Das tragische Schicksal der Ardans

Aus Liber Historium
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Zeit: 25. - 05. Travia 1034

Region: Winhall, Nablafurt

Beteiligte: Maximus Donnerkrach von Donnerbach, Kylaria della Kerres, Wolfhardt Eisenbarth, Avala Lyria Vogelflug

Erwähnungen: Connar Rhonwyn von Weidenau, Emer Guilin (Apothekerin in Winhall), Ailill Efferlill (Kapitän des Purpurfisches), Marmold Anjuhal (Koch des Purpurfisches), Gwyn Faerwyn (magisch begabte Schmiedin aus Nablafurt), Finwaen Ardan (Großvater von Faerwyn), Tamlin Ardan (Bruder von Finwaen), Viviane Ardan (Frau von Finwaen; verstorben), Cuil Ardan (Sohn von Gwyn Faerwyn; verstorben)

Aus Lana Adersin-Nagraskjaleffs "Wohin mein Weg auch führt - Maximus Donnerkrach"

25. Efferd 1034

[…] Connar tritt an uns heran, um uns mitzuteilen, welche Personen er für die Herstellung der Schwertscheide in Betracht zieht:

  • Viviane Ness, private Lehrmeisterin der grauen Gilde, in der Nähe von Seewiesen am Turansee
  • Gwyn Faerwin, magisch begabte Schmiedin in Nablafurt
  • Lothur Nifirael, Händler besonderer Artefakte in Tommeldomm

Wir benötigen nicht viele Worte, denn wir sind uns sofort einige, wen wir aufsuchen wollen: Gwyn Faerwin. Bevor wir die 100 Meilen flussaufwärts hinter uns bringen, gehen wir noch Ausrüstung besorgen.

Wolfhard und Kylaria kaufen bei der Apothekerin Emer Guilin, bzw. eigentlich bei deren Sohn oder Lehrling, ganz sicher bin ich mir nicht, allerhand nützliche Dinge. Darunter Heilpulver. Da ich mir neben ihnen äußerst nutzlos vorkomme, mache ich kurzerhand kehrt und besorge Proviant für uns alle:

  • 3 Rationen Fleisch um 4,5 Silber
  • 1 Ration Äpfel aus Traviarim um 3 Heller
  • 3 Rationen Schwarzbrot um 6 Heller
  • 3 Rationen Käse um 9 Kreuzer
  • 1 Ration Karotten um 6 Kreuzer

Die Kosten von 6 Silber bekomme ich später von Connar zurück, zusätzlich kaufe ich noch:

  • 15 Stück Schokodrops um 1,5 Dukaten (Autsch, das tut weh, aber ich hoffe, den anderen so meine Dankbarkeit zeigen zu können)
  • 1 grünes Brusttuch aus Seite um 2 Dukaten (Für Avala!)

Zurück im Tempel sammeln wir Avala auf und begeben uns gegen Mittag zum Hafen. Dort organisiert Wolfhardt den Transport für uns auf dem Flusssegler „Purpurfisch“. Kapitän Ailill Efferlill ist äußerst gastfreundlich und der Marmold Anjuhal kocht fast so gut wie Flo! Insgesamt verläuft die Fahrt heute aber recht friedlich, abgesehen davon, dass Kylaria in den Fluss kotzt, weil ihr die Bewegung des Bootes Übelkeit bereitet.

26. Efferd 1034

Der heutige Tag verläuft fast genau so ereignislos. Lediglich gegen die Mittagszeit legen wir eine längere Pause ein, da wohl etwas mit dem Flusssegler nicht in Ordnung ist. Ich nutze die Zeit, um fortzufahren, was ich im Tempel begonnen habe. Ich meditiere, um mich vom Einfluss des Schwertes abzuschotten. Nach zwei oder drei Stunden fährt der Purpurfisch wieder.

27. Efferd 1034

Etwa zur Praiosstunde kommen wir am Hafen von Nablafurt an und Ailill bietet uns an, uns in einer Woche wieder zurück nach Winhall mitzunehmen. Wir bedanken uns und machen, nachdem wir uns verabschiedet haben, eine Pause, um etwas zu Essen. Da es aber gleich darauf zu regnen anfängt, beeilen wir uns und kehren in die Taverne „Der Eiserne Widder“ ein.

Laut dem Wirten ist Gwyn Faerwyl, die Schmiedin von Nablafurt, zu der wir wollen, gerade am nördlichen Berg unterwegs. Uns bleibt also nichts anderes übrig als auf ihre Rückkehr zu warten, weshalb Wolfhardt unsere Zimmer organisiert. Kylaria wählt ein Einzelzimmer, während Wolfhardt im Mehrbettzimmer nächtigen möchte und darauf besteht, dass Avala und ich ein Doppelzimmer beziehen. Ich stelle meine Bescheidenheit hinten an, da er mich daran erinnert, dass es mit dem Artefakt sicherer wäre, nicht im Mehrbettzimmer zu schlafen.

Während des Abends singt Avala einige Lieder – das eine ist dabei schöner als das andere, und ich fordere Wolfhardt zum Armdrücken heraus. Ich bin nicht überrascht, als ich keine 5 Sekunden später verliere. Wie als Stichwort betreten nach meiner Niederlage einige Zwerge die Taverne und fragen, ob wir am Tavernenwettkampf teilnehmen wollen, der aus Armdrücken, Bierkrugbalancieren, Wettrinken und Baumhacken besteht. Ich möchte verneinen, da stimmt Wolfhardt auch schon zu und selbst Kylaria und Avala möchten mitmachen. Einen Moment zögere ich, schließlich habe ich hier eine ernsthafte Aufgabe zu erfüllen, doch ich bin hier wohl der einzige, der Zweifel hat, also willige ich ebenfalls ein.

Nur wir vier und die 5 Zwerge. Ich ahne, dass ich nicht gut abschneiden werde, aber das ist in Ordnung so. Ich bin nicht hier, um zu gewinnen, sondern um meine Fähigkeiten zu schulen. Ein Zwerg erklärt uns, dass die Reihenfolge der Disziplinen zufällig gewählt und der Gewinner zum Trinken eingeladen wird.

Wetttrinken: Ich leere nur drei Krüge, ehe ich merke, dass mein Kopf schwummrig wird. Da ich immer noch meine Aufgabe im Hinterkopf habe, belasse ich es dabei und steige freiwillig als erster aus. Unerwartet folgt nach mir Avala, dann zwei Zwerge, Kylaria, Wolfhardt und einer der letzten beiden übriggebliebenen Zwerge ist schließlich der Gewinner.

Baumhacken: Ich feiere innerlich, als ich den Baum trotz meines schweren Kopfes mit nur zwei Schlägen zerkleinere! Kylaria schafft es in genau so vielen, während Wolfhardt und ein Zwerg nur je einen benötigen. Avala bearbeitet den Baumstamm am längsten, und zwar so lange, dass ich sie irgendwann anfeuere, um ihr zu zeigen, dass ich an sie glaube. Ich bin so stolz, dass sie es trotz den vielen Schlägen bis zum Ende durchgezogen hat! Nach einem Stechen ist es schließlich unser Anführer, der den Bewerb gewinnt!

