Die Pforte zum Namenlosen

Aus Liber Historium
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Zeit: 30. Rahja 1034 – 01. Praios 1035

Region: Horasreich: Boronaya

Beteiligte: Lana Adersin-Nagraskjaleff, Larissa Lorioti, Faiza sunya Harani

Erwähnungen: Valin Beryllus von Kuslik, Elissa saba Perizel, Korrad Fomin von Ogerbach (Phioli), Chazi'uhn (Blacky), Hela Mercatis, Limbomim el‘jaffalon

Auszug aus Lana Adersin-Nagraskjaleffs Tagebuch

30. Rahja 1034

Wir hatten keine Zeit, jemanden um HIlfe zu bitten. Deshalb sind wir auf der Stelle aufgebrochen, Aedin zu dem einen und ich zu dem anderen Ort, an dem sich ein Ereignis zutragen sollte, das Unheil bringen könnte. Eine Pforte wird geöffnet und ein Artefakt, über das ich nur wenig weiß, soll dadurch in greifbare Nähe gelangen. Ich erhoffe mir mit diesem Artefakt, den Namenlosen zu schwächen.

In Boronaya angekommen begrüßt mich die Statue des Dorfes mit einem Karneol in der Hand. Zumindest habe ich mir sagen lassen, das es hierbei um eben jenen Stein handelt. Die Gute Frau soll eine Heldin aus Maraskan darstellen, die vor etwa 1000 Götterläufen einen Zirkel des Namenlosen zerschlagen hatte.

Auf der Suche nach Gefährten treffe ich im "Wegstein" auf eine Kor-Geweihte, eine Schatzjägerin und eine Entdeckerin. Während erstere mit mir verhindern möchte, dass das Artefakt in falsche Hände gelangt, scheint es mir so, als würden die anderen beiden Frauen eher persönlichen Profit daraus schlagen wollen. Als es zur Praiosstunde läutet, weist uns die Statue den Weg zu einer Stelle an der Wand, an der eine Plakette mit Wappen hängen sollte. Diese wurde allerdings an die Mercatis verkauft, weshalb wir noch mitten in der Nacht zu deren Anwesen aufbrechen.

Auf dem Weg gabeln wir einen vermutlich Betrunkenen auf und lassen ihn dann vor dem Eingang des Anwesens zurück. Wir klopfen, doch niemand öffnet uns, weshalb Larissa die Tür mit Hilfe ihrer Dietriche knackt. Es ist seltsam, anderen dabei zuzusehen, doch so muss ich es zumindest nicht machen... dummerweise werden dadurch 2 Hunde auf uns gehetzt, wovon wir einen in die Knie zwingen können - der andere flüchtet. Wir teilen uns auf und suchen nach der Plakette, wobei die anderen auf einen Diener des Hauses, auf Valin und nochmal auf den Betrunkenen treffen. Ich hingegen finde mehrere Goldbarren in einem Versteck. Insgesamt können wir 5 Plaketten sammeln und nehmen 2 davon mit. Anders als erwartet spazieren wir allerdings nicht aus dem Anwesen sondern flüchten regelrecht, da uns dämonische Mächte aufhalten wollen. Gemeinsam schaffen wir es trotzdem unbeschadet aus dem Gebäude, um gleich darauf im Garten in die nächste Falle zu tappen. Zauberzeichen am Boden hindern uns am Gehen, doch zerschlägt die Zauberwirkung mit brachialer Gewalt - etwas, das ich eher Necla zutrauen würde - doch auch ihre Gelegenheit kommt, denn das Tor ist verschlossen. Beherzt schwingt sie ihren Korspieß und wir sind frei.

Ohne Umweg und Pause machen wir uns auf den Weg zurück zum Gasthaus.

Zurück im Dorf konzentrieren wir uns nochmals auf die Statue, um einen Hinweis auf unsere weitere Vorgehensweise zu finden. Während ich dem Mondschein, der durch den Stein gebündelt wird, auf die Hauswand des Gasthauses folge, geht der Rest hinein, um sich die Plaketten anzusehen. Direkt unter dem Dach finde ich eine Sonnenuhr, die allerdings senkrecht nach oben einen Strich zu viel hat. Der Zeiger fehlt außerdem, weshalb ich erst mal zurück zu den anderen gehe. Larissa hat in der Zwischenzeit die Plaketten so weit analysiert, dass sie eine Verbindung zur ‚Namenlosen Sternenleere‘ herstellen konnte. Weiterführend glaubt sie, dass die Sterne einen Hinweis auf die Gebäude des Dorfes darstellen. Da uns diese Informationen zu dem Zeitpunkt allerdings nicht weiterhelfen, gehen wir dem Hinweis mit der Sonnenuhr nach. Provisorisch stecke ich einen Spieß an die Stelle des Zeigers und es schaudert mich, als der Schatten sich in 13 Stück aufspaltet. Der ganz rechts ist länger als der andere – der Dreizehnte.

Während wir die weitere Vorgehensweise besprechen, wir haben uns darauf geeinigt, uns ein Gebäude anzusehen, das dem des Gasthauses sehr ähnelt und an der anderen Seite des Dorfes steht, kommt uns Valin entgegen. Ich biete ihm an, sich uns anzuschließen und er heuert kurzerhand einfach unsere gesamte Gruppe an, nachdem Necla den Anfang gemacht hat. Sie fertigt auch Verträge an, was ich angesichts der Bedrohung, die uns umgibt, befremdlich finde. Es werden 25% der Beute für jeden ausgehandelt, außerdem bekommt Necla Gold für ihre Dienste, ich Informationen und Larissa möchte von beidem etwas. Wenig später müssen wir unser können schon unter Beweis stellen, als wir Valin erfolgreich gegen Schakale verteidigen.

Beim Zwillingshaus angekommen finden wir Elissa vor – tot und aufgehängt am Zeiger der Sonnenuhr. Ihr Gesicht ist nicht zu sehen. Es widerstrebt mir, sie so schutzlos dort hängen zu lassen und ich möchte sie dem Namenlosen entreißen, indem ich sie aus diesem Zustand befreie, doch Necla ruft mich schließlich zurück. Anders als die Stimmen, die ich beim Klettern vernehme und auch mein Schatten möchte das Seil durchschneiden. Im letzten Moment springe ich von der Wand und Necla fängt mich auf, sodass ich unverletzt bleibe. Das mit meinem Schatten kann ich mir nicht erklären, genau so wenig die Stimmen und die Schwärze, die im Inneren des Hauses liegt. Valin hält uns eine Brosche mit einem Quenpetrylstein hin, der uns nach einer Berührung damit stärkt. Nun bin ich mir auch sicher, dass ich mich mit meiner Magie nicht zurückhalten brauche – im Gegenteil, ich werde mich dem Namenlosen entgegenstellen mit allem, was ich habe. Nur am Rande nehme ich wahr, dass etwas von oben auf den Stein tropft und davon verschlungen wird.

