Die Verteidigung von Blaustein

Aus Liber Historium
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Zeit: 15. Travia 1034

Region: Warunkei, Blaustein

Beteiligte: Maximus Donnerkrach von Donnerbach, Schar'Kar Kuir

Erwähnungen: Osko von Blaustein, Striga Gerdenwald, Vermis, Ferling, Meoran (Avalas Vater), Tirnali (Avalas Mutter), Vlad (Avalas Onkel), Borbaranko Tobritsch (Rechte Hand Strigas), Stoiko Okenheld (Anführer Soldaten)

Aus Lana Adersin-Nagraskjaleffs "Wohin mein Weg auch führt - Maximus Donnerkrach"

15. Travia 1034 (Tag 1)

Ich wache in einem fremden Bett auf und das erste, das mir auffällt, ist, dass ich nackt bin. Aus den Fensterläden dringt etwas Licht, obwohl diese zu sind und meine Ausrüstung, sowie mein Gewand liegen im Zimmer. Aber wieso bin ich hier und wie bin ich hierhergekommen? Hab ich wieder zu viel getrunken? Ich habe doch aufgehört, also daran kann es nicht liegen. Und wo ist eigentlich Avala? Ich bin doch nach einem schönen Abend mit ihr eingeschlafen... Nachdem ich ihre Sachen nicht sehen kann, beginne ich mich anzuziehen, um der Sache hier auf den Grund zu gehen. Beim Aufheben meines Wappenrockes fällt etwas heraus und ich nehme neugierig den runden Gegenstand in meine Hand. Avalas Perle! Ich betrachte sie und bin erleichtert, dass sie nicht kaputt zu sein scheint, anschließend wickle ich sie in ein Stück Stoff und stecke sie in meinen Rucksack. Nachdem ich mir auch meine Ausrüstung umgelegt habe, verlasse ich das Zimmer.

Ich gehe die Treppe runter Richtung Schankraum und höre dabei Stimmen auf Garethi, allerdings ist mir der Dialekt fremd. Als ich die Menschen erblicke erkenne ich, dass alle bewaffnet sind und neben ihnen ein Helm liegt. Zu 7. sitzen sie an zwei Tischen, vermutlich gehören sie einem Kampftrupp an. Ein Wirt ist nicht zu sehen. Etwas entfernt sitzt noch ein Echsenmensch, den ich interessiert beobachte, nachdem ich mich zum leeren Tresen setze und die Gruppe verlässt in der Zwischenzeit das Gebäude.

Der Fremde packt seine Sachen und stapft zu mir hinüber, um mich mit zusammengekniffenen Augen anzusehen. Ich grüße ihn mit „Rondra zum Gruße“, er antwortet mit „zum Gruße.“ Er weiß nicht wie er hergekommen ist und was er hier macht und ich fühle sofort eine Verbundenheit zu ihm. Ich stelle mich nach dem kurzen Austausch als Maximus Donnerkrach von Donnerbach, Knappe der Göttin Rondra vor und er schüttelt mir die Hand, da dies ein, seiner Meinung nach „menschliches Begrüßungsritual“ sei. Anschließend stellt er sich als Shar Kar Kuir vor und sagt, dass ihn die Menschen meistens nur Kuir nennen.

Ich vernehme von draußen gerufene Befehle: Die Soldaten sollen sich zu ihren Rotten begeben, da sie gleich losziehen. Deshalb verabschiede ich mich von Kuir und gehe nach draußen, um einen der höhergestellten Reiter, die mit etwa 30-40 Fußsoldaten losziehen, abzufangen.

Ich erfahre von ihm, dass sie gegen die schwarzen Lande ziehen und ich mich in der Warunkei befinde. Er meint auch, dass ich mich ihnen als Doppelsöldner anschließen kann, woraufhin ich ablehne, da ich noch andere Pflichten habe. Ich verabschiede ihn mit den Worten „Möge Rondra mit Euch sein.“ Der Mann gibt mir noch eine Warnung mit, dass das Dorf hier bald dem Erdboden gleichgemacht wird und sie deshalb zum nächsten Truppenplatz gehen. Anschließend ziehen sie Richtung Norden ab und mir fällt beim Hinterhersehen auf, dass Kuir neben mir steht.

Als wir uns wieder dem Dorf zuwenden sehen wir, dass die Dorfbewohner, die bis eben alle noch in ihren Häusern waren, wieder herauskommen und ihrem üblichen Tagwerk nachgehen. Interessiert suche ich das Gespräch mit Kuir und erfahre, dass er aus der Region von Al’Anfa kommt und herausfinden möchte, wie er hergekommen ist. Ich erwidere, dass ich es viel wichtiger finde herauszufinden, wie ich wieder zurückkomme.

Auf einer Anhöhe sehe ich eine kleine Burg aus hellblauem Stein und sofort weiß ich, dass das unsere erste Anlaufstelle sein wird. Auf dem Weg spreche ich allerdings noch mit den Dorfbewohnern, um mehr über diesen Ort herauszufinden. - Der Name des Dorfes ist „Blaustein“ - In der Burg sitzt ein Adliger - Die nächste größere Stadt Warunk ist 20 bis 30 Meilen südwestlich von hier - Die Bewohner leben in schweren Zeiten, da hier immer wieder kämpfende Leute vorbeiziehen, sie wehren sich aber nicht, sondern lassen sich alles nehmen, um Konflikte zu vermeiden.

Ich biete Kuir an, mich zu begleiten und so gehen wir auf die Anhöhe, um dort nach dem Rechten zu sehen. Das Holztor ist verschlossen, doch nach einem Klopfen von Kuir schaut jemand von der Mauer hinunter. Ich stelle mich mit den Worten: „Maximus Donnerkrach aus Donnerbach, Knappe der Göttin Rondra, ich möchte mit dem Herrn des Haueses sprechen.“, vor. Bei dem Wort Rondra scheppert es oben und wenig später öffnet ein Mann in Gambeson und mit leichter Armbrust die Tür. Wir werden eingelassen.

Wir gehen den Weg entlang am Stall, der kleinen schmiede und dem Silo vorbei zum Hauptgebäude und hören dort Stimme. „Ihr müsst entweder die Dorfbewohner einlassen oder wegziehen lassen.“ – „Wir sind schon gewohnt, dass diese Truppen ein- und ausmarschieren. Hauptsache es bleiben uns genügend Vorräte für den Winter. Ihr habt ja keine Ahnung, wie es hier läuft, wir handhaben das wie immer.“ Als wir das Gebäude betreten erkenne ich einen etwas älteren Avesgeweihten, der mit dem Junker, der auf seinem Thron sitzt, spricht. Es folgen noch einige Worte, die ich höflich abwarte und als der Avesgeweihte den Saal verlässt, trete ich an seine Stelle. Der Junker, Okso von Blaustein, erklärt mir bereitwillig, dass er seine Leute keinem Avesgeweihten hinterherschicken wird, da ihr Dorf hier unbedeutend ist für den Krieg und daher nie etwas Gravierendes passiert. Außerdem informiert er mich über die Ratschen, die ertönen, wenn die Dorfbewohner in die Burg flüchten sollen.