Armdrücken: Es wäre gelogen zu sagen, dass ich vom Armdrücken gegen Wolfhardt geschwächt war. Ungeschönt ausgedrückt habe ich einfach schwächere Muskeln als der Zwerg gegenüber und deshalb viel zu schnell verloren. Avala verliert ebenfalls gegen den Zwerg, während Wolfhardt und Kylaria gegen die Zwerge gewinnen. Kylaria hat schließlich aber keine Chance gegen Wolfhardt und er verliert gegen den letzten Zwerg im Rennen, der schließlich der Sieger ist.

Bierkrugbalancieren: Während ich von Bier überschüttet werde und alle anderen auch nacheinander ausschneiden, ist es Kylaria, die als letzte ihre Krüge balanciert! Ein Hoch auf Kylaria!

Da es verschiedene Gewinner gibt, werden alle, die als Sieger aus einem Bewerb herausgegangen sind, von den Zwergen eingeladen. Da ich aber voller Bier bin und mein Kopf etwas zu nebelig ist, beschließe ich, mit Avala 10 Minuten im Regen zu spazieren. Auf dem Weg zurück in den Eisernen Widder fängt uns schließlich der Wirt ab, der uns den hergerichteten Badezuber anbietet. Natürlich sagen wir nicht nein und ich laufe noch schnell zurück auf unser Zimmer, um frische Kleidung zu holen.

Im Baderaum angekommen erblicke ich Avala, deren Körper bis zu den Schlüsselbeinen im Schaum steckt. Erst ziere ich mich, als sie mich hineinbittet, aber wie immer schafft sie es, mich doch zu etwas zu bringen, das mir die Schamesröte ins Gesicht treibt… Da wir uns beide Dank des Alkohols nicht so gut fühlen gehen wir recht bald ins Bett.

28. Efferd 1034

Wir finden uns morgens alle gemeinsam beim Tisch ein und frühstücken. Mein Kopf schmerzt ein wenig, aber Avala scheint es noch schlechter zu gehen als mir, denn sie legt ihr Gesicht auf den Tisch, was mich dazu veranlasst, ihr einen der gekauften Schokodrops zu geben.

Wenig später gehen wir zu Gwyn Faerwyn, da uns gesagt wurde, dass sie gerade kurz im Dorf sei. Wir treffen in der Schmiede aber nicht zuerst auf sie, sondern auf ihren Mann, der berichtet, dass seine Frau im Lager sei und wir warten können. Etwa 10 Minuten später kommt die bullige Schmiedin des Dorfes und bemängelt erst Wolfhardts und Kylarias Rüstung und anschließend mein Kettenhemd. Es sei nicht ganz passend und so wie sie es sagt, führt es dazu, dass ich mich dafür schäme.

Nachdem sie endlich nach unserem Begehr fragt, erkläre ich ihr, dass wir eine Schwertscheide benötigen, die die Magie des schwarzen Schwertes unterdrückt. Sie möchte erst verneinen, da sie ihrem Großvater Medizin bringen muss, willigt dann aber schließlich ein, als Kylaria und Wolfhardt sich dazu bereit erklären, das für sie zu erledigen. Da es meine Aufgabe ist, auf das Schwert zu achten, bleibe ich selbstverständlich hier. Und da ich mir sicher bin, dass ich damit keine Probleme haben werde, verneine ich, als Kylaria fragt, ob einer von ihnen hier bleiben soll.

Während die anderen auf dem Weg zum Großvater von Gwyn sind, gehe ich ihr zur Hand und helfe ihr beim Schmieden der Schwertscheide, für die ich mich für Vollmetall statt Metallbänder entscheide, da es mir wichtig ist, so viel Schutz wie möglich zu erhalten. Recht bald erkenne ich, welch körperlich anstrengende Arbeit das Bearbeiten von Eisen eigentlich ist und mache dennoch keine Pausen, solange Gwyn ebenfalls keine macht. Auch nicht, als Avala ab und zu vorbeikommt, um nach mir zu sehen.

Flache Metallstreifen werden mit Kiesel berieselt, es wird gefaltet und geschlagen. Mindorium und Koschbasaltpulver werden außerdem verarbeitet und ich erfahre auf Nachfragen, dass damit Sternenkraft blockiert werden kann. Ich kann zwar nicht viel tun, außer Gwyns Anweisungen zu befolgen und ihr ihre Werkzeuge zu reichen, aber das reicht mir. Gegen Abend kommt Avala vorbei, um uns etwas zu Essen zu bringen und ich bekomme von der Schmiedin ein bitteres Heißgetränk, das mich wach halten soll. Avala ist wenig begeistert davon und verschmäht den Sud, ich hingegen trinke ihn komplett aus, da ich bis zur Fertigstellung geistig und körperlich voll da sein möchte. Etwas später merke ich, dass Avala müde wird und ich sage ihr, dass sie sich hinlegen soll. Zwar meinte ich nicht hier an Ort und Stelle und ich frage mich, wie sie bei dem Krach überhaupt schlafen kann, aber sie legt sich tatsächlich einfach in die Werkstatt, statt wie von mir gedacht, in die Taverne zu gehen.

29. Efferd 1034

Mitten in der Nacht kommen Wolfhardt und Kylaria vorbei, um zu berichten, dass sie die Medizin zum Großvater gebracht haben. Sie verabschieden sich anschließend und ich arbeite unermüdlich weiter, bis die Sonne aufgeht und Gwyn mir sagt, dass sie meine Hilfe nun nicht mehr benötigt, da nur noch Feinarbeiten anstehen. Ich bitte sie dennoch darum bleiben zu dürfen und sie sagt ja, sofern ich nicht im Weg herumstehe. Penibel achte ich darauf, ihrer Bedingung nachzukommen und beobachte Gwyn ganz genau dabei, wie sie die Metallscheide mit Leder ummantelt. Anschließend werden drei Lederbänder um die Scheide gelegt und mit Koschbasalt beschlagen, als letzten Schritt befestigt Gwyn zwei Schnallen beim Heft, um das Schwert verschließen zu können. Fertig. Es ist wirklich fertig.

Ich erzittere vor Ehrfurcht, als ich die Scheide entgegennehme und das Schwert darin versenke. Wie kann man in so wenig Zeit etwas so Wundervolles herstellen? Leider habe ich nicht genug Zeit, mich damit auseinanderzusetzen, denn Gwyn führt mich in die Schreibstube und überreicht mir einen Brief, in dem sich die Rechnung für die Rondrakirche befindet. Das Geld soll an die Familie Faerwyn in Seewiesen gehen und ich versichere ihr, dass das so schnell wie möglich passieren wird.

Ich bedanke mich und möchte anschließend gehen, werde aber von ihrem Mann aufgehalten. Er möchte mein Kettenhemd als Spende an die Rondrakirche anpassen und einen Moment lang überlege ich, ob man mir ansieht, dass ich wenig Geld habe. Lächerlich. Ich bedanke mich höflich und mache mich dann ohne das gewohnte Kettenhemd auf den Weg zur Taverne.

Dort angekommen treffe ich auf Kylaria und Wolfhardt, die mir Tamlin Ardan, den Bruder von Finwain Ardan, der der Großvater von Gwyn ist, vorstellen. Er sieht etwas kränklich aus und später erfahre ich, dass es ihm immer so geht, wenn er seinen Bruder in seinem Anwesen besucht, aber die Wirkung nach dem Treffen langsam wieder nachlässt. Da ich bis jetzt nichts gegessen habe, sagt mir Kylaria, dass ich eben jenes tun soll und ich komme ihrem Befehl ohne Widerworte nach, während sie mit Wolfhardt zur Schmiede geht. Sie wollen ihre Rüstungen ausbessern lassen.

