Das Leben in der Akademie der Hohen Magie zu Punin

Aus Liber Historium
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Zeit: 01. Praios 1028 - 1. NL Tag 1029

Region: Punin

Beteiligte: Lana Adersin-Nagraskjaleff, Aedin Adersin

Erwähnungen: Lucy Lavendel, Magister Tramburion, Magister Lapis Philosophorum

Auszug aus Lana Adersin-Nagraskjaleffs Tagebuch:

01. Praios 1028

Das ist also das Pentagrammaton! Ich fasse es nicht. Ich sitze gerade in meinem Bett und erzähle dir von meinen Erlebnissen während meine Zimmergenossen sich über die isomorphe Kongruenz von bijektiven Matrixindifferenzen unterhalten. Bitte was?... Der Tag war sehr spannend und alleine der Anblick der Akademie ließ meine Aufregung ins Unermessliche steigern! Zuerst zeigte mir Aedin sein ‚Büro‘, dann gingen wir in den Speisesaal um etwas zu essen, das sich ‚Überraschungsteller der Geschmacksexplosionen‘ nannte. Und es war wirklich gut! Dabei lernte ich auch noch Bobbisco Ocsibbob kennen, einen Magister aus dem Süden, der hier ein Zweitstudium begonnen hatte. Er kennt alle meine Bücher und er lud mich dazu ein, mir seine Vorträge über Illusionen und die Verwendung von fliegenden Teppichen anzuhören. Nach dem Essen führte mich Aedin dann durch den Garten und anschließend gingen wir zum Schatzmeister, wo ich mein Lehrgeld abgab. Er sagte uns, dass Magister Magnus Errata im zweiten Stock auf uns wartete und so begaben wir uns dorthin, um mein Aufnahmegespräch hinter uns zu bringen. Der alte Magister war sehr freundlich und erzählte mir nach den Formalitäten in einem vier Augen Gespräch davon, dass Aedin sein Lieblingsmagister gewesen war und er bot mir seine Unterstützung an, falls ich Hilfe brauchen würde. Ist das nicht nett? Ich denke, ich werde diesen alten Herrn mögen, alleine weil er Aedin mag, scheint mir das sehr wahrscheinlich! Ein Besuch beim Quartiermeister brachte mir dann auch noch ein fixes Zimmer und eine Übersicht der Vorlesungen ein.

02. Praios 1028

Lucy Lavendel hat Gestern Abend mehr oder weniger Anspruch auf mich erhoben, was mir aber nur recht ist, denn sie ist immerhin schon länger hier, wenn auch ein Jahr zu lang, denn sie hat die Examinatio nicht bestanden. Sie ist auch recht nett, nur sollte sie lernen, auch ab und zu Luft zu holen während sie quasselt wie ein Wasserfall. Beim Frühstück erzählte ich Aedin von meinen neuen Bekanntschaften und er berichtete mir von einer Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu bleiben, obwohl er 140 Meilen weit weg sein würde. Kristallkugeln!

05. Praios 1028

Heute erledigten wir einige Gänge in die Stadt um mir diverse Utensilien für das Studium zu besorgen. An so etwas hätte ich ja überhaupt nicht gedacht. Außerdem fixierte Aedin meinen Termin für die nachgeholte Arkanatio, damit ich offiziell als Studiosa hier anfangen kann. Er muss hier noch sehr viel Einfluss haben, denn soweit ich das mitbekommen habe, kommt es nicht oft vor, dass Akademiefremde so kurz vor Ende der Lehrzeit einsteigen. Und dass er es sogar geschafft hat, die Prüfung verspätet für mich zu organisieren! Wie macht er das alles nur? Ich hoffe nur, das wirkt sich nicht negativ auf meine Bewertung ein, immerhin bedeutet das einiges an Mehrarbeit für die Akademie und ich bezweifle, dass die Zuständigen sich darüber freuen werden.

10. Praios 1028

Ich habe mich ein wenig an die Leute hier gewöhnt, auch wenn der Schlafsaal nur zu einem Drittel voll ist. Die meisten Scholaren fahren über die 6 Wochen unterrichtsfreie Zeit nach Hause. Lucy lauscht jeden Abend den Geschichten, die ich zu erzählen habe und wir machen einen Deal, dass ich ihr zeige wie man reitet und in der Wildnis zurechtkommt, wenn sie mir durch die Zeit hier hilft solange sie noch da ist. Da sagte ich natürlich nicht nein!

13. Praios 1028

Ich nahm Lucy mit zum Treffen mit Aedin damit sie sich ein wenig mit ihm unterhalten konnte. Und danach besorgten wir die Kristallkugeln, mit denen wir uns zu jedem vollen und halben Madamal sehen können würden. 14 Tage klingen viel bei 140 Meilen Trennung, findest du nicht?

15. Praios 1028

Am frühen Morgen trafen Aedin und ich einander ein letztes Mal, ehe uns 140 Meilen trennen sollten. Ich brachte kaum ein Wort heraus und wenn doch, war die Trauer deutlich herauszuhören und ich schaffte es nur mühsam, mich nicht weinend in Aedin‘s Arme zu werfen. Er merkte sofort, wie sehr mich diese Minuten kurz vor dem Abschied schmerzten und drückte mich fest an sich, wo ich einige stille Tränen an seiner Schulter vergoss und trostsuchend seinen vertrauten Geruch in mich aufnahm: Magie, Tinte, Pergament und Geheimnisse. Einen unendlich langen Augenblick später schob er mich wieder sanft von sich, strich mir mit einer kaum spürbaren Berührung eine meiner Locken aus dem Gesicht und lächelte mich voller Zärtlichkeit an. Mein Herz realisierte es schließlich schneller als meine Augen, denn ich fühlte den krampfvollen Schmerz schon in meiner Brust, bevor er einen Wimpernschlag später verschwunden war. Für jede dieser 140 Meilen, die uns plötzlich trennten, flossen weitere tausende von Tränen.

18. Praios 1028

Lucy hat mich heute regelrecht zusammengestaucht, weil ich den dritten Tag in Folge nur in meinem Bett gelegen bin und mit niemandem reden wollte. Es wird sogar schon hinter meinem Rücken getuschelt und Theorien zu Aedin und mir machen die Runde. Mir doch egal.

21. Praios 1028

Der Schmerz in mir hat nachgelassen, wenn er auch noch recht dumpf in meinem Herzen zu spüren ist. Doch ich weiß, dass Aedin nicht wollen würde, dass ich mich so gehen lasse. Deshalb bin ich heute mit Lucy in die Bibliothek gegangen und habe mir Werke ausgeliehen, die mich auf die Arkanatio vorbereiten sollten. Und eines kann ich dir sagen, liebes Tagebuch. Das sind viele, viele Bücher! Und der theoretische Teil scheint doch ein wenig komplexer zu werden als gedacht. Speziell die additive Grenzwertbetrachtung der kombinatorischen Verbindung von verschiedenen Thesen macht mir noch ein wenig Probleme.

01. Rondra 1028

Ich bin erst seit einem Mond hier und habe mir gleich den ersten Fauxpas geleistet. Irgendwie ist es wohl an mir vorbeigegangen, dass Zaubern außerhalb des Akademiegeländes für Scholaren ohne die Begleitung eines Magisters verboten ist! Als ich mit Lucy und zwei Novizen über den Markplatz lief um alchimistische Besorgungen zu erledigen, wollte ich doch glatt einen Odem auf eine interessant wirkende Holzfigur wirken. Noch bevor ich die Matrix zu Ende geknüpft hatte, schlug mir meine neue Freundin mit ihrer flachen Hand auf die Finger. Natürlich verpuffte meine aufgewandte Sternenkraft im nichts und ich starrte sie irritiert an. Die Standpauke, die danach kam, möchte ich nun lieber nicht erläutern, aber eines sei gesagt: Es macht keinen Unterschied ob wir von einem harmlosen Odem oder einem gefährlichen Ignifaxius sprechen. Die Akademieordnung ist dabei wohl eindeutig und ich kann froh sein, dass es Lucy war, die mich darauf hinwies. Wer weiß, welche Probleme ich sonst bekommen hätte? Im schlimmsten Fall hätten sie mich vielleicht gleich von der Akademie verwiesen!

