Der Feenwald der Crumolds

Aus Liber Historium
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Zeit: 16. - 23. Efferd 1032

Region: Albernia; Neuschanz, Rodaschmund, Burg Crumold, Gundlwald

Beteiligte: Lana Adersin-Nagraskjaleff, Boronlieb, Firael Glennir, Kari Jorgson, Amenelaos Olemanios

Erwähnungen: Temaria, Sidric Baernhold, Ilian Crumold, Gundl

Aus den Großteils verbrannten Aufzeichnungen eines Schreibers der Crumolds; Name und Datum unbekannt; gefunden im Jahr 1051 BF

Nach dem ersten Zusammentreffen der Beteiligten in der hiesigen Taverne kam ein aufgebrachter Schäfer hineingestürmt und schrie etwas von seiner vermissten Tochter Temaria und Feen und hellen Lichtern. Die Gruppe schloss sich zusammen und folgte nach kurzem Gespräch dem Schäfer zum Ort der "Entführung". Jedoch brach sich der Schäfer auf dem Weg das Bein, welches von Kari nach einem kurzen Handgemenge vermeintlich erfolgreich verarztet und gerichtet wurde. Aus reiner Vorsicht wurde jedoch besagter Schäfer bei dem Perainegeweihten Sidric Baernhold abgeliefert, um sicher zu stellen, dass die Verletzungen, die er sich durch den Sturz, und nur durch den Sturz, zugefügt hatte, nicht schwerer waren, als erwartet.

Die Gruppe teilte sich danach auf und jeder suchte das Dorf nach Informationen ab. Sie stellten jedoch fest, dass kaum Anhaltspunkte zu finden waren und beschlossen deshalb, am nächsten Tag gen Burg Crumold zu reisen. Der recht ereignislose Weg wurde durch ein altes Schlachtfeld aufgelockert, welcher von Boronlieb und Kari mit Gräbern versehen wurde und die rastlosen Toten wurden zu ihrer verdienten letzten Ruhe gebettet.

Angekommen im Dorf Rodaschmund unweit der Burg Crumold, stellten wir fest, dass wir keinen Einlass in die Burg erhalten, aufgrund der Abwesenheit der hohen Herren. Es wurde beschlossen, dass wir uns sogleich auf den Weg machen, kauften noch ein paar Dinge ein, sammelten Information und Kari heuerte als Soldat der Crumolds an. Am Waldesrand verschwand dann Lana, welche sich vermutlich von Feen des Waldes in einen Bann fallen ließ und lief unentwegt im Kreis innerhalb eines Feenkreises aus Pilzen. Der Rest der Truppe brach das Lager ab und suchte im nebeligen Wald nach der verlorenen Graumagierin und fand diese recht zügig. Firael durchbrach mutig mit einem beherzten Sprung den Pilzkreis und befreite so Lana aus ihrer misslichen Lage. Kari verzehrte einige der Pilze und Boronlieb steckte einige dubios wirkende Sporlinge in ihre Tasche. Wenn schon einmal im Wald, so machten sich die Beteiligten auch so gleich auf, um die Kinder und die hohen Herren zu finden. Zwischenstopp an einer Hütte innerhalb eines Baumes gingen Lana und Boronlieb hinter dem Hüttenbaum verloren. Firael und Kari suchten die zwei und fanden sie von Ranken umringt am Baum angebunden. Hiebe auf die Schulter vermochten sie nicht zu erwecken, erst die Gefahr durch einen Dolchstoß in die Hand brach den Bann, der auf ihnen lag. Weiter folgend kam die Gruppe auf eine Lichtung mit freiem Blick gen Himmel, welcher jedoch sternenlos war und auch das Madamal suchte man vergebens. Hölzerne Statuen standen um die Lichtung im Kreis und kamen erschreckender Weise immer näher. Die Nacht war dementsprechend unruhig für alle, außer der Bardin. Am Folgetag verließen die Beteiligten die Lichtung vorerst und kamen an einer Crumoldwache vorbei, schliefen sich aus und versuchten ein paar Informationen zu sammeln, ehe sie den Weg tiefer in den Wald gingen. [...]