Bald kommt Avala zurück in die Schenke und auch Wolfhardt und Kylaria trudeln wieder ein. Avala erzählt uns, dass der wilde Keiler von einem Fischer im Fluss ersoffen wurde und sie kommt ihrer Leidenschaft nach, indem sie wenige Minuten später anfängt, in der Taverne Geschichten zu erzählen. Später singt sie auch und wird dabei von einem Mann auf einer Laute begleitet, während Wolfhardt, Kylaria und ich es uns gut gehen lassen und ausgelassen feiern. Ich trinke einen Wein, drei Bier und sogar einen Schnaps! Das heißt, ich habe mehr als Kylaria getrunken und endlich mein Ziel erreicht! Leider kann ich diesen Erfolg nur kurz auskosten, denn mir ist danach gar nicht gut…

30. Efferd 1034

Ich werde von heftigen Kopfschmerzen geweckt, anschließend kommt mir die Galle hoch und ich greife gerade noch rechtzeitig nach dem Kübel, der neben dem Bett steht, um einen Schwall Kotze hineinzubefördern. Das Rumoren im Magen lässt leider nicht nach und zu allem Unheil fühle ich mich auch leicht fiebrig und verwirrt. Wie war ich ins Bett gekommen? Und wann? Ich sehe zu Avala, die mit dem nackten Rücken zu mir liegt und frage mich, wieso sie nichts anhat. In anderen Situationen hätte ich wohl den Anblick genossen, nun aber ziehe ich mich stöhnend hoch und merke, dass ich oben ebenfalls nackt bin. Wie, was, wann, warum? Ich schaffe es durch den Schmerz in meinem Schädel einfach nicht nachzudenken und gehe aus dem Zimmer, um an der Wand abstützend Richtung Mehrbettzimmer zu gehen. Wolfhardt kann mir sicher helfen, er weiß, was zu tun ist! Mit dieser Hoffnung durchquere ich den Schankraum und treffe dort unerwartet auf eben jenen und zu allem Unglück auch noch auf Kylaria. Es ist mir furchtbar peinlich, dass sie mich in dem Zustand sieht aber es beruhigt mich, dass mir beide erzählen, dass es ihnen ebenfalls schon so ergangen ist. Sie helfen mir auch, meine Fragen im Kopf zu beantworten, indem sie schlussfolgern, dass ich mich nachts wohl übergeben und Avala dabei erwischt habe… Nein, wie peinlich. Ich versinke förmlich im Stuhl, höre aber ganz genau, wie Wolfhardt sagt: „Wenn sie jetzt noch bei dir bleibt, wird sie nicht mehr gehen.“

Ich bekomme Traschbartpulver, das gegen meinen Kater helfen soll und bleibe mit den anderen den Vormittag über hier sitzen. Avala schläft derweil, anscheinend hat sie die Nacht viel durchmachen müssen mit mir, weshalb ich sie auch ganz sicher nicht wecken möchte. Zum Umziehen bewege ich mich auch sehr leise.

Zu Mittag brechen wir zu viert zu Gwyn auf, wo Kylaria nach dem Haus ihres Großvaters fragt. Ihrer Antwort nach kümmern sich die Dorfbewohner um ihren Großvater und das Haus, die Bediensteten wurden nämlich vergrault. Ihr ist auch nichts Ungewöhnliches dort aufgefallen. Dennoch bestehen Kylaria und Wolfhardt darauf, dort nach dem Rechten zu sehen und selbstverständlich bin ich mit von der Partie.

Nach dem Mittagessen im Gasthaus brechen wir auf und kommen auf dem Weg an einem Avesschrein vorbei. Während Avala eine fröhliche Melodie spielt, nach der ich mich leichter fühle als zuvor, lege ich einen Teil unseres Proviants zum Schrein. Kylaria erzählt uns auf dem weiteren Weg, dass die Familie Ardan früher sehr einflussreich war, vor 50 bis 60 Götterläufen aber von der Bildfläche verschwunden ist.

Wir kommen flott voran und etwa eine Stunde bevor die Sonne untergeht erreichen wir unser Ziel. Das zweistöckige Vorhaus schaut noch gut in Schuss aus, das Haupthaus dahinter aber wirkt verfallen und von der Natur zurückerobert. Nach dem Anklopfen am Tor des Vorhauses passiert einige Minuten lang gar nichts, dann öffnet ein älterer Mann in Kürass und mit einem Langschwert am Gürtel die Tür. Finwaen Ardan, wie sein Name ist, wirkt, als hätte er gerade das Haus verlassen wollen. Nachdem meine Gefährten unser Anliegen vorgetragen haben, lädt er uns zu sich ein und verschließt die Tür mit einem schweren Riegel.

Wir sollen uns an der Tafel, die sich in einem großen Saal befindet, niederlassen und Wolfhardt, Kylaria und ich kommen der Bitte nach, während Avala das Haus und dessen Gemälde erkundet. Nachdem Finwaen einen Kessel mit gut duftendem Eintopf auf den Tisch gestellt hat, verlässt er uns wieder, um sich in passendere Kleidung zu hüllen. Derweil suche ich nach Avala, um sie zu uns an die Tafel zu holen. Dort wandert sie aber ebenfalls umher, dieses Mal aber mit der Schüssel in der Hand, was mich zum Schmunzeln bringt. Sie ist einfach unverbesserlich in der Hinsicht.

Als der Hausherr zurückkommt bietet er uns Rondrageweihten Wein an, Avala hingegen lässt er nur ausrichten, dass sie sich setzen soll, was Kylaria schließlich weitergibt. Ich mag es nicht, wie er sie ignoriert, als wäre sie weniger wert als wir, doch solange er ihr gegenüber nicht handgreiflich wird, werde ich mich nicht gegen ihn stellen, er ist schließlich der Gastgeber. Wolfhardt bekommt auch nur 3 Zimmerschlüssel (mit Herz-, Münzen- und Kronensymbol), was aber wenig tragisch ist, denn Avala und ich teilen sowieso das Zimmer. Natürlich quittiert Kylaria das damit, dass sie mir später den Herzschlüssel aushändigt. Ich beginne damit, Finwaen Fragen zu stellen, die mir folgende Antworten liefern: - Er nimmt die Medizin, seit sein Bruder nicht mehr hier ist (vor 10-20 Götterläufen) - Weiß nicht, wo seine Kinder sind, aber sie sind laut ihm verhindert - Seine Frau ist vor 30 Götterläufen an einer schweren Krankheit gestorben - Er hat zwei Kinder - Seine Tochter wohnt in Seewiesen, er weiß nicht, wo sein Sohn wohnt - Wir dürfen uns überall umschauen Nachdem mir keine Fragen mehr einfallen, übernimmt Kylaria und erhält weitere Informationen: - Seine Familie wurde vor 50 bis 60 Götterläufen beim Krieg gegen Borbarad dezimiert (der Krieg gegen Borbarad ist allerdings erst 20 Götterläufe her) - Es war doch im 3. Orkensturm (dieser war 1010-1013 BF) - Symptome seiner Krankheit sind: Schwäche, Vergesslichkeit, ein schmerzendes Knie (er wurde dort in jungen Jahren von einem Speer getroffen)