08. Rondra 1028

In zwei Tagen ist es soweit. Ich bin zuversichtlich, Aedin hätte mich nicht hierhergebracht, wenn er nicht davon überzeugt gewesen wäre, dass ich es schaffen kann. Auch Lucy ist zufrieden, was soll da noch schief gehen?

10. Rondra 1028

Ja! Die Prüfung ist gut gelaufen, sowohl im theoretischen als auch im praktischen Teil. Somit darf ich tatsächlich offiziell als Studiosa in 5 Tagen an den Lehrveranstaltungen teilnehmen. Ich bekam auch eine Liste mit Unterrichtsfächern und gemeinsam mit Lucy stellte ich mir einen geeigneten Stundenplan zusammen.

29. Rondra 1028

Mein liebes Tagebuch! Entschuldige, dass ich mich erst so spät melde. Der Alltag hat mich eingeholt und dieser ist sehr gedrängt, ich habe kaum Zeit um mich um meine privaten Sachen zu kümmern. Ständig laufe ich zwischen den Hörsälen hin und her, renne zur Bibliothek um etwas nachzuschlagen, esse ab und zu und verbringe dann die Abende damit, zu lernen. Ich habe einiges verpasst, zumindest was die Theorie angeht. Die praktischen Seminare hingegen machen mir viel Spaß und zumindest da habe ich das Gefühl, gut mitzukommen.

11. Efferd 1028

Lucy war heute einfach nur herrlich! Wie sie sich gefreut hat, als sie mit Elodin das erste mal frei über den Platz galoppiert ist. Sie erzählte mir, dass sie nach bestandener Examinatio losziehen wollen würde um die Welt zu entdecken. Das habe ich echt gut gemacht und muss ich gleich in meinem Brief an Aedin erwähnen. Jeder Magier aus Punin, der loszieht um Abenteuer zu bestreiten, ist eine Bereicherung für die Welt!

23. Efferd 1028

Dieses Gebäude ist der Wahnsinn. Da glaubt man, man kennt sich einigermaßen aus, doch dann betritt man den Seminarraum und steht plötzlich im großen Hörsaal. Zuerst dachten wir an eine äußerst gelungene Illusion, was wunderbar zum Unterricht gepasst hätte, doch jeglicher Zauber schlug fehl und als selbst der Vortragende Magister Bobbisco Ocsibbob ratlos auf die Tür starrte, war uns klar: Das Gebäude hatte sich mal wieder einen Spaß erlaubt. Du fragst dich, was das soll? Ich auch, mein liebes Tagebuch, ich auch. Kaum jemand von den Scholaren hier hat eine Ahnung von den vielen Geheimnissen dieses Gebäudes - aber mal ehrlich, macht nicht genau das den Reiz hier aus?

05. Travia 1028

Langsam aber sicher kristallisiert sich heraus, dass ich einfach nicht für Alchimie geschaffen bin. Ich verwechsle ständig die Proben und bin sogar durch die erste praktische Prüfung gefallen. Nachdem ich Magister Lapis Philosophorum verzweifelt gestand, dass ich Farben einfach nicht unterscheiden kann, überraschte er mich mit einer motivierenden Ansprache. Er empfahl mir, meine restlichen Sinne zu schulen und möchte sich einmal wöchentlich eine Stunde Zeit für mich nehmen um mich zu unterstützen. Dafür soll ich ihm nach seinem Unterricht beim aufräumen helfen und natürlich überlegte ich nicht lange sondern stimmte erleichtert zu.

19. Travia 1028

Ich hatte heute ein nettes Gespräch mit einem der Akademiegardisten, Valerios Krason. Er kennt Aedin noch von seiner Akademiezeit und ich wagte es, ihn darum zu bitten, ab und zu mit mir zu trainieren. Er schien sogar recht erfreut darüber zu sein und meinte, er wäre gespannt, was ich drauf hätte.

03. Boron 1028

Magister Tramburion hasst mich! Ich weiß es und auch die anderen merken es. Ständig wählt er mich für die schwierigsten Fragen aus und auch meine Themen für diverse Portfolios sind komplexer als die der anderen. Was soll ich nur mit ihm machen? Aedin sagte ich solle die von ihm gestellten Aufgaben mit möglichst viel Freude machen, dann würde er sicher bald den Spaß daran verlieren. Mal sehen, ich hoffe er hat recht, sonst sehe ich mich gezwungen, ihn zu verärgern. Nicht, dass ich ihn eines Tages in einen Biber verwandle (nein, liebstes Tagebuch, das kann ich noch nicht, du hast nichts verpasst)

16. Boron 1028

Die elfische Gastdozentin, deren Namen ich schon wieder vergessen habe, war bei ihrem Vortrag heute sehr motiviert. Aber auch ein wenig eigenartig. Mit ihrer Stimme, die fast schon einen seltsamen summenden Ton hatte, erzählte sie uns die Vorteile von Unabhängigkeit, unterstrich wie wichtig der Einklang mit der Natur sei und erläuterte ihre Ansicht von Frieden. Sie stammt wohl vom Kreis der Einfühlung, einer ‚Akademie‘ mit unkonventionellem Unterricht. Es war schon ein wenig interessant, aber für meinen Geschmack war zu viel eigene Meinung und zu wenig Objektivität im Erzählten.

11. Hesinde 1028

Lucy gewann den heutigen Debattierwettbewerb! Dabei muss man aber erwähnen, dass sie Glück mit den Themen hatte, denn die Parallelen von orthogonalen Thesen der Observantia waren schon immer etwas, das sie gerne von hinten bis vorne durchleuchtete. Ich verstehe das bis heute nur ansatzweise, wie kann man da auch noch eine Wissenschaft daraus machen?

21. Hesinde 1028

Ein wenig schlecht fühle ich mich schon, jetzt wo ich mich für das Praxisseminar ‚Invocatio - Leichtsinn oder Notwendigkeit?‘ angemeldet habe. Was würde Aedin nur dazu sagen? Aber ich kann mir die Möglichkeit einfach nicht entgehen lassen und ich bin mir sicher dass ich Dämonen besser bekämpfen kann, wenn ich besser über sie bescheid weiß. Außerdem, ich gebe es ja zu, der Nervenkitzel liegt hier schon um einiges höher als im vertiefenden Analys Seminar.

17. Firun 1028

In der Vorlesung ‚Occultes für Fortgeschrittene‘ wurde heute der Geist eines Magiers, der schon lange an der Akademie ‚lebt‘, beschwört. Das war sehr interessant! Wir erwarteten auch gar nicht viel, doch dann stellte er sich vorne hin und hielt uns einen Vortrag über das Leben nach dem Tod! Ich hoffe doch sehr, dass ich niemals als Geist ende, aber wenn es so wäre, würde ich liebend gerne an Akademien rumspuken und dort Scholaren unterrichten.

08. Tsa 1028

Eine Gruppe von Studiosi schlich sich gestern Nacht durch die Gänge und ich steckte meinen Kopf nach draußen um zu sehen was los war, denn allzu begabt waren sie nicht, sich lautlos fortzubewegen. Als sie mich entdeckten, zuckten sie ertappt zusammen und ich blinzelte nur irritiert. Was taten sie da? Da Rokan, er ist gerade das letzte Jahr hier, den Zeigefinger flehend an die Lippen legte, zuckte ich nur mit den Schultern und schloss die Tür. Am besten ich habe gar nichts gesehen, nicht dass ich noch Ärger bekomme.