Im Inneren des Gasthauses sehen wir im Dunkeln schattige Gestalten, die sich im Gasthaus normal amüsieren, aber verschwinden, wenn sie im Licht sind. Da wir dort nicht weiterkommen, gehen wir in den Gemeinschaftsraum. Als nächstes passieren zwei Dinge gleichzeitig: Die Tür knallt zu und das Licht geht aus. Ja, auch das Licht des Quenpetrylsteines! Ich zögere nur kurz, dann entfache ich die Ewige Flamme meines Stabes und sehe Valin regungslos am Boden liegen. Necla und Larissa leuchten, sowie der Korspieß in Neclas und ein Säckchen in Larissas Hand. Ich selbst leuchte nicht. Dafür erkenne ich, dass mein Körper zu meinen Füßen liegt… Wir sind körperlos! Im ersten Moment gerate ich in stille Panik, dann besinne ich mich darauf, wie Aedin sich in meiner Situation verhalten würde. Er würde einen kühlen Kopf bewahren und die Situation analysieren. Genau das versuche ich, doch die Schatzsucherin macht es mir schwer mit ihren Albereien. Versteht sie den Ernst der Lage denn nicht?! Mit ihr zumindest kann ich mich unterhalten, da wir beide Atak beherrschen, doch Necla kann ich nur stumm anstarren – dummerweise hören wir uns gegenseitig nämlich nicht mehr. Der Quenpetrylstein hat Risse bekommen, wir haben aber Probleme damit, Dinge zu berühren. Der Körper von Valin bleibt deshalb zu meinem Bedauern so am Boden liegen, wie er ist und die Tür öffnet Larissa mit ihrem Leuchtsäckchen. Warum leuchten die beiden eigentlich und ich nicht? Liegt es an meiner Astralkraft? Diese hat sich zumindest an meinen Geist geheftet, was es mir erlaubt, weiterhin zu zaubern. Anders gesehen handelt es sich beim Korspieß auf jeden Fall um eine geweihte Waffe, auch Necla selbst ist geweiht. Was wiederum auch bedeuten könnte, dass in der Schatzsucherin ebenfalls göttliche Kraft innewohnt. Ich muss herausfinden, was in dem Säckchen ist… ‚Staub‘ kaufe ich ihr nicht ab. Aber das hat Zeit, erst konzentriere ich mich auf etwas anderes. Wir sehen uns also im Schankraum um und ich gehe nach draußen, um dort festzustellen, dass der Körper der Abenteurerin weg ist – nur noch der Strick hängt an der Sonnenuhr. Aber das ist nicht das einzige, das mich beunruhigt. Necla hat sich den kaputten Stein genommen und in ihre leere Augenhöhle gesteckt. Wie konnte das nur passieren?? Der Stein leuchtet nun aus den Rissen… und sie kann uns hören. Zu guter Letzt, um dem ganzen noch mehr Dramatik zu verpassen, sind unsere Körper verschwunden. Langsam aber sicher nervt mich dieses Rumgeistern. Natürlich machen wir uns sofort auf die Suche und werden im ersten Stock in dem Zimmer, dessen Fenster direkt beim Galgen ist, fündig. Auch Valin und Elissa (!) sind darin, denn diese kümmern sich um unsere leblosen Körper. Es brenzlige Situation entsteht, als Necla und Larissa Valin mit ihren leuchtenden Gegenständen versuchen auf uns aufmerksam zu machen – erst die Schrift, die ich mittels Auris Nasus an die Wand gemalt habe, klärt unsere Situation auf.

Ein Donnern an der Tür unterbricht unser ‚Wiedersehen‘ und ich stecke meinen Kopf nach draußen, um zu sehen, was vor sich geht. Bewaffnete Schattenwesen wollen herein! Valin hebt einen Schrank vor die Tür und er lässt gemeinsam mit Elissa unsere Körper herunter. Am Galgen, wohlbemerkt. Jede Einwände meinerseits wurden ignoriert und ich konnte nur hilflos zusehen. Unten angekommen trägt Necla ihren eigenen Körper und Elissa läuft mit meinem voraus in den Keller, wobei ich ihr natürlich folge. Dummerweise stürzt sie die Treppe runter und ich muss warten, bis die anderen meinen Körper mitnehmen… währenddessen schmiede ich Pläne, in meinen Körper zurückzugelangen. Unten im Keller setze ich meinen Plan in die Tat um, während Valin sich um die verletzte Elissa kümmert. Ich wage einen Versuch, mittels dem Umbra Porta in meinen Körper einzufahren – vergebens. Dafür hänge ich nun in meinem Schatten, was mir aber das Agieren einfacher macht. Ich stütze Elissa auf dem weiteren Weg und wir gehen eine Treppe hinunter/hinauf? und stehen am Ende vor einer Tür mit dem Symbol des Namenlosen darauf. Valin steckt eine FREMDE Hand! in das Loch der Tür, worauf diese komplett eingesaugt wird. Aber die Tür öffnet sich endlich und wir finden uns wenig später auf einer Blumenwiese wieder. Necla und Elissa kämpfen die Schatten zurück und Valin schließt die Tür. Endlich durchatmen! Valin besteht sogar darauf, eine längere Pause einzulegen, um wieder zu Kräften zu kommen. Diese nutze ich, um zu studieren. Möglicherweise können wir in unsere Körper zurück, wenn wir den kaputten Stein reparieren… doch wie?

Nach einer Stunde gehen wir weiter in eine Richtung, in der Larissa einen roten Schein sieht. Dort angekommen treffen wir auf die Statue mit dem Karneol. Nein, doch nicht. Es ist keine Statue. Die Frau steht aus Fleisch und Blut vor uns… Wie lautet eigentlich ihr Name? Haben wir danach gefragt? Wurde er uns mit Absicht verschwiegen? Hat sie überhaupt einen? Der Gedanke gruselt mich.

Die Frau sieht uns an und während sie mit uns spricht, realisiere ich, dass wir uns auf einer Ebene des Namenlosen befinden. Die Heldin des Dorfes sagt uns, dass hinter ihr der Weg der Namenlosen Sternenleere liegt und dass wir erst nach dem 5. Tag zurück können und deshalb hier bleiben sollen. Unsere Seelen könnten sonst in Gefahr geraten, dafür befinden sich unsere Körper momentan aber in einer Art Stasis. Na super.

Sie versucht uns zu sagen, wie sie heißt, doch wir vernehmen nur ein Rauschen und ihre Lippen verschwimmen. Wir erfahren nach und nach, dass sie die Pforte hier versiegelt hat, ihre Seele und ihren Namen musste sie dafür aber opfern. Außerdem muss sie hier bleiben, um die Pforte an den Namenlosen Tagen zu schützen.

Folgende Tipps gibt sie uns mit auf dem Weg: - Wir sollen unsere Namen nicht sagen. - Der nächste Tag wird bald anbrechen (Aphestadil). - Die Praiosscheibe nimmt uns das Licht, Schatten gewähren uns Sicht. - Den Einflüsterungen sollen wir wiederstehen. - Zuletzt warnt sie uns nochmals eindringlich, den Weg nicht zu betreten.

Auf unsere Frage hin, was uns dort erwarten wird, antwortet sie mit „Das liegt im Wahnsinn des Namenlosen“. Zumindest gibt sie uns den Hinweis, dass wir einen Ort mit einer Inschrift und zwei Altären finden werden, der sich die „Seelenschmiede“ nennt. Dort bekommen wir die Möglichkeit, wieder in unsere Körper einzufahren.

Weiters erzählt sie uns von Personen, die den Weg schon mal betreten haben und zurückgekommen sind, allerdings mussten sie ihre Waffen, mit denen sie „etwas“ zerstört haben, zurücklassen. - Zwerg mit einem silbernen Drachenzahn - Praiosgeweihter mit einem Greifendolch - Borongeweihter mit einem Rabenschnabel - Amazone mit einem Schwert

Weitere wichtige Informationen, die sie uns im Laufe des Gesprächs gibt: - Können sie eventuell befreien, indem wir den Weg besser versiegeln. - Sie kann uns nicht aufhalten, wenn wir Dinge mitnehmen wollen - Vermutlich gibt es viele Wege zu der Ebene, sie kennt aber keine anderen - Eventuell treffen wir auf frühere Gefährten von ihr – diese wären ein Mann mit einer Phiole an einer Halskette und ein anderer mit einem schwarzen Richtschwert. Ursprünglich waren sie zu fünft, diesen ist sie aber begegnet.

Um unsere Namen zu schützen, überlegen wir uns Decknamen. - Lana = Lena - Necla = Nele - Larissa = Lara - Elissa = Eli - Valin = Valerian

Nachdem das geklärt ist (ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich mir die Namen merken werden – ich schreibe sie mir deshalb auf den Arm) betreten wir den Weg. Elissa und ich tragen meinen Körper, Valin Larissas und Necla trägt ihren eigenen.

Der leicht bewaldete Weg führt uns 1-2 Meilen unter dem Licht der Sterne und des Mondes zu einem Dorf. Dann wird es dunkler und die schwarze Praiosscheibe schiebt sich an den Himmel; alles wird dunkel und die Schatten werfen Licht, was bedeutet, dass ich in meiner Schattenform sehr hell bin. Außerdem hören wir die Geräusche der Umgebung und auch die der Tiere rückwärts. Der Wahnsinn des Namenlosen trifft es sehr gut.

