Die Parierstange des Schwertkönigs

Aus Liber Historium
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Zeit: 10.-18. Efferd 1034

Region: nördliches Albernia: Winhall; Nostria: Thuransee

Beteiligte: Maximus Donnerkrach von Donnerbach, Kylaria della Kerres, Wolfhardt Eisenbarth, Avala Lyria Vogelflug

Erwähnungen: Connar Rhonwyn von Weidenau, Niall Kordos (Schwertmeister - tot), Sian & Selmar (Wachen von Winhall - tot), Niamor & Silva (Wachen von Winhall), Azzek (Ork), Bauer Günther, Praiowin von Erlenfold (Praiosgeweihter von Winhall), Jagwina Belenduir (Perainegeweihte von Winhall)

Kurzbericht

Kylaria reist, einem Auftrag der Kirche folgend nach Winhall. Der Tempelvorsteher dort hat um Hilfe gebeten. Dort erfährt sie, dass der Gesuch schon fast ein Jahrzehnt offen ist - seit dem wird die Parierstange des Schwertkönigs schon vermisst. Zu beider Überraschung erscheint nicht wenig später Maximus im Tempel, um dem Vorsteher eine Nachricht zu übergeben. Gemeinsam bekommen sie den Auftrag, nach der Parierstange des Schwertkönigs zu suchen. Dazu benötigen sie aber ein Artefakt der Praioskirche, das nur zum Praiostag übergeben werden kann und so beschließen sie ihre Zeit bis dahin sinnvoll zu nutzen, indem sie einer Bedrohung durch umherziehende Orks nachgehen. Sie nehmen sich ein paar Wachen der Stadt mit und gehen auf die Suche. Tatsächlich dauert es auch nich lang, bis sich die Orks anfinden. Leider wird der Versuch einer friedlichen Lösung von einer der Wachen sabotiert, die daraufhin ihr Leben verliert. Parallel dazu gelingt es dem Rest der Gruppe allerdings, die Orks wieder zu beruhigen und sie erfahren, dass diese Orks eigentlich nur in Frieden in ihre Heimat zurück wollen und sich ebenso vor einer Gruppe Orks fürchten, wie die Menschen in Winhall. Kylaria verspricht ihnen, sie über den Tommel zu bringen und erfährt von einem Bauern, der eine Schmugglerroute betreibt. Vor dem Haus des Bauern treffen die beiden dann auf Wolfhardt, ebenfalls ein Geweihter der Rondra, der anbietet sie zu begleiten. Nachdem sie also die Orks über den Fluss gebracht haben, kehren sie zu sechst nach Winhall zurück. Die nächsten paar Tage verbringen sie mit Training und anderen Diensten, bis sie am Praiostag das gewünschte Artefakt erhalten. Wolfhardt, dessen Kompetenzen ihnen nur zu Gute kommen können

~fortsetzung folgt~


Aus Lana Adersin-Nagraskjaleffs "Wohin mein Weg auch führt - Maximus Donnerkrach"

10. Efferd 1034

[…] Ich werde durch das Tor von Winhall durchgewunken, Avala hingegen darf nicht ohne weiteres passieren, da ihr Rucksack vollgestopft ist mit Dingen. Unsortiert, ungeordnet, ohne System, wie immer eben. Es entlockt mir ein Lächeln, als sie mir zuwinkt und sagt, dass ich weitergehen soll. Also rufe ich ihr ein „Bis später.“ zu und führe Ashkii auf direktem Weg zum Rondratempel. Schließlich soll ich eine Nachricht aus Donnerbach an den hiesigen Tempelvorsteher bringen.

Dort angekommen werde ich angenehm überrascht, denn im Stall steht Askur, was nur eines bedeuten kann. Kylaria ist hier! Trotzdem nehme ich mir die Zeit, um Ashkii gewissenhaft zu versorgen und Askur ein paar Zärtlichkeiten zu schenken. Bevor ich in den Tempel gehe bekommt jeder von ihnen noch einen halben Apfel.

Der Tempel selbst ist gut erhalten, die Nebengebäude scheinen aber dem Orkensturm zum Opfer gefallen zu sein. Aufgeregt wie ich bin, bleibe ich noch kurz vor dem Tor stehen, um mich zu sammeln. Ich habe sie schon so lange nicht gesehen und sie weiß vermutlich auch noch gar nicht, dass mich Rondra endlich zu sich gerufen hat. Nachdem ich meine Gefühle unter Kontrolle gebracht habe, gehe ich hinein und da sehe ich sie auch schon neben dem Tempelvorsteher Connar Rhonwyn von Weidenau. Ein Mann in seinen besten Jahren.

Der Höflichkeit wegen warte ich, da die beiden sich in einem Gespräch befinden und bemühe mich, nicht allzu sehr zu lauschen. Mein Herz klopft laut, als sie sich endlich zu mir umdrehen und ich bemühe mich zu einem nicht allzu breiten Lächeln. Ich begrüße Kylaria deshalb auch nur knapp, obwohl ich ihr am liebsten um den Hals fallen würde und richte mein Wort an den Schwertbruder, um ihm zeitgleich die Nachricht zu überreichen. Seine Antwort gibt mir keinen Aufschluss über den Inhalt, doch das scheint nicht allzu wichtig zu sein, denn mir wird eine viel wichtigere Aufgabe übertragen: Ich soll gemeinsam mit Kylaria ins Orkland ziehen, um dort die Parierstange des Schwertkönigs zu finden! Nach außen hin wirkte in ruhig, doch innerlich springe ich vor Freude. Endlich ein Auftrag, bei dem ich meine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann und nicht nur Nachrichten überbringen muss.

Bei besagter Parierstange handelt es sich um einen Teil des Schwertes von Niall Kordos, der im zweiten Orkensturm einen Oger damit tötete. Dabei ging die Waffe allerdings zu Bruch und die Parierstange fand den Weg in den Rondratempel von Winhall. Bis sie im vierten Orkensturm von den Orks entwendet wurde. Wir sollen diese finden und bergen, wofür wir ein Artefakt aus dem Praiostempel benötigen.

Zuerst allerdings gehen wir in das Gasthaus Grenzwacht, wo wir von Connar zum Essen und Trinken eingeladen werden. Er erzählt uns, dass er vor 8 Jahren, als der Orkensturm beendet war, um Unterstützung bei der Rondrakirche angesucht, aber bis jetzt keine erhalten hatte. Er und Kylaria stellen mir außerdem diverse Fragen, auf die ich nur knapp antworte, da es mir schwer fällt, die emotionale Distanz zu meiner Schwertmutter zu bewahren. Glücklicherweise wird unser Gespräch von dem Wirten unterbrochen. Er erzählt uns, dass in der Umgebung marodierende Orks ihr Unwesen treiben und wir versprechen, uns der Sache anzunehmen. Schließlich liegt die Parierstange des Schwertkönigs nun seit 8 Jahren irgendwo im Orkland, da wird sie auch noch einige Tage länger warten können. Connar ist einverstanden und sagt uns, dass wir uns einige der Wache mitnehmen können, wenn wir seinen Namen nennen.

Auf dem Weg zum Hauptgebäude der Wachen kann ich mich endlich entspannen. Connar war im Gasthaus geblieben, während Kylaria und ich uns alleine aufmachen, das Übel zu beseitigen. Endlich kann ich mich etwas fallen lassen und erzähle ihr, wie es mir die letzte Zeit ergangen ist. Mit jeder Minute und jedem freundlichen Wort von ihr beruhigt sich der tosende Sturm in mir und ich bin erleichtert, dass sich an unserer Beziehung nichts geändert hatte. Fast nichts, denn etwas hat sich sehr wohl geändert: Ich stehe mittlerweile für mich selbst ein. So entschließe ich auch für mich selbst, dass ich keine Wachen mitnehmen würde, aber ich hinterfrage nicht, wieso Kylaria es möchte. Sie weiß, was sie tut und wenn ihre Handlungen nicht gegen die Prinzipien Rondras verstoßen, werde ich sie auch nicht in Frage stellen.

Im Hauptgebäude der Wachen schließen sich uns auf Kylarias Bitte hin 4 Gardisten, die alle Verluste im Orkensturm erlitten hatten, an. Ihre Namen sind Sian, Selmar, Niamor und Silva. Außerdem leihe ich mir einen Bogen und einen Köcher mit 20 Pfeilen.

Wir begeben uns zum Wald, um diesen nach den Orks abzusuchen. Kylaria stellt dabei auch klare Regeln auf: Die Orks werden ohne ihre Erlaubnis nicht angegriffen, da sie mit ihnen reden will. Die einzige Ausnahme besteht darin, dass Kylaria von ihnen angegriffen wird. Für mich ist es selbstverständlich, diese Regeln einzuhalten und ich hoffe, dass auch die Gardisten geschult genug sind, Befehle zu befolgen. Avala hätte sicherlich Probleme damit, klare Regeln zu befolgen. Ich muss lächeln, als ich an sie denke und schiebe dann alle Erinnerungen und Gefühle, die in Verbindung mit ihr stehen, zur Seite, um mich auf unser Vorhaben zu konzentrieren.