22. Tsa 1028

Nach vielen theoretischen Stunden zeigte uns der Dozent endlich die praktische Anwendung des Invocatio Majors. Es war furchteinflößend, aber gleichzeitig auch faszinierend.

09. Phex 1028

Ich bekomme hier langsam einen Ruf. Zwar keinen sehr schmeichelhaften, aber wenigstens Sorge ich hier für Erheiterung in den vollgepackten Tagen. Na gut, heute war nur einer erheitert: Magister Weyringer, der uns auftrug, die Thesis des Objectofixos zu skizzieren, nachdem ich sein Lehrbuch damit an seinen Stuhl geheftet hatte. Er hat sich einfach daraufgesetzt und so getan, als ob alles in Ordnung sei! Und er sprach dann auch so, als ob er uns diese Aufgabe heute sowieso stellen hatte wollen. Außerdem sagt man über mich, dass ich für jeden Blödsinn zu haben bin, weshalb ich oft eingeladen werde mich nachts mit in die Kneipe zu schleichen. Mal sehen, vielleicht sage ich eines Tages ja zu.

27. Phex 1028

Der Tanz der Mada ist wirklich etwas Erstaunliches und ich erinnere mich daran zurück, wie Aedin jeden Abend ähnliche Bewegungen machte. Er fehlt mir und ich hoffe, ihn bald wieder zu sehen. Fast hätte ich mich sogar für diese Übung eingetragen, dann aber entschied ich mich dagegen, ich halte mich durch das Training mit Valerios fit und das sollte reichen. Ich habe sowieso schon zu wenig Zeit.

02. Peraine 1028

Ich habe echt Mist gebaut und kann froh sein, dass ich nicht aus der Akademie geworfen wurde. Alles begann mit Sticheleien im Schlafsaal und obwohl ich mich versuchte so gut es ging aus diesem Mädchenkram rauszuhalten, musste ich eingreifen, als über Aedin hergezogen wurde. Ich weiß auch gar nicht mehr, wie es dazu kam, aber im Endeffekt endete alles mit einer Mutprobe und zwei Drittel der Scholaren beobachteten mich dabei, wie ich die Mauer vom Pentagrammaton hinaufkletterte. Doch ich kam nur 5 Schritt hoch, denn dann hörte ich auch schon die lauten Rufe der Akademiegardisten und wenig später traf mich ein gut gezielter Paralys, der mich starr wie ein Brett zurück auf den Boden beförderte. Aus den Augenwinkeln sah ich noch, wie die anderen Scholaren das Weite suchten. Welch Feiglinge! Ich wurde in mein Zimmer verwiesen und wenig später zu Magus Hesindus Majestus beordert, wo ich ihm den Vorfall schildern musste. In meiner Ausführung verschwieg ich den Grund meiner ‚Dummheit‘ und sagte ihm, dass ich nach körperlicher Herausforderung gesucht hatte. Die anderen wollte ich nur ungern mit hineinziehen, das würde meinem Ruf nur schaden und ich brauchte aber die Unterstützung der anderen. Er unterbrach mich nicht, erkundigte sich dann beim Gardisten, der neben mir stand, nach den Metern, die ich zurückgelegt hatte und erläuterte mir mit harter, erbarmungsloser Stimme, welche Strafe mich erwartete: Für den ersten Meter bekomme ich Ausgangssperre, für den zweiten muss ich den Codex Albyricus abschreiben, der dritte beschert mir ein Einzelzimmer, um die anderen Scholaren nicht zu Dummheiten anzustiften, der vierte sorgt dafür, dass ich an meinem freien Tag den Lehrkräften helfen muss und der fünfte… untersagt mir jeglichen Briefverkehr. Autsch.

16. Peraine 1028

Heute sollte ich mich eigentlich mit Hilfe der Kristallkugel bei Aedin melden. Da ich diese aber abgegeben habe, bleibt mir nichts anderes übrig als an ihn zu denken und diesen dummen Codex abzuschreiben. Wie lange wird es wohl dauern, bis Aedin nach dem Rechten sieht? Und wie viel länger, um den Codex komplett abzuschreiben?

08. Ingerimm 1028

Ich habe es kommen sehen, einerseits bin ich sehr froh darüber, andererseits wären mir andere Gründe dieses Treffens lieber gewesen. Aedin passte mich nach der Vorlesung ‚Kraftdiffusionskoeffizient in Theorie und Anwendung‘ ab und verlangte eine Erklärung. Ich erzählte ihm natürlich gleich was ich getan hatte und er schien in erster Linie erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert war und sein Blick, der so viel sagte wie ‚ich habe dich gewarnt‘, war trotzdem voller Zuneigung. Es wirkte sogar fast schon, als hätte er fest damit gerechnet, mich eines Tages in dieser Situation vorzufinden. Ich musste ihm dann zu meinem und vermutlich auch zu seinem Bedauern erklären, dass die Spektabilität auf ihn wartete und er unverzüglich hin soll. Er trug mir derweil auf im Zimmer zu warten, wo ich meinen neuen Lieblingszauber, den Objectofixo übte und mich fragte, ob Aedin großen Ärger bekam. Vermutlich. Als er zurückkam, legte er mir zwei Armbänder mit 12 gläsernen Edelsteinen an und erklärte mir, dass der Mephalsrat mich damit im Auge behalten kann. Aedin persönlich ist nun dafür verantwortlich und er kann damit auch meinen Ort bestimmen und meine Handgelenke aneinander’fesseln‘. Das Zimmer, das ich nun bewohne, ist übrigens sein früheres gewesen! So ein Zufall. Dort gibt es sogar ein Geheimfach, das mir natürlich verborgen geblieben war und dort versteckte ich die Sphäre, die Aedin mir zurückgebracht hatte. Außerdem fand ich darin einen Zweig von seinem Stab, den er mir schenkte. Ich habe sogar schon eine Idee, was ich damit mache!

09. Ingerimm 1028

Aedin setzte sich beim Frühstück an unseren Mädls Tisch, verscheuchte die provozierenden Zwillinge und plauderte interessiert mit Lucy, während ich eher schweigsam zuhörte. Ich fühlte mich müde und ausgelaugt und als Lucy auch noch ausgerechnet das Invocatio Seminar ansprach, zuckte ich nur noch die Schultern. Ich wollte nicht darüber reden und selbst Lucy blickte mit irritiert an, denn so kannte sie mich noch gar nicht. Da ich heute noch viel zu tun hatte, vertröstete ich Aedin auf später, versicherte ihm aber vorher noch dass es mir gut ging und ich nur erschöpft war. Ich bat ihn dann darum, seiner ‚Aufsichtspflicht‘ heute Nacht in meinem Zimmer nachzukommen. Dummerweise besuchte er mich genau dann, als ich einen Stuhl mittels Objectofixo vor die Tür gestellt hatte. Einige peinliche Momente vergingen und es wurde noch peinlicher, als Aedin die Tür einfach zu sich aufzog. Was war ich nur verpeilt heute! Dafür brachte er mir aber einen beruhigenden Tee mit und noch bevor ich diesen probieren konnte, passiert etwas, von dem ich in letzter Zeit nur geträumt hatte. Aedin küsste mich auf seine typisch sanfte, vorsichtige aber auch fordernd innige Art. Mein Herz setzte einen Schlag aus und schlug dann im Takt von Aedin’s Herzen weiter. Wir genossen die Zeit zusammen und näherten uns immer weiter an, bis ich ihn, kurz bevor wir unsere Beherrschung verloren, widerwillig von mir schob. Ich ermahnte ihn, dass das kein guter Zeitpunkt war und sah in seinen Augen, was ich fühlte, Bedauern. Als wir dann gemütlich unseren Tee tranken, erzählte ich Aedin von meinen Fortschritten und ich erwähnte auch mit fast schon beschämten Gefühl, dass ich meinen ersten Dämon beschworen hatte. Aedin wirkte sehr nachdenklich, doch er bat mich nur darum, vorsichtig zu sein und ich bat ihn im Gegenzug, die Nacht bei mir im Bett zu verbringen und morgens dann still und heimlich zu verschwinden. Der letzte Abschied war schwer genug.