Plötzlich kommt ein Mann schwer atmend hereingestürmt: „Herr Junker, die Truppen kommen, die Truppen kommen jetzt!“ Okso atmet kurz ein und aus: „Macht die Ratschen bereit!“, woraufhin der Bote und eine Wache nach draußen laufen. Kuir lässt sich in der Zwischenzeit zum Schutz der Burg von dem Junker anheuern. Auch ich soll mich ihm anschließen, worauf ich ihm versichere, dass ich schauen werde, was ich tun kann. Kuir bietet dem Junker an ihn gegen Dukaten zu schützen -> kriegt Sold für 7 Tage, kann mich lt Junker anschließen -> Ich schau, was ich tun kann

Wir gehen nach draußen und ich sehe noch wie der Avesgeweihte eine Bogenschützin der Wache mitnimmt, doch darüber mache ich mir keine Gedanken. Die Leute sind draußen im Dorf sind nicht so panisch, wie ich eigentlich erwarte und ich ahne, dass es daran liegt, dass die Leute diese Prozedur schon gewohnt sind. Der Avesgeweihte läuft dennoch zwischen den Leuten hin- und her und versucht die, die hier draußen bleiben wollen, dazu zu bewegen, die Burg aufzusuchen. Ich möchte die Leute ihrem Tagwerk nachgehen lassen und mich hier nicht allzu sehr einmischen, schließlich wissen sie mit dieser Situation besser umzugehen als ich. Kuir und der Avesgeweihte versuchen sie dennoch zu überzeugen, der Echsenmensch erwähnt auch, dass Dämonen kommen werden. Er hat sie wohl gewittert. Dann wende ich mich ebenfalls an die Gemeinde, als ich die Banner in der Ferne erblicke. Ich habe nicht vor, sie dazu zu bringen, die Burg aufzusuchen. Ich zeige ihnen lediglich auf, was sie hier draußen erwarten könnte und was drinnen. Ich rede ihnen ins Gewissen, dass sie sich ganz sicher sein müssen mit ihrer Entscheidung und auch an ihre Kinder denken sollen, die noch zu jung sind, diese selbst zu fällen. Daraufhin packen einige Leute ihre Sachen zusammen und machen sich teilweise mit Kindern auf zur Burg.

Als ich mich ebenfalls Richtung Burg aufmache, sehe ich einen Schatten über mich hinwegfliegen und mich überkommt ein unangenehmer Schauer. Eine riesige geflügelte etwa 13 Schritt lange Schlange gleitet über uns hinweg. Geschichten, Sagen und Legenden kommen mir in den Sinn und ich schlussfolgere, dass es sich dabei um einen Dämon namens „Karakil“ handelt, der im Krieg den Anführer transportiert. Diese Anführer sollen auch mächtig genug sein, Feuer herabregnen zu lassen.

Kuir hebt den Arm, zeigt auf den Himmel und ruft: „Seht, da oben ist Euer Verderben!“, woraufhin Panik ausbricht und die Dorfbewohner schnell zur Burg laufen. Etwa eine Hälfte davon bleibt zurück und verschanzt sich in ihren Häusern. Ich stehe vor der Entscheidung, die Burg zu verteidigen oder hier draußen bei den Leuten zu bleiben. Schnell habe ich mich dazu entschlossen, zur Anlage zu gehen, da ich alleine hier draußen sowieso nicht viel ausrichten kann. So kann ich wenigstens denen helfen, die Schutz suchen.

Gerade rechtzeitig betreten Kuir und ich die Burg, ehe das Tor hinter uns verriegelt wird. Der Echsenmensch versucht die Menschen dazu zu motivieren, ehrgeizig gegen den Feind zu kämpfen und ich unterstütze ihn mit einem Stoßgebet. Woran genau es liegt, kann ich nicht sagen, aber die Dorfbewohner suchen daraufhin das Weite und verschwinden in den Gebäuden. Kuir inspiziert in der Zwischenzeit die Verteidigung der Anlage, während ich mich an die Zinnen stelle, um in die Ferne zu blicken.

Es dauert nicht lange, da kommen sieben Reiter mit einem Banner, auf dem ein kahler Baum abgebildet ist, auf uns zugeritten. Sie bleiben vor dem Tor stehen und einer erhebt die Stimme: „Der Burgherr soll die Burg aufgeben. Wir nehmen jetzt Blaustein ein.“ Bevor ich etwas erwidern kann, fährt Kuir ihm drüber: „Die Burg wird nicht aufgegeben!“ Ich nicke. Daraufhin erwidert der Reiter mit Blick auf Kuir: „Selbst wenn Ihr einen Dämon auf Eurer Seite habt, wird das nicht reichen.“ Nun bin ich es, der sich einmischt und überzeugt hinunterruft: „Wir haben keinen Dämon an unserer Seite, sondern die Götter!“ Unbeeindruckt wird uns mitgeteilt, dass wir bis Sonnenunterganz Zeit haben, die Burg zu verlassen. Anschließend verschwinden die Reiter wieder.

Wir gehen zum Junker, der gerade eine Rüstung angezogen bekommt, und berichten Ihm das Geschehen. Er macht uns klar, dass die Burg Blaustein nicht in die Hände von anderen gelangen darf und ich entwickle einen Plan. Ein Späher ist laut dem Junker schon unterwegs, deshalb bitte ich Kuir, als mein Bote zu fungieren. Er soll zum Lager der Feinde reiten und ihnen berichten, dass ich den Anführer der Truppen um ein Gespräch auf neutralem Boden, dem östlichen Wald, bitte. Ich weiß, dass Druiden sehr naturliebend sind und ich denke er könnte uns unterstützen, falls die generische Partei dort einen Angriff auf uns plant. Kuir ist zwar nicht begeistert, nimmt dann aber ein Banner von Blaustein und reitet mit einem geliehenen Pferd los.

Auch ich wähle ein Pferd, zu dem ich ein gutes Gefühl habe und mache es fertig. Danach bitte ich in der Waffenkammer um einen Helm, den ich gewährt bekomme. Zuletzt möchte ich meine Zeit des Wartens damit verbringen, dem Junker noch einige Informationen zu unserem Gegner zu entlocken. - Es handelt sich dabei um die Truppen von Striga Gerdenwald - Das Banner ist der Baum mit der Dämonenfratze - Sie ist im südlichen SChwarztobrien als Landvogt eingestellt und plündert normalerweise nur - Er denkt, dieses Mal sucht sie etwas oder jemanden hier - Die einzige Veränderung die ihm einfällt ist, dass heute zwei Geweihte und ein Echsenmensch mit ihm gesprochen haben - Blaustein hat keine Verbündete, nur Friedensverträge - Bis jetzt wurde nichts unternommen, weil sie nicht genügend Kampfkraft haben und sie auch immer verschont wurden

Mit Kuir gemeinsam reite ich schließlich los, um mich im östlichen Wald mit Striga zu treffen. Dort kommt uns der Mann mit dem Hörnerhelm, der Anführer der Bannerreiter und zwei weiteren dieser Truppe entgegen. Er stellt sich als die Rechte Hand von Striga vor und ich spüre ein unangenehmes Ziehen in meiner Magengegend. Was fällt ihr ein, mich nicht selbst aufzusuchen? Er fragt: „Seid Ihr hier, um uns Eure Kapitulation mitzuteilen?“ Ich versuche ihm zu erklären, dass wir nach einer diplomatischen Lösung suchen, doch ich werde von einer seltsamen Stimme, die von überall her kommt, unterbrochen: „Was habt ihr hier zu suchen und wieso habt ihr es hierher gebracht?“ Die anderen Reiter werden hektisch, weil sie glauben, wir haben einen Hinterhalt geplant, ich hingegen bin in dem Moment einfach verwirrt. Zeitgleich fliegt mein Rucksack ein Stück hoch und die Perle von Avala sucht sich ihren Weg hinaus, um glühend in der Luft zu schweben. Ich will danach greifen, doch etwas zischt aus dem Wald heraus und trifft die Perle mittig, woraufhin mich ein Lichtblitz aus der Kugel heraus blendet.

15. Travia 1034 (Tag 2)

Ich wache auf und greife nach Avala, doch sie ist nicht hier. Stirnrunzelnd setze ich mich auf und stelle fest, dass ich nackt bin. Moment… das ist seltsam. Was habe ich da eben geträumt? Und wo bin ich? Als ich mich anziehen möchte und Avalas Perle wie gestern aus meinem Wappenrock kullert, wird mir klar, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt und spätestens als ich Kuir draußen nach mir rufen höre trifft mich fast der Blitz. Kann es sein?

Kuir erzählt mir draußen, dass der Tag genau so wieder begonnen hat und ich betrachte die Perle näher, während Kuir die Kugel seines Stabes in Augenschein nimmt. In beiden scheint Sand zu rieseln, aber ich erlaube ihm nicht, das wichtige Erinnerungsstück von Avala magisch zu untersuchen.

