Avalas Entführung

Aus Liber Historium
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Zeit: 11. Efferd 1035

Region: Grenze zu Schwarztobrien; Schwarztobrien

Beteiligte: Maximus Donnerkrach von Donnerbach, Tharak

Erwähnungen: Reiter von Thezzphai, Olgrimm, Kratos von Ysilia

Aus Lana Adersin-Nagraskjaleffs "Wohin mein Weg auch führt - Maximus Donnerkrach"

11. Efferd 1035

Avala und ich sind auf der Flucht vor dem dämonischen Treiben, das die Ruine an der Grenze zu Schwarztobrien heimsucht. Dabei falle ich den Abhang hinunter und verliere Avala aus den Augen, ich vermute aber sie ist auf der anderen Seite hinabgestürzt.

Als ich dort ankomme finde ich einen Wagen, aus dem ein kleiner Drache kriecht. Nein, kein Babydrache und auch kein Dämon, sondern ein, wie er sich nennt, Funkeldrache. Er heißt Tharak. Ich bin erst skeptisch und gehe nach dem kurzen Gespräch in den Wagen, um Avala zu suchen, kann sie aber nicht finden.

Ich gehe also weiter, um sie zu suchen und werde dabei von dem Drachen verfolgt. Zwar ziehe ich eine Augenbraue hoch, aber ich kommentiere das seltsame Verhalten nicht weiter. Bald kommen uns zwei Reisende entgegen und ich sehe in der Hand von einer Person Avalas silberne Flöte! Tharak stürzt sich sofort auf den Gegenstand, um sie ihm wegzureißen und ich schlage mir gedanklich die Hand gegen die Stirn. Ich frage die Leute nach der Flöte und sie sagen, die Frau hat sie verloren, die mitgenommen wurde von Reitern vor etwa 10 Minuten. Einer von ihnen spannt die Armbrust, um auf Tharak zu schießen und ich halte ihn auf. Nach einem Finderlohn von einem Silbertaler ziehen sie auch endlich von Dannen und ich bitte Tharak, mir bei der Suche nach Avala zu helfen.

Meine Sinne wirken etwas benebelt, denn ich weiß nicht mehr, wo Praios liegt und Tharak fliegt nach oben, um die Reiter zu suchen. Weit weg, aber er konnte sie noch erkennen und auch, dass sie von einem Rabenschwarm begleitet werden. Im Dorf schnappe ich mir Ashkii und mache mich auf dem Weg in die Richtung, aus der Tharak die Reiter gesehen hat. Er fliegt ihnen in der Zwischenzeit nach, kommt aber bald wieder zurück, weil die Raben pervertiert sind und er sich ihnen lieber nicht nähern will. Seite an Seite preschen wir den Reitern nach und holen dabei auch das Unwetter ein, in dem Avala zuvor die Orientierung verloren hatte. Wir drosseln unsere Geschwindigkeit, um nicht von unserem Weg abzukommen.

Entgegenkommende Mittelreicher erzählen mir auf Nachfrage, dass Reiter sie fast umgeritten hätten und eine Person nicht selbst geritten ist. Außerdem sei ihnen was vom Pferd gefallen. Tharak wirft sich bald schon auf Avalas Stab, den ich beinahe übersehen hätte! Endlich hört das Unwetter auf, denn wir haben die Wolke endlich verlassen. Hinter uns wirkt das Treiben äußerst grotesk, der Geruch von Fäulnis hängt in meiner Kleidung und ich merke, dass meine Hände und die Stellen, an denen der Regen meine Haut berührt hat, schmerzhaft brennt und eiskalt sind. Meine Kleidung ist teilweise verätzt.