12. Ingerimm 1028

Ich genieße die Zeit im Einzelzimmer, mir fehlen aber auch irgendwie die nächtlichen Gespräche mit den anderen. Aber ich seh es positiv, ich kann mich nun ganz auf das Lernen konzentrieren und die Abschrift des Codex Albyricus ist so etwas wie eine entspannende Nebentätigkeit geworden, bei der ich komplett abschalten kann. Mehr kann ich dir heute leider nicht berichten, denn jetzt muss ich für das Exercitium ‚Inductio in die Magica curativa‘ lernen.

06. Rahja 1028

Heute habe ich mich echt total ins Zeug gelegt und vermutlich guten Eindruck geschindet. Zumindest den einen oder anderen hier an der Akademie gibt es, die nicht nur meine Unvernunft sehen sondern mein Talent! Und ich mache mich wirklich, wirklich gut. Sogar in Alchimie würde ich behaupten, dass ich zumindest zufriedenstellend mitkomme. Der einzige, der mir noch ein wenig Kopfzerbrechen bereitet ist Magister Tramburion, denn seit der Kletterpartie hat er mich wieder im Visier und sucht förmlich nach Dingen, die mir zur Last fallen könnten. Da ich mir aber nichts zu Schulden kommen lasse, hat er schlechte Karten und ich komme ihm weiterhin mit einem einfachen Lächeln entgegen. Früher oder später wird er schon aufgeben, das hat er schon mal getan… Während ich meine Freizeit dafür opfern muss, anderen Magistern zur Hand zu gehen, entstehen sogar recht nette Gespräche. Speziell Magister Weyringer plaudert mit mir gerne über alles mögliche und er entlässt mich meistens früher, damit ich doch noch etwas Zeit für mich habe. Und Magister Lapis Philosophorum lässt mich seine Erkenntnisse alchimistischer Analysen auf Papier bannen, wobei er mich aber auch ab und zu selbst eine durchführen lässt. 29. Rahja 1028

Geschafft! Ich habe den Herrn Codex Albyricus endlich komplett abgeschrieben und Magus Hesinde Majestus erklärte meine Einschränkungen als aufgehoben. Nur die Armbänder würde ich bis zum Ende meiner Lehrzeit tragen müssen, was aber nun auch nicht mehr so tragisch ist. Das musste natürlich sofort gefeiert werden und die Candidati, die heute den letzten Prüfungstag gehabt hatten, nahmen mich mit zum Feiern in die Kneipe.

30. Rahja 1028

Das Abschlussfest war grandios. So viele Leute auf einem Haufen. Heuer war jeder durch die Prüfungen gekommen und Lucy hatte endlich bekommen, was sie verdiente: Den Adeptentitel. Ich bin so stolz auf sie, doch ein wenig trauere ich schon, denn meine größte Stützte in Punin würde mich nun ebenfalls verlassen. Aber ich habe sowieso viel zu tun und ich nehme mir echt vor, nur noch gute Eindrücke zu hinterlassen. Denn jetzt zählt auch für mich jede freie Lernminute, die kann ich nicht mit diversen Strafen vergeuden.

01. Praios 1029

Die letzten 5 Tage waren furchtbar langweilig. Wir haben Karten oder Schach im Garten gespielt, die Ausgangssperre und das Zauberverbot strikt eingehalten und sind wie die meisten Eleven und Novizen einfach auf der faulen Haut gelegen. Die Unterrichtsfreie Zeit hatte begonnen und wir genossen es einfach mal, nichts zu tun. Der richtige Ernst würde die nächsten Monate schon noch kommen, da könnten wir uns nun ruhig ein wenig treiben lassen.

28. Praios 1029

Lucy ist heute losgezogen, nachdem ich ihr noch dabei geholfen habe, ein passendes Mietpferd zu finden. Wo sie hin will? Nach Norden, mehr weiß sie noch nicht. Das nenne ich sehr löblich, sie will doch wirklich auf Entdeckungsreise gehen und alles anwenden, was ich ihr gezeigt habe! Ja sogar Feuer machen ohne einen einzigen Zauber… wobei, ehrlich gesagt glaube ich, dass sie zu bequem dazu ist und dann doch wieder auf magische Flammen zurückgreifen wird.

15. Rondra 1029

Es ging wieder los mit dem Unterricht! Endlich, noch 5 weitere Tage in der Bibliothek und ich hätte doch noch Blödsinn machen müssen um mich zu beschäftigen. Ich bin einfach nicht dafür geschaffen, nur über Büchern zu hocken. Ja, klingt seltsam, aber es ist wirklich so. Ich muss mich bewegen und nicht nur geistig fördern! Gleich am ersten Tag habe ich übrigens eine kleine Katastrophe verhindert. Als ich kurz in die Bibliothek ging um ein ausgeliehenes Buch zurückzubringen, habe ich doch tatsächlich einen der neuen Eleven gesehen, wie er mit einer Kerze in der Hand durch die Gänge lief. Ich hätte das gar nicht von mir erwartet, aber ich hab ihn zur Seite genommen, die Flamme gelöscht und ihm in ruhigen und eindringlichen Ton erklärt, dass er gerade eine Dummheit begangen hatte. Als ich fertig war mit meiner Erklärung, welche Kettenreaktion eine winzige Flamme auslösen konnte, starrte er mich schockiert an. Ich schob die Kerze in eine seiner Taschen und vergewisserte mich, dass niemand etwas von dem Geschehen mitbekommen hatte. Er sollte nicht gleich mit einem schlechten Ruf beginnen und ich fragte mich, ob ich möglicherweise beim Einleben der Eleven helfen konnte, immerhin weiß ich ja ganz genau, wie man sich hier fühlt, wenn man neu ist und niemanden kennt.

22. Rondra 1029

Ich bat bei der Spektabilität höchst persönlich um die Chance, mich beweisen zu können. Und da ich meine Strafen ohne zu meckern erledigt hatte, wurden mir tatsächlich 4 Eleven zugeteilt - darunter der Junge Faisal aus Fasar, den ich schon in der Bibliothek kennen gelernt hatte - um die ich mich ein wenig kümmern sollte. Ich wurde einer ihrer Tutoren und lehre ihnen in der kleinen Gruppe das Lesen und Schreiben, um ihnen einen guten Grundstein für das Studium hier zu legen.

03. Efferd 1029

Das war vielleicht ein Chaos. Im großen Alchimielabor gab es einen Unfall bei den älteren Novizen, was dafür sorgte, dass es für einige Stunden unerlässlich regnete und blitzte! Was haben die da nur angestellt? Auf jeden Fall hatten wir einiges zu tun, denn das Wasser musste aufgehalten werden, bevor es sich im ganzen Stockwerk ausbreitete und die Einrichtung ruinierte. Erst ein gut überlegter und anschließend platzierter Fortifex einer meiner hochgeschätzten Kollegen sorgte schließlich dafür, dass das Wasser nur noch durch das Fenster entweichen konnte und daraufhin den Garten wässerte. Zumindest die jungen Eleven hatten ihren Spaß, denn sie nutzten den Wassersee für eine Schlammschlacht, spritzten sich nass, ärgerten sich und ignorierten dabei den verärgerten Magister Tramburion, der sie mit hochrotem Kopf versuchte zurechtzuweisen. Ein wenig Spaß hatte aber noch nie jemandem geschadet, weshalb sie sich erst nach einer halben Stunde wieder beruhigten und so taten, als hätten sie den Magister schlicht und einfach nicht gehört. Ich hätte mich sicherlich dazugesellt, wenn ich mir dabei nicht so unendlich alt vorkommen würde zwischen den ganzen Jungspunden.