Einer der Gardisten findet schließlich Spuren und wir können diesen bis zu einem Lager in einer Mulde folgen. Die vier Zelte wirken nicht, als seien sie von Orks gemacht und Kylaria geht vor, um nach den Orks zu suchen. Wie selbstverständlich sie dort hinuntergeht, als hätte sie keine Sorge, dass die Orks sie angreifen würden und ihr Gefahr drohen könnte. Ich lege einen Pfeil an die Sehne und halte den Bogen gespannt Richtung Boden, um Notfalls eingreifen zu können. Es erfüllt mich mit Stolz, dass Kylaria mir keine weiteren Anweisungen gibt, da sie davon ausgeht, dass ich von mir aus weiß, was zu tun ist. Sie kann sich auf mich verlassen, ich werde ihr den Rücken freihalten und für sie kämpfen, wenn es sein muss.

Sie steht neben der Feuerstelle vor einem Zelt und sagt etwas, das ich nicht verstehen kann, da es einerseits leise ist und andererseits kein Garethi. Sie beherrscht die Sprache der Orks. Es kommt Bewegung in das Zelt und gleich darauf tritt ein Ork hinaus. Er ist breit, vernarbt und muskulös. Hierbei handelt es sich sicher um den Anführer. Wie viele gibt es davon noch, die unter seinem Kommando stehen? Ein Duzend? Vielleicht eine ganze Armee?

Ich sehe ihn und gleichzeitig tauchen diese Bilder in meinem Kopf auf. Wie die Orks Donnerbach überrennen. Wie ich verzweifelt nach meinem Vater rufe. Wie ich ihn endlich sehe, als er sich den Ungeheuern entgegenstellt, um eine Mutter und ihre Tochter zu beschützen. Die Hauer des Orks graben sich in seinen Hals, die Mutter schreit verzweifelt und ich bin wie versteinert. Auch als die Orks über meinen Vater hinweglaufen, ihn zertrampeln und über Mutter und Tochter herfallen. Ich kann mich einfach nicht bewegen, ich bin starr vor Angst. Ich wäre an diesem Tag genau so gestorben, hätte mich ein Mann nicht gepackt und über seine Schulter geworfen. Ich weiß nicht, wie er aussah, wie er hieß und ob er den Angriff auf Donnerbach überlebt hat. Aber ich weiß noch, dass ich den ganzen Weg über auf den weißen Löwinnenkopf auf dem Rücken seines weißes Wappenrockes starrte. Bis er mich im Rondratempel absetzte und wieder nach draußen verschwand.

Ich vertreibe diese Bilder und konzentriere mich auf Kylaria, die mit erhobenem Haupt mit dem Ork, der einen Arbach, einen orkischen Säbel, trägt, spricht. Er wirkt nicht bedrohlich, aber er scheint in Alarmbereitschaft zu sein. Ich werfe einen kurzen Blick auf die Gardisten, die die Szene ebenfalls beobachten und dann richte ich meinen Blick wieder auf den Ork und Kylaria. Ich verstehe weiterhin kein Wort, und davon wechseln beide gerade eine Menge, aber anhand ihrer Körpersprache sehe ich, dass keiner von ihnen in Begriff ist, den anderen anzugreifen. Ich entspanne mich etwas, bin aber weiterhin aufmerksam.

Ein weiterer Ork, dieser ist groß und schlaksig, tritt aus dem Zelt und das Gespräch geht weiter. Was reden sie wohl? Es wirkt, als würde das alles friedlich von statten gehen, auch wenn der Ork ab und zu seine Stimme etwas erhebt und wütend wirkt. Da Kylaria aber weiterhin entspannt ist, gehe ich davon aus, dass sie alles unter Kontrolle hat und ihr keine direkte Gefahr droht.

Doch da passiert es. Der Ork hebt den Arm aufgebracht mit seinem Säbel, Ein Speer fliegt rechts an mir vorbei und trifft den Anführer in den Arm. Ich verharre noch einen kurzen Augenblick, um zu sehen, ob Kylaria Gefahr droht, doch der Verwundete zieht sich ins Zelt zurück und der zweite Ork läuft alarmiert davon. Meine Aufmerksamkeit gilt deshalb dem Angreifer unserer eigenen Reihen: Selma. Ihr gehe mit großen Schritten auf sie zu, fahre sie an, versuche ihr klar zu machen, welche Dummheit sie begangen hat. Doch sie verteidigt sich und ich sehe aktuell keinen Sinn darin, mit ihr darüber zu diskutieren. Das muss warten, Kylaria befindet sich immer noch da unten in der Mulde, doch als ich mich in ihre Richtung umdrehe, kommt sie uns schon entgegen.

Sie fragt, wieso ich Selma hab gehen lassen und er jetzt fällt mir auf, dass diese sich aus dem Staub gemacht hatte. Vermutlich, um den fliehenden Ork einzuholen. Verdammt, das ist definitiv mein Fehler und ich will ihr hinterher, aber Kylaria schickt Silva und Niamor, um sie aufzuhalten. Mich lässt sie hier. Weil sie mich lieber an ihrer Seite wissen möchte oder weil ich sie damit enttäusch habe, Selma nicht aufgehalten zu haben?

Sian und ich bleiben oben zurück, während Kylaria wieder nach unten zum Lager geht. Sie möchte versuchen die Situation doch noch friedlich zu lösen. Ich beziehe also meinen Posten, von dem aus ich Kylaria den Rücken decken kann und beobachte die folgende Situation, in der der Anführer nochmals aus dem Zelt tritt und mit Kylaria spricht.

Fehler Nummer zwei. Ich spüre eine Klinge an meinem Hals und sehe, dass auch Sian von einem Ork bedroht wird. War ich so darauf fixiert, auf Kylarias Sicherheit zu achten, dass ich meine eigene vernachlässigt habe? Wie dumm von mir, ein typischer Anfängerfehler, der uns das Leben kosten könnte. Ich höre die Stimme, die mich leise auffordert, meine Waffe fallen zu lassen und komme dieser ‚Bitte‘ auch nach. Allerdings so, dass ich die Sehne des Bogens loslasse und der davonzischende Pfeil Kylaria auf unsere missliche Lage aufmerksam macht. Ihre Körperhaltung verändert sich nur gering, wenn überhaupt, und sie versucht die Situation weiterhin mit Worten zu lösen. Außerdem gibt sie dem Anführer einen Heiltrank, wovon ich annehme, dass es ein Friedensangebot sein soll.

Ich wehre mich nicht, als ich mit Sian anschließend in das Lager hinuntergeführt werde, doch in mir tobt ein Sturm, als mir die Waffen abgenommen und diese in ein Nebenzelt gebracht werden. Mein Blick wandert erwartungsvoll zu Kylaria, die etwa 8 Schritt von mir entfernt steht, doch gleich darauf entgleisen mir die Gesichtszüge. Sie sagt, ich soll mich fesseln lassen. Von einem Ork! Erst werde ich hinterrücks bedroht, muss zusehen, wie mir die Waffen abgenommen werden und soll mich dann auch noch freiwillig zu einem wehrlosen Gefangenen machen lassen? Ich fasse es nicht. Es macht mich wütend und ich bin nicht bereit, dieser Bitte nachzukommen, auch wenn ich tief vergraben unter meiner Wut dankbar dafür bin, dass Kylaria mir zumindest die Wahl gelassen hat, mich dagegen zu entscheiden. Ich versuche noch den Knüppel eines weiteren Orks, der gegen meinen Kopf zielt, abzuwehren, doch ich befinde mich immer noch in der Gewalt des anderen. Dann wird alles dunkel.

Als ich zu mir komme, liege ich am Boden. Es dauert eine Weile, bis ich erfasse, was rundherum geschieht. Kylaria sitzt mit etwa 15 Orks um die Feuerstelle herum und isst. Sian ist gefesselt, aber bei Bewusstsein. Niamor und Silva sind ebenfalls gefesselt, aber sie sind entweder tot oder aktuell nicht bei Sinnen. Da ich auf den ersten Blick keine äußeren Wunden erkenne gehe ich eher von bewusstlos aus. Als ich meine Arme bewege, wird mir klar, dass ich gar nicht gefesselt wurde und einen kurzen Moment kommt mir der Gedanke, die Orks anzugreifen. Doch das wäre der glatte Selbstmord und würde noch dazu alle anderen meiner Begleiter in Gefahr bringen. Ich weigere mich aber, vor den Orks im Dreck zu liegen, weshalb ich aufstehe, um zumindest einen Teil meiner Würde zu bewahren. Deshalb schlage ich auch das Essen aus, das mir angeboten wird.

Wir werden alle in ein Zelt gebracht und nun hat Kylaria Zeit, zu erklären, was sie mit den Orks besprochen hat: Sie wollte erst versuchen die Orks dazu zu bewegen, den Wald zu verlassen und hat ihnen schließlich angeboten, sie Richtung Süden zu eskortieren, um die Lage zu entschärfen. Diese scheinen nämlich nichts verbrochen zu haben, zumindest behaupten sie das. Während Kylaria erklärt, schweige ich und meide ihren Blick. Ich bin mir sicher, sie nimmt meine veränderte Körperhaltung wahr, doch sie hält es nicht für notwendig, mit mir darüber zu sprechen. Genau so wenig, wie sie mit mir über den weiteren Verlauf spricht, sondern mir serviert, was sie entschieden hat. Es steht mir als Rondrageweihter nicht zu, ihren Plan in Frage zu stellen oder zu kritisieren, sofern er nicht grob gegen die Prinzipien von Rondra verstößt. Doch als Freund bin ich gekränkt, dass sie mich kein einziges Mal nach meiner Meinung fragt. Ich teile ihr mit, dass ich sie nicht nach Süden begleiten werde und sie akzeptiert meine Haltung.

