburgs, worauf wir auch gleich die Pferde sattelten und losritten. Tatsächlich hatte der Alte ein mit einem Objecto voco belegtes Artefakt! Als Gegenleistung sollten wir ihm drei Pflanzen bringen, wobei eine davon nur im verwunschenen Wald, etwa zwei Stunden entfernt, wuchs. Wir machten uns also auf und am Rande des Waldes sahen wir einen monströsen Bären, der aber wohl nur eine Illusion war oder dergleichen um Eindringlich abzuschrecken. Nachdem der Bär nicht mehr zu sehen war, kamen wir problemlos bis zu dem See, der sich als sehr heimtückisch herausstellte und mir fast das Leben kostete. Ich kann jetzt schon nicht mehr sagen, was davon wirklich geschehen war und was ich mir eingebildet hatte. Spielten Halluzinogene von Pflanzen und Tieren eine Rolle? So oder so, ich wurde in das Wasser gestoßen, vermutlich von Ranken und Aedin zog mich wieder heraus, wobei er aber selbst im Wasser landete und schließlich versank. Er war ewig nicht zu sehen, weshalb ich mir das Floß, das er gebaut hatte, schnappte und auf den See fuhr. Was danach geschah, weiß ich nur noch schemenhaft. Ich wurde von einem Hai gejagt, Gräser und Pflanzen schnitten mir in die Füße und betäubten mit ihrem Sekret meine Hände. Unter Wasser sah ich abertausende von Skeletten und Schädeln und ich weiß noch, wie groß meine Angst war. Selbst jetzt, beim bloßen Gedanken daran schlottern meine Knie immer noch. Zuletzt versuchte eine große Pflanze mich zu ertränken und zu fressen und ich entkam ihr gerade noch so, wurde dabei aber von Schlamm, der auf meiner Kleidung haftete, tief nach unten gezogen. Ich rechnete schon mit meinem Tod, sah nur noch Schemen um mich herum und meine Lungen drohten zu zerplatzen. Vor mir bewegte sich ein großer Schatten auf mich zu und ich schleuderte ihm mit letzter Kraft einen Fulminictus entgegen, ehe die Dunkelheit mich umfing. Als nächstes spürte ich den Druck von Aedin’s Händen, der mir das Seewasser aus den Lungen presste. Ich sag es dir, liebes Tagebuch. Schon wieder rettete mich ein Transversalis Aedin’s und schon wieder konnte ich diese Erfahrung gar nicht genießen! Ich bat ihn darum, mir den Zauber beizubringen, doch er verneinte mit der Begründung, dass es ein sehr schwieriger Zauber sei und man ihn nur sehr bedacht weiterreichen sollte. Nachdem ich mich einigermaßen ausgeruht und Aedin’s Balsam seine Wirkung voll entfaltet hatte gingen wir zurück zu dem Alten um das Artefakt abzuholen.

07. Rondra 1030

Wir waren die letzten Tage in einem Berghotel und hatten dieses für uns alleine. Auch die heißen Quellen, in denen Aedin und ich die Abende verbrachten. Die Stimmung war wunderbar und der Sternenhimmel so klar wie ich ihn selten gesehen hatte. Dass wir uns unter diesen Bedingungen kaum bremsen konnte, sollte wohl selbstverständlich sein? Und ja, mein viel zu neugieriges Tagebuch. Darauf hast du wohl nur gewartet! Aber ich erzähle dir keine Einzelheiten, das kannst du vergessen! Doch so viel kann ich dir verraten: Die Tage waren heiß. Furchtbar heiß! Ich wünschte, du könntest mein breites Grinsen sehen, das sich in mein Gesicht stiehlt, wenn ich an die Dinge denke, die wir gemacht haben… Aber genug! Zurück zu den restlichen Neuigkeiten. Wir verwendeten das Objecto voco Artefakt um den Stab meiner Mutter zu befragen. Leider schwieg er. Auf keine einzige unserer Fragen bekamen wir eine Antwort, selbst Aedin kann sich das nicht erklären. Wir müssen also doch den letzten Plan, den wir haben, in die Tat umsetzen: Mit meinem Vater reden. Außerdem erzählte Aedin mir von den Linien auf seinem Rücken, jetzt wo ich sie eingehend betrachten konnte. Sie scheinen zu einem Ritual zu gehören, das Aedin in seiner Kindheit durchgemacht hat und das ihm nun einen teilweisen Schutz vor Dämonen bietet. Er kennt nicht alle Aspekte des Rituals und über die Linien weiß er auch nicht alles, aber er forscht schon seit einiger Zeit daran.