Vor einem Wald sehen wir ein Dorf, über dem der Rabenschwarm kreist. Plötzlich springt mir der Drache auf den Rücken und ich falle beinahe von Ashkii. „Maximus, der Regen ist dämonisch!“ Ich erwidere leicht verärgert: „Ach, wirklich?“

Im Dorf angekommen hören wir Schmiedehämmern und etwas entfernt dreht sich eine Mühle, obwohl kein Wind weht. Die Straßen sind menschenleer. Ich bitte Tharak kurz nach oben zu fliegen und sofort krächzen ein paar Raben und stürzen sich auf den Drachen. Hierbei wird er von einem Ungetier getroffen. Ich spanne meinen Bogen und befestige ihn griffbereit am Sattel. Danach klopfe ich an eine Tür und stelle durch die geschlossene einige Fragen. Hierbei finde ich nichts über den Verbleib von Avala heraus, aber die Raben sind wohl ein schlechtes Omen von Tijakool. Nach einer erfolgreichen Spurensuche erkenne ich, dass einige Reiter durchgekommen und in den Wald hineingeritten sind. Es führen aber auch Fußabdrücke weg, vermutlich ist jemand hiergeblieben.

Da ich merke, dass wir beobachtet werden, gehe ich davon aus, dass die Leute hier alles skeptisch beobachten und ich frage laut, ob jemand etwas gesehen hat. Daraufhin höre ich, wie Türen versperrt werden. Auf der anderen Seite aber öffnet sich eine Tür und eine Hand winkt mich zu sich. Rasch schlüpfe ich mit Tharak ins Dunkle des Hauses und lasse Ashkii mit einem schlechten Gefühl zurück. Ich erfahre von der Stimme, dass drei von den Reitern eine Person mit einem Sack über den Oberkörper in ein Haus, auf das er zeigt, gebracht haben. Eine Hand legt sich in der Dunkelheit auf meinen Oberarm und ich bemerke, dass der Mittelfinger fehlt. Er fragt nach magischen Heilmitteln, Drogen, Schmerzmitteln und ich frage nach dem Schmerz. Daraufhin nimmt er seine Kapuze ab und ich erkenne so etwas wie eine dämonische Fäulnis in seinem Gesicht. Daraufhin rufe ich Rondra und Peraine um Hilfe an und spreche einen Heilsegen. Ein unangenehmes Kribbeln geht von der Person aus, als hätte ich einen winzigen Teil seines Schmerzes aufgenommen. Er möchte meine Fragen über die Raben allerdings nicht beantworten, denn „wenn Ihr nichts mehr für mich tun könnt, kann ich es auch nicht.“, woraufhin ich ihm meine Heilsalbe überreiche und er mir erklärt, dass die Reiter von Thezzphai sie manchmal dabei haben. Aber sie gehören zu Tikajool. Die Reiter jagen normalerweise magische Tiere, aber wenn sie etwas besseres finden, nehmen sie das, was sie kriegen können, um das zu opfern.

Ich verabschiede mich und bringe Ashkii zur Taverne, wo ich 5 Kreuzer für ihn im Voraus bezahle und anschließend zum Haus gehe, das direkt neben der Mühle steht.

Die Vordertür ist verschlossen und die Hintertür wurde zugemauert, weshalb ich klopfe und nach meiner Verlobten frage. Eine krächzende Stimme meint, dass hier keine Verlobte ist, wir aber Fleisch kaufen können. Die Reiter waren wohl auch hier, aber mehr erfahren wir nur, wenn wir Fleisch erwerben. Also treten wir ein und ich erblicke einen Einäugigen mit blutigem Fleischerbeil, sowie Haken mit blutigem Schinken. Nach einem Gespräch kaufe ich ein totes Huhn um 3 Kreuzer und gebe es Tharak.

Anschließend führt er uns in den nächsten Raum, in dem Fleisch geräuchert wird und er weist uns ans Ende, wo ein Tunnel sein soll. Dann geht er. Wir durchqueren den Tunnel, in dem die geräucherte Luft sehr bedrückend ist, bis wir vor einer schweren Eichentür stehen. Diese lässt sich nur 2 Finger breit öffnen. Mit dem Gedanken an Avala werfe ich mich dagegen und sprenge dabei eine Türangel, um dahinter Treppen nach oben zu erblicken. Oben angekommen finden wir uns im Wald wieder und, was mich mehr beunruhigt, Avalas buntes Tuch hängt an einem Ast und ihre mehrlagige Rüstung liegt am Boden. Jemand hat Avala dort wohl in den Dreck gedrückt und ihr die Rüstung mit Gewalt entledigt. Sonst finde ich allerdings keine Spuren.