Während des Abends kommen auch unsere Begleiter alle wieder zu Bewusstsein. Über den Verbleib von Selmar erfahren wir nichts und ich brauche sehr lange, bis ich mich dem Schlaf hingeben kann, da mir mein tägliches Abendritual, das ich seit Monden jeden Tag praktiziere, fehlt.

11. Efferd 1034

Als ich aufwache und Kylaria erblicke spüre ich ein seltsames Gefühl in mir. Enttäuschung? Das Gefühl, mich alleine gelassen zu fühlen? Ich seufze. Soll das hier meine erste große Prüfung werden, um zu sehen, ob ich Rondra auch tatsächlich würdig bin? Wäre das alles hier anders gelaufen, wenn es sich dabei nicht um Kylaria sondern um Connar gehandelt hätte? Ja. Als mir das bewusst wird, erkenne ich auch, dass ich mich zu stark von meinen Emotionen beeinflussen lassen, weshalb es nun nur eines für mich zu tun gibt, während die Orks rundherum das Lager abbauen: Ich setze mich auf die Truhe und versuche meinen Kopf wieder klarer werden zu lassen. Ich befreie mich von all den Gefühlen und finde zurück zum verantwortungsvollen Rondrageweihten in mir. Ich muss Kylarias Vorhaben nicht verstehen, ich muss nur darauf vertrauen, dass sie den Willen der Göttin besser deuten kann als ich. Und darauf vertraue ich.

Als wir losgehen, teilt uns Kylaria mit, dass Selma getötet wurde. Ich hingegen teile ihr mit, dass ich auch weiterhin an ihrer Seite stehe, hebe mir das klärende Gespräch in Bezug auf Selma aber für später auf. Dass ich keine andere Wahl habe, als mitzukommen, da ich mich immer noch in der Gewalt der Orks befinde, spielt bei dieser Entscheidung keine Rolle. Meine volle Handlungsfähigkeit würde daran nichts ändern. Der Plan lautet nun, die Orks zu einem Bauern zu eskortieren, der diese dann über den Fluss schmuggelt. Den Namen des Bauern hat Kylaria von einer unserer Wachen erfahren.

Zur späten Mittagszeit sehen wir in einiger Entfernung das Ziel, ein Bauernhaus außerhalb des Waldes. Nun ist es an der Zeit, Kylaria noch kurz zurückzuhalten, um ihr mitzuteilen, dass ich den Mord von Selma restlos aufgeklärt wissen möchte und der Mörder seine gerechte Strafe erhält. Sie erklärt mir, dass der Ork vor Gericht niemals so behandelt werden würde wie einer von uns und das Urteil somit schon aufgrund seiner Herkunft gefällt werden würde. Sie bietet mir aber an, den Ork mit Rondras Hilfe dazu zu bringen, den Hergang, bei dem es zum Tod von Selma kam, im Detail zu schildern. Ich nicke.

Kylaria verliert auch keine Zeit und spricht mit den Orks, bis sich der Mörder von Selma dazu bereit erklärt, auszusagen. Als sie mit ihm spricht, höre ich in der Ferne das vertraute Donnergrollen von Rondra und ich fühle mich in meinen Entscheidungen, Kylaria zu vertrauen, bekräftigt. Denn auch Rondra steht ihr bei der Unternehmung, die Orks in Sicherheit zu geleiten, bei. Als sie mir die Worte des Orks übersetzt, wird mir leichter ums Herz und ich kann mit dieser Sache abschließen. Mein Gewissen ist beruhigt und ich danke Kylaria dafür, meine Bedenken ernst genommen zu haben.

Als wir weitergehen wollen steht ein Mann vor uns am Weg. Er scheint etwas älter zu sein, seine linke Gesichtshälfte ist von Brandnarben übersäht und sein linker Unterarm fehlt. Es handelt sich dabei um seine Ehrwürden Wolfhardt Eisenbarth, der, wie ich interessiert feststelle, seine 12 Questen, die nur wenige erreichen, bevor sie den Tod finden, errungen hat. Ich dachte, es könnte nicht mehr schlimmer werden, aber waffenlos und in der Gewalt von Orks vor diesem Mann zu stehen, kratzt furchtbar an meiner Ehre. Kylaria stellt auch uns vor und Wolfhardt bietet an, uns zu begleiten. Er erwähnt mit keinem Wort, dass ihm meine Lage aufgefallen wäre, auch dann nicht, als ich meine Waffen ausgehändigt bekomme.

Im Haus des Bauern Günther handeln Kylaria und Wolfhardt mit ihm. Schließlich willigt er im Gegenzug vom Kauf von 15 Säcke Flachs ein, die Orks über den Fluss zu bringen. 2 Dukaten pro Sack! Ich muss Kylaria später fragen, ob sie die Kosten der Rondrakirche in Rechnung stellen wird. Schließlich öffnet der Bauer eine Klappe im Boden und die Orks werden einer nach dem anderen durch einen Tunnel unter den Fluss hindurchgeführt. Allen voran geht Wolfhardt, um für deren sicheren Ankommen auf der anderen Seite zu sorgen.

Bevor Azzek als letzter hinabsteigt, halte ich ihn zurück. Einen kurzen Moment lang verspüre ich den Drang, ihn hier und jetzt zu einem Kampf herauszufordern, was mich selbst überrascht. Schließlich hatten nur die ein Duell verdient, die es wert waren. Und war ich nicht vor kurzem noch davon überzeugt, dass Orks keine Ehre verdient hatten? Doch ich habe erkannt, dass Azzek nur das Wohl seiner Leute im Sinn hatte, sowie das Gespräch mit Kylaria einem Kampf vorzog. Selma war selbst für ihren Tod verantwortlich. Meinen Mund verlässt aber keine Aufforderung zum Duell, da Azzek vor kurzem noch verwundet gewesen war, sondern eine Frage: Wo finde ich Aikar Brazoragh? Der Ork antwortet bereitwillig und ich benötige keine Übersetzung von Kylaria, um die Worte zu verstehen: In Khezzara. Ich nicke dem Ork zu und sehe zu, wie er im Tunnel verschwindet.

Wolfhardt möchte uns auch weiterhin begleiten, als er hört, dass wir für die Rondrakirche unterwegs sind, um ein Artefakt zu suchen. Während ich den Karren mit Selmas Leiche ziehe, transportieren die anderen die Säcke Flachs über den Fluss.

In Winhall angekommen bitte ich Kylaria darum, Selma zum Boronanger zu bringen. Vielleicht merkt sie, dass mir die Angelegenheit wichtig ist, denn sie stimmt zu. Warum Wolfhardt mich begleitet, bleibt mir allerdings verborgen. In der Leichenhalle übergebe ich die Tote an eine Borongeweihte und lasse einen Obulus von 2 Silbern da. Ich bitte darum, der Bestattung beiwohnen zu dürfen, woraufhin ich gesagt bekomme, dass es heute Abend oder morgen früh soweit sein würde. Ich verspreche, zurückzukommen.

Wolfhardt begleitet mich auch noch weiter bis zum Tor, an dem ich Avala zurückgelassen habe, um nach ihr zu fragen. Leider bekomme ich nicht die erhoffte Auskunft, weshalb wir zurück zum Rondratempel gehen. Den ganzen Weg über sprechen wir kaum und ich frage mich, warum Wolfhardt mich überhaupt verfolgt. Versucht er herauszufinden, welcher Typ ich bin? Oder interessiert ihn, wie die Jugend von heute tickt? Zurück im Rondratempel frage ich Connar nach Avala, der sie aber auch nicht gesehen hat. Also beschließe ich, es dabei erst Mal zu lassen, sie würde schon den Weg zur mir zurückfinden. Tat sie schließlich immer.

Da Kylaria und ich abends im Boronanger auf morgen vertröstet wurden, folgen wir dem Ruf von Connar, ihm ins Gasthaus zu begleiten. Natürlich ist auch Wolfhardt dabei, den ich immer noch etwas sonderbar finde, aber selbstverständlich sehr respektiere. Wie der Zufall es wollte war ich es heute, der Avala fand, da sie im Gasthof Grenzwacht spielte, doch da dieser so überfüllt war, gingen wir weiter zur Taverne „der Baron“.

Dort bestelle ich einen Eintopf und einen Erdbeerwein, da ich wissen möchte, was Kylaria an Wein so besonders findet. Allerdings ist das Zeugs echt widerlich, denn es ist so süß, dass sich mir der Magen umdreht und ich nicht sicher bin, ob ich es bei mir behalten kann. Aber ich schaffe es und Kylaria versichert mir, dass der Wein, den sie sonst trinkt, eine Wohltat ist. Dem Wein folgt das eine oder andere Bier und wir trinken und plaudern ausgelassen. Irgendwann kommt mir Wolfhardt vor wie der nette Opa von nebenan und mir fällt ein, dass Avala mal meinte, dass Kylaria eine hübsche Nase hätte. Tatsächlich war mir das vorher nie aufgefallen, aber nun kann ich meinen Blick nicht mehr von dieser Nase abwenden, obwohl es mir seltsam vorkommt, sie als hübsch zu bezeichnen. Während des Gesprächs entschwindet mir hier und da auch mal die korrekte Anrede für den Tempelvorsteher und nach insgesamt einem Wein und vier Bier entschwindet mir noch so einiges mehr. Der aufmerksame Blick, die klaren Gedanken und die Beherrschung über meinen Körper. Das alles hält mich trotzdem nicht davon ab, auf den Tisch zu steigen, um mit fahrigen Bewegungen einen Tanz und ein Lied zu Ehren Rondras zum Besten zu geben.