Draußen möchte ich zuerst mit dem Anführer der Truppen sprechen, aber aktuell scheint er noch nicht da zu sein. Stattdessen sehe ich den Avesgeweihten, wie er auf die Burg zugeht und ich fange ihn gemeinsam mit Kuir ab. „Aves zum Gruße.“, sage ich. „Rondra zum Gruße, wie kann ich Euch helfen?“ Ich erkläre ihm, dass ich auf der Suche nach einem bestimmten Avesgeweihten bin, aber seinen Namen nicht kenne. Er stammt aus Warunk und ist der Lehrmeister von Avala. Leider kennt er ihn nicht, auch die Perle ist ihm unbekannt. Kuir und er tauschen ein paar Worte aus, ehe uns der Geweihte erklärt, dass er auf dem Weg zur Burg ist. Wir begleiten ihn und dabei finden wir heraus, dass sein Name Vermis ist, aber nein, er kennt Avala immer noch nicht. Und das, obwohl ich mir sicher bin, dass ihr Lehrmeister ebenfalls so heißt. Kuir fragt zwischenzeitlich, wer Aves überhaupt ist und nachdem Vermis ihm etwa 10 Beinamen nennt, kläre ich ihn auf, dass Aves der Sohn von Phex und Rahja ist. Kuir ist sehr irritiert darüber, dass die Götter Sex haben und ich muss darüber doch ein wenig lachen.

Beim Junker angekommen warnen wir ihn vor dem Dämonen und ich komme kurz in Not, als er mich fragt, woher wir das wissen. Kuir wirft ein, dass er es in seiner Kristallkugel gesehen hat – puh, gerade noch davongekommen. Wir versuchen ihn davon zu überzeugen, dass er seine Leute schützen muss, er fragt hingegen, ob wir Waffen gegen Dämonen haben. Das Gespräch entwickelt sich in eine andere Richtung, plötzlich geht es darum, ob wir den Dämon töten können und ich sehe noch im Augenwinkel, wie Vermis den Kopf schüttelt und geht. Auch ich bin mit meinem Bosparano am Ende, der Herr von Blaustein will sich einfach nicht überzeugen lassen. Zuletzt versucht Kuir nochmal, das Ruder herumzureißen: „Ihr solltet in Eurer unendlichen Weisheit auf die Jungen hören, wenn Ihr nicht von der nächsten Generation abgesetzt werden wollt.“ Der Junker sagt, wir sollen gehen, wenn wir nicht rausgeworfen werden wollen und ich versuche die Situation noch zu retten. Doch er schneidet mir das Wort ab. „Ich habe gesprochen!“ Missmutig ziehe ich Kuir nach draußen.

Der Tag scheint weniger erfreulich, denn als ich den Stallburschen um ein Pferd bitte, winkt er ab, er dürfe mir keines geben, wenn mich der Junker nicht schickt. Dass mich Rondra schickt, scheint ihm herzlich egal zu sein. Diese Leute hier… Aber gut, nachdem ich hier in der Burg nicht weiterkomme und auch nicht mehr erwünscht bin, stelle ich mich einfach draußen vor das Tor und warte dort mit Kuir auf die Bannerreiter. Wir nehmen ihre Nachricht zur Kenntnis, berichten ihnen, dass Burg Blaustein nicht kapitulieren wird und ich frage zusätzlich nach, was es ist, wonach sie suchen. Wir erfahren lediglich, dass sich etwas Hochmagisches in der Burg befinden soll und nachdem Kuir ihn erfolglos zum Kampf herausgefordert hat und ich es abgelehnt habe, für sie zu kämpfen, reiten sie von dannen.

Bei einem späteren Gespräch mit Kuir finde ich heraus, dass er sich Kristallomant nennt, was wohl eine spezielle Art von Magier ist.

Wir sind auf dem Weg zum Druidenwald, da ich hoffe, er könne uns Auskunft über das Geschehen geben. Im Wald selbst rufe ich laut, dass wir nichts Böses wollen, sondern verhindern, dass in der Umgebung Blut vergossen wird. Ich lasse Kuir vor den Wald, um die Umgebung im Auge zu behalten und warte selbst an dem Ort, an dem wir uns mit den Bannerreitern getroffen hatten. Dabei fällt mir nach etwa einer Stunde auf auf, dass der Sand in der Perle fast leer ist, wohingegen Kuir außerhalb sieht, dass seine Kristallkugel fast voll damit ist. Ich erfahre später auch, dass er sieht, wie der Karakil über das Dorf hinwegfegt und Feuer herabregnet, woraufhin die Häuser in Flammen aufgehen. Außerdem sind die Bannerreiter ebenfalls dort angekommen.

Die Perle von Avala schwebt hoch, doch dieses Mal bin ich vorbereitet und ich umfasse sie rechtzeitig mit meiner Hand, um zu verhindern, dass sie nochmals zerstört wird. Stattdessen bohrt sich ein schwarzer Dolch in meine Hand, um anschließend wieder in den Wald zurückzufliegen. „Ihr begeht einen Sumufrevel! Die Perle gehört nicht hier her, also lasst sie mich zerstören.“, höre ich die fremde Stimme. „Aber ich muss den Angriff auf die Burg verhindern!“ – „Dann lass sie mich zerstören.“ Die Stimme klingt so eindringlich und ich sehe keinen Grund darin, ihr nicht zu trauen. Daher lasse ich die Perle wieder los und der Dolch trifft sie abermals.

15. Travia 1034 (Tag 3)

Dieses Mal bin ich nicht überrascht, als ich alleine nackt in einem fremden Bett aufwache. Daher ziehe ich mich flott an und gehe nach draußen zu Kuir.

Wir besprechen die Situation und wie wir weiter vorgehen werden. Wir mutmaßen, dass es sich bei dem gesuchten Gegenstand um die Perle handelt, aber es würde nicht viel bringen, diesen wegzubringen, denn Striga würde das wohl so kurzfristig nicht mitbekommen. Kuir spricht davon, die Soldaten anzuheuern, doch ich lehne dies vorerst ab. Denn wir haben zwei Möglichkeiten: Erstens, die Burg mit aller Macht verteidigen oder zweitens verhindern, dass es überhaupt soweit kommt. Und für letzteres brauchen wir keine Soldaten.

Nun bin ich endlich bereit, Kuir die Perle untersuchen zu lassen und er erklärt mir, dass sie wohl einen Spiegel zu etwas anderem Ort darstellt. Der Sand befindet sich nicht wirklich da drin, sondern ich sehe ihn wo anders. Klingt kompliziert! Da kommt mir die Überlegung, dass der Dolch des Druiden wohl ebenfalls magisch ist und wenn er die Perle zerstören kann, könnte dann auch das Dämonenschwert… nein, das ist viel zu riskant.

Wir machen uns auf zum Junker und dieses Mal überlässt Kuir mir das Reden. Ich erkläre ihm, dass wir Striga aufhalten wollen und bekommen für diesen Zweck zwei Pferde von ihm zur Verfügung gestellt.

Bevor wir uns aber um Striga kümmern wollen, reiten wir in den Wald, um den Druiden aufzusuchen. Wir wählen hierzu extra diese Tageszeit in der Hoffnung, der Druide würde auffindbar sein und die Perle diesmal nicht zerstören wollen. Etwa eine halbe Stunde Richtung Waldinneres kommen wir an einen schnörkeligen Felsen und hinter einem Nadelbaum schreitet jemand hervor. Die ältere Person trägt eine dünklere Robe und sieht uns ungehalten an. Ich erkläre unsere Situation und bitte daher um seinen Dolch, um den Effekt der Tageszurücksetzung selbst herbeiführen zu können. Der Druide aber sagt, er möchte meine Seele im Tausch hierfür, weil der Dolch wiederum ein Teil seiner eigenen Seele ist. Außerdem haben wir einen eigenen magischen Gegenstand und mir dämmert, dass meine Überlegung, mein Schwert könne die Perle ebenfalls zerstören, richtig ist. Kuir erklärt dem Druiden nun genauer, was es mit der Perle auf sich hat und der Druide erwidert, dass er das alles wisse, denn er verhindert jedes Mal, dass das Unheil über den Wald kommt. Wir erfahren im weiteren Gespräch auch, dass es die Perle doppelt gibt und sobald das Original keinen Sand mehr in sich trägt, werden die Gegenstände zueinandergeführt und verursachen einen Riss in den Sphären. Ferling, der Druide, sagt auch, dass wir das alles nur beenden können, indem wir die beiden Gegenstände vor Ablauf der Zeit zusammenführen.