20. Efferd 1029

Die meisten Studiosi geben Bestellungen für das Holz ihres Stabes auf. Aber ich nicht! Ich schnappte mir an meinem freien Tag Elodin, der sowieso mal wieder raus musste, und ritt mit ihm aus Punin, um einen geeigneten Baum zu finden, der mich zufrieden stellte. Es dauerte eine Weile, die Bäume wollten einfach nicht zu dem passen, was ich mir vorstellte, dann aber war Elodin es, der das perfekte Geäst fand. Während ich ihm eine Pause gönnte, näherte er sich beim Grasen einem Walnussbaum und ein Blick von mir genügte. DAS war der richtige Baum! Ich fuhr mit meinen Fingern über die Rinde, roch an den Blättern und seufzte zufrieden. Der Baum strahlte pure Lebendigkeit aus und die scheinbar ungeordneten Äste erinnerten mich an meine chaotische Vergangenheit.

14. Travia 1029

Obwohl ich es nicht mehr müsste, da meine Strafen schon aufgelassen wurden, helfe ich den anderen Magistern in meiner Freizeit weiterhin. Die Gesellschaft von den Lehrkräften finde ich wesentlich angenehmer als die Anwesenheit der anderen Studiosi, denn bei denen hatte sich langsam ein gewisses Konkurrenzdenken eingestellt. Heute versuchte ich einem Gastdozent aus Drakonia bei der Beseitigung von Mindergeistern, die sich während seines Unterrichts hartnäckig ausgebreitet hatten, zu helfen. Dabei fragte ich ihn natürlich aus, wie es in Drakonia so war und ob er Aedin kannte. Leider war er schon zu lange von dort weg um ihn gesehen zu haben, doch die Erzählungen waren sehr faszinierend und ich konnte mir Aedin bildlich darin vorstellen. Was er wohl gerade macht? Ärgert er sich auch mit Mindergeistern herum? Lernt er komplexe Zauber und erlebt gefährliche Abenteuer? Und… vermisst er mich genau so sehr wie ich ihn vermisse? Meine Finger vermissen das Gefühl seiner widerspenstigen Haare und meine Lippen die Wärme seiner Haut.

1. Boron 1029

Heute zogen einige Studiosi und ich gemeinsam mit Magister Lapis Philosophorum los, um außerhalb Punin’s die Zutaten des Alchimielabors aufzustocken. Wir kamen eigentlich gut voran, in einem der Wälder aber näherte sich uns ein tollwütiger Wolf und als ich gerade nach meinen Dolchen greifen wollte, stellte ich eher erstaunt als irritiert fest, dass diese nicht an meiner Seite waren. Stattdessen fand ich diverse Beutelchen mit gesammelten Pflanzen an meinem Gürtel. Ich war gerade noch am überlegen, da sprach Ilendra einen Ignifaxius und das Tier verstarb. Meine Dolche fehlen mir und das Training mit dem Tempelgardisten musste ich kürzen, um mich aufs Lernen konzentrieren zu können. Mir kommt es fast schon so vor, als würden sie anklagend nach mir rufen und mich verurteilen.

13. Boron 1029

Hach ich bin so stolz auf meine ‚kleinen‘ Eleven. Speziell Faisal macht sich gut und erinnert mich ein wenig an Aedin mit seiner Art, Nebensächlichkeiten große Beachtung zu schenken. Sie haben ihre ersten Prüfungen hinter sich und natürlich wurden diese alle bestanden! Es schmerzt mich fast schon ein wenig, dass ich ihren Werdegang nicht allzu lange verfolgen kann. Marla, Aria und Theo stehen Faisal natürlich in nichts nach. Aber er bleibt trotzdem mein insgeheimer Liebling. Ich möchte sie die nächsten Tage ein wenig in Punin herumführen, quasi so etwas wie eine Exkursion, mal sehen ob ich das Einverständnis dafür bekomme. Die Prüfung im Cursus Algebra und Arithmetik IV habe ich übrigens bestanden!

30. Boron 1029

Manchmal vergesse ich, dass ich hier auf einer Akademie bin, doch an den Tagen, an denen selbst die älteren Scholaren noch Spaß an Albereien haben, wird mir das nur allzu bewusst. Einer der Novizen aus den späteren Jahrgängen sprach einen Manifesto und neckte damit einen anderen, indem er ihm einen Schneeball ins Gesicht warf. Plötzlich wurde es ganz still im Speisesaal und wenige Sekunden später hörte man einzelne Rufe der Manifesto Formel durch den Raum brüllen! Das sprichwörtliche Feuer unter dem Hintern wurde Realität und Brennnesseln unter Roben führten zu zappeligen Tänzen. Magister Weyringer und Magister Philosophorus, die zu jenem Zeitpunkt ebenfalls im großen Saal zu Mittag aßen, schienen den Tumult sogar interessiert zu verfolgen oder es gar nicht mitzubekommen. Erst das vernehmliche Hüsteln, das eine viertel Stunde später von Magistra Eserala zu vernehmen war, als sie den Raum betrat, ließ Ruhe einkehren. Schade eigentlich, dass ich mich für diesen Zauber nie interessiert hatte.

05. Hesinde 1029

Perfekt! Also, nun ja. Fast. Ich bin bald fertig mit dem Grundaussehen meines Stabes und langsam aber sicher gefällt er mir. Ich habe mir lange Gedanken über sein Aussehen gemacht und vor allem seine Länge hat mich oft ins Grübeln gebracht. Aber so wie er jetzt ist, passt er sehr gut. Jetzt geht es an die Feinarbeit.

27. Hesinde 1029

Heute hätte es beinahe richtig Ärger für einige Studiosi gegeben und ich bekam das Ereignis auch noch aus erster Reihe mit, weil ich mich dazu breitschlagen lassen hab, einer ‚gemütlichen‘ Runde am Abend in der Stammkneipe beizuwohnen. So gemütlich wurde er dann aber doch nicht. Es floss ein wenig zu viel Alkohol und als sich die beiden konkurrierenden Studiosi Alesso und Luerte mit Fäusten bedrohten, wurde es brenzlig. Alle starrten gebannt zu uns hinüber, wieso musste das auch ausgerechnet an unserem Tisch passieren? Es endete dann damit, dass Luerte einen Faustschlag abbekam, daraufhin einen Paralys sprach und Alesso in einer ungünstig aussehenden Position verharrte. Ein klarer Verstoß gegen die Akademieordnung… Luerte scheiterte kläglich an der komplizierten Reversalis Formel und so verging einige Zeit, in der wir uns nur fragend ansahen. Was sollten wir nur tun? Niemand von uns war in der Lage diesen Zauber aufzuheben. Es war auch schon knapp vor der Sperrstunde und wir überlegten, wie wir Alesso auf das Akademiegelände schmuggeln konnten. Es half aber alles nichts, entweder würden wir alle hier sitzen bleiben bis der Zauber seine Wirkung verlor und wir alle zu spät in die Akademie zurückkehren würden, oder wir ließen ihn hier stehen. Der Großteil verflüchtigte sich tatsächlich, doch eine Handvoll Kollegen blieb hier und gemeinsam trugen wir ihn Richtung Pentagrammaton. Luerte bekam von Belladaria, einer Schülerin aus meinem Jahrgang, den Kopf gewaschen und er willigte ein, sich gleich schuldbewusst bei der Spektabilität zu melden. Seltsamerweise wirkten sogar alle wieder nüchtern und kurz bevor wir das Tor passieren wollten, rührte sich Alesso wieder. Welch Glück! Er wirkte auch gar nicht verärgert und er sprach sich dagegen aus, diesen Vorfall auch nur vor irgend jemanden zu erwähnen. Er würde schließlich nur selbst Ärger bekommen und die ganze Sache wurde unter den Tisch gekehrt. Niemand der Anwesenden hatte auch nur ein Wort darüber verloren, welch Glück!