Ich weiß nicht, wie ich anschließend zu Avala gekommen bin. Aber als ich sie im Gasthof Grenzwacht in die Arme schließe und hochhebe, um mich mit ihr zu drehen, bin ich überglücklich. Auch als sie mir das letzte Bier, das auf Kylarias Menge gefehlt hätte, wegtrinkt und ich nur einen kurzen Protest von mir gebe, bin ich glücklich. Das weiß ich noch, denn eins werde ich nie vergessen: Wie glücklich mich diese Frau macht.

12. Efferd 1034

Ich schlafe länger als gewohnt und deshalb ist es nur Kylaria zu verdanken, dass ich rechtzeitig zur Bestattung von Selma komme. Die Boroni, die einzigen, die außer uns noch hier sind, haben nicht viele Worte für sie übrig, ich hingegen melde mich: Selma hat ihr Leben für die Sicherheit und das Wohl von Winhall gegeben und soll nun mit ihrer Familie wieder vereint sein. Auch Kylaria erhebt die Stimme, schließt sich meinen Worten an und entschuldigt sich zusätzlich noch dafür, dass Selma unter ihrer Gefolgschaft verstorben ist. Ich blicke kurz zu ihr und frage mich, ob jeder Geweihte so stark gewesen wäre, die Schuld auf sich zu nehmen. Kylaria ist es.

Zurück im Tempel sehen wir Connar und Wolfhardt eine Weile beim Trainieren zu, ehe ich anfange mich um die Pflege von Al'Damwathi zu kümmern. Die vertraute Tätigkeit beruhigt mein aufgewühltes Herz und als sich die anderen dazugesellen, wird es zusätzlich gewärmt. Jeder von uns arbeitet für sich und trotzdem fühle ich mich ihnen so sehr verbunden wie noch nie – genau hier ist mein Platz und nirgends sonst. Ich lasse Selma und das Geschehene hinter mir und konzentriere mich auf das, was gerade ist und was noch sein wird.

Wolfhardt hat das Kommando, als wir zum Praiostempel aufbrechen und Connar im Rondratempel zurücklassen. Nun beginnt unsere Reise und ich bin zuversichtlich, dass wir alles schaffen können. Wolfhardt wirkt kompetent und Kylaria ist die stärkste Frau, die ich kenne. Von beiden kann ich noch eine Menge lernen und ich freue mich darauf, mit ihnen durch die Gegend zu ziehen! Wenn doch nur Avala dabei wäre… Im Praiostempel nehmen wir der Höflichkeit wegen an der Andacht von Praiowin von Erlenfold teil und erhalten anschließend von ihm die Information, dass wir den heiligen Südweiser erst zum nächsten Praiostag erhalten können. Wir bedanken uns und lassen jeweils eine Dukate hier.

Wir haben also nun drei Tage Zeit und Connar schlägt uns im Rondratempel vor, dass wir zum Bürgermeister, zur Kriegerakademie Rondras Schwertkunst oder zur Perainegweihten Jagwina Belenduir gehen sollen, wenn wir uns nützlich machen wollen. Natürlich wollen wir das! Zuerst allerdings bitte ich Kylaria um einen Trainingskampf.

Der Turnierzweihänder liegt ungewohnt in meinen Händen und schon der erste Angriff von Kylaria trifft mich, da ich nicht mit einem sofortigen vollen Einsatz gerechnet hatte, am Kopf. Mein Gegenangriff ist gut gesetzt, er verspricht Kylaria hart zu treffen, doch schon wieder überrascht sie mich, indem sie mein Schwert mit ihrem pariert. Ein klirrendes Geräusch ist zu hören und ich halte nur noch den unteren Teil meiner Waffe in der Hand, während die restliche Klinge zu Boden fällt. Connar, der das Geschehen kritisch beobachtet, ruft: „Nochmal!“ Ich nicke und greife mir die nächste Waffe, um den Trainingskampf weiterzuführen. Doch wie es begonnen hatte, geht es weiter. Schon der dritte Angriff von Kylaria trifft mich wieder, während meine Schläge entweder ins Leere gehen oder von meinem Gegenüber mit Leichtigkeit pariert werden. Ich spüre, wie unangenehm mir dieser Kampf wird und lasse mich von Connars Beobachtungen ablenken, sodass ich einen falschen Schritt setze und beim Angriff das Gleichgewicht verliere. Kylaria wartet ab, bis ich mich wieder gesammelt habe und lässt mir anschließend den Vortritt. Ich nicke ihr zu und der unterbrochene Kampf wird wieder aufgenommen. Doch ich schaffe es nicht, meine innere Ruhe zu finden. Liegt es an Connar? Oder ist es Kylaria, die mich nervös macht? Es dauert nur wenige Sekunden, ehe mein inneres Ungleichgewicht dafür sorgt, dass ich zu Boden stürze. Ich schreie nur innerlich auf – nicht, weil es so schmerzhaft ist, sondern weil ich nicht fassen kann, was hier gerade passiert! Mit hochrotem Kopf richte ich mich wieder auf, vermeide, Richtung Connar zu blicken und suche stattdessen Kylarias Blick. Sie wartet geduldig, doch ich sehe, dass ihre Stimmung umgeschlagen ist und winke deshalb ab. Es hat ja doch keinen Sinn…

Diesmal wähle ich die Waffe aus und greife zu einem Stab. Die Erfahrung des vorigen Kampfes hat mich aufmerksamer gemacht und so greife auch ich von Anfang an mit voller Härte an und treffe Kylaria beim ersten Schlag. Doch auch der folgende Angriff von Kylaria trifft mich, weswegen ich mich aber nicht beirren lasse und ebenfalls zurückschlage. Mit Erfolg! Ich führe mit zwei gegen einen Treffer und grinse, weil ich merke, dass Kylarias Meinung über mich sich wieder zum Guten geändert hat. Es wäre aber nicht Kylaria, wenn sie nicht trotzdem mit vollem Ernst weiterkämpfen würde! Der nächste Treffer geht an sie und mein dritter Schlag geht ins Leere. Gleichstand. Ich spüre, wie mein beschleunigtes Herz das Blut durch meinen Körper schickt und schaffe es gerade noch, Kylarias nächsten Angriff zu parieren. Das könnte meine letzte Chance sein! Mit einer waghalsigen Finte setzte ich alles in den letzten Schlag und sehe, wie Kylarias Stab nicht schnell genug den Weg zu meinem findet. Treffer! Ich schaue grinsend zu Connar, der mit ungerührter Mine zu uns hinübersieht, doch es ist mir egal, denn als ich zu Kylaria blicke, sehe ich den Stolz, den sie empfindet. Und das ist, was zählt!

Den ersten Kampf hat Kylaria für sich entschieden, den zweiten ich. Damit starten wir eine dritte Runde und ich springe innerlich vor Freude in die Luft, als sie Lanzenreiten vorschlägt. Wir machen Askur und Ashkii fertig, setzten uns schützende Helme auf und greifen zu den 3 Schritt langen Turnierlanzen. Als wir auf unseren Pferden sitzen und uns von der Ferne entgegenblicken kommt Wehmut in mir auf. Kylaria war immer meine Heldin und wird es immer bleiben. Doch ich habe mich verändert und ich möchte ihr zeigen, was ich kann! Im Galopp nähern wir uns, ich richte die Lanze auf Kylaria aus und als ich ihr Schild treffe, halte ich den Atem an. Denn auch ich werde getroffen, allerdings war mein Schild nicht das Ziel, sondern ich selbst. Meine eigene Lanze bricht und ich habe Mühe, mich nach dem Treffer von Kylaria auf dem Pferd zu halten. Ich kralle mich an der Mähne von Ashkii fest und greife anschließend wieder nach dem Zügel, um ihn an den Start zu führen. Wolfhardt reicht mir dort eine neue Lanze. Die zweite Runde geht besser für mich aus. Zwar brechen unsere beiden Lanzen, doch ich konnte die Wucht des Schlags mit dem Schild abfangen. Auch in der dritten Runde kann keiner von uns einen Treffer landen. Ich höre die Hufe von Ashkii unter mir, als wir die vierte Runde beginnen. Sie trommeln im Takt mit meinem Herzen und ich weiß, dass meine Kräfte sich dem Ende zuneigen, doch ich bin angespornt von meinem vorigen Kampf. Dort habe ich es auch geschafft, also wieso nicht jetzt auch? Ich sehe meine Lanze, ich sehe Kylarias Lanze und dann spüre ich den Schmerz, als das Holz an meinem Schild vorbeigleitet und meinen Arm mit voller Wucht trifft. Als nächstes sehe ich den Boden auf mich zukommen. Dann ist alles schwarz.

13. Efferd 1034

Connar war es, der meinen kritischen Zustand stabilisierte und Kylaria sorgte schließlich für meine weitere medizinische Versorgung, indem sie einen Medicus organisierte. Ich bin mir sicher, Kylaria zahlt meine Behandlung aus eigener Tasche, doch sie erwähnt nichts in diese Richtung. Den restlichen Tag liege ich tatenlos im Bett herum, da ich mir sicher bin, dass Kylaria nicht mehr so freundlich ist, wenn ich die Anweisungen des Medicus, mich nicht mehr als notwendig zu bewegen, missachte.

