Ausbildung bei Karmal ibn Yakuban

Aus Liber Historium
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Zeit: 12. Peraine 1060 - ??

Region: Fasar und Umgebung

Beteiligte: Alice Donnerkrach

Erwähnungen: Karmal ibn Yakuban

Die Aufnahmeprüfung

12. - 14. Peraine 1060

Wie geplant stellte sich Alice im Fasarer Rondratempel vor, da sie dort einen Teil ihrer Ausbildung absolvieren wollte und musste daraufhin an einer Prüfung teilnehmen. Diese bestand aus folgenden Bereichen und auch drei jüngere mögliche Novizen nahmen daran teil:

  • schriftliche Prüfung
  • Versorgen eines erschöpften Pferdes
  • Zusammenstellen der Feldausrüstung
  • Zweikampf mit einem erfahrenen Gardisten
  • Teilnahme an der nächtlichen Wache
  • Fangen von Khoramsbestien

Die letzte Prüfung wurde ihr von dem Geweihten Karmal ibn Yakuban gestellt. Sie sollte 10 Schritt weit von einem Dach aus in gespannte Tücher springen. Die Prüfung glich einem Selbstmordkommando und trotzdem vertraute Alice dem Geweihten und sprang, woraufhin Karmal ihr geschickt einen Stoß gab, womit sie es die 10 Schritt weit in die Tücher schaffte. Ihr wurde anschließend erklärt, dass sie mit ihren vorigen Leistungen schon zur Ausbildung zugelassen wurde, aber dieser letzte Test klären sollte, ob Karmal sie unter seine Fittiche nehmen würde. Wäre sie nicht gesprungen, hätte jemand anderes ihre Ausbildung übernommen. So aber wurde sie Karmals Schülerin - die erste Seit 4 Jahren.

Ausbildung im Tempel

15. Peraine 1060; Tag 1

Karmal führte Alice ein wenig in Fasar herum, damit sie die Stadt besser kennenlernen konnte. Danach musste sie sich am Trainingsplatz beweisen, sollte aber zuvor die Stärken und Schwächen ihrer Kampfstile offenlegen. Da ihre größte Schwäche ihre mangelnde Stärke zu sein schien, da ihre Paraden deswegen oft durchbrochen wurden, setzte Karmal dort an. Sie musste mit einem Doppelkunchomer, einer zweihändigen Trainingswaffe, parieren. Für jeden Schlag, der von Karmal durchging, musste sie den Trainingszweihänder einen Tag lang mit sich führen. 4 Schläge, die sie unmöglich parieren konnte, steckt sie ein und ihr Schwertvater zeigte sich von ihrem Durchhaltevermögen beeindruckt, entließ sie aber schließlich, da sich Alice kaum mehr auf den Beinen halten konnte.

Nachdem sie bei der Heilerin war, traf sie sich mit Karmal im "Prügelraum". Dort sollte sie einen Parcour bestreiten, in dem sie mit dem Zweihänder über Hindernisse springen, unter ihnen hindurchkriechen und ihnen ausweichen musste. Da sie zu langsam war, wurde ihr ein weiterer Tag mit dem Trainingsschwert aufgehalst. Erst nachdem sie den Parcour beim zweiten Versuch in der Zeit schaffte, durfte sie ihren Tag beenden.

16. Peraine 1060; Tag 2

Alice musste sich an diesem Tag mit Shaila, der anderen Novizin ihres Alters, mit denen sie unter anderem ihr Zimmer teilt, messen. Zuerst sollten sie waffenlos miteinander ringen, woraufhin Alice knapp als Siegerin hervorging. Bei der nächsten Übung aber lag Shaila vorne, denn sie sollten über Balken balancieren und schwingenden Sandsäcken ausweichen. Alice tat sich hier mit dem Zweihänder besonders schwer. Die letzte Übung hingegen verbuchte Alice wieder für sich, wobei sie diesmal haushoch gewann, als es darum ging, seinem Gegner mit dem Schwert Püppchen mit Juckpulver aus der Hand zu schlagen.

Nach diesem intensiven Training hatte sich die Anzahl der Tage, an denen Alice den Zweihänder tragen muss, auf 17 Tage erhöht.

Alice unterhielt sich Nachmittags mit Karmal über ihre Ängste und ihre darauf aufbauenden Sorgen, sodass er sie mit in den Hesindetempel nahm, um ihr etwas zu zeigen. Jeweils zwei Gemälde, die dort ausgestellt waren, schilderten die selbe Szene, aber anders dargestellt. So konnte Alice auf zwei Bilder die 3. Dämonenschlacht an der Trollpforte sehen: einmal waren die Streiter ängstlich und hoffnungslos und einmal siegessicher, ja sogar heroisch. Karmal schlug Alice vor, für sie ebenfalls zwei Gemälde von einer befreundeten Hesindegweihten anfertigen zu lassen. Dafür sollte sie sich in eine Situation begeben, in der sie große Angst verspürt und schildern, was sie sieht und denkt. Jemand zweites sollte diese Worte notieren und sich dann dieser Situation ebenfalls aussetzen, um seine eigene Sicht aufzuschreiben. Alice nahm diese Aufgabe an.