Tharak zeigt mir das Huhn, das bläulich verfärbt ist und wirft es gegen einen Baum, woraufhin ein Eichhörnchen sich auf das zermatschte Fleisch stürzt. Bei den Göttern, was war das?

Der Drache fliegt nach oben und sieht in etwa 100 Schritt Entfernung „seltsame Steine, die komisch aufeinandergestapelt sind“. Ich lasse mich dorthin führen, wobei wir von Tieren des Waldes beobachtet werden. Zwar verhalten sie sich eigenartig, aber ich achte gar nicht weiter auf sie, da ich nur Avala im Kopf habe. Nach etwa 60 Schritt hören wir Geflüster: „Ja, was sollen wir nun tun? Den Drachen konnten wir nicht mitnehmen, aber dafür haben wir nun sie.“ – „Na wir bringen sie einfach Kratos.“ – „Aber sei leise, der Wald hört uns zu.“

Ich ziehe mein Schwert und stürme durch das Dickicht, doch ich sehe niemanden im Bereich der Steine, die wohl eine kleine Ruine darstellen. Aber meine Schritte hallen sehr laut. „Ja, kennst du dich hier aus? Wann warst du das letzte Mal hier?“ – „Dieses Gebäude ist verflucht, wir hätten nicht hineingehen sollen.“ Wir betreten die dachlosen Ruinen und suchen sie.

Ich frage Tharak, ob er etwas magisches erkennen kann und anschließend hören wir wieder das Flüstern: „Ich hab doch gesagt da ist jemand, sie haben etwas Magisches!“. Ich antworte: „Ja, wir haben einen Drachen bei uns, stellt Euch!“ Der Drache brüllt daraufhin bedrohlich und meine Ohren schmerzen, weil der Schrei so verstärkt wird. Ich unterhalte mich mit den anderen, sie nennen Avala ihre ‚Beute‘ und gehen auf einen Tausch mit mir nicht ein, obwohl ich ihnen versichere, dass ich wertvoller für sie bin. Irgendwann antworten sie einfach nicht mehr.

Tharak heilt meine leichten Verletzungen mit seiner Magie und ich beschließe, einfach durch die Ruine zu laufen. Zuerst nehme ich die Stufen nach oben und erkenne rechtzeitig, dass eine optische Täuschung meine Sinne vernebelt, da nur jede zweite Stufe tatsächlich vorhanden ist. Oben ist ein größerer Raum mit einigen Säulen, fünf Türen und einem großen Loch im Boden. Es ist schwarz. Pechschwarz. Als ich einen Stein hineinwerfe, höre ich keine Reaktion. Die Türen lassen mich jeweils nur durch eine andere Tür in den Raum wieder hineinblicken…

Ich renne wieder hinunter und laufe links den Gang entlang, wo ich einen kleinen Altar finde, auf dem ein roter Dolch mit 3 geflammten Klingen liegt. Da ich aber nur Avalas Rettung im Kopf habe, laufe ich weiter. Tharak weist mich darauf hin, dass es sich dabei um ein dämonisches Artefakt handelt. Ich möchte ihn an mich nehmen, aber Tharak hält mich zurück und ich versuche es in Avalas Tuch einzuwickeln. Daraufhin geht es in Flammen auf… verdammt. Patroni! Voller Zuversicht ziehe ich das Schwert und ich spüre, wie mein Wille gestärkt wird. Aus einer Intuition aus spreche ich ein Stoßgebet an Rondra und schlage mit voller Kraft auf den Dolch. Dabei kann ich sehen, wie Patronis Klinge die Flammen des Dolches in sich aufnimmt und nur noch eine rostige Waffe zurückbleibt. Pflicht erledigt!