Nach dem Essen gehen wir auf unsere Zimmer im ersten Stock. Das in Richtung Haupthaus zeigende von Avala und mir hat einen Balkon und ist sehr gemütlich eingerichtet. Pflichtbewusst meditiere ich eine Weile, bald aber zieht es uns wieder nach draußen und wir erkunden gemeinsam den Garten. Nach einem mehr oder weniger gelungenen gemeinsamen Sprung von einem der Steine des Steinkreises trage ich Avala, die sich leicht verletzt hat, zurück ins Haus. Dort finden wir ein horasisches Bad vor und machen es uns in der Wanne gemütlich. Dort ist es heiß. Sehr heiß…

1. Travia 1034

Nachts werde ich von Kylaria und Wolfhardt geweckt, die vor unserer Tür stehen. Da Avala vom Klopfen nicht wachgeworden ist, lasse ich sie einfach weiterschlafen und gehe kurz nach draußen. Verwirrt und müde wie ich im ersten Moment bin, verstehe ich erst gar nicht, was Wolfhardt redet. Er sagt, ein Seil hängt draußen neben seinem Fenster runter und mir will gar nicht einleuchten, was er von mir will, denn was soll ich mit dem Seil auch tun? Später erst wird mir klar, dass wir der Sache nachgehen sollten. Also werfe ich mir im Zimmer nur meine lockere Kleidung über und erschrecke fürchterlich, als ich den Raum mit meinen Augen nach meinen Schwertern absuche, aber nicht finden kann. Erst spät fällt mir ein, dass ich sie wohl im Bad vergessen habe und gehe wieder raus auf den Flur. Wolfhardt und Kylaria sind nicht zu sehen, also husche ich schnell in den Nassraum und schnappe mir sowohl Gewand als auch Waffen, werde aber anschließend am Rückweg von Wolfhardt gesehen. Bevor er mir Fragen stellen kann, flitze ich ins Zimmer und schließe die Tür hinter mir.

Ich treffe mich mit den anderen wieder am Flur. Wir vermuten, dass sich eine Person vom Dach aus abgeseilt hat, weshalb wir beschließen Folgendes zu tun: Kylaria sieht im zweiten Stock nach dem Rechten, ich gehe aufs Dach, um die Befestigung des Seils zu kontrollieren und Wolfhardt geht nach draußen, um nach Spuren zu suchen.

Aufmerksam mache ich mich an meine Aufgabe: Ich gehe auf den Dachboden, klettere wagemutig aus dem Fenster und schreit mehr schlecht als recht über das brüchige Dach. Am Ende werde ich aber belohnt, denn ich finde eine Vorrichtung neben dem Schornstein, an der ein Seil befestigt wurde. Es ist nicht nass, da es aber geregnet hat, vermute ich stark, dass es nach unserer Ankunft hier befestigt wurde. Vom Dach aus sehe ich auch noch Wolfhardt, der hinter dem Haus verschwindet und klettere dann hinunter in sein Zimmer. Von dort aus betrete ich den Flur, wo ich wieder auf die anderen treffe.

Kylaria hat in einem der Bedienstetenzimmer einen Dolch mit der Aufschrift „Viviane Ardan“ gefunden und Wolfhardt Spuren, die Richtung Haupthaus führen. Wir wollen der Sache weiter nachgehen, vorher gehe ich aber zurück in mein Zimmer, da ich Avala Bescheid geben möchte. Als ich die Tür aber öffne trifft mich fast der Blitz. Avala ist nicht mehr hier! Ich gerate einen Moment in Panik, doch Kylaria meint, dass sie mich wohl sucht, nachdem sie ohne mich aufgewacht ist. Ja, das wird es sein.

Während die anderen den Spuren folgen suche ich nach Avala – vergebens. Sie ist nicht im Erdgeschoss, nicht im ersten Stock und auch nicht im zweiten. Nicht auf dem Dachboden und nicht unten im Vorratskeller. Ich rufe mir ins Gedächtnis, dass sie sehr gut auf sich selbst aufpassen kann, möglicherweise schläft sie irgendwo und ich habe sie nicht gesehen und sie mich nicht gehört. Oder sie ist spazieren gegangen, wer weiß? Ich beschließe, es dabei zu belassen und gehe zum Haupthaus.

Die Spuren von Wolfhardt und Kylaria führen mich direkt durch den Dienstboteneingang und ich komme dank meiner Lichtquelle gut voran. Aufgehalten werde ich dann aber von einer schiefen Tür, deren Wegdrücken von mir dafür sorgt, dass die Decke über mir einstürzt. Einen kurzen Moment denke ich, dass mein letztes Sekündlein geschlagen hat, doch es ist lediglich dunkel geworden, als meine Laterne gegraben wurde. Ich selbst wurde ebenfalls etwas verschüttet, kann mich aber aus den Trümmern schieben. Da höre ich auch schon Kylaria und Wolfhardt, die mir entgegenkommen und mir erläutern, dass sie auf mich gewartet haben.

Wir gehen etwas später die Treppen hoch und sehen Licht durch eine Tür, die einen Spalt weit geöffnet ist. Wir schreiten hindurch und ich höre eine vertraute Stimme: „Zieh mich!“ Diese Warnung nehme ich ernst, schließlich hat das schwarze Schwert mir bis jetzt mehr geholfen als geschadet, deshalb komme ich seiner Aufforderung im Raum nach. Allerdings lasse ich Goras links liegen und ziehe stattdessen Al’Damwathi, mein Weiheschwert.

Ich realisiere gar nicht, ich fühle nur, wie etwas Böses von der Decke kommend durch mich hindurchfährt und ich einen Moment lang aus Furcht erstarre. Wieder höre ich eine Stimme, diesmal ist sie weiblich: „Verlasst dieses Haus!“ Kylaria versucht zu beschwichtigen, doch die Stimme spricht bedrohlich weiter: „Ihr werdet hier alle sterben, weil etwas Böses hier haust und alles vernichtet! Ich habe euch gewarnt!“ Dinge purzeln von der Wand, die Tür schlägt zu und ich erwache endlich aus meiner Starre, um sie wieder aufzureißen. Da sehe ich sie… Avala! Ich greife nach ihr, will sie an mich drücken, doch sie lässt es nicht zu, weshalb ich sie loslasse. Ich frage sie, was sie hier tut und sie antwortet, dass sie etwas zu erledigen hätte und schon jahrelang nicht hier war. Obwohl ich verwirrt bin, greife ich nach ihrem Arm, um sie davon abzuhalten, sich davonzumachen. Sofort kassiere ich einen bösen Blick, wobei ihr silbernes Auge grell aufleuchtet und einen Tritt, der mich dazu zwingt, sie loszulassen. Das ist nicht Avala, schießt es mir in den Kopf und ich renne ihr aufgewühlt hinterher.

Wir laufen durch einen großen Raum, in dem lauter Tote liegen und Avala nimmt von einem ein Bannschwert. Ich versuche auf sie einzureden, sie sagt, dass wir sie nicht Avala nennen sollen und sich den Körper nur ausborge. Nicht gut. Kylaria nennt sie daraufhin Viviane und ich gehe davon aus, dass ein Geist Besitz von Avalas Körper ergriffen hat. Gar nicht gut. Hinter uns bewegt sich einer der Toten und zieht einen Dolch, er wird von uns jedoch nicht weiter beachtet, denn wir rennen wieder der fliehenden Avala hinterher. Sie ruft, dass wir gehen sollen und noch jemand misch sich ein. Garos, der zu mir sagt: „Zieh mich, sonst wirst du sie nicht beschützen können!“ Ich nehme die Stimme nur am Rande wahr, auch wenn mir bewusst ist, dass die Scheide wohl doch nicht den gewünschten Effekt erzielt, denn ich achte nur auf Avala.