Im Dorf sind alle Fensterläden zu und niemand ist auf den Straßen. Larissa schwebt körperlos wie sie ist in eins der Häuser und sieht nach dem Rechten, während ich auf ihren leuchtenden Beutel aufpasse. Leider ist dieser mit einem komplizierten Knoten gesichert… Es wird also noch etwas dauern, Larissa zu entlarven, aber früher oder später werden Necla und ich schon noch die Wahrheit herausfinden. Als sie zurückkommt, erklärt sie uns dass in dem Haus eine normal aussehende Familie schläft und ich überreiche ihr wieder das Säckchen.

Wir gehen zu der Burg, die etwas erhöht liegt und hören das Geräusch eines Hammers, der auf einen Amboss schlägt und hoffen so die Seelenschmiede zu finden. Ich bin mir ja immer noch unsicher, ob das so eine gute Idee ist… Uns öffnet ein Mann mit einer Kapuze das Tor und gibt Valerian, Eli und mir als Wegzoll eine Münze. Die Silbermünze ohne Prägung stecke ich in meine Tasche und wir betreten die Burg, um gleich drauf mehrere Personen am Boden liegend zu sehen. Diese sind mit Tüchern bedeckt, aber wir können bei einem Körper erkennen, dass es sich dabei um einen älteren Mann in Gildenkleidung handelt; er weist keine Anzeichen von Verwesung auf und sein Puls geht sehr langsam und schwach. Näher untersuchen können wir ihn aber nicht, da uns der Wächter zurechtweist.

Dem Geräusch folgend finden wir eine Schmiede, in der ein Zwerg mit steinerner Haut mit seinem leuchtenden Hammer auf einen Körper einschlägt. Er scheint die Seele an den Körper schmieden zu wollen – ein grässlicher Anblick, wie ich finde. Und nichts, das ich mit mir machen lassen würde, doch glücklicherweise ist dies nicht der Ort, den wir suchen. In einem Kasten finden wir noch einen Felsblock, aus dem der Zwerg gemeißelt geworden zu sein scheint; da uns das nicht weiter interessiert, gehen wir weiter in die Burg hinein.

Im Thronsaal finden wir 2 Altäre und einen kleinen Schrein mit der Inschrift „Bring mich zurück und versiegle mich“. Unter der Inschrift erkenne ich ein abgekratztes Symbol, doch was es ursprünglich dar stellte, lässt sich nicht mehr erkennen. Necla aber erklärt, dass es an der Stelle einen kleinen Riss gibt, der als Verbindung zu unserer Welt fungiert. Dieser Umstand besänftigt mich etwas und ich wage nach Larissa und Necla den Versuch, meine Seele wieder an meinen Körper zu binden. Dazu legen wir nacheinander unsere Körper auf einen und unsere Seelen auf den anderen Altar und sprechen die Inschrift. Glücklicherweise hat es geklappt! Mehr oder weniger, meine Hüfte schmerzt nämlich etwas…

Auf dem Weg hinaus aus der Burg stehen die 30 Körper im Hof und starren uns an. Es wirkt nicht so, als würden sie uns durchlassen wollen… Necla jedoch lassen sie hindurch und nachdem sie die Körper etwas ablenkt, kann sich auch der Rest vorbeischleifen. Bei der Wache werden Larissa und ich anschließend um ein Gastgeschenk gebeten – das System, wieso ausgerechnet wird, erschließt sich mir nicht wirklich... aber gut.

Statt dem Dorf finden wir nun eine Stufenpyramide vor uns, die allerdings nach unten in den Boden ragt und nicht nach oben gen Himmel. Die Spitze ist ein Loch und dort treffen wir kurz darauf auf „Phioli“ (Anmerkung: Korrad Folmin von Ogerbach), der wohl einer der genannten Gefährten der Frau, die die Pforte bewacht, ist. Er traut uns nicht und er redet wirr davon, dass wir alle leuchten und Necla und Larissa sich ähneln. Wir erfahren von ihm, dass die Phiole, sein „Licht der Welt“, eine Verbindung zu unserer Welt ist und er damit erkennen kann, welche Artefakte sich nach Rückkehr sehnen und welche vom Namenlosen berührt wurden. Necla schafft es ihn davon zu überzeugen, mit uns zu kommen.

Nach anfänglichen Bedenken springen wir in das dunkle Loch und schwimmen mit teilweisen Schwierigkeiten durch eine zähflüssige Masse. Das Licht des Kor-Spießes, Larissas Beutel, Elissas Halskette und Valins Schwert reicht aus, um uns den Weg zu weisen. Durch einen Torbogen, über dem etwas Echsisches steht, gelangen wir schließlich in eine Schatzkammer, die so riesig ist, dass wir die Wände gar nicht erblicken können. Überall Häufen sich Gegenstände an Gegenstände und der ganze Boden ist voller Münzen. Der Anblick verwirrt mich und ich kann nur schwer ausmachen, was davon wertvoll aussieht und was nicht, deshalb konzentriere ich mich bei meiner Suche nach DEM Artefakt nach Büchern und magischen Symbolen.

Am Ende finden wir vieles, aber EIN Artefakt war nicht dabei. Wir sind uns auch gar nicht mehr sicher, ob es dieses EINE überhaupt gibt, deshalb machen wir einfach das beste daraus und nehmen Dinge mit, die wir mit einer Schwächung des Namenlosen in Verbindung bringen.

Necla findet - Drachenzahn des Zwerges (nimmt Larissa) - Greifendolch des Praiosgeweihten (nehme ich) - Rabenschnabel des Borongeweihten (wird später leider zerstört) - schwarzer Helm (trägt Necla, er hat, wie auch immer, ihren ganzen Körper in eine Rüstung gehüllt)

Larissa findet: - eine namenlose Schriftrolle (konnte sie leider nicht zerstören, wurde deshalb zurückgelassen) - karmales Artefakt; Hut der Hesinde (nimmt Larissa mit)

Ich finde: - 10 cm breites Band, etwa 2 Schritt lang mit zwergischen Runen „Weltenbrand“ auf Rogolan - Quader mit einem Namenlos-Praios Symbol

Necla hat in der Zwischenzeit den Quenpetrylstein aus ihrem Auge bekommen und Valin zurück gegeben. Beim Versuch das Buch zu öffnen, werden sowohl Larissa als auch Necla gestochen, Valin und ich allerdings nicht; aber zumindest bekommt Valin es auf. Unter dem Einfluss des Buches entbrennt zwischen Larissa und mir ein Kampf um dessen Besitz, den auch Necla nicht stoppen kann. Bei dem Versuch von ihr, das Buch zu zerstören, zersplittert der Rabenschnabel in 1000 Teile und verletzt uns. Aber auch das kann uns nicht aufhalten, es kommt sogar so weit, dass Larissa das Buch öffnet und ich eine Passage daraus lese. Larissa, Necla und ich können gar nicht anders, als dem ketzerischen Inhalt zu lauschen…

„Der Mensch soll nicht in Freiheit leben, denn es ist den Göttern ein Gräuel. So wacht der Meister der Ketten eifersüchtig über die Schritte der Menschen und versieht deren Fähigkeiten bislang mit engen Grenzen. Er zerschlägt alle Hoffnungen auf wahre Größe mit der ihnen innewohnenden Sterblichkeit. Der Mensch ist dergestalt geschaffen, dass er sich selbst in Knechtschaft begibt und nie sein eigener Herr sein kann. So muss er immer einen König, einen falschen Priester und weitere Obere haben, denn allein er erträgt die Freiheit nicht. Deshalb soll der Meister der Ketten die Menschen gleich den Ameisen klein halten und sie in die gleichermaßen geliebten und verhassten Sklaverei zurückdrängen, wann immer es nötig erscheint.“

Valin nimmt es schlussendlich an sich, da er dem Einfluss des Buches von Anfang an widerstehen konnte.

Ich zeige Phioli das Band mit den Rogolan Runen und erfahre, dass dieses nicht vom Namenlosen berührt wurde. Er drängt uns nun aber dazu, die Schatzkammer zu verlassen und wirkt dabei sehr nervös.