19. Firun 1029

Weiß, weiß, weiß! Überall liegt Schnee und als ich den Garten das erste mal betrat, dachte ich, ich befände mich in einem Zauberland. Es glitzerte überall und wir konnten nicht anders, alleine der Anblick genügte um den Großteil der Scholaren aus dem Gebäude zu locken. Eine große Schneeballschlacht mit diversen Motoricuseinsätzen brach aus. Danach war ich nass bis auf die Unterkleidung, aber es hatte sich gelohnt!

02. Tsa 1029

Die gut aussehende Assistentin von Magister Errata musste kurzfristig abreisen, da sich ein schlimmer Krankheitsfall in der Familie ereignet hatte. Ich wünsche ihrer Familie schnelle Genesung! Magister Errata ließ mich kurzerhand zu sich beordern und bat mich, einen kleinen Teil ihrer Aufgaben zu übernehmen. Der Bitte kam ich natürlich gerne nach.

12. Tsa 1029

Die Nacht über hatte sich ein Scherzkeks herumgetrieben! Wie hatte er das bloß angestellt? Am nächsten Morgen fehlten sämtliche Kreiden im Akademiegebäude und einige Bücher in der Bibliothek waren vertauscht worden. Seltsam, ich kann mir auch nicht vorstellen, wer das gewesen sein könnte, aber wir Studiosi sind von Aufräumarbeiten verschont geblieben und die Eleven und Novizen mussten das Chaos beseitigen.

09. Phex 1029

Der Unterricht wird immer weniger und die Zeit für freie Arbeit immer mehr, langsam scheint es wirklich spannend zu werden! Die Assistentin von Magister Errata übernimmt ab Morgen ihren Posten wieder und es freute mich sehr zu hören, dass ihre Familie wohlauf ist.

28. Phex 1029

Wir hatten heute einen Gastdozent aus den Tulamidenlanden bei uns, der einen einzelnen Vortrag über Magie in seiner Heimat hielt. Ich hatte eigentlich etwas anderes zu tun, stolperte aber mehr oder weniger unbeabsichtigt in den Hörsaal, als ich Magister Tramburion aus dem Weg gehen wollte. Da ich aber schon mal dort war, hörte ich mir an, was er zu berichten hatte. Nach dem Vortrag war das einzige, das den anderen Scholaren im Gedächtnis geblieben war, dass man im Süden so etwas wie ‚Magier Duelle‘ bestreiten konnte. Wir waren uns alle einig, dass ein Duell auf Leben und Tod verwerflich war und niemals in Frage kommen würde, aber ein Duell mit Stil regte unsere Fantasie an. Sogar ich horchte auf und das wäre tatsächlich mal wieder etwas Abwechslung in meinem Alltag.

30. Phex 1030

Wir haben es tatsächlich durchgezogen. Einen Tag bevor unser Studium in die Endphase übergehen sollte, wollten wir uns vorab schon messen und vereinbarten, uns nach getaner Arbeit Abends noch in einem der Studierräume zu treffen um unser Können zu beweisen. Eigentlich finde ich ja, wir sollten alle über so etwas erhaben sein, aber das war dann doch zu reizvoll und wir sind ja alle noch jung, da durften wir ruhig solche Dummheiten anstellen! Wir schlossen jegliche Kampfzauber aus und würfelten aus, wer gegen wen antreten würde. Ich musste mich gegen Luerte beweisen und legte einige Zauber zurecht, vorher aber traten zwei anderen Studiosi an. Die Partie war recht schnell vorbei, denn ein gut gewirkter Horriphobus beendete den Kampf nach nur 5 Sekunden. Als nächstes trat ich gegen Luerte an und ich wusste schon, auf welchen Zauber er setzten würde. Paralys, seine Spezialität und der Zauber, den ich am meisten hasse. Natürlich legte ich mir gleich eine Taktik zurecht, doch meine Zauber eigneten sich kaum für solche Duelle und ich müsste darauf setzen, dass ich schneller war als er. Als der ‚Kampf‘ schließlich begann, wirkte ich kurzerhand einen modifizierten Flimflam, als ich sah, dass seine Hände aufeinander zuwanderten um einen Paralys zu wirken. Der Zauber gelang mir und ich blendete Luerte, doch er schaffte es trotz fehlender Sichtkomponente, seinen Zauber korrekt auf mich zu wirken! Den Sieg hatte er sich wahrlich verdient und dieses mal war er auch gut genug, um den Zauber mittels Reversalis wieder aufzuheben. Und das nicht einen Moment zu spät, denn plötzlich hörten wir Schritte und wir warfen uns auf die Stühle, schubsten uns gegenseitig Bücher zu und als sich die Tür öffnete und ein Kopf hereingesteckt wurde, büffelten wir alle brav über den Lektüren. Magister Weyringer runzelte misstrauisch die Stirn, sagte aber nichts weiter und schloss diese wieder. Puh, das war knapp. Da die Duelle aber nur halb so spannend ausfielen, wie wir es erwartet hatten und wir ein wenig fürchteten, doch noch erwischt zu werden, beließen wir es auch dabei.

05. Peraine 1029

Seit einigen Tagen sind wir offiziell Candidati und wir befinden uns nun in der letzten Prüfungsphase. Unsere restlichen Vorlesungen laufen diese Woche aus damit wir genug Zeit haben zu lernen und dürfen für die nächsten Wochen das Akademiegelände auch nicht mehr verlassen. Meine kleinen Eleven müssen nun ohne mich zurecht kommen, aber ich habe ihnen angeboten, bei Problemen ruhig zu mir zu kommen.

20. Peraine 1029

Mein Stab ist endlich fertig! Sogar die beiden Holzringe habe ich mit Glyphen bestickt und das Geräusch, das die Ringe verursachen, wenn sie aneinanderstoßen, ist wie Musik in meinen Ohren. Außerdem lud mich Magister Errata zu sich ein, wo ich ihm natürlich gleich von meiner Meisterleistung erzählte und ihm den Stab stolz präsentierte.

28. Ingerimm 1029

Die kleineren Prüfungen sind alle vorüber, jetzt fehlen nur noch die beiden wichtigsten Teile der Examinatio. Die Disputatio und Demonstratio. Jetzt heißt es nochmal richtig ins Zeug legen und die nächsten Wochen überstehen! Wann Aedin wohl herkommt?

05. Rahja 1029

Aedin ist da! Also, eigentlich schon länger, aber ich hatte noch keine Zeit dir zu berichten. Entschuldige die verspätete Nachricht. Morgen ist übrigens die Disputatio, ich bin schon ganz gespannt wie das wird. 6 Stunden habe ich dafür Zeit und ich weiß jetzt schon, dass mir der Hintern danach weh tun wird.