Es geht eine Treppe hinunter und am Ende hängt eine Art Gemälde, das so groß ist wie ein Scheunentor. Auf diesem sieht man das Haupthaus der Ardans aus dem Blickwinkel des Vorhauses. Es brennt. Ich möchte Avala noch davon abhalten, das Schwert zu erheben, um das Gemälde zu zerschneiden. Doch als ich nach ihr greife, fällt sie nach vorne durch das Gemälde. Ohne zu zögern springe ich hinterher.

Zuerst nehme ich wahr, dass wir uns in der Szenerie des Bildes befinden. Es ist furchtbar warm und wir sehen die Flammen des Gebäudes vor uns. Dann merke ich, dass die Schnallen der frisch geschmiedeten Scheide aufspringen und ich laufe gemeinsam mit Kylaria und Wolfhardt los, um Avala zu verfolgen. Die Schnallen gehen nicht mehr zu und Garos ruft: „Zieh mich endlich du Idiot!“ und ich höre auf, daran herumzufummeln. Es ist mir in diesem Moment egal, wichtig ist nur Avala, die gerade in ein brennendes Gebäude rennt. Nur am Rande merke ich, dass die Bewohner des Anwesens angegriffen werden und schließlich auch Avala. Ich werfe mich so schnell ich kann dazwischen, doch es ist zu spät. Eine Klinge schneidet meine Freundin und gleichzeitig ist es, als würde sie auch mein Herz durchbohren. Es ist meine Aufgabe, sie zu schützen! Und ich habe versagt…

Mittlerweile laufen wir durch das brennende Haus, ich weiche herabfallenden Trümmern aus und als Avala stolpert und das übergreifende Feuer ausschlägt, packe ich sie und halte sie fest. Ich schreie sie an, dass sie aufhören soll. Ich mache mir furchtbare Sorgen um Avala, denn Viviane, der Geist in ihr, spricht davon, dass sie etwas aufhalten muss. Ich will das nicht. Und da spricht Kylaria Worte, die mir selbst nicht in den Sinn gekommen waren: Sie bietet ihren Körper an, um Avala aus dieser Situation zu retten. Wieder dieser Stich ins Herz. Wäre es nicht meine Aufgabe gewesen, das zu tun? Dann fange ich Avala auf, die bewusstlos zusammensackt und sehe, wie Kylaria weiter in die Richtung schreitet, in die der Geist wollte. Ich möchte ihr folgen, aber es ist wichtiger, Avala in Sicherheit zu bringen! Wenig später merke ich aber auch schon, dass der Rückweg durch Trümmer versperrt wird und mir bleibt nichts anderes übrig als Kylaria zu folgen. Avala trage ich auf meinen Armen und dieses Mal gelingt es mir auch, für ihren Schutz zu sorgen, als ich mich über sie beuge und die herabfallenden Trümmer meinen Rücken treffen.

Als ich endlich hinter Kylaria herkomme stehe ich in einem Thronsaal und sehe sie vor einem großen Bären, dessen Kopf eine schwarze Kristallkugel ist. Im Brustkorb des Ungeheuers steckt das Bannschwert, das Kylaria statt Avala trug. Als nächstes fällt mir auf, dass ein kleiner Junge mit einer bauchigen Flasche wegrennt. Ich bin irritiert, dann glücklich, als Kylaria ruft: „Schnappt ihn euch!“, denn sie scheint wieder die alte zu sein. Ich erwidere ein Nein, da ich mit Avala sicher keine Verfolgungsjagd auf mich nehmen werde, Wolfhardt aber stürmt schon an mir vorbei. Einige Mitglieder der Familie Ardan halten eine große Tür zu, dabei erkenne ich auch Finwaen, der aber einige Jahrzehnte jünger aussieht.

Ich gehe auf ein weiteres großes Gemälde zu, das nun nicht das Haupt-, sondern das Vorhaus sieht. Da ich aber nicht hindurchtreten kann gehe ich zu den anderen, die mittlerweile den Jungen eingeholt haben.

Er stellte sich als Cuil Ardan vor und erklärte den anderen, dass er seine Vorfahren und auch Urgroßvater Finwaen retten möchte. „Oma hat gesagt, dass ich helfen soll, wenn sie kommt.“ Er meint Viviane Ardan und ich ahne, dass er ihren Geist in der Flasche mit sich trägt. Weiter erzählt der Junge, dass er die Flasche zurückbringen muss, er aber sein Messer verloren hat. Daraufhin reicht Kylaria ihm den Dolch von Viviane Ardan, da dieser der Schlüssel ist, um aus dieser eigenartigen Welt wieder hinauszukommen. Mittlerweile ist die Tür aufgebrochen worden und der Raum füllt sich mit Angreifern, die laut Wolfhardt und Kylaria eine dämonische Präsenz aufweisen. Finwaen ist verletzt und der Weg zum Gemälde ist versperrt.

Wolfhardt überträgt mir die Aufgabe, mit Avala und Cuil zum Gemälde zu laufen, während er selbst und Kylaria die Angreifer in Schach halten. Mit seinen Anweisungen, welchen Weg wir nehmen sollen, schaffen wir es schließlich unbeschadet zum Bild und ich löse meine Hand vom Griff des schwarzen Schwertes, als mir bewusst wird, dass ich sie irgendwann dorthingelegt hatte.

Dann sage ich dem Jungen, dass er das Gemälde aufschneiden soll, um den Weg zu öffnen. Außerdem bitte ich ihn um den Dolch und sage ihm, dass er nach draußen gehen soll. Er muss schließlich seine Großmutter retten. Bevor er mir den Dolch überreicht und nach draußen geht, schubse ich Avala durch das Gemälde, um mich den Kämpfenden zuzuwenden.

Nicht zu spät, denn ich werde angegriffen und ich verspüre das Bedürfnis, wieder nach dem schwarzen Schwert zu ziehen, um es einzusetzen. Doch ich wehre mich so heftig, dass ich schließlich gar nicht reagiere und mir eine Wunde an der Hüfte zugefügt wird. Nun kommt auch der junge Finwaen und sagt uns, dass wir durch das Gemälde fliehen sollen, er kann das Tor aber mit dem Schneiden seines Dolches nicht öffnen, weshalb ich das mit dem Dolch von Viviane erledige. Und tatsächlich! Das Tor öffnet sich und Kylaria, Wolfhardt, Finwaen und ich springen hindurch.

Auf der anderen Seite liegt nur Avala, von Finwaen und Cuil ist nichts zu sehen. Endlich kann ich die Schnallen an der Schwertscheide schließen und bin erleichtert, da ich das Gefühl habe, der Versuchung nun wieder besser widerstehen zu können. Währenddessen nimmt Kylaria Avala hoch.