Nach einem langen, verwirrenden Gang kommen wir in einen riesigen Raum mit mehreren, verschieden geformten Tischen. Eine Leiter führt nach oben und ich erreiche einen kleinen Raum mit einem Tresen, hinter dem ein Skelett gelehnt steht. Eine weitere Leiter, die nun aber wieder nach unten führt, bringt uns in einen weiteren Raum mit Betten. In einem dieser Schlafstätten liegt eine Frau und ich fühle glücklicherweise am Hals ihren Puls. Ich wecke sie und frage, ob sie die Reiter gesehen hat. Sie flüstert, dass ich leise sein und weggehen soll, sonst kommt er. Eine Luke am Boden öffnet sich. Dann erkenne ich einen Geist – einen dicklicheren Mann, der mich an einen Wirten erinnert und er meckert, dass ich zu laut bin und erst bezahlen muss, wenn ich jemanden suchen möchte. Ich soll oben zu Josef gehen, der laut ihm nicht tot ist. Ich lege dem Skelett genervt einen Kreuzer hin, woraufhin sein Kopf sich zu mir dreht, der Mund sich öffnet und ich höre, wie er meint, dass das zu wenig ist, für Alkohol. Ich beschreibe ihm Avala und erfahre, dass sie in den letzten 5 Götterläufen nicht vorbeigekommen ist. Daraufhin will ich gehen, aber er verlangt, dass ich mit ihm trinke. Ich verneine und gehe, höre dabei, dass er mich nicht ziehen lassen wird und komme fälschlicherweise wieder in den Schlafraum. Entnervt kehre ich zu Josef zurück, ziehe Patroni und schicke das Skelett zurück in die Niederhöllen, obwohl er mich warnt, dass wir nie wieder herauskommen werden. Tatsächlich führt uns die anfängliche Leiter wieder nur in den Schlafraum und wir nehmen die Luke, die uns endlich wieder dorthin führt, wo wir hergekommen sind.

Wir erkunden die Ruine weiter und gelangen in einen Raum mit einer Feuerstelle. Dahinter frisst eine etwa hundegroße Ratte etwas und ich bitte Tharak, sie zu fressen. Ich weiß, dass es solche Ratten tatsächlich vorkommen und in der Masse recht gefährlich sein. Außerdem können sie aggressiv sein und fressen alles, flüchten aber, wenn sie ihre Niederlage sehen. Ich beschließe, daran vorbeizuschleichen.

In einem Raum befinden sich Gebetsbänke und ein Altar, auf dem ein zerbrochener Spiegel steht. „Kommt, wir zeigen euch, was ihr sehen wollt. Wohin ihr gehen wollt, egal was, entrichtet euren Tribut und erhaltet Wissen.“ Ich ignoriere die Stimme und möchte an dem Raum vorbeigehen, bleibe dann aber doch stehen, um mich dem Spiegel zuzuwenden. Langsam gehe ich darauf zu, werde aber von Tharak angesprungen und schaffe es gerade noch, auf den Beinen zu bleiben. Direkt vor dem Spiegel bleibe ich stehen und erblicke Avala darin. Sie wird gefesselt auf ein Pferd verfrachtet, der Reiter hat ein Tattoo, das so aussieht wie das Zeichen von Lolgramoth, dem Gegendämon von Aves bzw. Travia. Immer wieder reißen sie der Bewusstlosen Kleidung vom Leib an der Stelle, an der ich ihre Rüstung gefunden habe. Sie ist zum Greifen nah. Avala ist nur wenige Schritt von mir entfernt. Kann ich sie so retten?… Ein Stoßgebet an Rondra später greife ich in den Spiegel hinein. Der Reiter grinst mich fies an, woraufhin mich Zorn erfasst und ich mit gezogenem Patroni durch den Spiegel springe.

Ich falle und fühle mich im ersten Moment, als würde das noch ewig so weitergehen. Dann pralle ich unsanft auf und erblicke Tharak neben mir. Als ich mich aufsetze finde ich mich in einer Grube wieder, über uns ist der Sternenhimmel und um eine Feuerstelle sitzen 5 Männer. Einen davon erkenne ich – der Kerl mit dem Tattoo. Hinter ihnen liegt ein Schlafsack und ich hoffe, Avala darin zu finden.