Wir mutmaßen, dass die gegnerischen Truppen im Besitz der anderen Perle sind und verabschieden uns daher von Ferling, um den Bannerreitern entgegenzureiten. Kuir schüttelt ungläubig den Kopf, als ich sage, dass ich mit diesen reden möchte. Aber ich beharre darauf, obwohl das Dorf schon von dem Feuer des Dämons angegriffen wurde. Wir sollten jede Zeit nutzen, die wir haben.

„Bei Rondra, haltet ein!“, rufe ich den Reitern entgegen und tatsächlich bleiben sie stehen, um sich meine Worte anzuhören. Ich erfahre, dass sie den Gegenstand noch nicht gefunden haben und auch nicht wissen, wie dieser aussieht. Ich antworte: „ICH weiß, wie er aussieht und ich weiß auch, wo er ist.“ Der Anführer erwidert: „Dann händigt ihn mir aus.“ – „Ich habe nicht gesagt, dass ich ihn bei mir trage. Bringt mich zu Eurer Anführerin und ich kläre das mit ihr.“ – „Nein, wenn Ihr reden wollt, dann mit mir.“ Ich fasse einen Entschluss. „In Ordnung, dann reite ich selbst hin.“ Der Anführer nickt nur und ich treibe mein Pferd an, um an ihm vorbeizureiten.

Da das Dorf schon angegriffen wurde, hat es keinen Sinn, Briga jetzt noch aufzusuchen. Ich bespreche mit Kuir, dass wir den Tag nochmals wiederholen werden und den neuen Tag dafür nutzen werden, die Flugdrache hinunterzuholen, um mit der Anführerin zu sprechen. Kuir wirkt nicht sonderlich begeistert, aber er ist bereit, mir bei meinem Plan zu helfen.

Ich ziehe nun also das Dämonenschwert und stelle dabei irritiert fest, dass die Klinge nicht mehr komplett schwarz ist, sondern nur zum Teil. „Habt Ihr euch nun doch erbarmt mich zu ziehen?“, höre ich die Stimme von Garos, aber ich achte nicht auf ihn und will stattdessen auf die Perle schlagen. Mit einem Ruck erstarrt mein Arm, als sich das Schwert im Heben kein bisschen mehr bewegt. Ich ahne, dass wir hier an einem Punkt angekommen sind, an dem Goras mir nicht beistehen möchte und ich fühle Furcht, weil mir bewusst wird, wie stark sein Wille ist. „Ich brauche Eure Hilfe.“, versuche ich es. „Wieso sollte ich Euch helfen?“ Ich beiße mir auf die Lippe. Ja, warum sollte er? So, wie ich mich benommen habe, kann ich eigentlich keine Hilfe erwarten. „Wir wollen die Unschuldigen beschützen. Und dafür brauche ich EUCH.“ Goras schweigt und als ich glaube, er spricht gar nicht mehr, höre ich ihn: „Ich helfe Euch, wenn Ihr ein Mal in der Woche Zwiegespräch mit mir haltet.“ Mein Herz setzt einen Schlag aus. Das kann ich nicht! Noch während ich hier so stehe, spricht mich Kuir an, dass ich aufhören soll, Selbstgespräche zu führen und stattdessen endlich die Perle zerstören soll. Ich erkläre ihm, dass ich es gerade nicht kann und er versucht sie mit seinem Stab und schließlich auch mit seiner Armschiene zu zerstören. Außer einem „Klonk“ ruft sein Verhalten allerdings keine Reaktion hervor. Ich fang an zu schwitzen, denn die Perle beginnt zu leuchten und Kuir ruft, dass wir nicht mehr viel Zeit haben. „Tick, tack, tick, tack,…“ Goras macht mich zusätzlich wahnsinnig und ich frage: „Ein Mal in der Woche. Wie lange?“ – „Eine Stunde.“ Wieder vergeht Zeit und die Perle leuchtet immer stärker, bis ich schließlich zusage. Mein Arm bewegt sich wieder, die Klinge trifft die Perle und ein Lichtblitz blendet uns.

15. Travia 1034 (Tag 4)

Als ich aufwache, bleibe ich erst eine Zeit lang liegen. Das Versprechen… ich höre Kuir, der nach mir ruft und ich antworte ihm, dass er erst Mal in Ruhe frühstücken gehen soll, doch er haut mir kurzerhand seine Hellebarde in die Tür. Er scheint wohl äußerst ungehalten zu sein, deshalb ziehe ich mich flott an und gehe zu Kuir, um mir etwas anhören zu lassen. Wir gehen nach draußen und während Kuir mit den Söldnern redet, ziehe ich Goras, um herauszufinden, ob er noch weiß, was wir am Tag zuvor besprochen haben. Er begrüßt mich mit „Also beginnen wir unsere Unterhaltung an diesem Tag jeder Woche?“ – „Nein, das hier ist außerordentlich.“ – „Das Wort von Rondrageweihten ist viel wert.“ Ich zögere kurz. „Ja, das ist es.“ Ich erfahre auf Nachfrage, wieso er nicht mehr ganz schwarz ist, dass er früher so ausgesehen hat und nun nicht mehr, da er viel Kraft braucht, um den Dämon in Schach zu halten.

Wir leihen uns vom Junker wieder die Pferde und reiten gen Firun auf eine Steppe, auf der rundherum nichts ist. Kuir sagt mir immer wieder, wie riskant mein Plan, den Karakil herunterzuholen, um anschließend Striga zu stellen, ist. Aber ich lasse mich davon nicht unterkriegen. Wir bringen die Pferde in Sicherheit und warten, bis wir den Dämon heranfliegen sehen.

Mein Plan war ein anderer, Kuir aber findet es besser, den Karakil mittels Flammenstrahl vom Himmel zu holen, was schließlich auch klappt. Der Dämon ist daraufhin aber so wütend und außer sich, dass er Kuir angreift. Dabei sehe ich auch Striga Gerdenwald, woraufhin ich ihr zurufe: „Striga Gerdenwald, kommt von Eurem Getier herunter und versteckt Euch nicht hinter einem Dämon!“ Sie reagiert nicht auf mich, stattdessen ist ihre Flugschlange ums doppelte schneller geworden. Ich bin zu weit weg, um direkt einzugreifen, aber ich sehe, wie Kuir in Bedrängnis gerät und ich nehme die Perle zur Hand. Ohne seine Erlaubnis möchte ich das nicht tun, daher rufe ich ihm zu, ob wir nochmal von vorne starten sollen und er antwortet hektisch und mit einem langgezogenen „Jaaaa!“ Ich ziehe daraufhin Goras und ich höre, wie er, bevor ich die Perle zerschlage, sagt: „Endlich ein würdiger Gegner.“

15. Travia 1034 (Tag 5)

Wieder reiten wir Striga und ihrem Dämon entgegen, doch dieses Mal soll mein Plan umgesetzt werden. Als ich sie erblicke, rufe ich, dass sie herunterkommen soll, doch sie reagiert nicht. Daraufhin sehe ich in den Himmel, öffne mich für die Kraft von Rondra und spreche laut und donnernd ein Gebet, um ein Gewitter herbeizurufen. Es funktioniert! Erst kann ich die Verbindung zu Rondra nur schwach fühlen, dann aber durchströmt mich ihre Anwesenheit. Ja, dieser Tag könnte unser Tag werden!

Der Karakil landet Richtung Praios im Wald und wir reiten ihm hinterher. „Striga Gerdenwald! Wir haben, was Ihr wollt – ruft Eure Truppen zurück!“ Der Dämon dreht sich auf meine Worte hin zu uns um und die Frau darauf stellt sich schließlich als Magierin heraus. Sie antwortet: „Wenn Ihr mir Euren Gegenstand gebt.“ – „Ihr solltet uns lieber Euren Gegenstand geben.“ Die Magierin wirkt unbeeindruckt: „Wir haben Zeit, solange das Gewitter tobt, muss ich abwarten.“ Ich antworte mit fester Stimme: „Das Gewitter wird erst aufhören, wenn ICH es sage.“ – „Dann werden wir sehen, ob es aufhört, wenn Ihr sterbt.“ Ich bin von meinen folgenden Worten vollkommen überzeugt: „Das wird nicht funktionieren, denn selbst, wenn ich sterbe, Rondra ist immer noch hier!“ Striga lacht, doch ich spreche unbeeindruckt weiter: „Wir wollen doch beide das selbe. Die beiden Gegenstände zusammenführen.“ Nun verstummt das Lachen und Striga erwidert: „Es gibt zwei davon? Gebt ihn mir!“ Ich versuche erst von ihr zu erfahren, wo sich der zweite befindet, doch sie erhebt bedrohlich den Stab, woraufhin Kuir und ich in Alarmbereitschaft gehen. Doch im nächsten Augenblick zerreißt die Luft hinter Striga und sie verschwindet mit ihrem Dämon in einem Riss. Danach sieht es aus, als wäre hier nie etwas Außergewöhnliches passiert.