10. Rondra 1030

Tiro hatte Norburg verlassen um nach Festum zu gehen, da waren wir noch im Hotel. Ich vermisse ihn, doch meine Verärgerung über ihn ist um einiges größer. Wie konnte er ausgerechnet jetzt gehen, wo ich hier bin? So haben wir zumindest das Haus fast für uns alleine, denn Vater war auch die meiste Zeit unterwegs. Heute Abend aber konnten wir ihn endlich auf das Geschehen von damals ansprechen. So emotional dieses Gespräch auch war, es brachte uns auch nicht weiter. Er konnte mir nur erzählen, dass meine Mutter am ersten namenlosen Tag Tiro auf die Welt gebracht hatte und schon während der gesamten Schwangerschaft zurückgezogen in ihrem Zimmer lebte. Er schob es auf die Hormone, doch Aedin und ich wissen es besser, es hatte sicherlich etwas mit dem Dämon zu tun. Über Nacht verschwand sie einfach spurlos und ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Er glaubt, Schwarzmagier hätten sie geholt oder ihre Familie, von der er nichts näheres weiß, als dass sie einem gefährlichen Kult angehören. Wo sich die Familie heute aufhält, ist ihm auch nicht bekannt und er bat mich, sie nicht zu suchen um mich nicht in Gefahr zu bringen. Damit beließen wir es auch, die Vergangenheit meiner Mutter würde wohl weiterhin ein Rätsel bleiben, wenn auch ein kleineres als zuvor.

15. Rondra 1030

Maria hat Aedin in’s Herz geschlossen und umgekehrt ist es wohl genau so. Was wird sie mir doch fehlen… spätestens wenn wir unterwegs mal wieder nur Trockenfleisch zum Rumkauen haben. Wir nutzten den heutigen Tag um die persönlichen Gegenstände meiner Mutter heimlich aus dem Haus zu schaffen um sie auf meiner Insel zu verstecken. Wir gruben ein großes Loch beim Baumhaus und legten alles, das besser nicht in fremde Hände gelangen sollte, hinein. Ihre Tagebücher, ihre Aufzeichnungen, ihre Robe, den Stab und sogar die Briefe an mich. Niemand sollte je an diese Erinnerungen gelangen und als ich die Dinge gerade mit der Flamme meines Stabes entfachen wollte, brach ich in Tränen aus. Ich brachte es einfach nicht über das Herz und ich benötigte viel zu viele Minuten, bis ich mich wieder beruhigt hatte. Aedin schlang seine Arme tröstend um mich und gab mir alle Zeit der Welt. Nachdem ich wieder ruhig atmen konnte und von keinem Schluchzen mehr unterbrochen wurde, schlug er mir vor, die Habseligkeiten meiner Mutter erst mal nur zu vergraben und sollte ich eines Tages soweit sein, sie komplett zu vernichten, dann würden wir zurückkommen um unser Werk zu vollenden. Ich nickte stumm und sah Aedin zu, wie er das Loch Erde für Erde zuschüttete. Meine liebste Mutter. Ich habe dich nicht vergessen und werde es auch nie. Vielleicht kommst du eines Tages zu mir zurück. Deine Sachen und ich werden auf dich warten.

20. Rondra 1030

Mein Vater wirkte sehr traurig, als wir das Haus verließen um Richtung Punin aufzubrechen. Ich wünschte, er wäre einfach wie Tiro abgehauen damit ich mich nicht verabschieden müsste, jedoch blieb mir das nicht erspart. Wir umarmten uns unbeholfen, aber es war ein schönes Gefühl und als er Aedin eindringlich sagte, dass er auf mich acht geben solle, musste ich grinsen. Mein Vater versuchte es sich in den letzten Tagen nicht anmerken zu lassen, doch ich durchschaue ihn! Er hat Aedin wirklich gern und ich glaube, er wünscht sich sogar, dass wir weiterhin gemeinsame Wege gehen. Ich wünsche mir das übrigens auch, denn ich kann mir eine Zukunft ohne diesen Prachtkerl von Magier vorstellen.