Wir folgen ihm deshalb durch den Raum, werden aber von einer Entdeckung Larissas aufgehalten. Ein Seil baumelt von der Decke und verschwindet in einem Loch… natürlich gehen wir der Sache nach und klettern mit Hilfe meines Stabes nach oben. Während wir durch mehrere Ebenen und somit auch Schatzkammern klettern, kämpft Necla, die mit Phioli, Elissa und Valin unten zurückgeblieben ist, gegen ein im Schatzhaufen verstecktes Wesen mit 2 Skorpionsstacheln. Auch wird bekommen es mit seltsamen Wesen zu tun, sehen sie aber im Dämmerlicht der Laterne nicht besonders gut. Wir spüren aber, dass sie uns hinterherklettern.

Bald schon schaffen wir es in die oberste Ebene, in der uns eine große Glocke erwartet. Wir schaffe es, uns unter dieser durchzuquetschen und finden… nichts. Zumindest nichts Nennenswertes. Stattdessen bekämpft Larissa die Hände, die sich unter der Glocke vorwagen und ich laufe durch die nächste Tür. Erstaunlicherweise sehe ich Phioli und wenig später auch Necla, Elissa und Valin. Necla hatte in der Zwischenzeit ein weiteres Wesen vernichtet.

Die Glocke soll kurz darauf auch unser Weg nach draußen sein, nachdem Phioli diese schlägt.

Wir finden uns auf dem Glockenturm eines kleinen Dorfes wieder und erblicken rundherum verschiedene Landschaften. Durch die Luke kommen wir hinunter in das Gebäude, das an einen sehr schlichten Praiostempel erinnert – nur Phioli bleibt zurück – und sehen uns ein wenig um. Speziell die Sternenbilder, die an die Wände gemalt wurden, wecken unser Interesse, denn die Sternbilder unserer Götter fehlen...

Einem Aufruhr folgend werden wir am Dorfplatz Zeuge einer Hinrichtung, die ein breitschultriger und vernarbter, etwa 1,8 Schritt hoher Mann mit einer Metallhand mit seinem schwarzen Richtschwert [Anmerkung: Zwillingsschwert – steckt im Richtblock in einem Dorf im Raschtulswall] durchführt. Hierbei handelt es sich wohl um den anderen Gefährten, den die Wächterin der Pforte erwähnt hatte. Er beantwortet unsere Frage nach dem wieso damit, dass der Getötete die Regel, dass von draußen nichts mitgebracht werden darf, gebrochen hatte. Wir geben ihm den Spitznamen „Blacky“. Er gibt uns weitere wichtige Informationen: - Die Heldin muss nur an ihrem Ort verweilen, weil die Pforte fehlerhaft versiegelt wurde. - Um die Versiegelung zu korrigieren, werden die Phiole, das Richtschwert und karmales, sowie magisches Potenzial benötigt. - Wir befinden uns in ‚Trutzhüttn‘

Natürlich wollen wir helfen und stellen uns deshalb als fehlende Potenziale zur Verfügung. Als nächstes müssen wir aber erst noch Phioli davon überzeugen, uns seinen Anhänger zu überlassen – Valin bietet sich für diese Aufgabe an und geht alleine zu Phioli.

Derweil gehen Larissa und Necla zum Gasthaus und ich bleibe mit Elissa im Gebäude mit dem Glockenturm, um einige Analysen durchzuführen. - Odem auf Helm: o viel Magie, starke Kraftfäden ziehen sich über die gesamte Rüstung - Analys auf Buch: o alte Gildenmagie, die mich an Aufzeichnungen von Punin über Magiermogule erinnern o ein Verschleierungszauber liegt darauf o eine magische Falle wird nach einer unbestimmten Zeit der Analyse ausgelöst o aus diesem Grund breche ich die Analyse vorzeitig ab

Während ich mich mit den magischen Artefakten beschäftige, finden Necla und Larissa die Wirtin des Gasthauses. Folgende Informationen teilt sie mit ihnen: - Blacky ist der Bürgermeister und verschwindet immer wieder mal für einige Wochen; in der Zeit stocken sie ihre Vorräte mit Dingen von draußen auf - Ihr Name ist Hela Mercatis - Das Dorf ist relativ sicher, nur manchmal wachen die Bewohner wo anders auf. Währenddessen scheint nichts zu passieren. - Warnung: Wir sollen nicht in das Haus des Bürgermeisters gehen, da deswegen schon mal jemand getötet wurde.

Necla sei Dank haben wir endlich etwas zu Essen bekommen und danach machen sich Larissa, Valin und Elissa dazu auf, unsere Wasservorräte aufzufüllen. Währenddessen bleiben Necla und ich bei Phioli, um auf ihn aufzupassen – dabei überlege ich mir, wie ich den Schutzmechanismus des Buches umgehen kann und komme zum Entschluss, dass dieser wohl abhängig von der Sternenkonstellation funktioniert. Meiner Annahme nach wird die Falle in den Namenlosen Tagen also erst gar nicht ausgelöst – gut für mich.

Larissa, Valin und Elissa gehen zum Brunnen, finden dort aber nur rotes Wasser vor, weshalb sie zum Gasthaus gehen und die Wirtin befragen. Valin verlässt die Gruppe schon vorher, um sich umzusehen. Von Hela Mercatis erfahren Larissa und Elissa, dass das rote Wasser im Brunnen trinkbar ist, blaues hingegen löst Nebenwirkungen aus.

Auf dem Rückweg zu uns bekommen sie klares Wasser aus dem Brunnen und treffen auch noch auf Blacky, der ihnen sagt, dass die Potenzialmessung am Abend stattfinden wird.

Währenddessen hören Necla, Phioli und ich seltsame Geräusche auf dem Dach und die Korgeweihte macht ihrem Namen alle Ehre, indem sie ohne zu zögern auf den Turm geht, um nachzusehen. Ich höre ein zweites Poltern und gehe davon aus, dass Necla auf das Dach gesprungen ist…. wenige Minuten später kommt Elissa zurück und ich überlasse ihr Phioli, um ebenfalls auf den Turm zu gehen.

Was ich sehe, ist äußerst faszinierend. Larissa steht auf der Straße neben dem Gebäude und schaut zum Dach nach oben, wo Necla und wenige Schritt weiter weg ein… Wesen steht. Es frisst gemütlich das Dach. Erst wollen wir es einfach in Ruhe lassen, von den Dorfbewohnern erfährt Larissa allerdings, dass es schon etwas zerfleischt hat, und wir beschließen, es zu bekämpfen. Allerdings flüchtet es, nachdem Necla ihren Gott um Hilfe anrief… auch gut.

Zurück im großen Raum fehlen unsere restlichen Gefährten und wir finden heraus, dass Phioli durch das Fenster geflüchtet und Elissa ihm hinterhergelaufen ist. Necla und ich übernehmen und folgen den Spuren von 2 Menschen bis in den Wald zu einem seltsamen Baum. Dieser steht alleine auf einer kleinen Lichtung und trägt keine Blätter mehr. Dabei handelt es sich sicher um eine Steineiche der besonderen Art [Anmerkung: Fehlinformation], in der auf der Rückseite ein mir unbekanntes Symbol [Anmerkung: Eine Skizze davon befindet sich im grauen Buch] eingeritzt ist – ich gehe davon aus, dass es sich bei dem Symbol um die Markierung eines Dämonenopfers handelt; der Baum wird demnach wohl eine Seele gehabt haben und möglicherweise ein Druide gewesen sein?

Im Baum finden Necla ein dunkles Loch, in das ich kurzerhand die Flamme meines Stabes halte, woraufhin diese blau leuchtet. Spannend! Meiner Neugier folgend erforsche ich das Loch natürlich mit meiner Hand und finde, nachdem ich bis zur Schulter darin stecke, eine Phiole. - rote Farbe (ob die Phiole oder die Flüssigkeit, lässt sich anhand des vollen Flüssigkeitsstandes nicht eindeutig feststellen) - Funken sind darin zu erkennen - Metallverschluss mit Wachs versiegelt - Handwarm

Odem auf den Baum: - magische Aura; nicht so stark wie früher - keine Blutmagie

Der Ton eines Horns lässt Necla und mich nach weiteren Spuren suchen und wir folgen diesen bis zur Dorfmitte. Niemand ist auf den Straßen und wir legen einen Zwischenstopp im Gasthaus ein, um uns bei der Wirtin nach dem Horn zu erkundigen. Es bedeutet, dass wir uns in Sicherheit begeben sollen, da die Nacht hereinbricht.