17. Peraine 1060; Tag 3

Karmal hatte für heute kein Training vorgesehen, damit Alice sich um ihre neue Aufgabe kümmern konnte. So ging sie schließlich auch direkt nach dem Frühstück zu Thalion, um ihn darum zu bitten, ihr zu helfen. Mit seinem guten Gedächtnis konnte er sich ihre Worte im Dunkeln merken und er selbst verspürte als Praiosgeweihter sicherlich keinen einzigen Hauch der Angst im Dunkeln. Perfekt also.

Natürlich stimme Thalion zu und die beiden fanden sich bald darauf in einem dunklen Keller in Fasar ein. Alice saß bald darauf in einer Ecke und ihr Freund löschte die Laterne. Es vergingen nur wenige Minuten, in denen die Novizin schilderte, was sie sah und fühlte, bis sie so in Panik geriet, dass sie ihren Kopf gegen die Wand schlug. Thalion hinderte sie daran, sich weiter zu verletzen und brachte sie nach draußen. Alice erklärte ihm später, dass sie nun weiß, wovor sie eigentlich solche Angst hat: Nicht vor der Dunkelheit selbst, sondern davor, im Dunkeln ihren Traum erleben und somit das Ende davon erfahren zu müssen: Das Ungewisse, das sie umbringt, wenn sie sich aus ihrem Gefängnis herausgräbt.

18. - 25 Peraine 1060; Tag 4 - 11

Alice hatte in den folgenden Nächten so viel Angst vor der Dunkelheit, wie schon lange nicht mehr. Genau genommen war es eher die Angst vor dem Einschlafen, da sie dort mit ihrem Traum konfrontiert werden könnte. Sie sah daher keinen Ausweg, als die nächsten Nächte zu Füßen der Rondrastatue zu schlafen - eingerollt in ihrer Decke, mit Patroni im Arm und der Laterne in Reichweite. Gerade in dieser Zeit suchte sie oft die Nähe ihrer Freunde, um mit ihnen über ihre Ängste zu sprechen. Schließlich nahm alles wieder seinen gewohnten Lauf und sie konnte nachts wieder etwas aufatmen.

26. Peraine 1060; Tag 12

Karmal besuchte mit Alice erneut den Hesindetempel, da die beiden Bilder, die die befreundete Hesindegeweihte mit den Beschreibungen von Thalion gemalt hatte, fertig waren. Das Gemälde, das Thalions Sicht auf die Situation darstellte, wirkte ruhig und friedlich, fast schon entspannend, was Alice nur schwer verkraften konnte. Wieso sah er nicht, was sie sah? War sie etwas verrückt?! Das nächste Bild aber warf sie komplett aus der Bahn. Sie schrie und brüllte, hockte sich wie in Kindestagen auf den Boden, presste ihre Ohren zu und verschloss sich vor der Welt um sie herum. Denn als sie die Zeichnung erblickte, traf sie die Erkenntnis wie der Blitz: Die Zeichnung zeigte, was sie am Ende des Traumes erblicken würde, wenn sie sich in die Freiheit gegraben hatte.

27. Peraine 1060; Tag 13

Es sprach sich ziemlich schnell rum, dass Alice nachts das Zimmer von Karmal gestürmt hatte, um ihn anzuschreien und ihn mit Vorwürfen zu überhäufen. Glücklicherweise hatte er Nachsicht mit ihrer Situation und es verblieb bei einem Verweis aus seinem Zimmer. Den ganzen Tag über war Alice aber nicht mehr zu sehen, da sie in der Nacht keine Auge zugemacht hatte und nun versuchte, im Hellen Schlaf nachzuholen. Aber auch das wollte einfach nicht gelingen und jeder, der irgendwie versuchte, zu ihr durchzudringen, wurde beschimpft und bedroht. Es hatte keinen Sinn, sie zog sich komplett zurück.

Erst in heutigen nächsten Nacht konnte sie wieder schlafen, da der Schlaf sie einfach zu sich holte, egal wie sehr sie sich wehrte - sie suchte aber wieder die Nähe der Rondrastatue, da sie sich dort am sichersten fühlte.

28. Peraine - 22. Ingerimm 1060; Tag 14 - 48

Der Rückfall war heftig und anders als sonst. Etwas in ihr hatte sich verändert, denn ihre Angst hat plötzlich ein Aussehen bekommen und sie war hin und hergerissen. Das Ungewisse war verschwunden und somit hat die Angst doch eigentlich keinen Nährboden mehr? Andererseits wird sich ihre Angst einen neuen finden und dann wird erneut alles zusammenbrechen.