14. Efferd 1034

Kylaria sagt mir, dass sie stolz auf mich ist, ich mich aber noch im Schwertkampf üben sollte. Mein Stabkampf allerdings hat sie beeindruckt. Auch Wolfhard und Connar kommen mich abgesehen von Avala besuchen. Connar gratuliert mir sogar… zum Überleben. Heute fühle ich mich wieder so erholt, dass ich mich nicht weiter ans Bett fesseln lasse. Stattdessen suche ich Wolfhardt auf, um auch ihn zu einem Trainingskampf herauszufordern.

Wieder ist es Connar, der uns beobachtet und auch Kylaria ist aufmerksam. Ich darf es diesmal nicht vermasseln! Doch genau das ist wohl mein Fehler. Ich konzentriere mich so sehr auf den Sieg, dass mich mein ausladender Angriff selbst trifft. Er rüttelt mich wach und ich erkenne, wie dämlich meine Gedanken sind. Das hier hat nichts mit dem Sieg zu tun, es ist egal, wer gewinnt oder wer verliert. Darum geht es doch gar nicht! Ich finde meine innere Ruhe wieder und blende Connar und Kylaria aus. Ich sehe nur noch Wolfhardt. Unsere Fäuste prallen immer wieder aufeinander oder treffen ins Leere, niemand weicht zurück und so tanzen wir förmlich über den Platz. Bis es Wolfhards 9. Schlag ist, der mich trifft. Ich atme tief durch, konzentriere mich und spüre nach meinem eigenen misslungenen Angriff einen weiteren Treffer von Wolfhardt. Ruhe. Ich lasse mich nicht aus der Balance bringen und setze zu einem Gegenschlag an, der meinen Gegner tatsächlich trifft. Wolfhardt scheint von dem Treffer anders als ich zuvor beeinflusst zu werden, denn sein Schlag geht ins Leere und ich nutze diesen Umstand sofort, um seinen Kopf hart mit meiner Faust zu attackieren. Zwei zu Zwei. Der letzte Treffer zählt und ich ermahne mich nochmal zur Ruhe, um keine Fehler zu machen. Die letzte Finte von Wolfhardt lässt sich mit Ruhe alleine allerdings nicht parieren! Der Angriff war so geschickt gesetzt, dass ich ihn leicht, aber dennoch, an der Brust spüre. Somit ist der Kampf vorbei und ich gratuliere Wolfhardt zu seinem Sieg.

Zum Sonnenuntergang finden wir uns im Gasthof „Grenzwacht“ ein, wo ich die anderen um ein ernstes Gespräch bitte. Ich frage sie wegen Avala um Rat. Einerseits möchte ich wissen, welches Geschenk ich ihr machen kann und andererseits wie ich mit ihren körperlichen Zuneigungen umgehen soll. Bei dem regen Gespräch, das mir von Minute zu Minute unangenehmer wird, stellt sich auch heraus, dass Connar und Wolfhardt wohl so etwas wie eine Beziehung führen und ihren sexuellen Gelüsten regelmäßig nachgeben. Wollte ich das wissen? Nicht unbedingt, denn das Bild, das daraufhin in meinem Kopf auftaucht, kommt mir furchtbar falsch vor. Ein nackter Mann! Nein, sogar zwei nackte Männer! Ich rufe mir das Aussehen von Avalas Rücken ins Gedächtnis und schüttle somit die Körper von Connar und Wolfhardt von mir ab. Abgesehen von Dingen, die ich nicht wissen will, wie z.B. noch dass Kylaria schon mit etlichen Männern verkehrt hat, höre ich mir an, wie dumm ich wohl bin, dass ich Avalas sexuelle Annäherungsversuche bis jetzt immer zurückgewiesen habe. Auch das ausgeschlagene Versprechen, lebendig zurückzukehren, erweist sich wohl aus Fehler, weshalb ich noch mitten im Gespräch aufspringe, um nach Avala zu suchen. Ich muss ihr dieses Versprechen unbedingt noch geben, bevor wir morgen abreisen! Außerdem habe ich dank Kylaria, Connar und Wolfhardt endlich eine Idee, welches Geschenk ich ihr machen kann: Ein buntes Lederarmband. Nun muss ich so etwas nur noch finden… […]

15. Efferd 1034

Ich verabschiede mich von Avala und mache mich auf den Weg zum Praiostempel, wo ich auch zu Sonnenaufgang zeitgleich mit den anderen eintreffe. Wieder nehmen wir an der Andacht teil, doch diesmal bekommen wir endlich das Artefakt, das wie ein Südweiser in einem Gehäuse aussieht und eine goldene Nadel aufweist, ausgehändigt. Wolfhardt nimmt es an sich und der Praiosgeweihte erklärt ihm, wie es funktioniert. Ein Stoßgebet, dass wir die Dinge, die wir suchen, finden mögen und dass der Weg im goldenen Licht erstrahle, soll das Artefakt aktivieren.

Zu Pferd reisen wir los Richtung Orkland und der Stadt Arraned. Vorher befragt Wolfhardt noch den Kompass und ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass ich mich nicht an Praios wenden muss. Nicht, dass ich etwas gegen den Götterfürsten hätte, aber ich halte mich doch lieber an Rondra. Wir nehmen den Weg Richtung Nordosten, da das Licht uns nach Norden weist und kommen gut voran. Nach Arraned kommen wir nur noch an Wäldern und Hügeln vorbei und schlagen zu Sonnenuntergang auf einer erhöhten Stelle neben dem Flusslauf unser Lager auf. Wolfhardt teilt nach dem Essen die Wachen ein: Kylaria, Wolfhardt und ich als letztes. 16. Efferd 1034

Bevor ich die anderen wecke entzünde ich Räucherwerk und nach dem Gebet von Wolfhardt reisen wir wieder los. Nach einem halben Tag kommen wir beim grünlichen Thuransee an und Wolfhardt befragt nochmals das Artefakt nach dem Weg und ich erkenne, dass das Licht nach Nordwesten zeigt. Also gehen wir am Westufer entlang, bis wir nach etwa einer Stunde weißen Rauch hinter einem Hügel erkennen. Sofort reiten wir etwas schneller darauf zu und erblicken bald die pure Zerstörung. Das Fischerdorf, das sich hier befanden hatte, ist vollkommen ausgebrannt, einige Leute liegen vermutlich tot am Boden. Während Kylaria und Wolfhardt direkt in das Zentrum reiten umrunde ich das zerstörte Dorf auf der Suche nach Spuren. Vermutlich wurden sie einfach von Orks überrannt und hatten gar keine Chance zur Verteidigung oder Flucht. Wut überkommt mich und ich reite zurück zu den anderen. Kylaria hatte in der Zwischenzeit tatsächlich einen Überlebenden gefunden, der aber schwer verletzt aussieht, weshalb sie beschließt, ihn zu einem Medicus zu bringen. Sie bekommt von Wolfhardt das Praiosartefakt und wir verabschieden uns, da ich mit ihm gemeinsam die Verfolgung der Orks Richtung Nordwesten aufnehme.

Auf dem Weg durch den Wald müssen wir von unseren Pferden absteigen und sie führen. Wolfhardt weist uns den Weg, denn er ist im Spurenlesen versierter als ich und er erkennt auch, dass es sich bei den Verfolgten wohl um 10 schwer bewaffnete und gerüstete Orks handeln muss, während Kylaria die Kräuterhexe Ludmilla aufsucht und für die medizinische Versorgung des verletzten Dorfbewohners sorgt. Bevor wir das Lager der Orks sehen können, hören wir deren Keifen und Gröhlen und es klingt fast so, als würden sie feiern. Es klingt furchtbar! Wir nähern uns weiter, bis Wolfhardt mir sagt, dass wir genug gesehen haben und weiter entfernt auf Kylaria warten, da er mit Patrouillen rechnet. Wir lassen die Zelte und Orks also vorerst in Ruhe. Am späten Nachmittag stößt Kylaria endlich zu uns und ich kann nicht anders als erleichtert zu sein. Natürlich vertraue ich Wolfhardt, aber Kylaria und mich verbindet nicht nur Rondra, nein, auch unsere Vergangenheit. Seit sie mich aufgelesen hat, sind unsere Wege miteinander verknüpft, egal wie oft sich diese auch voneinander entfernen, sie werden früher oder später immer wieder zueinanderfinden.

Wir besprechen uns. Wolfhardt schlägt vor, die Orks mittels Liturgie zum ehrenhaften Zweikampf zu zwingen und sie so einen nach den anderen niederzustrecken. Ich fühle mich dazu verpflichtet einzuwerfen, dass ich es womöglich nicht mit drei oder gar vier Stück aufnehmen kann, aber mein bestes geben werde. Ich versichere, dass ich standhaft bin und notfalls lange genug durchhalte, bis Kylaria oder Wolfhardt meinen Gegner übernehmen. Aber zwei schaffe ich sicher, das sage ich ihnen und auch mir selbst.

Kylaria möchte erst mit den Orks sprechen, um möglicherweise gar nicht erst auf die Liturgie von Wolfhardt zurückgreifen zu müssen. Wie auch immer sie das schon wieder geschafft hat, die Orks stimmen ganz sittlich einem Kampf zu und führen uns deshalb auf offenes Feld. Dort spannen sie einen Ring und wir kämpfen je gegen einen Ork. Mein Gegner besitzt zwei Arbach, Kylarias einen Arbach und einen Schild und Wolfhardts eine Streitaxt.