Wir holen die anderen ab und gehen zu Blacky, der beim Richtblock schon auf uns wartet. Er erklärt uns, dass wir auf die Namenlose Sternenleere warten und dann das Schwert von ihm berühren müssen, damit dieses unser Potenzial erkennt. Ich bin äußerst skeptisch… doch Necla traut ihm sofort, was mich ihr gegenüber ebenfalls misstrauisch werden lässt.

Odem auf Schwert: - leuchtet sehr stark – sehr viel Sternenenergie ist darin gespeichert - Behältnis für Astralenergie blutiger Natur (Blutmagie/dämonisch) -> ähnlich einem Sanguritkristall -> hält die dämonische Magie gefangen - gildenmagischer Herkunft

Valin ist nicht zu sehen, doch Phioli stößt zu uns mit der Information, dass ihm schwindelig ist und er eine eingeschränkte Sicht hat. Außerdem hat er keine Ahnung mehr, dass er im Wald war und er ist in einem Haus aufgewacht. Super.

Odem auf Phioli: - aktiver Herrschaftszauber; eventuell ein Memorabia?

Der Himmel wird finster und durch den Spalt, der durch die Namenlose Sternenleere entsteht, fühlen wir uns beobachtet. Es ist, als würde jemand direkt in unsere Seele blicken… nein, unter diesen Umständen werde ich mich sicher keiner dubiosen Prüfung unterziehen lassen!

Blacky legt das Schwert hin, Necla legt ihre Hände darauf und die Zauberzeichen auf dem Schwert beginnen zu glühen, woraufhin der Träger des Schwerts nickt. Auch Larissa und Elissa unterziehen sich der Prüfung, woraufhin Blacky ebenfalls beiden zunickt. Phioli allerdings verweigert, Valin ist nicht da und auch ich verneine.

Odem auf Larissa: - ein regenerierender Effekt ist durch einen Zauber der Merkmal Hellsicht und Heilung zu erkennen

Blacky erklärt uns nach der Prüfung, dass eine 3. Person das Ritual durchführen wird. Dabei handelt es sich um einen seiner früheren Gefährten, einen Gildenmagier. In der Mitte des Tages werden wir aufbrechen, wie lange die Reise sein wird, ist aber ungewiss. Bevor Blacky geht, erfahren wir von ihm auf Nachfrage noch, dass Valin in ein Nebenhaus der Taverne gegangen ist.

Dort macht uns ein alter Mann auf und erklärt, dass wir Valin knapp verpasst haben; er wollte zur Kirche.

Zurück bei unserem Ausgangspunkt öffnet uns Valin die verbarrikadierte Tür und ich beginne in einem Extraraum meine Analysen. Analys auf Phioli: - Signatur gefunden -> ich beschäftige mich so lange damit, dass ich die Signatur später wiedererkennen kann - Die Anwendung ist noch nicht so lange her - die Wirkungsdauer hält noch länger an - Die Herrschaftskomponente lässt mich auch weiterhin auf einen Memorabia schließen Ich berichte meinen Gefährten davon, damit wir ihn alle im Auge behalten können. Speziell bei der Wache.

Analys auf Phiole: - andere Signatur als der Zauber auf Phioli - nicht gildenmagisch; eher druidisch/elementar mit Herbeirufung

Trotz dem Gefühl, mich langsam erschöpft zu fühlen, reize ich meine Sternenkraft weiter aus. Diese scheint sich in dieser Welt entweder rascher aufzufüllen oder ich benötige für meine Zauber weniger davon.

verlängerter Analys auf Buch: - Merkmale Einfluss, Herrschaft und Hellsicht - Standort der Falle gefunden; meine Vermutung, dass sie aktuell nicht ausgelöst werden kann, bestätigt sich Leider wurden weitere Erhebungen von dem stechenden Kopfschmerz, der mich immer überkommt, wenn ich es mit der Nutzung meiner Astralenergie übertrieben habe, verhindert. Ich bin vollkommen ausgebrannt, nicht mal die einfachste Matrix des Objektofixos lässt sich weben… Da ich dennoch auf den Schutz des Buches bedacht bin und nebenbei auch gerne meinen körperlichen Zustand verbessern will, trinke ich kurzerhand einen meiner Astraltränke.

Notiz am Rand der Seite: Astraltränke auffüllen, nur noch 1 übrig!!

Meine Gefährten lassen mich die Nacht über schlafen, wie ich am nächsten Tag feststelle, als Valin uns weckt.