Wir verlassen das Haupthaus und sehen draußen den Jungen, der die bauchige Flasche, die mittlerweile am Boden liegt, vergebens versucht aufzuheben. Wolfhardt nimmt sie und wir machen uns auf den Weg zum Vorhaus. Währenddessen schweigen wir, jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. Meine kreisen sich um zwei Dinge: Ich konnte Avala nicht beschützen und die Schwertscheide wirkt nicht wie erhofft. Dabei spüre ich weiterhin ein unangenehmes Ziehen in meinem Herzen und ich merke, dass ich furchtbar frustriert bin wegen dem, was passiert ist. Ich konnte meine Aufgabe, Avala zu schützen, nicht erfüllen. Ich habe versagt. Ich konnte auch die Aufgabe, einen Schutz für das Schwert anfertigen zu lassen nicht erfüllt. Der Frust frisst sich unaufhaltsam durch mein Herz.

Selbst die aufgehende Praiosscheibe ändert nichts an meinen Gefühlen und Gedanken und ich bringe Avala gemeinsam mit Kylaria ins Bett, während Wolfhardt mit Finwaen spricht. Cuil ist vor dem Haus schon verschwunden.

Wir setzen uns anschließend zu Wolfhardt und Finwaen an den Tisch und frühstücken. Dabei erklärt Wolfhardt dem Hausherrn, was passiert ist und Kylaria ergänzt seine Erzählung, während ich schweige. Wieso konnte ich den Angriff nicht rechtzeitig parieren? Und wieso konnte ich die Schnallen der Schwertscheide nicht schließen? Wolfhardt entkorkt in der Zwischenzeit die Flasche, um Vivianes Geist auf die Bitte von Finwaen freizulassen. Er weiß, dass seine Frau als Geist hier in diesem Haus lebt, dass sein Urenkel ein Geist ist, scheint ihn allerdings zu verwirren. Er fragt weiter nach, was damit gemeint ist und während Wolfhardt und Kylaria nach den richtigen Worten suchen werfe ich genervt ein: „Er ist gestorben.“ Einen Moment lang herrscht Stille, meine Mitstreitenden sehen mich schockiert an, aber ich zucke nur mit den Schultern und esse unberührt weiter. Der Kerl vergisst das doch sowieso wieder. In diesem Moment komme ich mir selbst furchtbar fremd vor.

Wir erfahren im weiteren Gespräch, dass das Gemälde ein Geschenk von Kratos von Ysilia war und Finwaen vor hatte, das Gemälde und die schwarze Kugel, die den Kopf des Bärens darstellt, zu zerstören. Kylaria und Wolfhardt bieten ihm unsere Hilfe an und ich nicke. Am Abend soll es losgehen.

In der Zwischenzeit gehe ich auf den Dachboden und setze mich dort im Schneidersitz auf den Boden. Ich atme. Ja, das ist alles, was ich tue. Ich atme ein und ich atme aus. Viele Male. Ich möchte diesen Schmerz in meiner Brust loswerden und irgendwann lässt er tatsächlich nach. Er ist nur noch unterschwellig da, aber das reicht mir. Da ich alleine gelassen werden wollte, ist niemand gekommen, um nach mir zu sehen.

Da Avala noch schläft sind wir ohne sie aufgebrochen. Finwaen führt uns direkt zum Gemälde und wir erfahren weiter, dass er dachte, der Dolch seiner Frau sei mit ihr begraben worden. Diesen überreiche ich schließlich Wolfhardt und Finwaen schneidet das Bild mit seinem eigenen Dolch, damit wir hindurchtreten können.

Wir befinden uns wieder in dem brennenden Gebäude im Thronsaal. In diesem wird noch nicht gekämpft, das Schwert steckt aber noch in dem Bär. Leider hat Finwaen ausgerechnet jetzt einen Gedächtnisschwund, denn er weiß nicht mehr, was er hier eigentlich tun wollte. Wolfhardt erklärt es ihm, woraufhin dieser seine Waffe in die schwarze Kugel stößt. Der Dolch splittert, die Kugel bekommt Risse und Neben strömt heraus, der den Bären einhüllt. Eine Stimme [Anmerkung: Kratos von Ysilia] ist zu hören: „Ihr konntet die Kugel zerstören, Ardan. Also hat mein Experiment Früchte getragen.“ Daraufhin schlägt Finwaen wütend und fluchend mit dem Schwert auf den Bären ein und die Tür, die bis eben noch von den Familienmitgliedern zugehalten wurde, geht krachend auf. Kylaria schafft es, Finwaen zu beruhigen und wir verlassen den Thronsaal noch rechtzeitig durch das Gemälde, das Wolfhardt mit dem Dolch geöffnet hatte.

Finwaen kniet weinend vor dem Gemälde und Wolfhardt versucht dieses mit seinem Weiheschwert zu zerstören. Doch es kreischt nur und ein Nebel fährt heraus, um in einen der Toten einzufahren. Wolfhardt trennt ihm daraufhin den Kopf ab, woraufhin sich Nebel an der Decke bildet. Kylaria nennt es „Nephazz“. Finwaen erklärt, dass nur das Blut des Beschenkten alles aufhalten kann und ich unterdrücke einen furchtbaren Gedanken, bevor dieser sich überhaupt in Worte manifestieren kann. Kylaria ist es schließlich, die das Bild zerstört!

Sie führt eine Liturgie durch, wobei sie Wolfhardt und mich um Unterstützung bittet. Erst möchte ich verneinen, ich könne das gerade nicht, doch ich weiß, dass es eine Lüge ist. Ich weiß, dass ich es kann. Ich weiß, dass Kylaria an mich glaubt und deshalb darf ich sie nicht enttäuschen. Ich stehe also links und Wolfhardt rechts hinter ihr, während sie ein Gebet vorgibt, in das wir einstimmen. Ehrfurcht erfasst mich, als ich ein Donnergrollen über uns hören kann. Ich spüre, wie die Luft um mich herum plötzlich knistert, als im nächsten Moment ein Blitz durch die Decke des Gebäudes fegt. Begleitet von einem Donnern, dass ich mir die Ohren zuhalten will, schlägt der Blitz vor unseren Füßen ein und … umhüllt uns. Es sollte weh tun! Aber mehr als ein angenehmes Kribbeln spüre ich nicht. Als nächstes scheint sich die Energie in Kylaria zu sammeln, bevor sie dann auf das Gemälde überspringt, es von oben bis unten in Blitze hüllt und es, während ein niederhöllisches Brüllen ertönt, in Flammen aufgeht. Es brennt licherloh, bis das Brüllen verstummt... Was zurück bleibt, sind ein noch leicht kokelndes Loch in der Decke und das Kribbeln auf meiner Haut, dass bis zu meinem Herzen vordringt, als hätte Rondra selbst mich berührt… Mir wird klar, dass Kylaria nicht die einzige ist, die noch an mich glaubt. Auch Rondra steht weiterhin zu mir.

Finwaen hockt immer noch vor dem nun zerstörten Bild und Wolfhardt trägt ihn zurück ins Haus, wo er seine Medizin bekommen soll. Ich hingegen verziehe mich wieder auf den Dachboden, ohne vorher nach Avala zu sehen. Ich setze mich hin und atme. Tief ein und aus. Immer wieder. Wieso bin ich nur so nutzlos? Wieso hat Rondra mich auserwählt, wenn ich doch nichts erreichen kann? Der Schmerz in meiner Brust schwill wieder an und wird immer stärker bis Avala mich aufsucht. Sie ignoriert meine Bitte, alleine zu sein und ich reiße mich zusammen, um sie nicht von mir zu stoßen. Stattdessen frage ich sie, wie das passieren konnte und sie antwortet, dass sie ein sogenanntes ‚Medium‘ sei und das dazu führt, dass Geister sie manchmal aufsuchen. Ich sage erst gar nichts, dann stelle ich eine weitere Frage. Dabei bin ich ruhig, sehr ruhig, doch ich sehe sie nicht an, mein Blick ruht auf meinen Händen. „Was verheimlichst du mir noch?“ Wieder kommt Frust in mir hoch und ich lasse Avala nicht zu Wort kommen, denn ich möchte nicht mehr mit ihr reden und schließlich lässt sie mich endlich wieder alleine.