„Seid ihr die Reiter von Thezzphai?“ Sie springen auf und der mit dem Tattoo gibt den Befehl, dass Team 1 mit der Frau verschwinden soll, woraufhin zwei mit dem Schlafsack in den Wald laufen. Die zwei anderen Handlanger zücken ihre Bögen und ich trete dem Anführer entgegen. Während des Kampfes bekomme ich nur am Rande mit, dass Tharak die beiden Bogenschützen in Flammen aufgehen lässt, da ich so sehr mit meinem eigenen Kampf beschäftigt bin. Den ersten Treffer lande nach einigen Schlagabtäuschen endlich ich, doch gleich darauf werde ich am Schwertarm erwischt, erleide aber keine nennenswerte Wunde. Tharak, der mir zur Hilfe eilen wollte, habe ich in der Zwischenzeit abgewiesen, woraufhin er nicht mehr zu sehen ist. Wieder lande ich nach einer längeren Sequenz einen Treffer, doch auch hier erleide ich daraufhin einen Schaden auf meinen Schwertarm. Sollte ich meine Angriffstechnik überdenken? Meinen nächsten gelungenen Angriff habe ich taktisch klüger ausgeführt und konnte somit dem Gegenangriff endlich entgehen.

Als nächstes erblicke ich Tharak, der irgendwoher wieder aufgetaucht ist und am Bein des Tattookerls vorbeischnappt. Was macht er da schon wieder?! „Halt dich da raus!“, fahre ich ihn an. Ein Schwanzschlag seinerseits bringt meinen Gegner zu Fall und er wendet sich daraufhin dem Drachen zu. Daraufhin seufze ich und trete einen Schritt zurück, um darauf zu warten, dass mein Gegner wieder aufsteht. Der sich schon lange ziehende Kampf geht weiter, nachdem er aufgestanden und Tharak sich irritiert davongemacht hat. Zwar treffe ich seinen Arm, aber ich schlage ihm keine ernste Wunde. Der Kerl ist echt zäh und schon wieder erwischt er meinen Schwertarm, der Großteil des Schadens wird aber von meiner Rüstung abgehalten. Der letzte Streich in seine Hüfte nach einem sicher 2-minütigen Kampf ist schließlich sein Ende, denn er fällt bewusstlos nieder. Da ich seinen Puls nur noch schwach fühle, spreche ich einen Heilsegen auf ihn und verbinde anschließend seine Wunden.

In einem von drei Rucksäcken befinden sich unter anderem folgende Tränke: „Wüstenreiter Malzkorn“, „Drachentropfen“, „Bärenbiss“, „Feuerfässchen“ und „Vierblättrige Einbeere“. In einem anderen Rucksack finde ich: „Thonnys“ und „Großer Heiltrank“. Im letzten Rucksack: „Zielwasser“, „Schnaps“, „Sirup“, „Seife“ und „Wirselkrauttrank“.

Den Vierblättrigen Einbeerentrank nehme ich und entstöpsle das Fläschchen mit zittriger Hand. Was, wenn ich wieder süchtig werde, wenn ich den Trank rieche? Oder mir etwas davon über die Finger läuft und ich sie unabsichtlich an die Lippen führe? Dann flöße ich ihm das Zeug ein und schüttle ihn, bis er wieder wach wird.

„Wer seid ihr?“ – „Die Reiter von Thezzphai.“ – „Und wer bist du?“ – „Olgrimm.“ – „Wo bringen deine Leute Avala hin?“ – „Zu Kratos.“ Ich erfahre, dass sie etwa eine Meile in eine von ihm gezeigte Richtung gebracht wird in ein altes Anwesen von Kratos. Die Übergabe soll in ein paar Stunden stattfinden. Er sagt, dass dort seine Teams 1, 7 und 9 sind, die aus je zwei Leuten bestehen. Ich glaube ihm. Dann ziehe ich ihn auf die Beine, nehme ihm ein Jagdmesser und ein paar Wurfgeschosse ab und lasse den Speer liegen. Den großen Heiltrank und den Wirselkrauttrank nehme ich mit und dann gehen wir los.