Erzählung von Firael; 25. Rahja 1032

[…] Gerade wollten wir vom Hausbaum mitten im Wald wieder aufbrechen, als uns ein Mann auffiel, der hier offenbar nicht hingehörte, denn er gehörte nicht zu uns und trug auch keinen Wappenrock, der ihn als Crumold auswies. Der Neuankömmling pirschte sich zielsicher auf Amenelaos zu! Es war Kari! Naja zumindest dachte ich da noch, dass es so rum war. Der vermeintliche Kari konnte trotz einigen Hin und Hers den vermeintlichen Amenelaos in die Flucht schlagen. (Ja, irgendwie haben sich alle eingemischt und doch nicht eingemischt.) Ich lief also "Amenelaos" hinterher in der Annahme einen langjährigen Freund heilen und retten zu müssen. Lana folgte mir, aber wir konnten der Spur nicht nachgehen, da "Kari" uns gerade einholte, als ich sie gefunden hatte. Von ihm in die Ecke gedrängt stellte sich plötzlich heraus, dass dieser Kari vor mir nicht Kari sondern Amenelaos war. WAS WAR MIT MIR LOS?! ich konnte es nicht sehen, erst mit dieser einen Sache, die nur Amenelaos wissen konnte, begann der Schmerz an meinem Ohr. Und nachdem ich mich von dem dafür verantwortlichen Ohrring befreien konnte, konnte ich auch wieder klarer sehen: Er war es tatsächlich! Dennoch bleibt die Frage, wie ich mich so habe täuschen lassen können.

Nun gut, wir wollten den Störenfried dennoch ausfindig machen, nahmen gemeinsam die Spur auf und fanden schließlich eine Leiche in einer Art Baumkreis. Ich glaube ja, es war Kari, also der echte Kari, aber da der Kopf fehlte, und die Leiche bereits anfing zu verwesen, ist das eigentlich nicht möglich. Oder? Jedenfalls habe ich ihm den Wappenrock abgenommen und ihn selbst übergestreift - ich bin umgeben von überaus empfindlichen Personen, die nicht einmal zu Opfern bereit sind, wenn es um unser Wohl geht. [seufzt]

Wir entschieden uns für den rechten der beiden Wege, die ich nun sehen konnte und trafen auf eine 3fache Abzweigung, an denen Bäume wuchsen, die mit Waffen, Rüstungsteilen und Kleinkram behangen waren, als würden sie sich damit schmücken. Das Wappen eröffnete uns, dass es sich um einen "wiegenden", einen "stillen" und einen "stürmischen" Pfad handle. Wir waren allerdings müde und entschieden uns zur Rast ein gutes Stück entfernt vor dieser Abzweigung.

Die Nacht war ruhig und erholsam. Allerdings war ich zugegebenermaßen etwas überrascht, dass Boronlieb in der Nacht wohl in mein Zelt gekommen sein musste. Viel mehr überraschte mich allerdings, dass man mich nicht zu meiner Wache geweckt hatte und vor allem, dass das Lager mit Spinnen übersäht war, Spinnen, die sich absolut gar nicht rührten und dass alle, außer Boronlieb und ich, weg waren. Nun, da uns offenbar niemand geweckt hatte, würde wohl nichts Schlimmes passiert sein. Glaubte ich? Beide kamen auf jeden Fall zurück! Wie erwartet. Amenelaos vom Waschen und Lana aus Richtung der Verzweigungen - allerdings mit einem Kind, das unentwegt in diese Richtung wollte. Ich beschloss die Verantwortung für das Kind zu übernehmen und wir banden sie an mich fest. Außerdem suchten wir ja nach verschwundenen Kindern und Leuten. Dieses schlafwandelnde Kind würde uns doch sicher weiterhelfen.

Daraus folgte auch, dass wir beschlossen, doch nicht den stürmischen Pfad zu gehen, sondern den stillen. Den dieser war es, den das Kind entlang gehen wollte. Am Ende dieses Weges fanden wir einen seltsamen Bach - anscheinend magisch! - der an die 30 Wasserbassins speiste, in denen sich Menschen befanden! Lebende Menschen! Beinahe hätten wir auch das Mädchen an so einen kleinen Teich verloren! Denn während Amenelaos einen dieser seltsamen Steine, die laut Lana Energie abzogen und weiterleiteten, herauszuziehen versuchte - der arme Mann, der dort lag, war dadurch gestorben -, löste sich das Seil und das Mädchen warf sich selbst in einen dieser kleinen Teiche. Nur mit vereinten Kräften gelang es uns, sie von diesen seltsamen Ranken zu befreien und sie wieder an die Luft zu ziehen. Nun rührte sie sich allerdings nicht mehr. Lana wollte sie zurück lassen, aber konnte ich das wirklich zulassen, bei einem kleinen Mädchen, für das ich gerade erst beschlossen hatte, die Verantwortung zu übernehmen? Boronlieb half mir also das Mädchen auf meinen Rücken zu binden. Nicht gerade leicht, sie und meine Laute und mein Gepäck zu tragen, aber man muss nun mal Opfer bringen können! Wir folgte also dem Fluss, der seine Fließrichtung auf irgendeine Weise einfach geändert hatte. Er floss sogar bergauf!