So sehr ich mich bemühe, so sehr ich mich auf den Atem konzentriere und darauf, mein Gleichgewicht zu finden. Es bleibt Dunkel in meinem Herzen und in diesem Moment fühle ich mich dem schwarzen Schwert näher als Al’Damwathi. Ich lege meine Hand an den Griff und mein Daumen findet die erste Schnalle. Ich öffne sie. Mein Atem wird schwer, ich schließe die Augen und stelle mir vor, wir ich die zweite Schnalle ebenfalls löse. Kann mir das Schwert dabei helfen Avala zu schützen? Kann es dafür sorgen, dass ich nicht mehr versage? Mein Puls beschleunigt sich und ich übe Druck auf die Schnalle aus. Nur noch ein bisschen, doch mein Finger bewegt sich keinen Millimeter. Ich kämpfe. Ein Teil von mir möchte es sich einfach machen, möchte dem Drang nachgeben, möchte die Macht in sich aufnehmen. Der andere glaubt an mich. Mehr muss er auch nicht... Ich atme lange aus und schließe dabei die bereits geöffnete Schnalle wieder. Nein, so leicht werde ich es mir nicht machen. Mein Herz hellt sich etwas auf, doch der dunkle Fleck darin bleibt.

Schließlich ist es Kylaria, die mich abholt, weil wir losziehen wollen. Sie hat mich bis jetzt in Ruhe gelassen, ist meiner Bitte nachgekommen. Und doch wünsche ich, sie hätte es nicht getan.

In Nablafurt berichtet Wolfhardt Qwyn was geschehen ist und sie wiederum erzählt, dass sie erneut schwanger ist. Amüsiert bemerke ich, wie begeistert unser alter Rondrageweihte darüber ist und auch ich höre so etwas sehr gerne.

Beim anschließenden Abendessen in der Taverne treffen wir auf den Bruder von Finwaen und erfahren, dass er bei dem Angriff auf das Haupthaus nicht dabei gewesen war. Außerdem erzählt er auf meine Frage hin, dass Cuil vom Dach des Anwesens gefallen und dabei gestorben war. Ich bin ansonsten auffällig ruhig, bis Kylaria wissen möchte, ob das Artefakt den gewünschten Effekt hat. Ich zögere nur einen kurzen Moment, der ihr nichts verrät und sage dann recht locker: „Ja.“ Nur so ein kurzes Wort und doch sorgt diese Lüge dafür, dass sich der Schmerz in meinem Herzen wieder meldet. Deshalb stelle ich den Sack mit den Schokodrops auf den Tisch und versuche die unangenehme Situation mit einem „Lasst uns feiern!“ zu beenden. Es funktioniert.

Wolfhardt lädt uns zu einer Runde Felsenfeuer ein und als ich das Stamperl leere, glaube ich einen Moment, mein Geist löst sich von meinem Körper. Es beflügelt mich und ich befürworte diese Leichtigkeit in meinem Kopf, weshalb ich auch gerne noch ein Getränk leere, auf das Kylaria uns einlädt. Die dritte Runde gibt Avala aus, dafür liebe ich diese Frau! Auch ein vierter Felsenfeuer rinnt meine Kehle hinunter, doch dieses Mal ist es, als schaffe es mein Geist nicht mehr, zurück in meinen Körper zu finden. Mein Kopf wird schwer, aber irgendwie ist diese Situation auch ziemlich lustig, denn ich mache mir keine Gedanken darüber, was ich wem sage. Ich spreche einfach aus, was ich denke. Dass ich Avala nicht möchte und sie bei Kylaria besser aufgehoben ist. Meine Schwertmutter nenne ich außerdem überheblich und es kommt mir so leicht über die Lippen, als würde ich über das Wetter sprechen. Kylaria hingegen lässt sich nicht beeindrucken, sie nennt mich lediglich „Mimöchen“ und das will ich nicht auf mir sitzen lassen! Ich fordere sie zu einem ehrenhaften Zweikampf heraus!

Wäre ich bei klarem Kopf gewesen, hätte mir auffallen müssen, dass es nicht gut ausgehen konnte, wenn zwei betrunkene Rondrageweihte einen ehrenhaften Zweikampf bestreiten wollen. Vor allem dann nicht, wenn einer von beiden innerlich von Frust und Zweifel zerfressen wird. So aber verlasse ich mit Kylaria die Taverne und habe nur einen Gedanken: Die darf mich nicht Mimöschen nennen! Ich überlasse es Kylaria, die Waffe zu wählen und sehe, wie sie gleich darauf ihren Rondrakamm zieht. Das verspricht spannend zu werden, also schaffe ich gleiche Bedingungen und ziehe ebenfalls mein Weiheschwert. Es liegt schwer in meinen Händen. Schwerer als sonst.

Bevor wir beginnen läuft der Wirt auf uns zu und ruft, dass wir hier doch nicht kämpfen können. Ich erwidere: „Wollt Ihr etwa zuerst mit mir kämpfen?!“ In dem Moment stellt sich Avala mit den Worten „Aber ich!“ vor den Mann und ich kann nicht anders, als beschämt wegzusehen. Da trifft mich die Ohrfeige Avalas wie ein Blitz, ich lasse aus Schreck mein Schwert fallen und Ärger macht sich in mir breit. Ich schmettere ihr entgegen, dass sie sich nicht einmischen soll, doch sie tritt mir unberührt gegen das Schienbein. Nun reicht es mir! Ich hole mit der Faust aus, verfehle aber ihr Gesicht und sie greift wiederum nach mir, um mich festzuhalten. Diesem und auch ihrem zweiten Versuch entgehe ich. Dabei steigert sich meine Wut ins Unermessliche und der dunkle Fleck in meinem Herzen verschlingt jedes Licht darin. Was fällt ihr ein?! Ich möchte ihren nächsten Angriff unterbinden, sie dazu zwingen, endlich von mir abzulassen und ehe ich es realisiere zeigt die Klinge des schwarzen Schwertes auf Avala.