3. Namenloser Tag 1034

Larissa und ich trennen uns unter der Ausrede, Essen zu holen, von den anderen. Wir begeben uns aber direkt zum Haus von Blacky, das lediglich eine Tür hat. Fenster oder ein Schornstein sind nicht zu sehen, weshalb wir keine andere Wahl haben, als die Wache davor mittels Somnigravis auszuschalten. Wir legen ihn in das Feld daneben, damit sie vorerst unentdeckt bleibt. Die Tür ist nicht verschlossen und wir finden einen spärlich eingerichteten Raum vor, der nicht viel hergibt außer Salben, Phiolen und Muskelfleisch, das noch zuckt. Wir begeben uns deshalb auf die knarzende Treppe und beschließen, dass wir diese lieber nicht weiter belasten, sondern entlang der Wand daneben klettern. Hinter der Tür vernehmen wir ein Flüstern, dass wir ‚ihn‘ befreien sollen, denn er ist ein Mensch nicht wie die anderen. Alles in mir wehrt sich dagegen, der Stimme nachzugeben, doch Larissa scheint den Einflüsterungen unterlegen zu sein, denn sie öffnet die Tür kurzerhand einfach, ohne die Konsequenzen zu bedenken! Ein Ruck an der Tür und ein Lachen, dann war die Tür auch schon wieder geschlossen, aber mir graust es, haben wir gerade etwas Unheilvolles befreit? Wir müssen nachsehen! Mit einem gegen Dämonen modifizierten Gardianum als Sicherheitsmaßnahme begeben wir uns also nun doch in den Raum. In dessen Mitte kniet eine Person mit dem Rücken zu uns, sie hat Lumpen an und keine Haare, außerdem wippt sie vor und zurück und hält sich das Gesicht zu. Das alleine ist schon respekteinflößend genug, die Tatsache, dass der Kerl aber auch noch in einem gemalten Zauberkreis sitzt, spricht für das Böse höchst persönlich. Nachdem Larissa nacheinander die Fackeln anzündet und sie näher an die Gestalt herantritt, hören wir nochmals ein Flüstern: „Warum habt ihr das getan? Warum habt ihr das getan?...“ Während der Mann vor sich hinbrabbelt, untersuche ich den Kreis und stellte fest, dass es sich dabei um einen Bannkreis handelt und Blutmagie gewirkt wurde. Außerdem kann ich keine Mängel feststellen, der, der diese Zeichen angefertigt hatte, versteht also sein Handwerk. Ich gehe davon aus, dass man damit versucht hatte, etwas Göttliches drin zu behalten, aber soweit der aktuelle Forschungsstand sagt, ist dies ein Ding der Unmöglichkeit. Das nächste seltsame ist die Innenseite der Tür, denn dort finde ich das Zeichen, das ich schon am Baum gefunden hatte und nachträglich wurden die Symbole der Zwölfgötter eingeritzt. Die Einzelheiten danach möchte ich lieber nicht ausführen, doch so viel sei gesagt: Nachdem wir den Kerl angesprochen haben, ist dieser einfach auseinandergefallen. Auf eine dämonische und qualvolle Art und Weise – Stück für Stück. Der Ton seines Schreis hallt noch lange nach, obwohl er längst verstummt ist. Wo fährt die Seele eines Menschen an so seinem Ort hin? Auf dem Weg nach unten hören wir plötzlich Schreie und ich löse meinen Objektofixo auf, um die Eingangstür zu öffnen. Erst sehen wir nichts Ungewöhnliches, doch als wir einen Bauern ansprechen, sehen wir Wahnsinn in seinen Augen. Er lässt sich gar nicht beruhigen und erst durch eine Verletzung, verursacht von Larissa, scheut er zurück und hebt abwehrend die Hand. Da erblicken wir auch schon eine Kreatur daneben am Dach. Es hat einen Ballonkopf, ist haarlos und grinst uns mit seinen etwa 100 Zähnen an. Was ist das? Ich habe so etwas noch nie gesehen oder davon gehört, sobald wir hier raus sind, werde ich wohl in eine umfangreiche Bibliothek gehen müssen. Larissa bringt aber ein wenig Licht ins Dunkle, denn sie erzählt, dass es Fälle von Namenlosem Wirken gibt, bei dem seine Anhänger in solche Kreaturen verwandelt werden. Aber normalerweise führt diese Verwandlung zum Tod. Na toll. Nur mein Gardianum, der kurz vor dem Ende seiner Wirkungsdauer steht, hält das Ding auf, als es uns anzugreifen versucht. Schließlich ist es soweit, mein Zauber verfliegt und das magische Artefakt von Larissa, hergestellt von einem Magier aus Fasar, dessen Namen ich mir nicht merken konnte (irgendwas mit Fancy), in Form eines Wurfsternes lässt die Kreatur in einem Funkenregen aufgehen. Auf dem Weg zur Kirche finden wir leider noch viele andere dieser Kreaturen, die wir erst bekämpfen, dann aber schleichen wir uns voran und sehen unsere Freunde, die Richtung Wald unterwegs sind. Wir folgen ihnen. Im Wald selbst ist es plötzlich totenstill und wir hören keine Kampfgeräusche mehr. Alle unsere Begleiter sind da, zusätzlich trägt Faiza eine alte Frau, die Vettl genannt wird, und Blacky stützt einen Verletzten. Natürlich fällt mir auf, dass Valin mein Buch schon wieder bei sich trägt und mich überkommt das ungute Gefühl, dass er vielleicht mehr Interesse daran hat, als es den Anschein hat. Auch entgeht mir nicht, dass Blacky heimlich eine Träne vergießt, als er sagt: „Ihr habt es tatsächlich geschafft. Mich hält hier nichts mehr, gehen wir.“ Bald kommen wir beim Baum an, der keine Blätter mehr trägt, und Blacky fordert uns auf, den Stamm zu berühren. Er selbst hält sein Schwert an die Rinde und der Rest von uns folgt mit den Händen, worauf Blacky sagt: „Ein letztes Mal, mein Freund.“ Energie strömt vom Schwert in den Baum hinein und wir sehen im Zeitraffer, wie sich unsere Umgebung im Laufe der Zeit verändert. Sie stirbt ab, bis nur noch Wüste da ist und lebt dann ausgehend von einem Bach wieder auf, bis selbst Tiere wieder zu sehen sind. Vom blätterlosen Baum selbst ist nur noch ein Häufchen Humus zu sehen. Der Ort strahlt Frieden aus, unnahbare Kraft, er wirkt fast wie ein Heiligtum und ich wage nicht, auch nur einen Grashalm umzuknicken. Blacky ist erschöpft und sagt uns, wir sollen schon mal zu seinem vergessenen Gefährten gehen. Doch wir lassen ihn nicht alleine und schlagen hier unser Lager auf. Am Feuer erzählt er uns, dass wir den Namenlosen Irrsinn befreit hätten, dass dieses unausweichlich gewesen war, er aber nicht so schnell damit gerechnet habe. Wer erklärt auch, dass die Verwandlung immer 13 Tage anhält und er in der Zeit nie fort gewesen war, wie die Dorfbewohner es geglaubt hatten. Wir bleiben über Nacht.

4. Namenloser Tag 1034

Ich kann nicht in Worte fassen, was ich fühle, als ich erwache. Ein Traum, der so schön begann und in einem Albtraum endete. Ich weiß, dass das nur die Spielchen des Namenlosen sind. Doch es war so real, so schön, so schmerzvoll. Wie kann ich sicher sein, dass unsere Wahrheit die richtige ist? Wir gehen weiter und ich verdränge den Traum, um mich auf das Wichtige konzentrieren zu können. Auf dem Weg begegnen wir Pilgern, die Roben mit dem Symbol des Namenlosen tragen. Blacky ermahnt uns, nicht mit ihnen zu reden und er schneidet ihnen auch das Wort ab, falls sie uns ansprechen. Bald kommen wir an einem weißen Turm mit dem Durchmesser von etwa 10 Schritt an, der sich bis in die Wolken schraubt. Wir betreten eine Wendeltreppe mit, wie ich höre, goldenem Geländer und einem roten Teppich und wir gehen an den vielen Edelsteinen in den Wänden vorbei bis ganz nach oben. In der Mitte befindet sich eine Sphäre und ich sehe, wie sie das Licht in allen Farben bricht. Ja, in allen Farben! Ich kann sie sehen, auch wenn sie nicht so erleuchtend wirken wie jene im Praiostempel, doch sie sind da. Am Ende der Wendeltreppe erreichen wir eine helle Tür. Selbst die alte Vettel, die nun viel agiler wirkt als zuvor, hat den langen Weg geschafft! Als Blacky sein Schwert in die Tür sticht, erfüllt uns ein grässliches Geräusch, doch die Energien des Schwertes vollbringen, was sie schon mal vollbracht haben. Die Tür verrottet und die umliegenden Wände bekommen Risse, selbst die funkelnden Steine, die vermutlich Edelsteine sind, werden zu so etwas wie Geschwüren. Der Raum dahinter erinnert mich an die Schatzkammer der umgekehrten Pyramide. Überall befinden sich Helme, Rüstungen, Waffen, Zauberstäbe,… alles mit Plaketten versehen. Wir erkennen Armalion, ein Talismanschwert der Rondrakirche, Dschadra al-zul, einen urtümlichen Korspieß aus Endurion, aber auch Athai-naq, einen dämonischen Anderthalbhänder. Als Larissa und ich die Rondrawaffe berühren, durchfährt uns ein Blitz und der Schmerz, der daraufhin von meinem Herzen ausgeht, ist heftiger, als der des Blitzes selbst. Ich habe an ihr gezweifelt und das ist die Strafe dafür. Ich muss mich unbedingt an Kylaria wenden, damit sie diese finsteren Gedanken aus mir vertreibt. Faiza, die eine Geweihte des Kor ist, kann dessen Spieß gefahrlos berühren. Wenigstens eine hält am Glauben zu ihrem Gott fest. Hinter dem Torbogen steht ein Mann, der überraschenderweise wie Elodin in einer hellen Robe, aber ohne Stab, aussieht. Er spricht seine alten Gefährten an. „Korrad, lässt du dich blicken. Chazi’uhn, du auch? Habt ihr euch entschieden, dem ganzen ein Ende zu bereiten?“ Dann erst wendet er sich dem Rest zu. „Willkommen, ich bin Limbomim el’jaffalon.“ Nacheinander stellen wir uns vor und mir fällt auf, dass er etwas durchsichtig wirkt. „Seid ihr bereit, euren Namen zu opfern, eure Seele oder etwas anderes?“ Niemand von uns überlegt lange, auch ich nicht, obwohl ich mir unsicher bin, wie weit das hier tatsächlich führen wird. Wir sprechen uns einstimmig dafür aus. Er ‚geht‘ in eine Statue von sich selbst, um diese zu beleben, und bittet uns darum, ihm unser Potenzial zu zeigen, indem wir die Statue berühren. Außer der alte Vettel kommen wir alle seiner Bitte nach und ich lasse meine Sternenkraft in die Statue fließen. Jetzt, wo Limbomim immer fleischlicher wird, ähnelt er Elodin weniger, nur einige Gesichtszüge erinnern mich an ihn. Sein Geist ist nun endlich wieder an seinen Körper gebunden. Er fordert uns auf, uns nach oben in die Sternenleere zu folgen und wir beschreiten deshalb die helle Treppe, die sich gefühlt ewig hinzog. Dann endlich haben wir es geschafft! Wir stehen auf einer durchsichtigen Plattform mitten im Himmel – kein Mond ist zu sehen und die Sterne sind nur auf einer Ebene verteilt und noch dazu sehr weit weg. Als Opfer werden die Phiole von Phioli überreicht, sowie das Schwert von Blacky und die Phiole mit dem elementaren Meister, die ich im Baum gefunden hatte. Allerdings fehlt noch ein viertes großes Opfer und es entbrennt eine Diskussion über eben jenes. Doch egal wie sehr ich argumentiere und mich wehre, Faiza ist es, die das Opfer bringt. Sie gibt ihren Namen, der hier auf immer verloren sein wird und bleibt fortan nur noch als Faiza in unserem Gedächtnis. Der Name, den sie vorher trug, ist erloschen. Doch das Gesicht dieser Heldin wird niemals in Vergessenheit geraten. Wir bilden einen Kreis und fliegen über die Orte der letzten Tage hinweg. Wir sehen die Blumenwiese, die Pyramide, die Schatzkammer,… Langsam verschwinden meine Begleiter und mir selbst wird schwarz vor Augen.