Oben angekommen entdeckten wir ein tiefes Wasserloch, das das ganze Wasser einzusaugen schien und von einem Steinkreis umringt war. Ein Stück weiter war ein riesiger Torbogen, der sich aus zwei lebenden Baumstämmen bildete. Wie Lana später erklärte waren diese 2 Torbögen - ja, da gab es noch so einen - der einzige Weg zu der Hütte, die wir durch den Torbogen hindurch sehen konnten. Was auch immer dies für ein Konstrukt war, hier war auch Ilian Crumold! So informierten uns die Wachen, die vor dem Haus standen. Allerdings war es nur Boronlieb vorbehalten, rein zu gehen.

Das Ergebnis Boronliebs Besuchs und meiner Scharade als Crumold Soldat war, dass dieses Mädchen und die anderen "Teichbewohner" totkrank sein sollen und sich freiwillig dem Wald verschrieben haben. Außerdem seien die Crumolds mit den Schwarzfeen hier im Bunde, um ihr Volk und ihre Lieben vor ihnen zu schützen. Sie sorgen dafür, dass niemand Unbefugtes hier reinkäme und die Feen würden nicht raus kommen. Achja! Die Schwarzfeen. Auf dem Weg sahen wir anscheinend einige von ihnen. In der Nacht waren dort spindeldürre Geschöpfe mit rot glühenden Augen, die immer außerhalb unseres Lichtscheins blieben! Außerdem konnte man vom Haus oben durch den zweiten Torbogen ganz viele von ihnen sehen, die uns neugierig zu beobachten schienen! Und Boronlieb, die als einzige in der Hütte schlafen durfte, sagte sogar, dass unter dem Keller in dem die Wachen schlafen, noch ein Keller sei, in dem noch mehr dunkle Viecher hausen. So oder so, niemand von uns glaubte, dass das schon alles hinter dieser Geschichte sein konnte! Unser nächster Schritt beinhaltete zunächst, das Kind zurück zum Wasser zu bringen - es hat tatsächlich Fieber und wir hofften, dass wir es so zumindest auf irgendeine Art retten können - und dann ausgerüstet mit den Waffen und ähnlichem, die Lana und Boronlieb bei ihren Forschungen im Haus organisieren sollten, dem Weg weiter zu folgen! Wir mussten herausfinden, was hier eigentlich los war!