Ich ziehe Al'Damwathi und spüre die enge Verbundenheit zwischen uns. Das Schwert führt mich und ich führe es. Wir sind eine Einheit und auf diesem Weg schaffen wir es auch den ersten Ork in die Knie zu zwingen. Er liegt schwer verletzt am Boden und wird von einem anderen Ork weggeschliffen.

Nur kurz schaue ich mich in dieser Zeit um und stelle fest, dass ich den ersten Kampf entschieden habe. Zu Ehren Rondras! Mich überkommt ein kurzer Anflug von Freude, doch damit kann ich mich nicht lange aufhalten, denn mein nächster Gegner steht schon vor mir. Ein Ork mit einem Speer. Ich überlege kurz, ob ich zu meinem Stab greifen soll, doch ich entscheide mich dazu, bei meinem Weiheschwert zu bleiben. Ich hoffe damit genügend Angriffskraft zu haben, um auch diesen Gegner schnell auszuschalten. Doch er stellt sich als hartnäckig heraus und ich bitte Rondra um Hilfe, schließlich möchte ich für die anderen eine Unterstützung sein, sie verlassen sich auf mich. Der Ork aber verhöhnt mich, indem er mir seinen Speer nach einem guten Schlag meinerseits entgegenwirft.

Und dann passiert etwas, das mir bis jetzt fremd war: Er läuft weg. Ich stehe einen kurzen Moment irritiert da und spüre dann Wut aufkommen, da ich mich beleidigt fühle. Ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, dass ich mich unerlaubt entferne und unsere Taktik über den Haufen werfe, setze ich ihm hinterher.

Während wir durch den Wald laufen, fällt mir auf, dass das Wetter sich verändert hat. Stürme wehen und Regen bricht durch die Baumkronen. Und dann passiert es, nach einigen Minuten stolpere ich über eine Mulde und falle flach auf den Boden. Ich sehe im Augenwinkel eine Gestalt und rolle mich im letzten Moment auf den Rücken, um den Angriff eines weiteren Orks mit dem mitgenommenen Speer zu parieren. Dabei entgleitet mir mein Weiheschwert und ich springe auf die Füße, um mich dem neuen Kampf zu stellen. Der Speer soll sich nun weiter als nützlich erweisen, doch bevor ich meinen Angriff starten kann, landet ein kleiner Beutel, den ich zu spät sehe, in meinem Gesicht und zerplatzt dort. Sofort stellt sich ein brennender Schmerz in meinen Augen ein und ich bin mit einem Schlag blind. Wie hinterhältig!

Ich atme hektisch aus und versuche trotz Schmerz und Einschränkung meines Sehsinns einen Treffer zu landen. Doch die Mühe ist vergebens. Jemand packt mich, als nächstes spüre ich einen Schlag in meinen Bauch und ich kann nicht anders, als den Griff um den Speer zu lockern, als daran gerissen wird. Er entgleitet mir und ein weiterer Angriff in den Magen lässt mich aufkeuchen. Zeitgleich höre ich ein Donnergrollen aus der Richtung, wo Kylaria und Wolfhardt sein müssten und die Erde vibriert. Einen kurzen Moment lang will ich weiter kämpfen, will mich wehren, mich nicht kampflos aufgeben. Aber ich habe aus dem letzten Mal gelernt, ich wurde bewusstlos geschlagen und diese Orks hier meinen es ernst. Ich habe größere Chancen das hier zu überstehen, wenn ich klüger vorgehe. Deshalb lasse ich mich wehrlos mitnehmen und versuche mir zu merken, welche Richtungen wir einschlagen. Ich bete, dass Al'Damwathi liegen bleibt, wo es ist. Mein Weiheschwert soll nicht auch noch in die Hände der Orks fallen.

Während ich durch den Wald stolpere und deswegen nochmals geschlagen und anschließend mitgeschliffen werde, konzentriere ich mich auf meine noch funktionierenden Sinne. Ich rieche den Regen, fühle ihn auf meinem Gesicht und höre, wie Donner und einschlagende Blitze sich abwechseln. Kylaria und Wolfhardt kämpfen sicherlich wie die Löwen! Auch in mir kommt nochmal der Wunsch auf, mich nicht ganz aufzugeben und ich schimpfe die Orks Feiglinge. Der folgende Schlag ins Gesicht bleibt die einzige Antwort und ich beschließe, meinen Körper mit solchen sinnlosen Aussagen nicht weiter unnötig zu schädigen.

Bald höre ich Stimmen, das Grunzen und Stöhnen kann nur von weiteren Orks stammen und ich spüre, wie der Regen plötzlich endet. Ich werde unsanft zu Boden geworfen und die Schritte der Orks entfernen sich, aber in etwa 5 Schritt Entfernung vernehme ich ihre Geräusche. Sind es 4? Als ich mich aufsetze vernehme ich eine weitere Stimme, diesmal etwa 3 Schritt entfernt und die Person spricht meine Sprache.

Sie stellte sich als Goras von Phexcaer vor und ist wohl so etwas wie ein Abenteurer. Er wurde ebenfalls entführt, ist aber noch nicht lange hier. Er trägt ein Schwert bei sich, ist aber gebunden und angekettet, sodass er es nicht benutzen kann. Ich behalte das im Hinterkopf. Mein Mitgefangener kann sehen, also bitte ich ihn darum, mir die Umgebung zu beschreiben. Insgesamt sollten wohl irgendwo 20 bis 30 Orks sein, hier in der Höhle sind allerdings nur drei, die den Ausgang bewachen und Arbach, sowie einen Knüppel tragen. Sie plaudern, sitzen und essen, wobei sie kaum auf uns achten. Außerhalb der runden Höhle sieht er einen Wehrturm, etwa eine Meile entfernt. Auf der anderen Seite hinter mir befindet sich noch ein Gang, bis dahin sind es 3 Schritt, zum Ausgang 6. Ich schaffe mir in Gedanken ein Bild und hoffe, dass es mir helfen wird.

Ich krabbele langsam und leise Richtung Stimme und erkläre ihm meinen Plan. Ich werde ihn losmachen, damit er mit seinem Schwert kämpfen kann und ich mit meinem Dolch. Er verneint aber, da er eher mit dem Dolch umgehen kann und ich überlege, ob er ein Adeliger ist. Es dauert einige Momente, bis ich mich dazu durchringen kann, ihm meinen Dolch zuzusprechen. Ich taste nach ihm, finde die die Wand und dann ihn und die Schwertscheide. Er hängt oben an Seilen, weshalb ich ihn losmache, doch er sagt, er kann seine Hände nicht mehr spüren und nicht kämpfen. Ich nicke langsam und stecke meinen Dolch wieder weg. Damit liegt es bei mir, uns notfalls zu verteidigen. Aber vielleicht lässt sich ein Kampf auch vermeiden.

Mit diesem Gedanken nehme ich das Schwert an mich und fühle mich gleich besser, eine vertraute Waffe in den Händen zu halten. Ich stehe auf und Wende mich Richtung Westen, wo sich der Ausgang befinden soll. Mit Goras rechts an meiner Seite gehe ich in Richtung der Orks. „Hey – ich will mit eurem Anführer sprechen.“ Ich erinnere mich daran, wie diplomatisch Kylaria vorgegangen war und versuche ihre Taktik umzusetzen. Doch alles, was ich bekomme, ist ein spöttisches Lachen. Ich lasse mich davon nicht beirren und rede weiter: „Lasst uns gehen, dann vergessen wir das alles hier.“ Im selben Moment finde ich meine eigene Aussage lächerlich, aber die Worte waren schon über meine Lippen gekommen. Wieder ernte ich Gelächter.

Die Orks erklären mir, dass sie mich nicht gehen lassen können, da sie mich ihrem Gott opfern wollen, dem Gott des Kampfes und des Blutrausches. Mir rinnt es eiskalt den Rücken hinunter, denn das bedeutet, dass meine Seele für immer verloren sein würde und das kann ich nicht zulassen! Lieber sterbe im Kampf und bin dafür frei.

Mir kommt eine Idee und ich verlange, dass meine Wunden versorgt werden, da sie mich so schließlich nicht ihrem Gott opfern können. Weshalb auch immer geben sie dem nach und geben mir ein widerliches Getränk, das mich etwas zu Kräften kommen lässt. Während ich trinke, höre ich Goras, der sagt, dass ich ihn jetzt gleich niederstechen soll, doch das kann ich nicht, denn das geht gegen meine Prinzipien. Ich kündige stattdessen an, dass ich gegen sie kämpfen möchte und bitte Rondra, mir beizustehen und einen ehrenhaften Zweikampf zu ermöglichen. Dann greife ich an.