1. Praios 1035

Die Statue des Dorfes taucht in der Dunkelheit der Nacht vor mir auf und ich sehe die offene Tür des Gasthofes. Elissa, Larissa, Faiza, Valin und ich sind die einzigen, die den Weg von der anderen Ebene hierher geschafft haben. Die alte Vettel, der Verletzte, Phioli, Blacky und Limbomim bleiben verschwunden. Wir erfahren vom Wirten, dass die Namenlosen Tage vorübergezogen sind und der 1. Praios angebrochen ist. Den Göttern sei Dank haben wir es überlebt und rechtzeitig den Weg zurück gefunden! Doch als wir die Fanfare hören und nach draußen gehen, um die aufgehende Praiosscheibe zu begrüßen, sehen wir ein Regiment Reiter auf uns zukommen. Sie tragen die Banner der Zwölfgötter und alle Zeichen stehen auf Krieg! Es kommt mir vor, als wäre es die letzte, alles entscheidende Schlacht. Die Leute um uns herum laufen bewaffnet aus den Häusern und wir hören die Befehle und die fanatischen Gebete, die verkünden, das Dorf mit den Ketzern und dem Wahnsinn komplett zu vernichten. So schnell können wir gar nicht reagieren, da stürmen die Reiter schon hinein und pflügen die Dorfbewohner nieder. Auch vor uns machen sie keinen Halt, doch Faiza, die als einzige verschont werden sollte, verteidigt uns und auch wir versuchen uns so gut es geht zu wehren. Das ganze Dorf steht in Flammen, das „reinigende Feuer“ brennt alles nieder und wenig später stehen wir alleine zwischen den Trümmern und Leichen. Die Praiosscheibe steht erhaben über uns im Zenit, doch um die Statue herum ist weiterhin Nacht. Erst jetzt wird uns bewusst, dass es sich hierbei glücklicherweise nicht um die Realität handelt, sondern um einen Traum. Oder um eine Vision? Wir gehen. Wir lassen das Dorf, dessen Häuser noch stehen und dessen Bewohner noch leben, einfach hinter uns. Noch einmal glaube ich, den Tod sehen und das Blut riechen zu können. Doch das alles passiert nicht. Wir wissen, dass es nicht wahr ist. Wir wissen, dass das niemals passieren würde. Oder?

Auszug aus Lana Adersin-Nagraskjaleffs Tagebuch; Der Traum, den sie erlebt hat

Ich träume, doch ich weiß nicht, dass ich träume, also lebe ich.

Ich trage unsere Tochter auf der Hüfte und sie lächelt mich an. Ein zuckersüßes Lächeln, das ich automatisch voller Liebe erwidere. Sie lacht, als ich sie kurz spielerisch am Hals kitzle und dann öffne ich die Tür zu der Bibliothek, um nach Aedin zu sehen. Ich weiß, dass er hier ist, denn nachdem er mir morgens einen sinnlichen Kuss auf die Lippen gab, erzählte er mir, dass er einige Recherchen zu erledigen hatte. Wie jeden Tag. Aber das ist in Ordnung, ich wusste, wen ich heirate, als ich es getan habe. Aber als ich um die Ecke des Regales trete, sehe ich, dass er nicht alleine ist. Ich weiche sofort wieder zurück, um mich zu verstecken. Lächelnd lege ich meinen Zeigefinger an den Mund meiner Tochter, um sie zur Stille zu ermahnen, schließlich wollen wir unentdeckt bleiben, nicht wahr? Mein Mädchen nickt und zappelt so sehr, dass ich sie hinunterlasse, damit sie sich ebenfalls an die Wand des Regals drücken kann. Ich glaube nicht, dass sie schon versteht, was sie hier macht, aber es sieht gerade so süß aus, dass es mein Herz voller Liebe höher schlagen lässt. Dann spähen wir gemeinsam vorsichtig um die Ecke und mein Herz beschleunigt sich noch mehr – diesmal aus Stolz. Ich sehe Aedin, wie er unserem Sohn die Hand auf den Kopf legt, um seine genau so wirren Haare zu verwuscheln. Unser Sohn grinst breit und hält seine Hand höher, auf der sein erster Flimflam vor sich hinleuchtet. Klein und schwach, aber er strahlt genau so wie unser Sohn und wie Aedin. Voller Stolz. Ich drücke meine Faust an meine Brust, genau da, wo sich darunter mein Herz befindet und schließe die Augen voller Rührung. Er ist doch noch viel zu jung zum Zaubern, doch er hat es geschafft. Ich lasse die beiden in Ruhe und reiche unserer Tochter die Hand, um sie nach draußen zu führen. „Wir besuchen sie später, ja?“, frage ich sie und erhalte ein Nicken als Antwort. Anders als unser Sohn nach Aedin kommt, kommt unsere Tochter gar nicht nach mir. Sie ist schüchtern, spricht kaum und versteckt sich lieber hinter mir, Aedin oder ihrem größeren Bruder. Aber sie steckt voller Liebe und Fürsorge. Sie interessiert sich jetzt schon mehr dafür, was Tante Flo macht, als für das Handwerk der Magie. Und ich bin mir sicher, sie wird eine großartige Schülerin für Flo sein. Die beste, die sie je haben wird. Ich drücke die Hand unserer Tochter, die mich fragend ansieht, weil ich gedankenlos stehen geblieben bin. Dann wandern wir durch die Akademie, die wir voller Mühe und aufgebaut haben und ich erwidere die respektvollen Grüße der Scholaren mit einem Lächeln. Ich nenne sie alle bei dem Namen, denn ich kenne sie. Ich kenne jede einzelne Geschichte, egal wie aussichtslos sie war. Sie studieren hier unter unserer Verantwortung und wir führen unsere Aufgaben stets gewissenhaft aus. Heute aber möchte ich einen Rundgang durch das Dorf machen, denn auch das gehört zu unseren Pflichten. Da unsere Tochter schon müde ist, nehme ich sie wieder auf die Hüfte und verlasse die Akademie. Heute liegt Neuschanz besonders friedvoll vor mir – einzig die klirrenden Geräusche von Waffen sind zu hören und ich gehe am Schrein vorbei, vor dem Kylaria unsere Waffen unterrichtet. Schweiß glänzt in der Sonne und ich winke nur kurz, um sie nicht beim Training zu stören. Wo war eigentlich Maxi? Letztens erst war er wochenlang mit Avala unterwegs, weil sie ihm unbedingt etwas zeigen wollte. Schön, diese Liebe. Sie belebt dieses Dorf Tag für Tag. Er jetzt höre ich das leise Atmen unserer Tochter, die wohl schon wieder auf mir eingeschlafen war. Ich lächle und danke dem Einen, dass er über unser Dorf wacht und uns unsere Kinder geschenkt hat. Die letzten 5 Tage des Jahres brechen an und unser geliebtes Dorf versinkt in Dunkelheit. Eine Streitmacht von zwölf schrecklichen Göttern überrollt uns – wir haben keine Chance. Kylaria fällt als erste. Flo als zweite. Aedin stürmt voran und ich sehe den Schlag von hinten kommen, ehe er ihn sieht. Doch es ist nicht der Tod von Aedin, der mir den Atem raubt, sondern weil es unser Sohn ist, der direkt auf den Mörder seines Vaters zuläuft. Ich muss mich entscheiden, soll ich unsere Tochter hier stehen lassen oder sie schützen? Ich wirkte unter Tränen einen Zauber, sehe das halbe Schlachtfeld explodieren, doch die Hilfe kam für unseren Sohn zu spät. Für alle. Das Dorf gleicht einem Trümmerfeld und ich habe Blut an mir kleben. Woher? Ich blicke an mir herab, sehe das bleiche Gesicht unserer Tochter und ich realisiere, dass es ihr Blut ist. Der Moment, den ich für die gescheiterte Rettung unseres Sohnes verschwendet habe, hat uns das Leben unserer Tochter gekostet. Ich sehe die Spitze des Bolzens herausragen, genau an der Stelle, an der früher das liebevolle Herz des Mädchens geschlagen hatte. Ich schreie, bis mein Mund zwar noch weit geöffnet ist, aber kein Ton mehr herauskommt. Ich habe versagt, verzeih mir, Aedin. Ich bete zu allen Göttern, nacheinander, gleichzeitig. Doch sie erhören mich nicht. Egal, wie viel ich opfere. Egal, wie viele Worte ich spreche. Willkürlich entscheiden sie, ob sie uns helfen oder nicht. Manchmal spielen sie auch mit uns. Doch die Hoffnung ist es, die mich weiterleben lässt. Die Hoffnung, dass es wieder so sein wird, wie es einmal war. Als der Eine noch hier war, bevor die Zwölfgötter ihn in Ketten gelegt hatten. Er hätte geholfen. Doch nichts ist uns von ihm geblieben. Nicht einmal sein Name.