Wir wissen nicht, wieso Striga abgehauen ist, aber es kümmert uns nicht weiter. Viel wichtiger ist jetzt die Frage: Wo ist das Gegenstück zu Avalas Perle? Ich denke scharf nach und erinnere mich daran, dass der Junker meinte, dass außer uns Geweihten und Kuir nichts anders war als sonst, das einen Angriff rechtfertigen würde. Der Avesgeweihte?!

Erst machen wir uns aber zur Burg auf, um dort vor den Toren auf die Bannerreiter zu warten. Dabei fühle ich mich beflügelt, denn ich bin Rondra so Nahe wie seit meiner Weihe nicht mehr. Außerdem haben wir einen Triumpf in der Tasche! Nun kann uns nichts mehr aufhalten und wir werden dieses Dorf retten. Wir berichten den Reitern, dass Striga nicht kommen wird. Nachdem sie mir nicht glauben, sage ich ihnen, dass sie sich an meine Worte erinnern sollen, wenn das Dämonengezücht anders als geplant nicht über das Dorf fliegt. Nachdem diese weg sind, schicke ich dem Avesgeweihten mit Rondras Hilfe eine Nachricht, doch er kommt nicht. Nachdem er auch über einen längeren Zeitraum nicht wie gebeten ins Dorf kommt, machen wir uns auf die Suche nach ihm und folgen verdächtigen Spuren zum Frostwald.

Dort finden wir schließlich den Avesgeweihten und die Bogenschützin der Burg an einem Lagerfeuer sitzen. Wir grüßen ihn und er bietet uns an, uns zu setzen. Kuir fällt mit der Tür gleich ins Haus und fragt ihn, ob er eine Perle hat, woraufhin der Avesgeweihte aus seiner Tasche ein paar normale zieht. Ich schüttle langsam den Kopf. „Nein, so eine.“, und zeige ihm die Perle von Avala. „Wie soll ich Euch damit helfen?“ – „Das wissen wir leider auch nicht…“, meine letzte Hoffnung schwindet in diesem Moment dahin. Kuir fällt aber auf, dass die Bogenschützin verkrampft wirkt und geht auf sie zu, um sie zu fragen, ob sie etwas darüber weiß. Sie verneint, schaut dabei aber immer weg und der Avesgeweihte mischt sich schließlich ein, dass wir sie nicht so in die Ecke drängen sollen. Daraufhin erzählen wir ihm von dem Sphärenriss, der sich auftun wird, wenn wir das Gegenstück zu meiner Perle nicht finden und wie ratlos wir momentan sind, weil jeder Hinweis, dem wir nachgegangen sind, ins Nichts geführt hat. Erst jetzt nickt Vermis zustimmend und die Frau beginnt weiterhin ohne Blickkontakt zu erklären, dass es im Dorf einen Mann gibt, der lange Reisen unternimmt und so eine Perle mitgenommen hat, um sie seiner Tochter zu schenken. Mir entgleisen alle Gesichtszüge, als mich die Erkenntnis wie ein Blitz trifft. Avala! Wir sind in der Vergangenheit! Der Mann, von dem die Rede ist, ist ihr Vater. Und natürlich, sie hat mir damals erzählt, dass ihr Dorf in Flammen aufgegangen ist und ihre Eltern dabei gestorben sind. Wieso habe ich das nicht schon vorher erkannt? Die Frage ist überflüssig, dennoch erkundige ich mich nach dem Namen des Mädchens. Ja, sie heißt Avala und ihr Vater Meoran…

Wie ein Wilder reite ich zurück zum Dorf und sehe, wie dieses brennt. Wieso? Wieso haben diese verdammten Bannerreiter ohne ihre Herrin angegriffen?! Dort angekommen springe ich vom Pferd, ich habe Kuir irgendwann hinter mir gelassen, und suche verzweifelt nach Avalas Vater. Einer der panischen Dorfbewohner kann mir schließlich die Richtung weisen und da sehe ich ihn, wie er mit einem Beil gegen einen der Bannerreiter kämpft und so sein Haus hinter ihm verteidigt. „Lasst mich übernehmen!“, rufe ich und gehe mit meinem Weiheschwert dazwischen. Es sind schnelle Schlagabtausche, ich treffe ihn, er verliert sein Schwert und kämpft mit dem Dolch weiter. Noch ein Angriff von mir und der nächste sorgt davor, dass Al’Damwathi aus meinen Händen gleitet. Ich bin mir meines Sieges dennoch sicher, spüre ich doch, wie Rondra direkt hinter mir steht und so ziehe ich schließlich Goras, um ihn für das einzusetzen, weshalb ich hier bin. Zum Schutz des Dorfes, zum Schutz der Dorfbewohner! Wider die Mächte des Bösen! Kaum hat Goras seine Scheide verlassen, durchfährt mich die Nähe etwas anderem. Nicht nur Rondra, steht mir bei, nein auch etwas anderes. Ich kämpfe wie im Rausch weiter, ich weiß, dass meine Göttin mein Handeln gutheißt. Ist es genau das, was Connar mir hatte sagen wollen?

„Los, hol die anderen Reiter von ihren Pferde, die Göttin steht dir bei.“, höre ich die Stimme von Goras, doch ich möchte erst nach Avalas Vater suchen, der wohl ins Haus verschwunden ist. Irgendwie verdrängt ein Teil von mir diesen Wunsch aber schließlich doch und ich blicke mich nach dem Anführer der Bannerreiter um. Wenn ich ihn niedermache, werden auch die anderen abziehen. Nachdem ich ihn erblickt habe sammle ich mein Weiheschwert ein und gehe auf ihn zu: „Wie lautet Euer Name?“ Ich möchte wissen, wen ich gleich besiegen werde. „Borbaranko Tobritsch.“, sagt er und steigt von seinem Pferd ab, um sich mir mit einem Zweihänder zu stellen. Es folgen mehrere Angriffe und Paraden, doch es kommt, wie es kommen sollte. Stärke durchströmt mich und diese ist es auch, gegen die er keine Chance hat. So sinkt er schließlich wankend etwas ein und stützt sich auf seinem Schwert ab, um mir seine Niederlage einzugestehen. „Ruft Eure Männer zurück!“, erwidere ich, doch dieser schüttelt langsam den Kopf. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch welche habe.“ Nun erst kann ich meine Konzentration auf etwas anderes lenken und ich sehe Kuir, der mit einem der Reiter kämpft. Andere liegen am Boden und einer prescht auf seinem Pferd davon.

Ich eile zu Avalas Haus und sehe, dass die Hintertür offen steht und Vermis ein kleines Mädchen, ziemlich sicher Avala, aus dem brennenden Gebäude trägt. Am Boden liegt Meoran, ihr Vater und der Gegenstand, den er bis eben umklammert gehalten hatte, rollt über die Erde. Ich eile darauf zu, doch der Avesgeweihte ist schneller und hebt ihn auf, um sich dann an mich zu wenden. „Sucht Ihr das?“ Ich nicke und nehme meine eigene Perle hinaus, die schon leuchtet und somit den baldigen Sphärenriss ankündigt. „Danke, für alles, was Ihr noch tun werdet.“, sage ich, während meine Hand sich auf seine zubewegt.