Auszug aus Lana Adersin-Nagraskjaleffs Tagebuch

20. Efferd 1032

Gundlwald

Liebes Tagebuch! Der Tag heute hat echt an meinen Nerven und Kräften gezehrt, das kannst du mir glauben. Doch ich beginne erst mal ganz vorne… Die Nacht ging ereignislos vorüber und Boronlieb erzählte uns am Morgen, dass Ilean durch Blüten im Nichts verschwunden sei und sich mehrere Falltüren, unter denen der Schlafraum der Wachen und darunter noch mehr dunkle Geschöpfe befänden, im Haus seien. Nach einer reiflichen Überlegung beschlossen wir, dass Amenelaos und Firael das Kind zu den Wasserteichen bringen, und Boronlieb und ich versuchen würden, in das Haus zu gelangen. Wir wollten uns Ausrüstung der Crumolds besorgen, um einen besseren Schutz gegen die Kreaturen des Waldes zu haben. Unser Plan war wunderbar durchdacht, doch es kam schließlich ganz anders… Mit Hilfe eines Ignorantia Zaubers konnte ich Boronlieb in das Haus begleiten, in dem Ilean Crumold gerade speiste. Während Boronlieb sich zu ihm gesellte, konnte ich unbemerkt die Falltür hinuntersteigen, um mich dort umzusehen. Doch es vergingen keine Minuten, da hörte ich plötzlich den Burgherren nach den Wachen schreien und ich drängte mich an die Wand, damit die aufgeschreckten Soldaten an mir vorbeistürmen konnten. Da sah ich auch schon, wie zwei Gestalten durch ein Loch bis hinunter in die nächst tiefere Etage sprangen. Natürlich eilte ich sofort hinterher und landete in einem dunklen Raum. Die ewige Flamme meines Stabes erhellte diesen nur wenige Augenblicke später und ich erblickte zuerst die sich vor Angst die Augen zuhaltende Borongeweihte, ehe ich die kreischenden Wesen der Dunkelheit an der Decke bemerkte. Noch während ich versuchte, die Lage zu analysieren, landeten Amenelaos und Firael neben uns und Boronlieb schritt voran, um Ilean, der gerade auf die Falltür zukroch, zurückzureißen. Ich versuchte, den Mann vor Amenelaos und Boronlieb zu schützen, doch als dieser anfing zu flüstern, bekam ich es mit der Angst zu tun und ich rief dem Leibwächter von Firael zu, dass er ihn angreifen solle. Natürlich hätte er ihn nur bewusstlos schlagen sollen! Aber er tötete ihn beinahe und nur ein rasch eingesetzter Balsam von mir konnte sein Leben retten. Notiz am Rande: Ein strahlend heller Flim Flam tötet die Kreaturen nicht, doch sie leiden, weshalb ich den Versuch, sie zu töten, abgebrochen habe.

Wir verließen das nun verwüstete Haus und ich erinnerte mich daran, dass Ilean im Keller davon geredet hatte, dass er uns schütze… Verdammt, was haben wir da nur angerichtet?! Auch die Wachen waren teilweise verschwunden oder ermordet worden. Amenelos erzählte, dass er von einer der Wachen am Vortag von einer alten Vettel erfahren hatte, weshalb wir uns mit dem Verletzten sofort auf den Weg dorthin machten. Ihr Haus lag noch tiefer im Wald und sie ließ uns vermutlich auch nur hinein, da wir Ilean Crumold bei uns hatten. Wir vermieden zu erwähnen, wie genau es zu den Verletzungen gekommen war und sie kümmerte sich um ihn, während sie uns wichtige Informationen über den Wald und die Feen gab. Eine Schwarzfee konnte sich wohl gegen den Pakt auflehnen und stiftete nun Chaos, weshalb wir zwei Tore schließen sollen, durch die sie Zugriff auf unsere Sphäre hat. Sie überreichte Amenelaos ein Schwert, das dazu in der Lage sei, die Fee zu verletzen und Firael nahm Traviakörnchen entgegen. Übernachten durften wir allerdings nicht bei ihr, weshalb wir unser Lager vor dem Haus aufschlugen.

21. Efferd 1032

Gundlwald

Wir haben uns zuerst den wiegenden Weg vorgenommen und das Feentor dort zerstört. Das erwies sich als recht knifflig, da wir erst gegen einen Haufen der düsteren Holzgestalten kämpfen und bis an unsere Grenzen gehen mussten. Bei dem Kampf war auch ein Junge dabei, der erst mich mit einem Schwert ins Bein traf, als ich versuchte, ihn zu unterstützen, und sich dann selbst schwer verletzte und in Ohnmacht fiel. Wo kam der überhaupt her und was hatte er hier verloren?! Amenelaos wirkte so erschöpft, dass ich ihm anschließend meinen Notfall Balsam zukommen ließ und auch ich war furchtbar erledigt. Bevor wir uns aber ausruhen konnten, versuchten wir die Energiezufuhr zum Tor zu unterbinden, um das erste unserer beiden Ziele zu erreichen. An dieser Stelle sage ich dir, mein liebes Tagebuch, hätte ich Amenelaos am liebsten mit meinem Stab ins Gesicht geschlagen. Er war so unglaublich dumm und hat mit dem Feentöterschwert auf das Moos, das als Verbindung diente, geschlagen! Natürlich bekam er eine magische Entladung ab und ich ärgerte mich furchtbar über meinen vergeudeten Balsam. Habe ich übrigens schon erwähnt, dass er die schwarzen Pilze, die um den Feenhügel herum wuchsen, auch einfach abgeschnitten hat und daraufhin weitere Viecher aus dem Tor kamen? Furchtbar! Firael fand schließlich weitere Wasser- bzw Schlammbecken, in denen Personen lagen, und die wohl als Energielieferant dienten. Nach einer Rettungsaktion, bei der Firael beinahe in einem der Löcher versunken wäre, schafften wir es mit Hilfe von Amenelaos, die Leute herauszuholen und das Tor zu schließen. Boronlieb hatte sich in der Zwischenzeit um den verletzten jungen gekümmert und wir nahmen ihn mit zurück zur Gabelung, wo wir wieder unser Lager aufschlugen. Notiz am Rande: Beim Tor dürfte einiges an Astralenergie freigesetzt worden sein, möglicherweise war es aber auch mein überschnell gesprochener Odem Arcanum (obwohl die freigesetzte Energie hierbei doch eigentlich sehr gering ist), denn ein kleiner süßer Humus-Mindergeist erschien auf meiner Schulter. Er war soooo niedlich, anders als die fiesen kleinen Biester in der Akademie von Punin! Ich glaube, er mochte mich genau so gerne, wie ich ihn, doch er blieb nur wenige Stunden bei mir.