Brief von Lana Adersin-Nagraskjaleff an Kylaria della Kerres

Liebe Kylaria.

Kennst du das, wenn du von etwas überzeugt bist, aber eine Stimme in dir deine Überzeugung immer wieder in Frage stellt? Es ist nicht so, dass diese Stimme, die meine eigene ist, tatsächlich da ist. Aber du weißt, was ich meine? Wenn ich denke, schleicht sich diese Stimme immer wieder dazwischen.

Ich kann diese Gedanken momentan kaum zu Papier bringen, aber ich würde sie dir gerne mitteilen, um dir zu zeigen, dass ich dir vertraue.

Ich VERTRAUE dir.

Ich bin aufgebrochen, um eine Pforte des Namenlosen zu verschließen und habe mich dafür eine längere Zeit lang in einer seiner Ebenen aufgehalten. Was ich erlebt und gesehen habe, geht mir sehr nahe und ich verstehe einfach nicht, wie du so sehr an Rondra festhalten kannst, dass dich nie Zweifel überkommen.

Ich ZWEIFLE nicht an Rondra, aber sie an mir.

In dieser Ebene hatte ich einen Traum, der mir mehr wie eine Vision oder wie ein Blick in die Zukunft vorgekommen ist. Den Großteil davon sehe ich nur noch verschwommen, aber manches sehe ich so klar, dass ich sie realer halte als das, was um mich herum geschieht.

Da ist so viel LIEBE.

Ich stehe in einer Bibliothek, ein kleines Mädchen zupft fordernd an meiner Robe und ich lächle es zärtlich und voller Liebe an. Etwas weiter vorne sehe ich Aedin neben einem Jungen, der etwas älter ist als das Mädchen, stehen. Der Junge spricht einen Flimflam, obwohl er eigentlich noch viel zu jung ist, um Zauber zu sprechen, und Aedin sieht ihn voller stolz an. Auch ich bin stolz. Und so erfüllt von Liebe bei dem Anblick… Ich nehme das Mädchen hoch, setzte es mir auf die Hüfte und trage es durch die Akademie, die wir aufgebaut haben. Die Scholaren grüßen mich respektvoll, ich kenne jeden ihrer Namen und empfinde Verantwortung für sie. Ich weiß, dass Aedin sich gewissenhaft um unseren Sohn kümmert, während ich unsere Tochter auf einen Spaziergang durch Neuschanz mitnehme und alle ihrer neugierigen Fragen beantworte.

Und so viel SCHMERZ.

Ich erinnere mich aber auch an das Blut, das mir ins Gesicht spritzt. An das Mädchen, das leblos in meinen Armen liegt und an das bleiche Gesicht des Jungen, der neben Aedin liegt. Sie sind tot. Alle. Nur mir wurde es verwehrt, ihnen zu folgen.

SIE haben mir alles GENOMMEN.

Was will ich dir damit eigentlich mitteilen? Ich weiß es nicht. Aber es hat etwas in mir zerbrochen. Es hat meine Seele, die sowieso schon nicht mehr mit sich selbst im Reinen ist, erschüttert. Ich fürchte die Zukunft, wie ich sie gesehen habe, obwohl ich weiß, dass sie so niemals eintreffen wird. Mein Kopf kennt die Wahrheit, mein Herz aber weiß nicht, was es glauben soll. Kenne ich die WAHRHEIT wirklich?

Ich konnte dabei helfen, die Pforte des Namenlosen zu versiegeln. Dabei musste eine meiner Gefährtin ein großes Opfer bringen und ich fühle mich schuldig, sie davon nicht habe abbringen zu können.

SCHULD. Immer mehr davon lastet auf mir.

Ich habe in der Ebene ein Buch des Namenlosen gefunden, das mir sehr gefährlich scheint. Wir haben es der Hesindekirche übergeben.

Und ich habe daraus GELESEN.

Aedin ist bei mir, doch wenn ich ihn ansehe, sehe ich den Jungen aus dem Traum. Manchmal glaube ich, der Traum und die Wirklichkeit fließen ineinander.

Manchmal verschwimmt die WIRKLICHKEIT komplett.

Er hat meine Mutter auf dem Gewissen. Er hat meine Familie zerstört. Er bringt Leid, Chaos und Verwüstung. Aber da ist auch so viel LIEBE.

Mach dir keine Sorgen um mich, ich bin nicht alleine. Und ich scheue nicht davor zurück, um Hilfe zu bitten, wenn ich sie brauche. Aber Ich bin stark. Ich werde auch dann noch stark sein, wenn ich es eigentlich nicht mehr kann.

Lana

Brief von Lana Adersin-Nagraskjaleff an Faiza sunya Harani

1. Praios 1035

Euer Gnaden Faiza sunya Harani.

Ich möchte Euch meine tiefste Bewunderung mitteilen. Euer Mut für das zu kämpfen, woran Ihr glaubt, erfüllt mich mit Ehrfurcht. Doch das ist nicht das einzige. Denn ich stehe auch tief in Eurer Schuld. In einer Schuld, die ich niemals werde begleichen können, denn das Opfer, das Ihr gebracht habt, lässt sich durch nichts aufwiegen. Ohne zu zögern habt Ihr getan, was andere niemals auch nur in Erwägung ziehen würden. Ihr habt einen wichtigen Teil von Euch selbst gegeben, um mich, die anderen und ganz Aventurien zu schützen. Für mich seid Ihr eine Heldin – denn nicht der Name macht uns aus, sondern unsere Taten.

Und speziell Eure letzte wird niemals in Vergessenheit geraten, so wie Euer Name es wurde. Denn ich werde erzählen, welchen Mut ihr besitzt, mit welcher Entschlossenheit Ihr kämpft und was Ihr bereit wart, zu opfern. Ich werde allen von der Kor-Geweihten berichten, die keine Furcht verspürte, als sie ihren Namen opferte, um dem Namenlosen zu schaden - von Faiza sunya Harani.

Ich hoffe, eines Tages nochmals an Eurer Seite kämpfen zu dürfen und mich dann revanchieren zu können.

Mit Hochachtung Adepta Lana Adersin-Nagraskjaleff