Bald kommen wir an eine Schlucht, darunter tost ein reißender Fluss und auf der anderen Seite, die etwa 20 bis 30 Schritt entfernt ist, sehen wir ein Gebäude. Über die Schlucht ist eine etwa einen halben Schritt breite Hängebrücke mit einem einzelnen Handlauf gespannt. Da möchte sich der Gefangene umdrehen und die Schlucht runterstürzen, doch ich packe ihn rechtzeitig und ziehe ihn grob zurück. „Was soll der Scheiß?!“, gehe ich ihn an, doch er antwortet nicht. Hinter dem Gebäude zuckt ein unnatürlicher Blitz über den Himmel. Tarak fragt: „Du hast ihm deinen Willen aufgezwungen.“ – „Ja, hab‘ ich. Den Willen der Götter.“

Wie soll ich den da rüberbringen, während er nach dem Tod lechzt? Da ich jetzt all meine Kräfte brauche, nehme ich den Wirselkrauttrank, um mich zu stärken und lasse den Mann vorausgehen, halte mich mit einer Hand am Seil fest und mit der anderen halte ich die Arme des Mannes fest. Weitere Blitze zucken nun direkt über uns über den Himmel und ich fürchte, das könnte ziemlich gefährlich werden. Aber ich muss Avala retten. Und ich darf nicht zulassen, dass der Kerl sich umbringt.

In der Mitte der Hängebrücke reißt sich der Mann plötzlich von seinen Fesseln los und springt kopfüber von der Brücke. Riskant, doch ich nehme meine gesamten Kräfte zusammen, greife trotz der Ahnung, dass alle Versuche vergebens sind, nach dem Mann und schaffe es tatsächlich. Zeitgleich zuckt ein Blitz knapp an mir vorbei, ein schriller Ton durchfährt mein rechtes Ohr und ich höre dort anschließend nichts mehr. Ich ziehe ihn gemeinsam mit Tharak wieder hoch.Dann sind wir endlich auf der anderen Seite angekommen und ich werfe mich mit ihm auf den Boden, um schwer durchzuatmen. Gerettet. Aber war er das wirklich wert?

Nun ungefesselt schicke ich ihn wieder los, bis wir einige Schritt später vor der Schwelle des Anwesens stehen bleiben und er mir den Rat gibt, lieber alleine reinzugehen, da mich seine Leute sonst hinterrücks erstechen, wenn sie ihn als Geisel erblicken. Und tatsächlich lasse ich ihn gehen. Ob er mir nun in den Rücken fällt oder die anderen, wobei ich bei ihm fest davon überzeugt bin, dass er mich nicht töten wird. Ich habe ihm schließlich das Leben gerettet und ich habe ihn gehen lassen. Ja, vielleicht bin ich naiv. Aber ich muss zu Avala. Und dieser verdammte Drache hört nicht auf zu reden, in allem sieht er ein Spiel! Er ist der erste, der meine Geduld zum Platzen bringt und ich erkenne mich kaum, als ich ihn angehe, endlich den Mund zu halten.

Im Anwesen liegt ein roter Teppich, an der Wand hängen Gemälde, auf denen alle Gesichter ausgeschnitten sind. Im Kerzenschein stehen wir schließlich vor einer großen Doppeltür, die ich mit Schwung aufstoße. Im dahinterliegenden Saal sitzt etwa 15 Schritt entfernt jemand auf einem Thron, links und rechts je fünf Diener. Die erhabene Person selbst ist vom Oberkörper aufwärts nicht zu sehen, da er in Rauch gehüllt ist. „Wollt Ihr eine Audienz beim Herrn von Ysilia?“, fragt mich ein Diener, der auf uns zutritt. Ich stimme zu und bekomme einen Dolch gereicht, mit dem ich anschließend auf Kratos zutrete.

„Warum verbergt Ihr Euch?“ – „Weil nicht jeder mein Gesicht sehen soll.“ – „Ist es so schrecklich?“ – „Vielleicht?“ – „Habt Ihr Avala?“ – „Seid Ihr bereit, den Preis zu zahlen, den eine Audienz bei mir kostet?“ Er erklärt, dass er meine Fragen sonst nicht beantworten wird. „Was ist der Preis.“ – „Ein besonders hoher. Ein Leben, aber nicht unbedingt Eures.“ Fünf Diener stellen sich vor mich und ich verstehe erst nicht, was das überhaupt zu bedeuten hat. „Es muss einen anderen Weg geben.“, sage ich schließlich monoton und Kratos bietet an, den ersten Preis selbst zu zahlen. Doch wieder verneine ich, woraufhin der Mann mir nur noch Schweigen entgegenbringt. „Tu es nicht.“, sagt Tharak eindringlich zu mir. Der Schweiß steht mir auf der Stirn, als ich die Diener näher betrachte. Bauern? Sehen nicht dämonisch aus. Ob es Avala gut geht? Ist sie in akuter Gefahr? Kann ich dieses Opfer bringen? Für Avala? Wiegt ihr Leben mehr als ihres? Verdammt, diese Ungewissheit. Lebt Avala überhaupt noch? Würde sie mich für dieses Opfer hassen?