23. Efferd 1032

Gundlwald

Habe ich nicht vor zwei Einträgen geschrieben, dass der Tag an meinen Nerven und Kräften gezehrt hatte? Vergiss das wieder, denn was ich Gestern alles erlebt habe, schlägt den Eintrag vom 20. Efferd um Längen! Wir haben den noch immer bewusstlosen Jungen im Zelt von Firael zurückgelassen und machten uns auf den Weg, den stürmischen Pfad zu erkunden. Stürmisch war übrigens untertrieben! Ein halber Orkan pustete uns entgegen und wir merkten, dass wir, obwohl wir uns vorwärtskämpften, nie weit weg von der Weggabelung kamen. Weiter vorne aber liefen zwei Kinder, ein helles und ein dunkles, ganz unbeeindruckt von dem Wind herum und spielten. Gruselig, gruselig, gruselig. Wäre der Wald nicht ein gottloser Ort, hätte ich spätestens jetzt ein Gebet gesprochen und darum gebeten, schleunigst alles hinter uns zu bringen. So verließen wir allen Alarmglocken zum Trotz den Pfad und schlugen uns durch das Dickicht, ehe wir auf einer sehr stark duftenden Blumenwiese landeten. In der Mitte gab es eine Stelle, die frei von Blumen war und Firael stieg vorsichtig darauf, um zu sehen, was passieren würde. Ich hielt mich schon bereit, sie da rauszuziehen, doch es passierte nichts und ich entfernte mich einige Schritte, um einen Odem vorzubereiten. Natürlich passierte genau in diesem Moment etwas, ich hätte es wissen müssen! Rund um Firael schossen Dornenranken hervor und die Bardin konnte nur knapp noch aus dem Kreis springen, ehe sie dort gefangen gewesen wäre. In der Mitte wütete ein Ungetüm und obwohl meine Neugier ins Unermessliche stieg, schaffte ich es nicht, die Dornenranken hinaufzuklettern. Erst wollte Amenelaos auch dort bleiben und kämpfen, doch er besann sich schließlich eines besseren und wir konnten gemeinsam weiterreisen, um das letzte Tor zu suchen, denn mein Odem verriet mir, dass wir hier falsch waren. Notiz am Rande: Alchimisten aufsuchen, um Heiltränke und Astraltränke zu besorgen. (Falls wir hier überhaupt wieder lebend herauskommen)

Zurück am Weg, auf dem uns nun kein Wind mehr entgegenpeitschte, trafen wir auf die beiden jungen Mädchen, die mit Kastanien spielten. Sie stellten sich als „Si“ und „Le“ vor, sahen teilweise abgemagert und ein wenig gruselig aus und wiesen uns mit einem Pfeil den Weg zu Temaria. Sie rannten danach weg, forderten mich aber vorher noch mit einer Berührung auf, mit ihnen fangen zu spielen. Natürlich hatte ich für sowas gerade überhaupt keine Zeit! Wir liefen also weiter und ich bekam kurz darauf von Amenelaos einen Schlag ab, woraufhin er ebenfalls rief, dass ich ihn fangen solle und dann kichernd das Weite suchte. Mit welchen Leuten war ich hier eigentlich unterwegs?!