06. Rahja 1029

Hesinde, steh mir bei! Das war erst die erste der wichtigen Prüfungen und ich fühle mich heute schon total gerädert. Die Disputatio hat meinen Kopf zu Matsch verwandelt, zumindest fühlt es sich so an und nach den 6 Stunden hatte ich nur noch Knoten im Kopf. Jetzt schaffe ich es kaum, meine Augen offen zu halten. Aber ich versuche trotzdem dich schnell über die Ereignisse in Kenntnis zu setzen. Abgefragt wurden Alchimie, Geschichts- und Magiekunde. Auch Bosparano wurde ausführlich geprüft. Ich wurde nach der geschriebenen Prüfung in den Speisesaal geschickt, wo Aedin sich nach etwa einer Stunde zu mir setzte. Erst nach seiner Aufforderung brachte ich zumindest ein Brötchen hinunter und nahm genügend Flüssigkeit zu mir. Danach wurde ich zurück in den Prüfungsraum geschickt, wo das Gremium noch Fragen für mich bereithielt, die teilweise mit meiner Arbeit zu tun hatten und mehr oder weniger schwer waren. Ich habe bei der Matrixskizze die Strichführung wohl spiegelverkehrt angesetzt, so wie Aedin es mich damals gelehrt hatte und natürlich wollten sie wissen, wieso ich das getan hatte. Ich erklärte ihnen, dass ich es noch so gelernt hatte und ließ dabei natürlich aus, wie dumm ich es finde, dass die Ausführung wegen eines einzelnen Magiers geändert wurde. Die nächsten Fragen waren, ob zwei Drittel meiner Arbeit gereicht hätten für eine ausreichend magische Aufzeichnung und wieso man Artefakte nicht während Beschwörungen herstellen sollte. Der nächste stellte keine Frage, was laut Vorschriften bedeutete, dass Aedin eine stellen musste. Und die Frage, die er stellte, ließ die Anwesenden des Gremiums schmunzeln oder sogar nur irritiert schauen! Ein herrlicher Anblick, ich hätte fast breit zu grinsen angefangen. Er fragte, welcher Lehrende vor zwei Jahren den Vortrag ‚Seltsame Gegenstände und eigenartige Sichtweisen‘ gehalten hatte. Er natürlich! Als letztes stellte die Spektabilität selbst eine letzte Frage, die ich nicht zu meiner vollsten Zufriedenheit beantworten konnte. Ich konnte nur 2 der 3 Wesen und deren Lebensräume aufzählen, die ein nachweislich hohes Magiegespür haben. Diverse Ponys und Ikanariaschmetterlingsmännchen. Aber Aedin klärte mich später auf, dass er immer kaum beantwortbare Fragen stellte. Anschließend bekam ich ein Stück Pergament ausgehändigt und ich konnte es kaum glauben, denn darauf stand, dass ich die Disputatio zu 92% zufriedenstellend gemeistert hatte!

07. Rahja 1029

Aedin war die Nacht über bei mir und erst nach seinem beruhigenden Tee konnte ich beim Anblick seiner Übungen einschlafen. Was würde ich ohne ihn nur tun? Obwohl ich gestern noch total erledigt war, fühle ich mich heute wieder dazu im Stande, korrekte Gedanken zu fassen! Die nächste Prüfung steht erst in einigen Tagen an, bis dahin werde ich mich gleichermaßen entspannen und meine Fähigkeiten weiter schulen. Aedin würde nun übrigens nicht mehr bei mir schlafen, er meint, er würde mich nur zu sehr ablenken und ich willigte ein, auch wenn ich nicht ganz glücklich damit war.

13. Rahja 1029

Der Tag war einfach nur furchtbar! Aedin war schon in der Früh aufgebrochen um sich vorzubereiten und dann wurde ich von einer Studiosa unterirdisch zu einem außerhalb der Akademie gelegenem Alchimielabor geführt. Meine Prüfung begann mit einer alchimistischen Analyse, was auch recht gut gelang und auf die Frage, welche Zutat essentiell ist um Sternenkraft an ein Alchimikum zu binden, konnte ich natürlich die passende Antwort liefern. Die Frage war eigentlich schon viel zu einfach. Die nächste Aufgabe bestand darin, sich 3 Rezepte aus einer Liste auszusuchen, die allerdings unvollständig waren. Ich suchte mir also die 3 Dinge raus, die mir am ehesten zusagten und füllte die fehlenden Komponenten aus. Anschließend stellte ich die Geheimtinte her, dem Wundpulver fügte ich etwas meiner Astralkraft hinzu und beim letzten, dem Pyrophor, geschah mir ein Missgeschick. Ich war fest davon überzeugt, keine Fehler gemacht zu haben! Aber gleich nach dem Mischen bildete sich giftiger Rauch, der mich um Fassung ringen ließ und Übelkeit in Wellen durch meinen Körper schickte. Nur wenige Augenblicke später stürzte ich bewusstlos zu Boden und kam erst einige Stunden später wieder zu mir. Ich lag in einem dunklen Raum und erblickte als erstes Aedin, der die ganze Zeit neben mir auf einem Stuhl gesessen hatte. Er erkundigte sich nach meinem Befinden und dann kam auch schon die Studiosa, die mich in das Labor geführt hatte und brachte mir eine heiße, bittere Flüssigkeit, die ich trinken musste. Meine größte Befürchtung bestätigte sich nur zum Teil. Ich hatte mich tatsächlich übergeben, aber erst als ich schon aus der Sichtweite des Gremiums war und entledigte mich dabei der ganzen Giftstoffe, die ich aufgenommen hatte. Aedin erklärte mir auch, dass ich das Gefäß vielleicht nicht luftdicht verschlossen hatte. Eigenartig, aber im Rahmen des Möglichen. Er beruhigte mich mit einem Lächeln und der Information, dass meine restlichen Leistungen ausreichten, um die Prüfung bestanden zu haben. Nach dem Einverständnis des Medicus‘ ließen wir ein paar Stunden im Speisesaal verstreichen und plauderten über die Prüfung und über das, was Aedin in Drakonia erlebt hatte. Er beherrscht nun einen neuen Zauber und ist Magus geworden! Ist das nicht toll? Ich freue mich so für ihn! Den Kulminatio, den Aedin lieber nur mit leiser Stimme erwähnen wollte, würde ich gerne mal zu Gesicht bekommen. Aber bitte nicht IN das Gesicht! Danach zeigte ich Aedin im Garten meinen Stab und er schien ihm wirklich zu gefallen. Ich glaube speziell das Stück seines Stabes, das ich verarbeitet hatte, hat es ihm angetan. Damit sind unsere Stäbe unweigerlich aneinandergebunden, so wie auch wir es sind.

20. Rahja 1029

Die heutige Prüfung war einfacher als die letzte, wenn sie mich auch auf andere Art fertig machte. Nach dem Frühstück wurde ich wieder von der Studiosa zu einem Prüfungsareal gebracht, das etwa 4 mal größer war als unser größter Hörsaal und zum Hauptteil aus Sand bestand. Ich musste Gegenstände finden, darunter Schatullen, Säckchen, Truhen,… und stellte dann mittels Odem fest, welche davon magisch waren und welches die stärkste Kraft innehielt. Anschließend stellte mir der nächste Magister eine Applicatus Aufgabe - ich heftete einen Objectofixo an eine Schreibfeder - wie unsinnig - und er fragte nach, welche Komponenten für einen Zauber unablässig seien. Noch während ich antwortete, zogen die Armbänder meine Arme nach hinten und er bat mich um eine Demonstration meiner Antwort. Ich glaube ich brauche nicht ausführen, wie sehr ich das Gefühl hatte, zur Schau gestellt zu werden. Ich schluckte meine Verärgerung aber hinunter und versuchte den Zauber, der mir am ehesten liegt: den Flimflam. Der Unmut in mir vernebelte aber meinen Kopf so sehr, dass die Astralfäden einfach nicht dahin fließen wollten, wo ich sie gebraucht hätte. Der Teil gehörte dann aber wohl sowieso nicht zur Prüfung - danke für’s vorab erwähnen! - und er setzte noch eines drauf. „Nun, das hat wohl Eurem Ego nicht gut getan“. Ich sagte doch, ich musste mich echt beherrschen, doch danach durfte ich auf meine eigene Art demonstrieren, wie gut ich mit einer fehlenden Komponente zaubern konnte. Ein einziger verstohlener Blick zu Aedin brachte mir wieder die Ruhe, die ich benötigte, um diese Aufgabe zu lösen und da ich mich nun doch etwas beweisen wollte, verzichtete ich auf den Flimflam und wählte den schwierigeren Ignifaxius. Trotz fehlender Formel schoss ich diesen zu meiner vollsten Zufriedenheit auf eine Zielscheibe. Genugtuung! Zumindest dieser Teil war geschafft. Als letzte Aufgabe bekam ich ein Rätsel auf Bosparano, erhielt dadurch einen Wegweiser und grub 2 Schritt tief in den Sand, um eine magische Kugel zu finden. Das war vielleicht eine anstrengende Arbeit, hätte das nicht weniger sandig sein können? Ich hab jetzt noch das ganze Zeug unter meinen Fingernägeln. Als ich die Kugel magisch analysierte, verging die Stunde wie im Flug und ich musste meine Erkenntnisse nur noch vor der Kommission erläutern. Ich war erledigt. Aber sowas von. Ich wusste, nun würde ich nicht mal mehr einen Flimflam hinbekommen und bekam prompt einen Astraltrank serviert, dessen hohe Qualität ich wohl Magister Errata zu verdanken hatte. Nach 20 minütiger Pause aktivierte ich das Artefakt mit meiner neu dazugewonnenen Sternenenergie und interpretierte die sich mir gezeigten Bilder. Dabei sah ich auch den Ritualplatz, an dem die letzte Prüfung stattfinden würde. Meine Vorfreude stieg ins Unermessliche!