Dann trete ich vor und steche mit meinem Weiheschwert zu. Dabei ziele ich an die Stelle, an der ich Kratos Herz vermute und ich spüre, wie mein Schwert durch Fleisch und Knochen stößt. Seine Stimme dröhnt in meinem Kopf: „Und, bist du jetzt zufrieden?“ Als ich Al’Damwathi herausziehe, bricht hinter mir ein Diener zusammen und ich packe Kratos, um ihn hochzuziehen. „Ihr begeht da einen Frevel, mich anzufassen.“ Sofort lasse ich los. Scheiße, mir sackt das Herz in die Hose. „Ihr habt das Opfer erbracht, stellt Eure Fragen.“ Mit bleichem Gesicht wende ich mich dem Diener zu, der sich wohl selbst die Kehle aufgeschlitzt hat. Das war ich nicht. Dann stoße ich meine Klinge erneut in seinen Torso. „Wenn Ihr Eure Zeit verschwendet, nehme ich Eure Freundin einfach mit.“ – „Wo ist sie?“ – „Hier in meinem Anwesen.“ – „Warum?“ – „Weil ich es will.“ – „Ich will sie zurück.“ Er antwortet nicht. Tharak sagt: „Kann ich sie wiederhaben?“ – „Du gehörst nicht hierher.“ Ich bin durcheinander. So durcheinander. „Was muss ich tun, um sie wiederzubekommen?“ – „Bringt mir in einem Mond ein gleichwertiges Opfer.“ – „So lange lasse ich Avala nicht hier.“ – „Ich habe gemerkt, dass sie eine besondere Fähigkeit hat. Die muss ich noch ausnutzen.“

Dann rufe ich Rondra zur Hilfe, wirke eine Liturgie und spreche: „In Rondras Namen, ich fordere dich zu einem ehrenhaften Zweikampf heraus!“ - „In Ordnung.“ – „Dann steht auf und zieht Eure Waffe.“ Er steht auf. „Ich habe keine Waffe.“ Darum halte ich ihm meinen Stab hin und er nimmt ihn. Dann nehme ich Avalas Stab und greife ihn mehrmals an, woraufhin er immer abwehrt. „Amüsiert mich! Ein Treffer ein Tod.“ Er greift nun auch endlich an, aber dann erwische ich sein Bein, füge ihm aber nicht viel Schaden zu. Daraufhin reißt sich ein Diener die Gurgel auf und bricht zusammen. Eine Illusion. Sein Körper dürfte gar nicht mehr verdeckt sein. Die Diener fallen gar nicht wirklich. So schlage ich erneut zu und mein Treffer zwingt erneut einen der Gefangenen auf den Boden. Nur eine Illusion. Ich muss Avala retten, doch ihr Stab macht zu wenig Schaden. Er schlägt keine Wunden, ich brauche eine scharfe Klinge! Doch dazu braucht auch er eine andere Waffe... Patroni kann ich ihm nicht geben, er könnte das Dämonische darin entfesseln. Avala. Ich muss Avala befreien, ich kann sie keinen Mond lang hier lassen. Da meint er, dass die Audienz beendet ist und er wendet sich von mir ab, lässt den Stab fallen und ignoriert, dass ich ihn mit meinem Schwert in den Rücken steche. Dann setzt er sich zurück auf seinen Thron und spricht: „In einem Mond bringt Ihr mir ein gleichwertiges Opfer. Ich gebe mein Wort, dass dieser Priesterin nichts passieren wird, wenn sie sich gebührend verhält. Aber ich passe auf sie auf. Solltet Ihr kein passendes Opfer bringen, gliedere ich sie in meine Dienerschaft ein.“

Ich antworte mit fester Stimme: „Ich gehe nicht ohne Avala.“ und spreche einen heiligen Befehl auf ihn. „Gebt mir Avala.“ – „Nein.“ Vier der Diener stellen sich um mich herum und versuchen mich zu schlagen, ich stoße ihn weg, es kommen aber immer wieder welche und ich bekomme eine Faust ins Gesicht, während Kratos seelenruhig daneben sitzt.