Das nächste Erlebnis möchte ich dir lieber nicht im Detail erzählen, du würdest dir mit der flachen Hand nur an den nicht vorhandenen Kopf klatschen. Oder dich weigern, dass ich solch einen Unsinn überhaupt niederschreibe und dafür sorgen, dass du in Flammen aufgehst! Deshalb nur kurz: Wir fanden Temaria in einem Käfig liegend, der an einer dicken Liane oder Ähnlichem von einem Baum hing. Auch andere in der Luft baumelnden Käfige beinhalteten Personen. Mein gut ausgeklügelter Plan, den Käfig mit zwei Seilen langsam herunterzulassen, wurde aber einerseits von meiner geringen Körperkraft und andererseits von Amenelaos dummer Idee, sich mitsamt dem Ende des Seils in die Tiefe zu stürzen, vernichtet. Ich musste fast meine gesamten Kräfte aufbringen, um sowohl ihn, als auch Temaria zu retten! Von mehreren Objektofixo Zaubern bis hin zu einem in der Luft am Gurt meiner Umhängetasche hängenden gesprochenen Ecliptifactus musste ich viel Kreativität spielen lassen. Die endgültige Rettung aber hatten wir den beiden Kindern und Firael zu verdanken, die dafür sorgten, dass eine dicke Ranke zum Käfig hochwuchs, an der wir endlich herabklettern konnten. Also eher gesagt: Ich. Ameneloas wollte ich dort oben hängen lassen, doch ein strafender Blick von Firael sorgte dafür, dass ich ihn doch noch herunterließ, denn sie hatte ja Recht. Für so einen Unsinn war einfach keine Zeit! Die befreiten Leute folgten uns schweigend - sie konnten nicht sprechen -, bis wir auf einen rundlich angelegten gepflasterten Bereich kamen, in dem sich mittig ein Crumoldbaum befand. Der Baum war sichtbar mit schwarzen Rissen durchzogen und wir ahnten, dass es sich hierbei um das letzte Feentor handeln musste.

Notiz am Rande: Durch eine gründliche Analyse konnte ich erkennen, dass es sich bei der Art der Magie um keine der üblichen Magiemuster handelte, was nahelegte, dass wir es mit Feenmagie zu tun hatten. Aber was anderes hätte ich auch nicht erwartet. Viel interessanter war, dass sich schwarze pulsierende Ballungspunkte über den ganzen Baum verteilt befanden, die von unserer Präsenz zehrten. Daraus ließ sich schließen, dass unsere bloße Anwesenheit dafür sorgte, dass das Tor sich bald öffnen würde. Hinter dem Tor konnte ich außerdem noch eine schemenhafte Präsenz sehen, die den großen Drang verspürte, aus dem Tor herauszukommen. Und die beiden Kinder, denen in der Zwischenzeit Schmetterlingsflügel gewachsen waren, sind direkt mit dem Baum verbunden! Diese Mistdinger handelten bestimmt auf Geheiß der Schwarzfee hinter dem Tor!

Ich erklärte meinen Gefährten die wichtigsten Punkte und während ich mir noch überlege, wie ich gefahrlos das Tor betreten und wieder verlassen konnte, griff Amenelaos die Feen an! Er hatte sich wohl die gleichen Gedanken gemacht und ich machte mich bereit, ihm durch das Tor zu folgen, falls er tatsächlich vor hatte, die Feen mit sich hindurchzureißen. Firael und Boronlieb versuchten zeitgleich das Tor zu schließen, indem sie Wurzeln oder Pflanzen - woher hatten sie diese eigentlich?! - in die Risse gaben. Wie befürchtet, zog Amenelaos die Feen mit sich durchs Tor und ich sprang hinterher, um ihm beizustehen. Notiz am Rande: Die Welt, in der wir landeten, war in ein düsteres, nebeliges Zwielicht getaucht, bis auf unsere eigenen Wörter war es unheimlich still und eine Leere erstreckte sich, so weit mein Blick reichte. Die Schwerelosigkeit machte das Bewegen so gut wie unmöglich.