Dann sehe ich Avala im Geiste vor mir, wie sie mir erzählt, dass sie sich nicht mehr an ihre Eltern erinnern kann, dass ihr Dorf vom Feuer verschlungen wurde. Ich blicke zu dem Kind und ich fühle den Schmerz, der sie überkommt, wenn sie realisiert, dass ihre Eltern nicht mehr zurückkommen. Ich kenne ihn zu gut, ich habe ihn selbst erlebt und trage ihn immer noch in meinem Herzen. All das Leid, das nicht nur Avala, sondern auch die anderen Dorfbewohner widerfährt. Unschuldige vernichtet durch die Hand des Bösen. Nein!

Ich erhebe Goras und zerschlage die Perle.

15. Travia 1034 (Tag 6)

Ich fühle mich anders. Die Kraft, die mich durchströmte ist weg und fast schon sehne ich mich danach zurück. Prüfend ziehe ich Goras und das erste Mal fällt mir an der nun teilweise noch hellen Klinge auf, dass dort etwas in goldener Schrift steht: „Patroni“ – das heißt so viel wie „Besitzer“, „Gönner“ oder „Schutzpatron“. Goras spricht zu mir: „Lass uns den Tag noch einmal meistern.“ - Ich nicke. „Ja.“

Anschließend klopfe ich an Kuirs Tür und dieses Mal ist er es, der ermüdet wirkt. Er fragt mich, was schief gelaufen sei und ich schüttle nur den Kopf. „Wir konnten den Angriff nicht verhindern.“ Wir wollen den Plan nochmals wie am Tag zuvor durchführen, dieses Mal aber die Reiter rechtzeitig abfangen. Wieder wirkt Kuir wenig begeistert, aber er möchte auch weiterhin an meiner Seite kämpfen. In diesem Moment fühle ich großen Respekt ihm gegenüber.

Bei der Ebene angekommen beschwöre ich Rondra abermals, mir beizustehen. Dieses Mal reichen einige Blitze und ein kurzes Unwetter und dieses lässt schließlich auch nach, als der Dämon landet. Da der Himmel nun wieder frei ist, möchte Striga abermals in die Lüfte reiten, doch ich rufe: „Wir haben den Gegenstand, den Ihr sucht – ruft Eure Truppen zurück!“ Das Gespräch läuft ähnlich wie am Tag zuvor, sie hebt auch wieder ihren Stab, um einen Zauber zu wirken und ich wappne mich für den Anblick, dass die Luft hinter ihr wieder entzweigerissen wird. Dieses Mal ist es allerdings der Boden unter uns, der in Bewegung kommt. Ein fauliger Gestank breitet sich aus, Hände greifen nach den Beinen von Kuir und mir, Mäuler und Tentakel stürzen sich auf uns. Wieso? Wieso?! Ich sehe mich fast schon unter den fauligen Körperteilen liegen und zerschlage die Perle, ehe es soweit kommt.

15. Travia 1034 (Tag 7)

Auf ein Neues, also muss ein neuer Plan her. Ich möchte mit den Soldaten vor dem Gasthaus reden, um sie dazu zu bringen, sich gegen die Reiter von Striga zu stellen. Während der Hauptmann von Gold spricht und dass sie nur im Verband zu haben sind, möchte ich einzelne Soldaten mit dem Versprechen von Ehre locken. Das einzige, was ich ihnen aber entlocke, ist ein Lachen... Banausen. Kuir mischt sich schließlich in diese missliche Situation ein und fordert den Anführer zum Duell heraus, um die restlichen 30 Dukaten für die Bezahlung der Soldaten zu gewinnen. Ich finde das ist keine besonders gute Idee, aber wie Kuir die letzten Tage zu mir gestanden hat, bin ich es nun, der ihn unterstützt. So sorge ich für den ehrenvollen Ablauf des Duells.

Es dauert einige Schlagabtausche und der Kampf wirkt ausgeglichen. Säbel und Schild gegen Schwert und Schild und auch die Rüstung ist ebenbürtig. Schließlich ist es aber Kuir, der einen Treffer landet und ich signalisiere den Punkt mit einer Handbewegung in seine Richtung. Wieder vergehen einige Runden, in denen Schläge und Hiebe daneben gehen, oder gegen Schilde prallen, bis Kuir das selbe Bein nochmals mit seiner Klinge erwischt. Zweiter Punkt! Vermutlich ist es den Wunden zu verschulden, dass der Hauptmann schließlich bei einem Angriff stolpert und Kuir sofort nachsetzen will. Mit einem ausgestreckten Arm zwischen den beiden weise ich Kuir aber zurecht, woraufhin dieser irritiert wartet, bis sein Gegner sich wieder aufrafft. Erst dann weiche ich wieder zurück und der Kampf geht weiter. Der dritte Treffer lässt nicht lange auf sich warten und als ich Kuir als Sieger verkünde, jubelt der Großteil der Menge. Um dem Verlierer die Ehre zu erweisen, frage ich nach seinem Namen und beglückwünsche ihn für den fairen Kampf: Stoiko Okenheld

Kuir heuert den Trupp schließlich für 60 Dukaten an. Diese wollen allerdings nur gegen die Reiter und nicht gegen Striga in dem Kampf ziehen, was wir beide sehr gut nachvollziehen können. Ich ermahne sie, dass sie die Reiter nicht unbedingt töten sollen, es sei denn, sie fordern es heraus.

Zurück beim Junker erhalten wir abermals zwei Pferde, um die Magierin aufzuhalten. Warum auch immer steckt mir Kuir schließlich einen handschriftlichen Zettel zu. Dort steht auf seiner Sprache „Ehre“, was mich zum Schmunzeln bringt.

Bevor wir zur Steppe reiten, besuchen wir noch das Haus von Avala. Es ist allerdings niemand da und ich erfahre vom Nachbarn, dass Meoran, Avalas Vater, im Wald und Tirnali, ihre Mutter, mit ihr an einem See ist. Na gut, dann weiter mit dem eigentlichen Plan.

Auf der Steppe angekommen ändern wir die Taktik, nachdem diese am Tag zuvor schon nicht den erhofften Erfolg gebracht hatte. Kuir klettert also kurzerhand auf einen Baum und schießt einen Feuerstrahl auf den Dämon, der daraufhin tatsächlich landet. So einfach geht es also auch? „Wir haben den Gegenstand, den Ihr sucht! Versprecht das Dorf zu verschonen!“ Sie verlangt daraufhin den Gegenstand auf eine herrische Art und Weise, aber ich gebe nicht nach, sondern fordere wieder: „Ruft erst den Dämon zurück!“ Daraufhin wendet sich dieser mir allerdings zu und ich bete zu Rondra, mir die Kraft zu geben, Striga das richtige aufzuzwingen. Das Licht, in das ich mich sonst immer gehüllt fühle, wenn ich mir Rondras Macht leihe, möchte dieses Mal nicht leuchten. Dafür brennt Striga kurz darauf, als Kuir ihr einen weiteren Feuerstrahl direkt in den Rücken schießt. Sie fällt vom Rücken des Drachen hinab und geht schließlich in Rauch auf. Als Abschiedsgeschenk hat sie uns zwei weitere Dämonen, zwei etwa 3 Schritt hohe zweibeinige gehörnte Tiger (Zant), hinterlassen.

Ich ziehe Al’Damwathi mit solch einer Entschlossenheit, dass mein Herz einen Moment erzittert. Dann folgt ein Angriff des Dämons, den ich pariere und setze zum Gegenschlag an. Der Hieb trifft den Dämon mit solch einer Wucht, dass es ihn förmlich zerreißt. Nun kann ich endlich zu Kuir eilen, der den Karakil und den zweiten Zant alleine hinhält. Letzteren nehme ich ihm ab, indem ich ihn in einen Kampf verwickle. Dieser hier scheint aber etwas geübter zu sein, da er mir öfters ausweicht, doch er befördert sich schließlich selbst Grab, als er auf die Klinge von Al’Damwathi beißt. Blitzförmige Risse gehen von seinem Maul aus und gleich darauf fährt er mit einem lauten Donnerkrach zurück in die Niederhöllen!