Es dauerte viele Tage, an denen sie mit ihren Freunden und ihrem Lehrmeister sprach und irgendwann hatte selbst ihr Dickschädel verstanden, dass ihre Angst keinen eigenen Willen hat. Dass nur sie es ist, die ihre Angst stärken oder schwächen kann. Ab da ging es schleichend wieder bergauf. Obwohl sie immer noch jede Nacht dieses Bild vor ihrem Auge sah, wenn sie versuchte zu schlafen, half ihr genau das auch irgendwie weiter. Denn mit jedem neuen Tag machte sie die Erfahrung, dass das Einschlafen sie nicht umgebracht hat. Und schließlich fand sie wieder das Vertrauen in den Schlaf und es war fast alles wie zuvor. Aber nur fast, denn nun kannte sie das Gesicht ihrer Angst und spürte, wie ihr Mut wuchs, dagegen anzukämpfen. Ihre Angst war endlich greifbar und somit auch verletzlich geworden. Alle 3 Tage schickte Karmal sie deshalb auch zum "Kampf" in den Praiostempel, wo Thalion die beiden Gemälde aufbewahrte. Dort stellte sie sich immer wieder dem Bild, was die ersten Male in einem weiteren Rückfall endete, aber schließlich konnte sie das Gemälde betrachten, ohne in Panik auszubrechen.

Abseits ihrer Angst trainierte sie natürlich auch eifrig weiter mit Karmal und Shaila und freundete sich auch mit dem Mädchen und den anderen in ihrem Zimmer an. Sie lernte die ersten Worte und Phrasen auf Tulamidya, arbeitete an ihren Berichten und natürlich trug sie weiterhin den Zweihänder mit sich rum. Denn Karmal kannte in der Hinsicht keine Gnade und mit jedem Training, das verging, häuften sich die Tage, an denen sie die Waffe mit sich führen musste, weiter an. Aber nicht nur das vermehrte sich, sondern auch die weiteren Aufgaben, die Karmal ihr auftrug, damit sie weiter gefordert blieb: Bekämpfe deine Ängste. Schau dir den Sternenhimmel an. Finde die Innere Einkehr.

03. Ingerimm 1060; Tag 49

Endlich war der Tag gekommen, an dem Alice sich bereit fühlte, den nächsten Schritt gegen ihre Angst zu unternehmen. Dies teilte sie ihrem Lehrmeister auch mit in der Erwartung, nun nachts mit ihm trainieren zu dürfen. Stattdessen nahm er sie mit, eine [...]


Anhänge

Thalions Bericht vom 17. Peraine 1060 zum Geschehen im Keller:

Eine Zeit lang ist es still, bevor Alice schildert: "Es ist dunkel... Je länger ich darauf starre, desto dunkler wird es. Dunkel und bedrohlich. Schwarz." Ein hektischer Atemzug ist zu hören. "Es ist kalt. Es ist so verdammt kalt hier. Und still. Viel zu still. Ich hab Angst. Mein Herz zieht sich zusammen." Eine halbe Minute lang schweigt Alice. "Ich kann nicht gut atmen, es riecht modrig. Verfault. Das Nichts ist hier. Eine endlose Leere." Der leuchtende Anhänger an ihrem Hals wird zum Teil bedeckt, als sie ihre Finger darum schließt. "Sie lauern. Ich kann sie nicht sehen, aber ich weiß es, denn ich fühle mich beobachtet. Ich fühle mich... verletzlich. Angreifbar." Alice' Atem wird schneller und hektisch. "Ich kann sie fühlen. Sie streifen meine Haut. Sie greifen nach mir. Die Hände. Von überall. Sie zerren und verlangen. Mein innerstes wird zerrissen. Ihre Gesichter sind tod und leer, aber ich kann sie nicht bekämpfen. Ich werde immer kleiner und sie immer stärker. Wenn ich hier bleibe, werde ich verloren sein." Kurz herrscht Stille. Dann wird dieses von einem Schluchzen unterbrochen und Alice spricht weiter: "Ich höre das Kratzen und das Weinen. Und die Schreie werden lauter. Ich spüre die nasse, feuchte Erde unter meinen Finger. Und Blut. Ich kann es riechen. Ich kann sie riechen. So wie sie meine Angst riechen. Sie werden dadurch mächtiger. Und es wird immer lauter in mir." Ihre Stimme überschlägt sich beinahe, die Hysterie ist deutlich zu hören. "Ich will sie nicht sehen. Aber sie sehen mich und wenn ich hierbleibe, werde auch ich sie sehen." Sie beginnt zu schreien: "Das ist nicht mehr der Keller! Aber ich kann nicht aufhören zu graben!" Ein verzweifelter, panischer Schrei ist zu hören, der in einem dumpfen Pochen gegen die Wand übergeht, als Alice ihre Stirn dagegenschlägt. Die Situation wird sofort aufgelöst, um ernsthafte Verletzungen zu vermeiden.