„Okay, das reicht jetzt! Steck das Schwert weg.“, wieder stellt sich jemand zwischen mich und mein Ziel. „Ist dir eigentlich klar, was du da gerade tust?“ Ich sehe Kylaria, doch anders als sonst mach mein Herz keinen freudigen Sprung, im Gegenteil, es zieht sich zusammen. Wieder jemand, der sich einmischt! Ich umfasse den Griff fester und halte es meiner Schwertmutter entgegen. Ich bin fest davon überzeugt auch sie anzugreifen, wenn sie mir weiter im Weg rumsteht. Doch nach nur wenigen Worten von Kylaria beginnen meine Hände zu zittern. Sie fragt, ob das hier wirklich das ist, was ich möchte: Die Liebe meines Lebens mit einem Dämonenschwert bedrohen. Es ist, als hätte das bloße Aussprechen meiner Tat dafür gesorgt, dass ich mir dessen bewusst werde, was ich getan habe. Doch ich bin noch so aufgewühlt, ich bin durcheinander und ich will, dass dieser Schmerz in meiner Brust nachlässt. Weiter halte ich den Griff umschlungen, doch meine Hände zittern und ich beginne zu erklären, was mich dazu getrieben hat das zu tun. Ich erzähle ihr von dem Gefühl des Versagens, dass ich es nicht wert bin, hier stehen zu dürfen und dass alle anderen besser dazu geeignet sind, Avala zu schützen. Nun erzähle ich auch, dass ich gelogen habe und das Schwert noch mit mir spricht, dass ich auch hier versagt habe. Während mir Kylaria versichert, dass sie auch nicht immer alles geschafft hat und mir aufzählt, was ich schon alles erreicht habe, spielt Avala ein Lied auf ihrer Flöte. Es dauert, aber die Worte von Kylaria und die beruhigende Musik von Avala verdrängen das Dunkle in meinem Herzen und schaffen wieder Platz für anderes, für etwas Helles. Ich habe Avala und Kylaria mit dem Dämonenschwert bedroht. Ich habe genau das getan, was ich hatte vermeiden wollen: Ich habe versagt. Und trotzdem erfüllen mich Kylarias liebevollen Worte mit so viel Licht. Ich weiß, dass sie an mich glaubt. Wieso kann ich es selbst nicht?

Langsam lasse ich das Schwert sinken, bis es auf den Boden fällt, und dann mache ich etwas, von dem ich nicht weiß, wann ich es das letzte Mal getan hab: Ich weine. Sofort überwindet Kylaria die Distanz zwischen uns und schließt mich fest in ihre Arme, was nur dazu führt, dass ich noch heftiger weine. Wie ein kleines Kind schluchze ich und ob ich es in dem Moment erfasse oder nicht, die ganze Anspannung fällt dabei von mir ab. Um uns herum ist es furchtbar still geworden, doch das ist mir egal. Ich will nur, dass der Schmerz aufhört. Und das tut er. Wenn auch nicht jetzt in den nächsten Minuten, aber ich weiß, dass er mit der Zeit aufhören wird.

Nachdem ich mich einigermaßen beruhigt und wieder gesammelt habe wende ich mich Avala zu. Verdammt. Was habe ich getan? Ich werfe mich vor ihre Füße, entschuldige mich gefühlte 10 Mal und beteuere, dass ich sie liebe. Daraufhin kniet sie sich zu mir nieder und – ich fasse es nicht – küsst mich. „Ich verzeihe dir.“, höre ich sie sagen, doch ich kann ihr nur noch ungläubig hinterherstarren, denn sie geht zurück ins Gasthaus. Was ist hier gerade passiert?

Ich stehe wieder auf, reibe mir mit dem Handrücken über die laufende Nase und sehe dann verstohlen zu Wolfhardt und Kylaria. Beide versuchen mir klar zu machen, dass ich Avala sofort hinterherlaufen soll, doch ich brauche eine Weile, um den Mut dafür zu sammeln. Dann aber geht es ganz flott. Ich hebe beide Schwerter auf, überreiche das schwarze aber Wolfhardt, denn ich kann momentan keine Verantwortung dafür übernehmen, und eile Avala hinterher.

Sie verzeiht mir. Sie liebt mich. Sie glaubt an mich. Das ist wichtig.

Ich beschließe an mich selbst glauben zu können, solange noch andere an mich glauben.

3. Travia 1034

Wir reisen mit dem Flusssegler wieder Richtung Winhall und ich nutze die Zeit am Schiff, um mich bei Kylaria und auch bei Wolfhardt zu entschuldigen. Auch sie verzeihen mir und im mittlerweile erheiternden Gespräch erfahre ich auch, dass die beiden ebenfalls schon Ohrfeigen kassiert haben. Ich möchte mir in diesem Moment nichts vormachen, ich weiß, dass dieser dunkle Fleck in meinem Herzen noch da ist. Aber er ist gerade nicht präsent, also lasse ich zu, dass ich die Reise mit den anderen ausgelassen verbringe. Am Ende des Gesprächs überreicht mir Wolfhardt das schwarze Schwert und ich nehme es an. Ja, ich schaffe das. Die anderen glauben an mich, also werde ich es auch.

5. Travia 1034

Am Vormittag betreten wir den Rondratempel, während Avala die Umgebung unsicher macht. Wolfhardt verschwindet im Büro von Connar und Kylaria und ich trainieren derweil. Ich weiß nicht, was die beiden Männer da drinnen machen, aber ich habe Wolfhardt zuvor darum gebeten, dass ich ihm Bericht erstatten darf. Er wird also in diese Richtung sicher nichts unternehmen.

Solange ich mit Kylaria trainiere fühle ich mich sorgenfrei, ich erzähle ihr während des Faustkampfes sogar davon, wie Avala und ich Rahja gehuldigt hatten. Die Situation wäre für Außenstehende sicher seltsam anzusehen gewesen, aber es war in dem Moment genau richtig und es war mir auch egal, was andere denken.

Wir unterbrechen unser Training und das Gespräch erst, als Connar und Wolfhardt aus dem Büro kommen. In diesem Moment sackt mir das Herz in die Hose, doch ich nehme meinen Mut zusammen und berichte Connar von dem, was passiert war. Und obwohl das, was vor dem Gasthaus geschehen ist, für den Ausgang der Mission nicht relevant ist, erzähle ich ihm auch das mit gesenktem Haupt. Connar lässt sich nicht anmerken, wie er darüber denkt, er gibt mir lediglich den Tipp, eine Nacht im Borontempel zu verbringen, um das Geschehen zu verarbeiten. Ich nicke.

Connar erklärt uns anschließend, dass er am nächsten Tag Nachricht von einem anderen Tempel erwartet und wir dann mehr über die Queste erfahren könnten. Dann fragt er mich, ob es sinnvoll ist, die beiden anderen auf der Liste für mehr Sicherheit aufzusuchen oder wir es auch so schaffen. Voller Überzeugung sage ich: „Ich schaffe das.“ Dann sieht er zu Kylaria und sagt, dass er uns nur gehen lässt, wenn alle davon überzeugt ist. Wie erwartet stimmt sie mir mit einem Nicken zu. Ja, ich schaffe das, denn Kylaria glaubt an mich. Als Connar seinen Blick auf Wolfhardt richtet kommt nicht sofort eine Antwort. Im Gegenteil, es dauert lange, viel zu lange, bis Wolfhardt schließlich sagt, dass er mein Selbstvertrauen sehr überzeugend findet, es ihm aber lieber wäre, für mehr Sicherheit zu sorgen. Wolfhardt glaubt nicht an mich schießt es mir in den Kopf und meine ganze Überzeugung droht einzubrechen.

Kurzerhand wende ich mich an Connar, ich versuche das Ruder nochmal herumzureißen und ihn davon zu überzeugen, dass es hier doch eigentlich um meine Queste geht und es deshalb meine Entscheidung sein sollte, wann wir gehen und mit welchen Sicherheitsmaßnahmen. Connar lässt mich bis zum letzten Wort aussprechen, ehe er den Kopf schüttelt und erwidert. „Das beweist mir, dass du noch nicht bereit bist.“ Dann wendet er sich von mir ab und verlässt den Raum.

Ich fühle in diesem Moment nichts. Aber ich weiß sicher, dass ich noch einiges zu lernen habe…