Nun ist nur noch der Flugdämon übrig. Kuir hat ihn zwar gut in Zaum gehalten, ihm aber noch keinen offensichtlichen Schaden zugefügt. Ob wir das schaffen? Wir müssen! Selbst als mir das Ungetüm im Kampf in den Arm beißt, verfliegt meine Motivation nicht. Aus einer Intention heraus wechsle ich allerdings meine Waffen und rufe so Goras an meine Seite, der mir bereitwillig seine Unterstützung anbietet. Ich habe mehr Kraft und einen besseren Überblick. Alles läuft etwas langsamer ab als zuvor und ich spüre, wie Goras meinen Schwertarm stellenweise führt. Eine Ruhe durchströmt mich – die Ruhe des Kampfes. Kuir und ich wehren uns, wir ergänzen uns, wir halten uns gegenseitig den Rücken frei. Immer wieder wird der Dämon mit unseren Klingen konfrontiert, die nur mäßig durch seine Schuppen dringen und ich stecke einen weiteren Treffer am Bein ein. Doch die Wunde behindert mich nicht. Mit klarem Kopf rufe ich Rondra nochmals zur Hilfe und weiche dem anschließenden Biss, der sicherlich tödlich verlaufen wäre, mit Leichtigkeit aus. Er ist zäh. Doch wir sind zäher. Letztlich ist es Patroni, der den Kampf für uns entscheidet. Denn in dem Moment, in dem das Ungeheuer sein Maul aufreißt, stoße ich das Schwert hinein, das wie Butter erst den Gaumen durchdringt und dann aus dem Schädel austritt. Mit einem Ruck wird der Dämon einen Schritt weit zweigeteilt, er kreischt auf und zerfließt mit einem fauligen Gestank. Nicht mal eine einzige Schuppe ist zurückgeblieben und Goras jubelt: „Es gibt nichts mehr, das uns aufhalten kann“ Mein Herz pocht laut in meiner Brust und ich sehe zu Kuir, der ebenfalls angeschlagen wirkt. Aber er lebt. Wir leben. Adrenalin fließt durch mein Blut und ich hebe auch mein Weiheschwert auf, damit auch es in das helle Licht Rondras, das ich um mich spüre, getaucht wird. In diesem Moment bin ich fest davon überzeugt, dass Goras recht hat. Mit Goras und Rondra an meiner Seite bin ich unschlagbar!

Wir versorgen unsere Wunden und reiten anschließend im Schritt zurück ins Dorf. Auf dem Weg sehen wir gerade noch, dass die Söldner Richtung Nordwesten wegreiten, Leichen pflastern den Weg allerdings nicht. Scheinbar haben sie die Reiter Strigas ohne Blutvergießen in die Flucht geschlagen.

Das geschäftige Dorf schenkt uns keinen Blick, als wird durch dieses durch zum Junker reiten und ihm dort von unserem Erfolg berichten. Zwar wurden wir von ihm gar nicht um Hilfe gebeten, er dankt uns dennoch, indem er uns ein Dokument, das uns als Ehrenbürger von Blaustein ausweist, überreicht. Außerdem teilen Kuir und ich uns die Silbertaler auf, sodass ich 77 Münzen davon in meine Tasche stecken kann. Der Triumpf schmeckt köstlich. Jetzt muss nur noch Avala in Sicherheit sein…

Sie ist es auch, die uns die Tür öffnet, nachdem ich dort angeklopft habe. „Mamaa, Gäste sind da!“ Sie ist so süß. Und komplett ahnungslos, wer hier gerade vor ihr steht. Kurz darauf steht ihre Mutter hinter uns und erklärt, dass ihr Mann gerade nicht da sei. Auf meine Bitte hin, den magischen Gegenstand zu begutachten, mustert sie mich mit ihren misstrauischen Augen – eines davon ist komplett silbrig, keine Pupille ist zu erkennen. Dennoch bittet sie uns auf eine Tasse Tee hinein. In mir schreit alles, dass ich das Angebot unbedingt ausschlagen muss, dass ich mich nicht zu lange in Avalas Nähe aufhalten sollte. Doch ich nicke langsam.

Als wir ihr an einen Tisch folgen, sehe ich, dass ihre Hand kampfbereit an einem Speer liegt. Auf Nachfrage von Kuir erzählt sie, dass sie früher Soldatin war und geht schließlich in die Küche. Nun ist es Avala, die auf uns zutritt und den Tee, den sie gebracht hat, unbeabsichtigt ausschüttet. Ihre Mutter kehrt mit einem Tuch zurück und fragt Kuir nach seinem Mal auf der Haut. Er erklärt, dass das ein Sklavenmal ist und er genug Blut für seine Freiheit vergossen habe. Avalas Mutter nickt. „Ich auch.“ – Diese Situation wirkt so bizzar auf mich. Ich sitze hier und lausche dem Gespräch zwischen den beiden, während eine Tasse Tee vor mich hindampft. Dann merke ich, wie Avala mich mustert und ich wende mich an ihre Mutter: „Darf ich Eurer Tochter etwas schenken?“ – „Was?“ – „Eine Feder von der Reise.“ – „Nur zu.“

Mit pochendem Herzen wende ich mich also an das kleine Mädchen und frage sie nach ihrem Namen. „Avala.“ Avala. Ich weiß. Ich liebe dich. Ich brauche dich. Bitte sei noch bei mir, wenn ich zurückkehre. Doch ich spreche nichts davon laut aus, sondern sage beherrscht: „Und ich bin Maximus.“ Ihre Augen glitzern, als ich ihr die Feder zeige und sie diese nach einem kurzen Blickkontakt mit ihrer Mutter annimmt. Sie dreht sich mehrmals um die eigene Achse und führt einen kindlichen Freudentanz auf. Ich muss lächeln – doch in meiner Brust sitzt ein Knoten, der mir das Atmen erschwert. Dann flitzt sie auf flinken Füßen in ein anderes Zimmer und würdigt mich keines Blickes mehr – sie scheint so vertieft in ihr neues Geschenk, wie es nur Kinder können.

Avalas Mutter, Tirnali, atmet tief durch und fordert uns auf, uns nützlich zu machen, wenn wir schon hier sind. Und so hocke ich bald auf dem Dach des Hauses und tausche Dachschindeln aus, während mir Avala neugierig vom Loch, durch das ich geklettert bin, zusieht. Wieder ermahnt mich mein Innerstes, mich nicht zu viel mit ihr zu beschäftigen. Aber wie von selbst bilden sich Worte, die ich ausspreche: „Singst du gerne?“ – „Ja.“ – „Machst du Musik?“ – „Nein.“ – „Kennst du Aves?“ – „Nein.“ Sie beantwortet all meine Fragen bereitwillig und mit ehrlichem Interesse. Während sie fröhlich wirkt, zieht sich der Knoten in meiner Brust immer weiter zu. Wie soll sie zu Aves finden, wenn Vermis sie niemals aus dem Haus hier rettet und sie bei ihren Eltern bleibt?