22. Rahja 1029

Magister Errata lud mich unerwartet zu sich ein und ich dankte ihm für die Unterstützung bei der Prüfung. Er hatte aber einen anderen Grund, weshalb er mich herbeorderte, denn er wollte über Aedin und mich sprechen. Er bat darum, unterstützend an Aedin’s Seite zu bleiben, da er für sich selbst und andere eine Gefahr darstellte und er mich nun mehr brauchen würde denn je. Das Ritual, das damals an ihm durchgeführt worden war, verlor nun langsam an Kraft. „Ihr haltet seinen Kopf klarer als andere“. Außerdem erfuhr ich, dass Magister Errata Punin verlassen würde und noch nicht wisse, ob und wann er jemals zurückkehren werde. Ich hoffe wirklich, er besiegt seine Krankheit und ich weiß jetzt schon, dass mir der endgültige Abschied sehr schwer fallen wird.

25. Rahja 1029

Meine Eleven haben bestanden! Ich bin ja so stolz auf sie! Ich schenkte jedem von ihnen eine Ausgabe meines ersten Buches und rang ihnen das Versprechen ab, dass sie weiterhin wissbegierig und motiviert an ihr Studium herangehen würden. Und natürlich sollten sie mein Buch lesen und ihre Schriftkenntnisse mit meiner schweren Lektüre schulen.

27. Rahja 1029

Das Ritual, um meinen Stab an mich zu binden, war die letzte große Hürde, die ich überwinden musste. Kurz bevor die Praiosscheibe vom Himmel verschwand, traf ich beim Ritualplatz ein und bereitete ihn für das Kommende vor. Die restliche Nacht war ich wie in Trance - ich kann jetzt kaum mehr sagen, was passiert ist, denn es war gleichzeitig wunderschön und so… stark. Aedin saß mir die ganze Zeit auf dem Steintisch gegenüber, doch meine Gedanken galten nur dem Stab, der zwischen uns lag. Ich war fast schon überrascht, als ich ihn am nächsten Morgen blinzelnd ansah, denn für mich war die Zeit stehen geblieben aber seltsamerweise auch wie im Flug vergangen. Aedin lächelte mich einen kurzen Moment stolz an und ich wusste, es war alles gut gegangen. Ich spürte es ja auch und so warf ich meinen Stab anschließend ohne zu zögern in die Feuerschale, um mich der letzten ‚Feuerprobe‘ zu stellen. Eine Stunde loderte das Feuer und mein Stab hielt der heißen Bedrohung stand, bis die Praiosscheibe sich wieder zeigte und die Flammen erst nochmal aufloderten und dann in einer funkelnden Explosion erloschen. Die Spektabilität verzichtete daraufhin auf ihren Teil der Prüfung, was nur selten vorkam und ich fühlte mich gleich umso stolzer! Damit hatte ich alle meine Prüfungen bestanden und würde in nur drei Tagen als Adepta durch die Gänge schreiten. Ich fasse es immer noch nicht. Mein Herz hüpft vor Freude, doch ich glaube mein Verstand hat diese wundervolle Nachricht immer noch nicht verarbeitet. Sobald wir alleine waren, drückte mich Aedin sofort fest an sich und ich spürte, wie die gesamte Anspannung der letzten Wochen von mir abglitt.

28. Rahja 1029

Aedin lud mich zur Feier meiner Leistungen zum teuersten Lokal von ganz Punin ein und als ich ihn fragte, wie er sich das leisten konnte, gab er zu, etwas Geld durch eine Wette mit zweifelnden oder überheblichen Kollegen erstanden zu haben, die mich beinhaltete. „1. Du schaffst die Prüfung nicht. 2. Die Spektabilität stellt dir am Schluss noch eine Aufgabe und 3. Ich würde nach deiner Prüfung sofort von meinem Lehramt enthoben." Ich musste so lachen, ich fühlte mich einfach nur glücklich und ich glaube, Aedin konnte mir das auch ansehen, denn er schmunzelte zufrieden. Ich erlaubte ihm übrigens, weiterhin Wetten auf mich abzuschließen, sofern diese kein Klettern beinhalten!

30. Rahja 1029

Dieser Tag war grandios. Anders kann ich es nicht beschreiben. Mein Jahrgang hatte ausnahmslos bestanden und so trübte nichts unsere Stimmung, als wir zum Abschlussfest gingen. Der Hesindedienst war wohl mehr ein notwendiges Übel, heute hatten wir alle keine Geduld und konnten es kaum erwarten, zu Adepten ernannt zu werden. Nach der rituellen Waschung kam auch schon die ewig lange, wenn auch sehr motivierende, Laudatio der Spektabilität und dann wurden wir einzeln aus der Menge gerufen, um von der Spektabilität feierlich Buch, Stab und Siegel überreicht zu bekommen. „Gehe hin in die Welt, um Wissen zu erlangen und Wissen zu mehren, die Kunst zu finden und weise zu nutzen, wie es von alters her dein Recht und deine Pflicht ist, Adepta.“ Ich dachte, ich kippe gleich um und mein breites Grinsen sprach stumm von der Erkenntnis, dass ich mehr sein konnte, als ich es mir jemals zugetraut hätte. Niemand der Anwesenden schien diesen Erfolg zu missbilligen und es war einfach nur herzerwärmend zu sehen, wie Aedin stolz zu mir hochblickte. Gleich geht es weiter in die Stammkneipe der Akademie und ich ahne, dass sich dort so einiges abspielen könnte!

01. Namenloser 1029

Liebstes Tagebuch, normalerweise mache ich das ja nicht, also dir an diesen unheilbringenden Tagen zu schreiben. Aber meine Freude verdrängt jeglichen Schatten aus meinem Herzen und nichts aber auch niemand kann daran noch etwas ändern. Die Feier war lustig aber auch zum Teil traurig, denn sie bedeutete, dass wir nun alle unsere eigenen Wege gehen würden. Die meisten würden wohl noch länger hier in Punin bleiben und sich auch weiterhin sehen, ich aber werde bald wieder aufbrechen, denn ich bin bereit für das nächste große Abenteuer! Ich werde dennoch niemals meine Freunde hier vergessen. Die Scholaren, die meiner Befürchtung getrotzt haben und doch mutiger sind, als ich dachte. Und die Lehrkräfte, die ich ebenfalls lieb gewonnen habe. Speziell den einen oder anderen könnte ich wirklich vermissen, doch wie geschrieben, nichts trübt meine heutige Freude. Und was noch viel schöner ist als die letzten Tage? Die Zukunft! Aedin und ich sind frei, wie die Magie, die uns umgibt und wer weiß, welche Wege sich uns noch auftun werden?