Ich verlasse mich auf die Anweisungen von Goras, der meine Augen ersetzt und ich bin erstaunt, dass ich es so tatsächlich schaffe, meinen Gegner zu treffen. Ich höre ihn aufschreien, warte vorerst ab, ob der Kampf noch weitergeht und pariere anschließend mit der Hilfe von Goras. Mein Gegenangriff trifft abermals und ein Gurgeln ist zu hören, sowie ein Sacken auf den Boden. Goras ruft, dass ich weiter angreifen soll, aber ich verneine. Es ist unehrenhaft, einen auf dem Boden liegenden Gegner anzugreifen, also lasse ich mich dazu nicht hinreißen. Ich bin Goras aber nicht böse, er weiß es nicht besser. Ich höre, wie sich die anderen beiden in Bewegung setzen und spanne meine Muskeln an, um mich zu verteidigen. Wieder pariere ich und es fällt mir immer leichter, mit dem Schwert und meiner fehlenden Sicht umzugehen. Es ist, als würde Goras genau wissen, wann und welche Informationen ich benötige und irgendwann fühlt es sich an, als würde nicht mehr er, sondern mein Gefühl mich leiten. Das Schwert fühlt sich vertraut an, ich denke nicht mehr und schließlich treffe ich etwas Weiches und auch das Harte dahinter gibt schließlich nach. Warme Flüssigkeit spritzt auf mich und ich atme heftig, als ich realisiere, dass alle Orks am Boden sind und der letzte soeben geköpft wurde. Wann war der zweite zu Boden gegangen? Ich weiß es nicht, aber ich höre ihn röcheln. Mein Bein schmerzt als ich mich hinknie, ich habe wohl irgendwann einen Treffer eingesteckt, und nach dem Ork taste. Kann ich ihm vielleicht noch helfen? Er packt meine Hand, ich erschrecke und zeitgleich ruft Goras: „Töte ihn!“. Ich gebe dem Verlangen nach und beende das Leben des Orks mit dem Schwert. Er hätte mich sonst vielleicht getötet, verteidige ich mein Handeln vor mir selbst.

Ich frage mich auch jetzt erst, wieso wir nicht einfach durch den Gang gegangen sind und erhalte von Goras eine Antwort, die mich im ersten Moment entsetzt: „Weil du sie töten wolltest.“ Vehement widerspreche ich: „Nein, wollte ich nicht!“ – „Aber ich.“, erwidert Goras kalt und es fröstelt mich.

Aber ich habe keine Zeit, seine Beweggründe weiter zu hinterfragen und ich beschließe, nun auf jeden Fall den hinteren Gang zu nehmen. Dabei stolpere ich blind über etwas, kann mich aber rechtzeitig fangen und ab da stütze ich mich an der Wand entlang ab, um dem Weg folgen zu können. Ich höre ein Knurren, gehe von einem Ork aus und will mich ihm stellen, doch Goras möchte weiterlaufen. Widerwillig gebe ich ihm nach, schließlich muss ich erst für seine Sicherheit sorgen, und so laufen wir, bis wir endlich aus der Höhle raus sind. Nun sage ich Goras, dass ich mich dem Kampf stellen werde und er weiterlaufen soll, auch wenn er mir damit nicht mehr helfen kann. Er soll auf seine Sicherheit achten, doch er verneint und sagt: „Ich werde dir Kraft geben und dir helfen.“ In dem Moment spüre ich einen Stich aus dem Griff des Schwertes, der sich anfühlt wie Nadeln. Blut läuft aus der Wunde und die Stimme spricht weiter: „Führe mich in einen blutigen Kampf!“

Meine Euphorie ist zu Ende, ich weigere mich, in einen Kampf zu gehen mit dem Gedanken, dass dieser äußerst blutig sein würde. Ich möchte mir auch nicht von einer Person helfen lassen, die vorsätzlich Orks töten und am Boden liegende Gegner niederstrecken möchte. Handelt es sich dabei überhaupt um eine Person? Jetzt erst kommt mir der Gedanke, dass ich vielleicht die Parierstange des Schwertkönigs gefunden habe und es mich verändert hat. Aber würde ein Schwertkönig so handeln und mir solche Dinge zurufen? Niemals! Ich weiß nicht, was ich tun soll, weiß nicht, ob ich Goras oder meinen eigenen Gefühlen trauen kann. Ich beschließe deshalb denjenigen um Rat zu fragen, der immer an mich glaubt und mich niemals in Stich lassen würde: Rondra.

Ich bitte um ein Zeichen, mir den richtigen Weg zu weisen und erhalte es sofort. Der Griff des Schwerts wird heiß und ich lasse es fallen, bevor ich mir die Finger daran verbrenne. „Heb mich wieder auf, du feiger Wurm!“, höre ich die Stimme brüllen und ich ziehe den Dolch, da mir trotz der schockierenden Situation bewusst ist, dass mich der Ork bald einholen könnte. „Du bist es nicht wert!“, ruft Goras weiter und ich spüre einen Schmerz im rechten Bein. Mein Gegenangriff auf den Ork geht ins Leere, ich fühle mich plötzlich hilflos, aber ich bin nicht panisch. Mich ergreift sogar eine Ruhe, da ich weiß, dass ich nun sterben werde. Und zwar als ich selbst und nicht als der, den diese Stimme gerne sehen möchte.

„Lass von ihm ab!“ Die Stimme ist mir im ersten Moment fremd, doch dann erkenne ich sie als die von Wolfhardt. Auch Kylaria ruft: „Kehre zu deinem Volk zurück.“ Nun ertönt ein Horn und aus Wolfhards Mund kommen Worte, die ich ihm niemals zugetraut hätte: „Verdammte Scheiße!“ Verstärkung? Schlecht. Ich strecke meine Hand aus in der Hoffnung, jemand würde mir eine geeignetere Waffe reichen. Und tatsächlich. Sofort als sich meine Finger um den Griff von Al'Damwathi schließen, fühle ich mich sicherer. Nein, der Tod wird mich nicht holen. Nicht heute. Mit neuem Mut taste ich nach dem fallen gelassenen Schwert und lasse es fast wieder fallen, da es sich besser anfühlt als mein eigenes. Doch ich klammere meine Hand fest darum, damit es nicht verloren geht. Es darf nicht in falsche Hände gelangen, schon gar nicht in die der Orks. „Hübsches Schwert.“, sagt Wolfhardt und ich spüre Finger, wie sie den Bereich um meine Augen betasten. Während er meine Wunden betrachtet höre ich Kampfgeräusche. Kylaria? Natürlich, sie würde immer für mich kämpfen, egal wie ausweglos die Situation war. Wobei hier nur ein einzelner Ork war… nichts, das sie großartig aufhalten würde. Da höre ich wieder die Stimme: „Kämpf mit.“

Ich schüttle den Kopf, stecke mein Schwert in seine Scheide und ziehe dann meinen Wappenrock aus, um die fremde Waffe darin einzuwickeln. „Sie haben einen Minotaurus. Sie werden dich töten.“ Die Stimme wird immer lauter und penetranter, weshalb ich anfange, Gebete an Rondra zu richten. Ich übertöne Goras dadurch und hole mir Kraft, diese Tortur zu überstehen. Dabei merke ich nur am Rande, dass Kylaria etwas von mir möchte und spüre ihre Finger in meinem Gesicht. Dann kann ich wieder etwas sehen, nur verschwommen und dunkel, aber Kylarias Schemen erscheint mir wie die blühende Hoffnung, dass alles gut werden würde. Dann zieht sie mich mit und wir eilen durch den Wald.

Ich stolpere mehr mit ihr mit als ich laufe und ich bedauere das, aber ich bin zu sehr damit beschäftigt, mich von der Stimme zu befreien. Ich bitte Rondra um ihren Beistand, entschuldige mich für mein Handeln und verspreche ihr, niemals mehr so dumm zu sein. Es hilft, ich höre nur noch meine eigene Stimme und das Rauschen des Regens. Die Stimme Goras, das Grunzen der Orks und ein unheimliches Brüllen vernehme ich nicht mehr. Plötzlich rutsche ich auf einem Hügel aus und ich wünsche mir, Kylaria würde mich loslassen, damit sie weiterlaufen kann. Damit ich ihr keine Umstände mehr mache. Doch ihre Finger umschließen meine Hand nur fester und sie lässt mich auch nicht los, als wir gemeinsam den Hügel hinabrutschen. Ich glaube Wolfhardt zu sehen, der sich uns nähert und uns wieder nach oben zieht. Ein Geräusch, wie zischende Pfeile, durchreißt das Plätschern des Regens.

Das Rutschen hat auch meine Gedanken ins Straucheln gebracht und ich höre wieder, was die Stimme mir sagt. Sie will, dass wir wieder miteinander kämpfen, da wir das perfekte Team sind. Ich werde auch einen Feigling genannt und wieder, dass ich es nicht wert sei. Auf einmal stehe ich in einer Ruine und ich höre, wie ein Tor verriegelt wird. Ich will meine Augen reiben, aber in der einen Hand halte ich das verdammte Schwert und die andere umklammert… Kylarias Wappenrock. Ich sollte loslassen, doch ich tue es nicht. Ich brauche den Halt und ich glaube, wenn ich nicht mehr bei ihr bin, werde ich mich irgendwo in der Dunkelheit verlieren. Ich lasse meinen Blick schweifen und erkenne Gestalten. Orks. Auch Wolfhardt sehe ich und Kylaria, die neben mir steht, wirkt klarer als zuvor. Meine Sicht scheint sich zu bessern, doch ich fürchte um meine geistige Gesundheit.

Wolfhardt spricht mit den Orks, das höre ich aber nur dumpf, denn die Stimme in meinem Kopf übertönt alles. Da ich es einfach nicht mehr hören kann rufe ich laut: „Halt die Klappe!“ Sofort verstummt alles um mich herum, nur die Stimme in meinem Kopf möchte meiner Aufforderung nicht nachkommen. Während mich alle anstarren, gehe ich mit gequältem Blick zu Wolfhardt und halte ihm das eingewickelte Schwert mit beiden Händen entgegen: „Nimm es bitte weg, es redet mit mir.“ Ja, meine Worte sind weniger erwachsen, als ich es gerne hätte, aber in dem Moment bin ich einfach überfordert. Er betrachtet das Schwert und stellt fest, dass die Parierstange nicht zum Rest des schwarzen Stahls passt. Das Rondrasymbol ist nur ansatzweise erkennbar und ihm fehlt das gute Gefühl beim Tragen des Schwerts.