Aus der Ferne ertönt Hufgetrappel und Avalas Augen weiten sich voller Vorfreude. „Onkel Vlad!“ Ich sehe zu, wie sie nach unten läuft und folge ihr in langsam. Mittlerweile ist sie dem Mann mit Rüstung in die Arme gesprungen. Er sieht Tirnali sehr ähnlich, finde ich. Er redet mit seiner Nichte und ich schnappe auf, dass er seine Schwester holt, da sie etwas zu tun haben. Er hofft auch darauf, dass sie gepackt hat. Entrüstet antwortet Avala, dass er immer wegziehen und ihre Mama mitnehmen muss. Sie beschwert sich darüber, dass er nicht länger bleibt. Interessiert erkundige ich mich, wo sie hingehen, ob sie in den Krieg ziehen, doch Vlad wirkt abweisend: „Ich wüsste nicht, was Euch das angeht.“ Er mag mich nicht. „Ich könnte Euch einen nützlichen Segen geben.“, versuche ich es weiter, doch Vlad winkt wieder ab: „Wo wir hingehen, brauchen wir das nicht.“ Ich gebe auf und sehe zu, wie Tirnali mit dem Mann mitgeht. Wir versprechen ihr, auf ihre Tochter aufzupassen, bis ihr Mann heimkehrt.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich weiß nur, was ich nicht tun sollte – hier den ganzen Tag mit Avala verbringen. Ihr Anblick zerreißt mich, das Ungewisse nagt an mir. Schließlich lass ich Kuir und sie alleine und reite mit einem Pferd des Junkers in den Wald, um Vermis aufzusuchen. Er lädt mich zu sich ans Lagerfeuer ein und erklärt, dass er mich nicht kennt, aber ich einem Mann aus Donnerbach sehr ähnlich sehe: Leomar Donnerkrach. Ich spüre Tränen aufsteigen, denn es erfüllt mich mit großer Ehre, meinem Vater ähnlich zu sehen. Ich wische sie weg und muss fast schon lachen, als er mich fragt, ob ich ein Bastard sei, weil der Sohn, den Leomar hat, noch ein kleiner Junge ist. Ich verneine seine Theorie und lenke das Thema um, indem ich ihm wage davon erzähle, was ich von einer Avesgeweihten gehört habe. Sie ist vom Schicksal fest überzeugt und ich frage ihn, ob dieses nicht doch irgendwie beeinflusst werden kann. Seine Erklärung verstehe ich nicht ganz, aber sie entmutigt mich: „Stellt Euch einen Fluss vor. Stellt Euch Wellen vor. Sie sind nicht alle gleich, führen aber alle in die selbe Richtung. Ein Fluss zweigt vielleicht anders ab, landet im See oder im Meer. So kann das Schicksal gelenkt werden, aber Flüsse fließen immer gleich – flussabwärts.“ Nun erzähle ich ihm doch von Avala und ihrer Bestimmung und dass ich glaube, etwas verändert zu haben. Er jedoch schüttelt den Kopf: „Die Vergangenheit kann nicht geändert werden.“ Ich hake näher nach. „Und wenn ich doch Einfluss auf die Zeit hätte?“ – „Dann könntet Ihr die Wellen höchstens anders lenken, die Wellen fließen aber auch weiterhin dorthin, wo sie ursprünglich hinwollten.“

Was soll das bedeuten? Hier bekomme ich nicht die Erleuchtung, die ich gesucht habe. Ich stelle mich beim Abschied noch als Maximus Donnerkrach von Donnerbach vor und gehe, während Vermis mir nachdenklich hinterherschaut.

Zurück bei Avala werde ich nach meinem Klopfen hereingebeten und ich erblicke am Tisch sitzend Kuir und Meoran. Der Vater von Avala fragt mich gleich, was ich von ihm möchte und ich erkläre, dass ich mir den Gegenstand, den er seiner Tochter schenken will, ansehen möchte. Daraufhin antwortet er: „Es sollte ein Vermächtnis sein, aber da Ihr nun hier seid, hat sich etwas geändert. Ich bin euch nicht undankbar, aber ich bin etwas verwirrt.“ Kuir fängt an zu reden: „Der Rondrageweihte hat ein besonderes Bedürfnis eure Tochter zu schützen…“, woraufhin ich ihn mit einem ermahnenden „Kuir!“ unterbreche und langsam den Kopf schüttle. Er scheint zu verstehen und erzählt stattdessen, wie wir unsere Feinde besiegt haben. Nach Kuirs Erzählung erklärt Meoran: „Ihr habt etwas losgetreten, das für andere vielleicht schlimmer ist, als für mich, da ich meinen Tod schon lange vorhergesehen habe. Ich habe heute eine Art Ritual durchgeführt, das mein letztes hätte sein sollen. Aber nun wird es wohl doch nicht das letzte sein. Und für Euch habe ich etwas Besonderes.“ Er wendet sich nun direkt an Kuir: „Sobald das alles hier vorbei ist, könnt Ihr ein weiteres Teil Eures Erbes im Norden finden.“ Ich verstehe nicht, was er damit meint, aber Kuir schlussfolgert daraufhin, dass er bald in den Norden aufbrechen wird. Meoran warnt ihn allerdings noch, dass dieses Dorf, in das er muss, erst in einigen Jahren im Einflussgebiet der Crumolds entsteht und er niemals unangekündigt dort eintreffen soll. Spricht er von Neuschanz? Nun wendet er sich an mich: „Und welche Fragen habt Ihr?“ – „Nur eine.“ – „Das ist schade. Aber stellt Eure Frage.“ Ich atme tief durch, Avala hat mir vor einiger Zeit erzählt, dass ihr Vater den Ruf eines Hexers hatte. Er kann wohl mehr sehen, als andere, so wie seine Tochter. Also stelle ich eine Frage, von der ich hoffe, er kann sie beantworten: „Wird Avala mich finden?“ Während der kurzen Stille, die nun eintritt, bereue ich es fast, die Worte ausgesprochen zu haben. Schließlich setzt Meoran zur Antwort an: „Soll ich das Offensichtliche beantworten?“ – „Für Euch mag es offensichtlich sein, aber für mich nicht. Also antwortet mir.“ Daraufhin sieht er mich prüfend an und seine Augen werden weißlich. Ich halte die Luft an, die Zeit kommt mir unendlich lange vor und dann kommt das erlösende Wort: „Ja.“ Erleichtert atme ich aus und betrachte den Mann, der nun wieder normal aussieht. Ja… aber das ist nicht alles, das merke ich. „Wollt Ihr mir noch etwas sagen?“ – „Lieber nicht, Ihr seht jetzt schon sehr belastet aus.“ - „Wenn ich es nicht erfahre werde ich mein Leben lang darüber nachdenken.“ - „Keine Sorge, du wirst nicht lange darüber nachdenken, denn wenn du nachdenkst, wirst du Informationen über dieses Dorf suchen und erfahren, was passieren wird.“ – Ich merke, dass er sich nicht umstimmen lässt und werfe das nickend das Handtuch: „Dann werde ich warten.“

Es klopft unvermittelt an der Tür und Vermis tritt ein. Meoran bittet ihn, seine Tochter mitzunehmen, obwohl nicht geschehen ist, was hätte eintreffen sollen. Er überreicht ihm auch die Perle, damit der Avesgeweihte diese an seine Tochter weitergeben kann, wenn sie soweit ist. Kuir sieht skeptisch zu Meoran: „Die Hranga, Eure Götter, könnten auf uns herabsehen, wenn Ihr weiter mit der Zeit spielt.“ – „Die Götter sehen ja sowieso auf uns herab.“ Während Meoran nun mit Avala in ein Zimmer geht, um zu packen, spreche ich mit Vermis: „Ihr kennt also meinen Vater?“ – „Ja, er ist ein guter Mann.“ - „Das ist er.“ Es schmerzt. Der Gedanke an meinen Vater, der Gedanke, dass Avala vielleicht nicht mehr die Avala ist, die ich kenne. Am liebsten würde ich bleiben. Hier, wo die Welt wider Erwarten in Ordnung ist. Ich lehne mich langsam zurück und trinke schweigend meinen Tee. Dabei schließe ich die Augen und versuche nicht daran zu denken, was ich vorfinden könnte, wenn ich zurückkehre.

Schließlich kommt Avala mit ihrem Vater und dem Rucksack zurück, woraufhin vermis ihr eine Holzflöte überreicht. Avala, die damit beschäftigt ist, einige unzusammenhanglose Töne auf der Flöte zu spielen, merkt nicht, wie die Kugel in Vermis Hand zu leuchten beginnt. Ich öffne genau in dem Moment meine Augen, stehe auf und beobachte, wie die Kugel nach oben schwebt. Alle Beteiligten außer Avala starren gebannt darauf, nur ich sehe zu Avala und der Knoten in meiner Brust zieht sich nochcmals schmerzlich zusammen. Ich liebe dich. Bitte sei bei mir. Meine letzten Worte in dieser Zeit richte ich allerdings an Vermis: „Passt gut auf sie auf.“ Dann ziehe ich mit einer flüssigen Bewegung meine eigene Perle aus der Tasche und berühre damit jene, die in der Luft fliegt. Der vertraute Lichtblitz reißt Kuir und mich aus Avalas Haus.

15. Travia 1034 (Tag 0)

Ich wache auf und fahre mir über die Nase, weil mich dort etwas kitzelt. Immer noch liege ich auf dem Boden der Höhle und ich habe Mühe, die Haare von Avala aus meinem Gesicht zu wischen. Avala… Mein Blick ruht auf ihrem schlafenden Gesicht – sanft, zufrieden, ein kleines Lächeln auf den Lippen. Und eine schwarze Feder in ihrem Haar. Jene, die ich ihr in Blaustein geschenkt habe.