Tharak schießt einen Flammenstrahl auf Kratos, doch der Nebel nimmt das Feuer in sich auf, er frisst es förmlich und Kratos scheint unversehrt. „Zufrieden?“, fragt er Tharak – „Erst, wenn du am Boden liegst.“ Die Diener werfen Gegenstände nach dem Drachen, während ich mich gegen die anderen Verteidige.

Dann bin ich endlich durch die Diener durch, stürze mich auf Kratos und versuche seinen Kopf mit der Faust zu treffen. Ein Blitz fährt durch meinen Arm, er kribbelt und schmerzt und dann legt sich seine Hand an mein Herz und es fängt an der Stelle an sehr stark zu brennen, meine Kräfte verlassen mich durch diese Stelle. Ich umfasse mit beiden Händen seinen Hals und spüre, wie gebrechlich dieser ist, aber die Berührung schmerzt an meinen Händen, wovon ich mich aber nicht abbringen lasse. Dann versuche ich ihm eine Kopfnuss zu geben, während Tharak versucht mich von ihm runterzuziehen. Unangenehm prallt meine Nase gegen seine Stirn. „Es reicht!“ Die Hand von Kratos knallt gegen mein schon taubes Ohr und plötzlich durchfährt mich ein fürchterlicher Schmerz, es ist, als würde etwas in meinem Kopf explodieren und ich fliege einige Meter zur Seite weg.

Ich sehe die Diener von Kratos, die ihn zu einem Ausgang tragen. Sofort springe ich auf, wanke, weil ich mich desorientiert fühle und laufe ihnen taumelnd hinterher. Den ersten Diener erwische ich und werfe ihn um. Einige Diener werfen sich aber auf mich und einer schafft es, sich an mich zu klammern und mir die Luft mit seinen Ketten an den Händen abzudrücken. Doch ich laufe weiter, ich weiche auch den weiteren Dienern aus und habe nur ein Ziel vor Augen. Avala. Doch dann stehen plötzlich die beiden Reiter Thezzphais, die Avala mitgenommen haben, vor uns und ziehen ihre Waffen. Ich renne an ihnen vorbei, spüre einen Schmerz an meinem Schwertarm und laufe weiter, obwohl sie uns folgen. Dann erblicke ich eine geschlossene Tür, werfe mich mit der Schulter dagegen und pralle zurück. Ich fühle mich schwächer, seit Kratos seine Hand auf mein Herz gelegt hat und ich drehe mich um, sehe einen der beiden am Boden liegen, Tharak über ihm und dann trifft mich ein Schwert tief ins linke Bein und ich merke noch, wie ich falle. Aber dann bricht die Schwärze über mich herein.

Als ich meine Augen öffne erblicke ich Tharak, doch ich kann weder meine Beine, noch meine Arme spüren. Also zieht er mich aus dem Gebäude. „Wo ist Kratos?!“, frage ich und Tharak antwortet: „Weg.“ – „Und wo ist Avala?“ – „Weg.“ Ich schließe die Augen wieder und lasse es über mich ergehen. Draußen erst kann ich mich wieder bewegen und ich setze mich auf die Stufe des Hauses und blicke genau in das Gesicht von Olgrimm, der mich fragt: „Und, wie ist das Treffen verlaufen?“ Ich schüttle nur den Kopf, vergrabe das Gesicht in den Händen und fange an zu weinen. Da spüre ich eine Hand auf der Schulter und mir wird Avalas Perle, die ich nur zu gut kenne, hingehalten. Erstaunt sehe ich unter Tränen auf, nehme den Gegenstand an mich und wieder stürze ich in pure Dunkelheit. Mein Stab ist verloren. Avala ist verloren. Ich bin verloren.