Die Stimme höre ich immer noch und als Wolfhardt das Schwert führen möchte, ertönt mein Name. Es wird nicht aufhören, mit mir zu sprechen. Und möglicherweise wird es Wolfhardt Schaden zufügen, wenn er es trägt. Er lässt es mir frei, ob ich das Schwert wieder an mich nehme und das tue ich dann auch. Ich bin am Ende meiner Kräfte, es macht keinen Unterschied, ob ich das Schwert bei dem Kampf trage oder nicht, denn ich werde daran nicht teilnehmen können, ohne den anderen im Weg zu stehen. Also werde ich es weiterhin bei mir tragen, aber nicht mehr führen. Nun fällt mir auf, dass Kylaria und Wolfhardt glühen, auch ihre und meine Waffe. Im Augenwinkel sehe ich noch ein viel größeres Glühen: der Minotaurus. Nun erzähle ich ihnen endlich von der Warnung und reiche einem der Orks meinen Stab, um deren Waffen aufzustocken.

Die Orks bieten uns auch Heilung an und ich blicke unschlüssig zu Kylaria, die verlangt, dass ich es annehme. Ich vertraue ihr und ihr Urteil wird aktuell das beste sein, das mir passieren kann. Wenig später durchströmen mich neue Kräfte, auch Rondra fühle ich mich näher als je zuvor und das kann nur bedeuten, dass ich doch an dem Kampf teilnehmen werde. An meine Ohren dringt ein Gebet von Wolfhardt und jetzt fällt mir auch erleichtert auf, dass ich die Stimme von Goras nicht mehr hörte, seit ich das Schwert wieder an mich genommen hab. Ich zögere. Mein Weiheschwert ist mir nahe, doch aktuell bin ich zu eingeschränkt, um damit zu kämpfen. Mit dem Mut, der mir Wolfhardts Gebet verleiht, bin ich fest entschlossen, das schwarze Schwert nochmals zu führen. Doch diesmal werde ich mich davon nicht beeinflussen lassen. Auf keinen Fall!

Plötzlich bricht die Mauer mit einem lauten Krachen ein und der Minotaurus, der etwa 3 Schritt groß und so breit wie ein Wagen ist, steht in seiner Bedrohlichkeit vor uns. Sofort stellen sich ihm Kylaria und Wolfhard in den Weg und etwas verzögert stelle ich mich an ihre Seite. Erst wollte ich hinten bleiben, doch mein Platz ist hier. Neben Kylaria und neben Wolfhardt. Ich konzentriere mich auf das Gefühl, auf meine Intuition, meine Augen sind nebensächlich. Und tatsächlich: Ich treffe den Hornansatz, ich pariere. Ich treffe das Bein mehrmals an der selben Stelle und pariere wieder. Es ist, als wäre ich wie beflügelt und ich weiß, dass Rondra hinter mir steht, während Wolfhardt und Kylaria neben mir stehen. Wir sind undurchdringbar, halten den Minotaurus an Ort und Stelle, wir nageln ihn fest und lassen ihn keinen Schritt vorrücken. Kann es sein, dass das Schwert nicht mehr mich führt, sondern ich es? Mit der Kraft, die Rondra uns verleiht? Um uns tobt ein Sturm, aber wir selbst sind davon nicht beeinträchtigt, denn wir stehen in der Mitte davon. Es ist unheimlich stillt, abgesehen von den Kampfgeräuschen ist kein Laut zu vernehmen.

Ich blicke mich nach den anderen Orks, die uns freundlich gesinnt waren, um und stellte fest, dass diese ganz schön in Bedrängnis geraten waren. Erst möchte ich losstürmen, doch dann rufe ich den anderen zu, dass an anderer Stelle Hilfe benötigt wird. Ich warte erst ab, was Wolfhardt sagt und erst als er mir und Kylaria befielt, dass wir den Orks helfen sollen, entferne ich mich aus dem Kampf. Der Ork, der sich meinen Stab geliehen hat, wird von mir angesteuert und ich nehme seinen Platz im Kampf ein, während er sich zurückzieht. Ich schaffe es nicht, beide Gegner rasch zu besiegen, doch das muss ich auch nicht, denn Kylaria eilt mir zur Hilfe, nachdem sie selbst ihren Kampf für sich ausgemacht hatte.

Seite an Seite kämpfen wir und ich kann es mir nicht verkneifen, dabei Stolz zu verspüren. Sicher, mein Zustand könnte besser sein, aber ich stehe noch. Und ich tu es neben Kylaria, meiner Schwertmutter und meiner Freundin. Nur am Rande nehme ich wahr, dass der Minotaurus fällt und Orks die Flucht ergreifen. Dann fällt mein Gegner zu Boden und auch Kylaria gibt ihrem Gegner den Rest. Ein lauter Donnerschlag verkündet unseren Sieg und ich blicke schwer atmend zu Kylaria, die mir ein Grinsen schenkt. Ich erwidere es glücklich.

Ein Blitz schlägt zum Abschluss noch in die Mitte des Sturmes ein und dieser verzieht sich. Wieder prasselt der Regen auf uns herab, doch es ist mir egal. Wir haben es geschafft… Als ich mich dem Minotaurus nähere, verspüre ich mehr Ehrfurcht Wolfhardt gegenüber als dem schrecklichen Geschöpf. Er hat es niedergestreckt, ihm einen Arm abgeschlagen. Ein Wink des Schicksals.

Wir kommen in einem der Nebengebäude zur Ruhe und ich erfahre von Kylaria von dem Toten, den sie in der Höhle gefunden hatten. Ich habe es schon geahnt, aber es zu hören macht mir nur mehr klar, dass ich mich habe täuschen lassen. Deshalb bitte ich Wolfhardt auch wieder, das schwarze Schwert an sich zu nehmen, da ich fürchte, es könne mich beeinflussen, während ich schlafe. Oder schlimmer noch, dass ich es nehmen möchte, um seinen Gelüsten nachzukommen.

17. Efferd 1034

Als ich aufwache, sehe ich wieder normal, meine Augen schmerzen nicht mehr. Das Schwert lasse ich weiterhin bei Wolfhardt und ich lausche seinen Worten während der Feuerbestattung der Toten. Ich entschuldige mich bei Kylaria und vor allem bei Wolfhardt für meine Taten. Seine Worte „Die beste Lehre ist die, die man selbst erfährt.“, bleiben mir noch lange im Gedächtnis. Nach der Feuerbestattung machen wir uns auf den Weg zurück nach Winhall.

18. Efferd 1034

Wir kommen zu Mittag in Winhall an und Kylaria geht direkt zum Rondratempel, während ich Wolfhardt zum Praiostempel folge, um das Artefakt zurückzubringen. Während der Andacht, die wir dort wieder mit anhören müssen, schweigt die Stimme in meinem Kopf. Ob es an der Präsenz Praios liegt? Nach einer Spende von einem Silbertaler gehen wir zurück in den Rondratempel, wo Kylaria bereits mit Connar spricht. Auch hier schweigt das Goras, den Göttern sei Dank.

Das seltsame Schwert, das Kylaria bei sich trug, hält nun Connar in den Händen und auch Wolfhard überreicht ihm das Schwert, das ich gefunden hatte. Connar mutmaßt, dass das Artefakt im Laufe der Zeit von Belhalhar pervertiert wurde. Er erklärt weiter, dass es geläutert werden muss und fragt, wer es zuerst berührt hat. Kylarias und Wolfhardts Blicke wandern zu mir und ich spüre, wie es mir kalt den Rücken runterläuft. Nur widerwillig kommt die Antwort über meine Lippen: „Ich.“ Connar fährt daraufhin fort und zählt auf, was als nächstes zu tun sei. Ich muss eine Schwertscheide anfertigen lassen, die Magie binden kann, damit ich nicht beeinflusst werden kann. Dann soll ich eine rondragefällige Queste bestreiten. Zuvor soll ich aber noch 7 Tage hier im Tempel Zwiesprache mit der Göttin halten, 6 Stunden pro Tag, bis der Effekt des Schwerts nachlässt.

Während er spricht, bin ich sprachlos und blicke dann abwechselnd hilfesuchend zu Kylaria und Wolfhardt. Ich spreche laut aus, was ich denke, dass ich dafür nicht geeignet erscheine und nicht weiß, ob ich das kann. Von beiden bekomme ich aufmunternden Zuspruch und Connar selbst sagt, dass ich es können werden muss. Ich nicke, obwohl ich innerlich total durcheinander und aufgewühlt bin.

Connar klatscht anschließend unvermittelt in die Hände, worauf ich erschrocken zusammenzucke und kündigt an, dass wir in die Grenzwacht gehen. Unvorstellbar für mich. Ich bin komplett durcheinander und beschließe, hier zu bleiben, um mit mir selbst ins Reine zu kommen und gleich meinen ersten Teil der Aufgabe zu beginnen.

Während die anderen losgehen, blicke ich ihnen stumm hinterher und höre nochmals die Worte, die Kylaria kurz vorher zu mir gesagt hatte: „Maxi, du weißt, dass ich dir bei allem beistehen werde, was auch immer Rondra dir für Aufgaben auferlegt.“