Amenelaos kämpfte gegen die Feen und aus dem Augenwinkel heraus erkannte ich eine dunkle Gestalt schräg hinter ihm. Kurz darauf sprang auch schon Firael mit einem Seil durch das Tor, dessen anderes Ende von der sich hinter dem Tor befindlichen Boronlieb festgehalten wurde. Ein Kampf gegen die Schwarzfee entbrannte, da diese versuchte aus dem Tor zu klettern und nur mit vereinten Kräften konnten wir sie zurückhalten. Mein Fulminictus, der eine unglaublich starke Wirkung hatte, zerriss die Fee schließlich endgültig (oder auch nicht so endgültig, vermutlich wird sie aber lange Zeit brauchen, um sich wieder zu erholen) und die entstehende Druckwelle warf uns im letzten Moment wieder nach draußen, ehe das Tor uns den Durchtritt verwehrt hätte. Ich dachte in der Feenwelt außerdem, dass Amenelaos ein Schwert in seinem Bauch stecken hatte, doch draußen war keine offensichtliche Verletzung zu sehen, weshalb ich denke, dass die Sinne mir einen Streich gespielt haben. Feen sind schließlich sehr mächtig und arbeiten bekanntlicherweise mit Trugbildern. Ich glaube, Boronlieb oder Firael haben das Tor anschließend komplett geschlossen, doch ich habe davon nichts mehr mitbekommen. Erschöpft lag ich am Boden, mein Körper wollte sich nicht mehr bewegen und mein Kopf drohte zu platzen. Ich hatte meine gesamten Kräfte aufgebraucht, doch auch meine Gefährten hatten einiges abbekommen und wir konnten von Glück reden, heil aus dieser Geschichte wieder herausgekommen zu sein! Ich schlief dort an Ort und Stelle ein und erst am nächsten Morgen machten wir uns auf, zurück zum Lager zu kommen, wo wir ebenfalls nochmals eine Rast einlegen wollten. Diese Zeit nutze ich gerade, um dir zu schreiben. Ich weiß, du magst es lieber, wenn ich dir nachts vor dem Schlafengehen von meinen Abenteuern berichte, doch Gestern war ich zu erschöpft und nun weiß ich nicht, ob ich danach jemals wieder die Gelegenheit dazu bekomme. Wir werden gleich mit dem verletzten Jungen und den mittlerweile leblos wirkenden Menschen zurück zu den Wasserlöchern gehen, um die Leute und auch unsere kleine Temaria dort hineinzulegen. Danach gehen wir zum Haus von Gundl, wo wir wieder auf Ilean Crumold treffen werden und je nachdem, wie dieses Treffen ausfällt, wirst du wieder von mir hören oder auch nicht.

27. Efferd 1032

Rodaschmund

Liebes Tagebuch! Endlich habe ich dich wieder, denn ich durfte Heute die Burg der Crumolds verlassen, um meinen Aufgaben hier nachzugehen. Die letzten Tage möchte ich dir deshalb noch kurz zusammenfassen, damit du weißt, was geschehen ist. Du warst sicherlich schon krank vor Sorge! Aber keine Angst, wenn ich jemals sterben sollte, wird Aedin dafür sorgen, dass du in gute Hände kommst. Aber genug von solchen negativen Gedanken!

Amenelaos weigerte sich, mit uns nochmal zurück zu Gundl zu gehen, weshalb wir ohne ihn weiterzogen. Beim Haus wurden Firael und ich dann von den Crumoldwachen gefangen genommen und Boronlieb war ohne ein weiteres Wort feige vor den Konsequenzen ihres Handelns geflüchtet. Meine Habseligkeiten wurden mir abgenommen und meine Hände wurden mit dickem Eisen gefesselt, ehe ich gemeinsam mit der Halbelfe in den Kerker der Burg gebracht wurde. Während wir dort ahnungslos ausharrten, sprach Amenelaos im Laufe des Tages mit Ilean Crumold und er handelte einen Eid aus, der uns verbieten würde, je ein Wort über den Feenwald zu verlieren und diesen auch jemals wieder zu betreten. Darauf konnte ich mich nicht einlassen… Ein Brief von Firael war schließlich das letzte, das ich von ihr sah, denn sie hatte den Eid abgelegt und mir war klar, dass ich nun alleine in dem Schlamassel steckte. Meiner Herkunft hatte ich es glücklicherweise zu verdanken, dass ich zumindest nicht mehr im Kerker bleiben musste, doch der Bann des Eisens lag schwer auf mir, was mich täglich mehr zermürbte. Wie genau ich Ilean Crumold schließlich wieder besänftigen konnte, erzähle ich dir aber das nächste Mal, denn ich habe jetzt noch viel zu tun. Eines möchte ich dir aber noch sagen: Die letzten Tage hätten mich fast um meine Zukunft und noch schlimmer, um mein Leben gebracht. Ich setzte nie wieder mit fremden Leuten einen Fuß in magische Wälder!